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Thomas Gottschalk auf der „Wetten, Dass…?“ Couch mit Nicole und Lionel Richie, Michael Ballack, Dieter Bohlen und Michelle Hunziker.

Die Fernsehkritiken der professionellen Medien fallen kurz nach Thomas Gottschalks 60. Geburtstag sehr wohlwollend aus. Niemand traute sich an diesem Sonntag etwas Böses über Gottschalk und die 189. Ausgabe von Europas ehemals erfolgreichster Fernsehshow zu schreiben. Und dafür gab es noch einen anderen Grund als Gottschalks Geburstag: „Wetten, Dass…?“ und sein Moderator waren auf Mallorca gut wie schon lange nicht mehr.

Die Kulisse der mallorquinischen Stierkampfarena war wie schon im Vorjahr beeindruckend, Ein Set-Up, das man sonst aus dem deutschen Fernsehen nicht gewohnt ist und das neben den billigen, mehrfach verwertbaren Grundy-Kulissen bei DSDS oder Supertalent wie aus einer anderen TV-Welt wirkte.

Nachdem ein verletzter Fußballer namens Michael Ballack, DSDS-Opi Dieter Bohlen und Schmuserock-Urgestein Lionel Richie neben der 60-Jährigen Moderationslegende Platz genommen hatten, scherzte ich noch auf Twitter: „Grad bei #wettendass: Zwei Senioren und ein Invalide auf dem Sofa. Willkommen im #ZDF ;)“

Der Gastgeber aber, er wirkte und war jung, konzentriert, gut gelaunt und entspannt. Diesmal gab es keine Meckerei über Quotendruck oder Selbstironie der Zielgruppe längst entwachsen zu sein, sondern gekonnte Seitenhiebe auf die Richtigen:

„Nachher lud Bohlen ihn zur nächsten Runde von „Deutschland sucht den Superstar“ ein – ‚zum Moderieren‘. Und Gottschalk wusste trotz seines Zögerns sofort: ‚Ja, da muss dringend was passieren.'“ (Spiegel Online)

Als die spätere Wettkönigin ansetzte ihre Traktorreifen-Hula-Hoop-Wette zu erklären und das Gewicht des Reifens, den sie um ihre schmalen Hüften kreisen lassen würde, verriet, holte Gottschalk zu einem besonders fiesen Witz aus: „35 Kilo? Soviel hat Nicole Richie mal gewogen.“ Die Adoptivtochter des Sängers litt einst unter einer Essstörung. Gottschalk darf sich inzwischen alles erlauben.

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Michelle Hunziker

Co-Moderatorin Michelle Hunziker, die „Wetten, Dass…?“ in dieser Staffel um viel Charme und Witz bereichert hatte, ging neben einem Gottschalk in Hochform völlig unter an diesem Abend. Auch optisch machte die schöne Moderatorin eine nicht ganz glückliche Figur: In ihrem Outfit war sie vor allem Brust, dabei hat sie doch längst bewiesen, dass sie ganz andere Qualitäten hat.

Nicht ganz so prall sieht es allerdings für die Quoten der in dieser Hinsicht schon länger schwächelnden TV-Show aus. Mit 8,65 Millionen Zuschauern und 32,3 Prozent Marktanteil muss sich die Sommerausgabe von „Wetten, Dass…?“ zufrieden geben. Das sind 600.000 Zuschauer weniger als noch im vergangenen Jahr. Wir wollen hoffen, dass sich Gottschalk darüber nicht all zu viele Gedanken und noch ein paar Jahre weiter macht. Politisch gesehen wäre ich hier für die Rente mit 70. Denn wie Stern.de schreibt:

„Viele Medien nutzten seinen 60. Geburtstag einmal mehr für einen Abgesang auf den Show-Dino und seine blonde Assistentin. Aber am Sonntagabend zeigte er seinen Kritikern, warum man ihn doch vermissen würde, wenn er irgendwann einfach nicht mehr da wäre.“

Und hier noch das Video mit der Wette der Wettkönigin (wird möglicherweise gelöscht werden):

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Schiefe Wahrnehmung: Bild-Chef Kai Diekmann und Springer-Boss Matthias Döpfner, hier bei einem Event in Hamburg im Juni 2009, machen Stimmung gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

In einem großem, aufgeregtem Beitrag schimpft die Bild-Zeitung heute (sogar in ihrem Titelaufmacher) über die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. „Zwangsgebühren! Was kriegen wir dafür? Immer mehr Kanäle, die keiner braucht„, schreibt Bild-Autor Paul Ronzheimer. Der Beitrag ist mit einem Flachbildfernseher illustriert, der die Senderlogos von demnach wohl überflüßigen Fernsehsendern wie „einsfestival“, „3Sat“ oder „ZDFneo“ zeigt.

Der Artikel ist Teil einer aufgeregten Kampagne (DWDL.de schreibt: „Kampagnen-Journalismus vom Feinsten“), in der Verlage, wie der von Kai Diekmann (Bild) und Matthias Döpfner (Axel Springer AG) geführte Axel Springer Verlag (siehe Foto), versuchen, ihr unternehmerisch (weniger journalistisch) motiviertes vermeintliches Hausrecht im Internet durchzusetzen. Unterstützt von Politikern und so manchen Intellektuellen. In Vergessenheit gerät dabei häufig: Die Benachteiligten im „Wettbewerb“ sind in Wirklichkeit die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und die Nutzer. Doch der Umdeutungsprozess ist längst im Gange.

Im Text behauptet die Bild-Zeitung:

Mit Gratisangeboten für Smartphones, Internet-Seiten und zahllosen Sparten- und Sonderkanälen gehen ARD und ZDF immer weiter über ihren gesetzlichen Auftrag der ‚Grundversorgung‘ hinaus…

Was die Internetseiten betrifft, und das scheint die Bild wohl nicht zu wissen, gibt es gar keinen Grundversorgungsauftrag. Was schlecht ist (also das Nichtwissen), denn das wäre doch gerade ein Argument für Bild und die Mannschaft vom Springer-Verlag, die Aktivitäten von ARD und ZDF im Netz besonders kritisch zu sehen. So wie es dasteht, ist es ja eigentlich richtig: Was ARD und ZDF im Netz machen, soll über die Grundversorgung hinaus gehen. Vielleicht wollte man aber auch die Bild-Leser, die hier aufgehetzt informiert werden sollen, nicht überfordern. Tatsächlich nämlich sollen die öffentlich-rechtlichen Angebote im Internet einen „Mehrwert“ besitzen.

Die Beschränkung auf den sogenannten „Mehrwert“ ist aus Sicht des Gebührenzahlers allerdings ein Problem. Volker Lilienthal hat sich in einem Text für „Aus Politik und Zeitgeschichte“ mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag beschäftigt, der eine öffentlich-rechtliche Online-Presse ausschließt, und jene Punkte herausgestellt, die problematisch für die Öffentlich-Rechtlichen und ihre Nutzer sind:

  • Sendungsbezogenheit der Angebote:

In der Aktualität aber ist es schlicht unmöglich, sich an die vorherige Existenz einer Sendung zu halten (…) Würde der 12. RÄStV derart eng ausgelegt, gerieten ARD, ZDF und das Deutschlandradio wettbewerblich ins Hintertreffen.

  • Zeitlich begrenzte Speicherung von Angeboten im Netz:

Die Zeitgrenzen wurden vom Gesetzgeber mit Rücksicht auf das private Fernsehen eingeführt. Rundfunkpolitik, deren eigentliche Aufgabe es doch ist, eine positive Kommunikationsordnung zum Wohle aller zu gestalten, mutiert hier partiell zu einer reinen Wettbewerbspolitik, die Schutzräume für die privatwirtschaftlichen Wettbewerber im dualen Rundfunksystem zu errichten versucht. Zeitgrenzen sind – wiederum aus Nutzersicht gesehen – kontraproduktiv, weil der Gebührenzahler und Staatsbürger das Recht haben sollte, sich zeitunabhängig aus verfügbaren Quellen genau dann zu informieren, wenn ein plötzliches Interesse ihn treibt, oder der Tagesablauf es erlaubt.

Kurzum: Aus Sicht von Journalistik-Professor Volker Lilienthal ist der Wettbewerb eher zu Lasten der öffentlich-rechtlichen Medienveranstalter und nicht zu Lasten der privaten Medienbetriebe verzerrt. Dass es einen solchen Wettbewerb geben soll, stellt jedoch Lilienthal nicht in Frage. Hauptunterscheidungsmerkmal ist für ihn: Die Öffentlich-Rechtlichen sollten nicht anbieten, was die Privaten besser und billiger können.

Derzeit stellen sich viele Medienbeobachter und Medienkritiker und auch manche Verleger(söhne) die Frage, wie man in Zukunft Qualitätsjournalismus finanzieren will. Denn die Europäische Union will – und das schlägt sich ja auch neben dem ohnehin in die gleiche Richtung gehenden Interessen der Verleger im Rundfunkstaatsvertrag nieder – das zunächst einmal private, freie Kräfte in unserer Gesellschaft dafür sorgen, dass bestimmte, für die Menschen wichtige Aufgaben gesichert werden, bevor der Staat da einen Einfluß darauf haben sollte: Energieversorgung, Telekommunikation oder eben auch Journalismus.

Aus diesem Grund haben die Verlage, wie also auch der Springer-Verlag, zu dem die Bild-Zeitung gehört, die Aufgabe, auszuprobieren, wie man einen solchen Journalismus (im Internet) finanzieren kann. Das könnte man etwa historisch begründen oder mit dem Grundgesetz („Eigentum verpflichtet“). Da die Werbeeinnahmen aber nicht auchreichen, denken die Verlage darüber nach, direkt von den Lesern Geld im Internet zu verlangen. Zum Beispiel für ein Programm, mit dem man speziell dafür aufbereitete Inhalte von Bild und Welt auf dem iPhone lesen und anschauen kann. Das Bild also mobil macht, hat damit zu tun, dass Bild mobil macht.

Als Reaktion auf diese Programme des Axel Springer Verlags hat die ARD nun angekündigt eine entsprechende iPhone-Applikation für die Tagesschau ins Netz stellen zu wollen (sog. Tagesschau App). Diese Pläne stießen verständlicherweise bei Springer auf Kritik. Genaugenommen, und das macht die Sache so absurd, widerspricht die Tagesschau-Applikation meiner Ansicht nach nicht der Mehrwertdefinition, ist aber natürlich eine deutliche Provokation. Nicht nur an den Axel Springer Verlag gerichtet, könnte man meinen. Wir erinnern uns: Der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag basiert auf dem Entgegenkommen der damals regierenden Politiker (SPD, CDU) gegenüber den Wünschen profitorientierter Akteure (Verlage) und den Vorgaben der EU.

Selbstverständlich wäre auch ein spendenfinanziertes Journalismus-System, eine funktionierende Blogosphäre und/oder Bürgerjournalismus auch im Sinne der von der EU gewünschten Subsidiarität. Hier wäre es auch die Aufgabe des Staates, eine „eine positive Kommunikationsordnung zum Wohle aller zu gestalten“, wie es Lilienthal geschrieben hatte. Zum Beispiel in dem man Rechtssicherheit für Blogger schafft, so dass diese nicht so leicht abgemahnt werden können. Tatsächlich aber wenden sich deutsche Lobby-Politiker wieder einmal gegen eine Kommunikationsordnung zum Wohle aller, sondern unterstützen die Verlage dabei, ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten weiter auszubauen. Mit dem irren Argument, die Verlagen selber seien das Opfer eines (zugunsten der ÖR) verzerrten Wettbewerbs.

Der CDU-Mann Wolfgang Börnsen sagte in der Bild (via Netzpolitik):

ARD und ZDF gefährden die Medienvielfalt, weil sie dabei sind, ein marktbeherrschendes Kartell zu werden

Auch im aktuellen Bild-Beitrag wiederholt Jürgen Doetz, Vorsitzender des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) diese Mär:

Die Politik muss endlich klare Grenzen setzen. Diese Wettbewerbsverzerrung macht private Anbieter kaputt.“

Und einen bereitwilligen FDPler hat die Bild auch gefunden:

FDP-Medienexperte Burkhard Müller-Sönksen: „Wir brauchen nicht nur eine neue Gebührenregelung, sondern auch eine klare Definition für die Grenzen des öffentlichen Rundfunks.”“

Auch das angebliche „Qualitätsmedium“ des Springer-Konzerns, „Die Welt“, hatte einen passenden Für- bzw. Gegensprecher gefunden, nämlich den CDU-Politiker und Kulturstaatsminister Bernd Neumann:

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lehnt Pläne der ARD ab, die ‚Tagesschau‘ kostenlos auf Smartphones, wie das [sic!] iPhone, anzubieten.

Diese Formulierung ist besonders absurd, da die Tagesschau ja ohnehin kostenlos im Netz, so auch auf Smartphones abrufbar ist, App hin oder her.

Der eigentliche Konflikt ist also nicht ein Programm für ein Smartphone, sondern der Versuch die Deutungshoheit darüber zu bekommen, wer im Journalismus der Zukunft welche Aufgaben haben sollen. Denn eines muss klar sein: kommt es zu einer Medienkonvergenz im Internet, verschwinden damit bisherige Einzelmedien in einem neuen Medium. Und das wäre dann wohl nicht mehr öffentlich-rechtlich.

Manche Intellektuelle, wie etwa Robin Meyer-Lucht von Carta.info, scheinen sich längst auf die Seite der Verlage geschlagen zu haben: viele Beiträge, die klüger geschrieben sind als Bild-Artikel, aber ins selbe Horn stoßen machten zuletzt auf dem Portal mobil gegen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, und deren Versuch ihrem Wettbewerbsnachteil zu entgehen: hier, hier und hier etwa (in einem Kommentar hier auf tvundso.com wehrt sich Robin Meyer-Lucht gegen den Vorwurf der Einseitigkeit). Auch Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel hat schon vor Monaten das intellektuelle Fundament für die jetzige Debatte um den Paid-Content im Verlags-Journalismus bereitet.

Es hat sich also eine unheimliche Allianz gebildet aus Verlegern, Politikern und Intellektuellen. Jeder Konsument von Journalismus muss sich entscheiden, ob ein Journalismus der als große Hauptsäule profitorientierte Verlage wie den Axel Springer Verlag hat, derjenige ist, der ihm den besten Dienst bei Meinungsbildung, Kritik- und Kontrolle im digitalen Zeitalter, also auch im Internet oder auf dem iPhone, leisten kann.

Ich denke, alle potenziellen Produzenten journalistischer Inhalte sollten mindestens gleichberechtigt sein: ein solides öffentlich-rechtliches Fundament, zusätzlich profitorientierte und nicht-profitorienterte private Akteure.

Und jeder soll das produzieren, was er am besten kann. Und bei manchen soll es eben nicht mehr als ein nackt geschütteltes Bild Girl sein. Man muss seine Grenzen eben kennen.

Parteien und Politiker leben in diesem Wahlkampf 2009 den Bürgern Politik- und Demokratieverdrossenheit vor. Die öffentlich-rechtlichen Sender ergeben sich mürrisch dem Diktat des Stillhaltens und Nicht-Diskutierens. Die Konsequenz: Demokratie und Diskurs finden gar nicht mehr oder außerhalb der Parlamente statt.

Bislang hat man den Bürgern immer Politikverdrossenheit unterstellt, inzwischen scheint es auch die Politiker selbst zu treffen. Wobei hier wohl eher eine Demokratieverdrossenheit festzustellen ist. Allen voran geht die Veränderung des Parteiensystems: statt früher drei, dann vier Parteien sind inzwischen fünf Parteien fest verankert im deutschen Bundestag. Ist ein Ende abzusehen? Klaus-Peter Schöppner stellt auf Carta fest: „Das alte Freund-Feind-Denken aus Zeiten der schwarzgelben oder rotgrünen Lagerbildung gehört der Vergangenheit an. Wo früher tiefe Gräben Übergänge fast unmöglich machten, gibt es heute alle paar Meter neue Brücken: Mal breite große, mal schwankende, voller Risiken, deren Fundamente aber mit jeder Wahl sicherer werden.“

Während die kleinen Parteien inzwischen in Regionen von Wählerstimmen vordringen, für die sie früher belächelt wurden (man denke an die 18 Prozent-Kampagne der FDP), scheinen es die großen langsam mit der Angst zu bekommen, vermeiden lieber den Diskurs mit dem Wähler und den Wahlkampf. So waren sich etwa am gestrigen Mittwoch fast alle Anrufer des WDR 5 Tagesgesprächs darüber einig, dass etwa die Wahlplakate den Wähler für dumm verkaufen, unkonkret und verwechselbar sind. Und das trifft auch die kleinen Parteien, die den großen in Banalität und Unbeweglichkeit in nichts nachstehen. „Es wird dem Wähler bei dieser Bundestagswahl wirklich nicht leicht gemacht. Die kleinen Parteien werden auch nicht beweglicher, sind erstarrt in ihrer gegenseitigen Ausschließeritis“, schreibt Michael Spreng. Das trifft natürlich insbesondere auf Grüne und FDP zu, die sich kaum von den beiden (ehemaligen) Volksparteien unterscheiden. Lediglich Die Linke scheint ein wenig sozialdemokratisches und Protestprofil zu haben, doch wie steht es dort mit der praktischen Politik? Das wird sich so schnell nicht beweisen, da mit ihr keiner koalieren will.

Wir haben also: zwei große Parteien, bei denen nicht zuletzt nach dem TV Duell vom vergangenen Sonntag klar wurde, dass man sich in der Großen Koalition ganz wohl zu fühlen scheint. Und wir haben zwei kleine Parteien, die zwar Stimmen gewinnen, aber kaum eigenes Profil, oder gar einen  Gegenentwurf zur aktuellen Politik haben. Und wir haben schließlich eine  linke Partei, der jeder Populismus vorwirft und mit der keiner koalieren will. Aber was bitte ist an „Aus der Krise hilft nur Grün“ oder „Mehr Netto vom Brutto“ eigentlich gehaltvoller als an „Hartz IV abschaffen“?

Und nun fallen auch noch die Arenen weg, in denen sich die Positionen voneinander abgrenzen könnten, in denen man mit oder vor dem Wähler diskutieren könnte: Sowohl Angela Merkel als auch Frank-Walter Steinmeier haben ARD und ZDF Absagen für TV Diskussionsrunden mit den Spitzenkandidaten aller Parteien erteilt. „Die Verweigerung von Kanzlerin und Kanzlerkandidat beschädigt die demokratische Kultur“, kritisierte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

Daraufhin haben nun inzwischen beide Sender die entsprechenden Runden aus dem Programm gestrichen. Das ZDF nahm die für den heutigen Donnerstag geplante Berliner Runde komplett aus dem Programm, die ARD strich heute die für den kommenden Montag geplante Sendung „Die Favoriten“. Statt dessen zeigt die ARD auf dem Sendeplatz am Montag abend „Kämpfe ums Kanzleramt – Die spannendsten Elefantenrunden im deutschen Fernsehen“. Quasi ein „Best of“ als Erinnerung an bessere demokratische Zeiten.

Warum allerdings ARD und ZDF die beiden Debatten-Sendungen scheinbar verschnupft aus dem Programm streichen, wundert mich. DWDL schreibt: „Auch vor den letzten beiden Bundestagswahlen hatte etwa Kanzler Gerhard Schröder nicht an der „Berliner Runde“ teilgenommen, 2002 weigerte sich darüber hinaus auch CSU-Herausforderer Edmund Stoiber. Die Diskussionsrunden fanden damals dennoch statt.“

Wenn Merkel und Steinmeier nicht wollen, dann soll man ruhig noch zwei weitere Male nur mit Grünen, FDP und Linken diskutieren, dann werden CDU und SPD schon sehen was sie von ihrer Verweigerungshaltung haben. Mit der Entscheidung von ARD und ZDF wird diese starre, Wahlkampf und demokratischen Diskurs verweigernde Haltung bei SPD und CDU nur noch unterstützt. Sie ergeben sich quasi dem Diktat der Diskussionsverweigerung und des Stillhaltens und Verwaltens des status quo. Recht erfolgreich: Opposition findet in diesem Wahlkampf kaum statt. Ganz besonders nicht inhaltlich. Was nicht verwundert: Es gibt auch kaum Inhalte.

Es bleiben für mich nur wenige deutliche Schlussfolgerungen aus diesem seltsamen Wahlkampf: Bei Politik- und Demokratie-Müdigkeit, wie sie uns die deutsche Bundesregierung vorlebt, mitmachen und gar nicht erst wählen gehen, etwas völlig anderes wählen und/oder Politik außerhalb der Parlamente machen. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass die Absage an Demokratie und Diskurs diese Grundwerte unserer Gesellschaft außerhalb der Parlamente stattfinden lassen wird. Vielleicht können wir dann bald ja über das Ende der Parteiendemokratie diskutieren?

Bei der Verteilung der Marktanteile im Monat Juni, die der Mediendienst DWDL heute präsentiert hat, erweisen sich die großen TV-Sender als die großen Verlierer. Vom schwächeren Programm der Platzhirsche profitieren vor allem die kleineren Sender, die für ihre Verhältnisse kräftig zulegen konnten.

Sowohl Vox (7,5 +0,4), RTL II (6,9 + 0,6) als auch kabel 1 (6,5 + 0,1) konnten in der Zielgruppe im Monat Juni die Marktanteile steigern. Bei dem Wert von kabel 1 handelt es sich sogar um den besten Monatswert den der kleine ProSiebenSat.1-Bruder jemals erreicht hat. Ähnlich wie im vergangenen Jahr bescherten RTL II die inzwischen soliden Quoten des Dauerbrenners Big Brother ein gutes Ergebnis. Bei Vox handelt es sich nach dem schwächeren Mai um eine Erholung der Quoten. Das ZDF profitiert von der U21-Fußball-EM und legt im Juni einen ganz Prozentpunkt zu, und landet damit ausnahmsweise mal nicht auf einem Allzeittief bei den jungen Zuschauern im Alter von 14 bis 49 Jahren. Die einst erfolgreiche Samstagabendshow „Wetten, Dass…?“ verbucht ebenfalls keinen neuen Negativrekord und landet mit ihrer Mallorca-Ausgabe auf Platz 5 der meistgesehen Sendungen bei den jungen Zuschauern.

Richtig mies sieht es hingegen bei der ARD aus, der Mainzer Sender Das Erste kam mit nur noch 6,1 Prozent Marktanteil bei den jungen Zuschauern auf den schlechtesten Wert seiner Geschichte. Mit der Programmierung von Hollywood-Hits mitten in der Nacht machte der Rentersender vor kurzem noch negativ auf sich aufmerksam. Ich gehe also davon aus, dass der Verlust junger Zuschauer bei der ARD gewollt ist und der Negativ-Wert als Erfolg verbucht wird. 😉

RTL bleibt wie zu erwarten weiterhin Marktführer, verliert aber 0,9 Prozentpunkte und kommt damit auf 15,6 Prozent Marktanteil in er Zielgruppe. ProSieben ist mit 1,2 Prozentpunkten Verlust in der Zielgruppe gar der größte Verlierer (11,4). Beiden Sender fehlen Erfolgsformate wie Top Model oder DSDS, die Sommerersatzshows für die Primetime floppten allesamt. Da RTL auch für die kommende Hauptsaison Quotenhits wie das Dschungelcamp aus dem Programm gestrichen hat, muss man davon ausgehen, dass RTL mit Billigproduktionen der aktuellen Werbekrise ein solides Nullwachstum entgegenstellt.

Unterm Strich können wir aus den Zahlen vielleicht herauslesen, dass das TV-Programm nicht nur im Sommer, sondern auch im kommenden Herbst schlechter werden wird. RTL riskiert erstmal nichts kostspieliges und verlässt sich auf die Quotengaranten DSDS und Supertalent, die ARD und das ZDF wollen kein Programm für junge Zuschauer machen (und wenn sies versuchen, machen sie sich so wie bei „Ich kann Kanzler“ lächerlich). Grund zur Sorge ist das nicht, so bleibt mehr Zeit für DVDs und ausländische TV-Hits aus dem Internet.

Die politische Talentshow „Ich kann Kanzler“ muss man eigentlich auf zwei verschiedene Arten kritisieren. Erstens hinsichtlich der Botschaft die sie, und ihre Kandidaten über Politik und Politiker transportierten, zweitens hinsichtlich der Qualität der eigentlichen TV-Show. In beiden Fällen fällt das Urteil vernichtend aus. „Ich kann Kanzler“ war, kurz gesagt, „beschissen“. Und mit „beschissen“ kennt sich das ZDF hinsichtlich Unterhaltungssendungen ja auch bestens aus.

Das traurigste an „Ich kann Kanzler“ (IKK) war eigentlich das Bild vom Politiker das da transportiert wurde. Man hatte den Eindruck bei Politik ginge es darum, selbst eine Idee zu haben und diese dann möglichst irgendwie durchzukriegen. Wobei diese Idee dann aber nichtmal mutig und jenseits des Mainstream liegen darf, sondern möglichst keinen verschrecken soll. Es ist dieser merkwürdige Zwitter aus dem was einem selbst am meisten nützt und dem Versuch es mit populären Schlagworten, wie Familie, Bildung oder (Steuer)-Gerechtigkeit auf mehrheitsfähig zu trimmen. Also genau das, was Politik in Deutschland ist.

Und ich dachte immer, dass Politiker diejenigen sind, die Ideen, Kritik, Wünsche und Forderungen aus der Gesellschaft aufgreifen und diese dann in Politik umsetzen. Weit gefehlt. Es verwundert daher wenig, dass es da einen Geschäftsführer aus Bayern gab, der folglich in seinem Sinne ein einfacheres Steuersystem wollte. Die arbeitslose, alleinerziehende Mutter von vier Kindern wollte Elternkompetenzzentren (oder so) bauen lassen, der Abiturient wollte das Bildung billiger wird (für die zu Bildenden), die Migrantin will Migranten fördern, der rechte SPDler steht voll auf Ficken und Bildung (Macht Kinder, baut Schulen).

So kochte jeder mehr oder weniger sein eigenes, aber populäres Süppchen. Weder gab es Ideen jenseits des Mainstream (die waren vorher aussortiert wurden), noch ein klare politische Botschaft für eine andere, demokratischere Politik im Sinne aller. Nur die gleiche, geschmacklose, trübe Brühe nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner-Prinzip.

Viel schlimmer wiegt allerdings, dass, wenn die Kandidaten überhaupt etwas zu sagen hatten, 80 Prozent davon hohle Phrasen waren. Beinah hatte man das Gefühl, IKK sei gar keine politische Talentshow, sondern der Versuch Politiker möglichst treffend zu parodieren.

Überhaupt scheint es bei der Auswahl der sechs Finalkandidaten auch gar nicht um Talent gegangen zu sein, sondern darum, dass möglichst jeder Zuschauer sich nicht angepisst fühlt und jede irgendwie populäre Mainstream-Politik-Idee, an der es in der Realität noch happert (Steuern, Bildung, Integration) in der Sendung vertreten ist. Alle Kandidaten waren, wie die FAZ heute schreibt, potenziell mehrheitsfähig, auf der Höhe des Zeitgeistes und wie gemacht für die deutsche Politik. „Nur ja niemanden verprellen. Das hatten die sechs Finalisten der Politcastingshow übrigens gemeinsam.“

Das alles hätte wenigstens unterhaltsam sein können, wäre da eben nicht das ZDF gewesen, dass sich diese ansich ja supertolle Sendung ausgedacht hat. Steffen Seibert, eigentlich ja eher Journalist als Entertainer (was selbst im ZDF ein ungewöhnliches Gegensatzpaar ist), hatte definitiv den Tiefpunkt seiner TV-Karriere. Die nervöse, banale und stinklangweilige Art, wie er die Sendung verwaltete, sollte selbst hartgesottene ZDF-Zuschauern mit der Müdigkeit kämpfen lassen.

Und so ging es auch Anke Engelke, die völlig fehlplatziert war und irgendwie überhaupt nichts zu sagen hatte. Als es darum ging, dass beim späteren Sieger Jacob Schrot Politikerposter im Zimmer hängen, verfiel die Comedienne fast zwanghaft in eine ihrer Rollen aus Ladykracher, was aber auch nicht lustig, sondern irgendwie 2004 war. Die anderen Jurymitglieder Henning Scherf, einst selbst Politiker und Günter Jauch, der seit Jahren erfolgreich einen Journalisten simuliert, blieben im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Und es wundert mich auch überhaupt nicht, dass Jauchs Firma diese Sendung produziert hat.

Das alles war klar. Man muss schon sehr blauäugig sein, wenn man gedacht hatte, das ZDF könnte auch nur irgendetwas spannendes, unterhaltsames, mutiges, jenseits des Mainstream stehenden produzieren. Das ist allein deshalb schon nicht möglich, weil das ZDF sowieso nichts anderes ist, als ein dem Mainstream verpflichtetes Sprachrohr der deutschen Parteiendemokratie, dessen jüngste Ausgeburten es an diesem Abend präsentierte. Der stern schreibt (in seinen TV-Kritiken wie immer treffend):

Zwar wurde ständig etwas von „neuen Ideen für Deutschland“ erzählt, aber diese hießen: mehr Bildung, bessere Familienpolitik, mehr Integration, ein gerechteres Steuersystem, Optimismus und „Machen statt Meckern“. „Peacenicks“ oder „Dritte-Welt-Bewegte“, Globalisierungskritiker, strenge Ökologen oder Feministinnen; auch nur Ansichten, die quer zum Mainstream liegen oder parteipolitische Schemata sprengen, kamen gar nicht erst vor. Auf die Welt schaute keiner. Letztlich maßen nur innenpolitisch fixierte freundliche Kinder der Wohlstandsgesellschaft ihre Fähigkeit zu Rede und Selbstdarstellung.

Mit 6,3 Prozent Marktanteil sendete das ZDF erwartungsgemäß auch an der jungen Zielgruppe komplett vorbei. Mit jungen Ideen und Mut zu einer anderen Politik hatten die Nachwuchspolitker auch ohnehin nichts am Hut. Sie waren lediglich das Abziehbild jedes anderen Berufspolitikers in Deutschland. Immerhin kann man sagen, Jacob Schrot der mit deutlich absoluter Mehrheit zum Sieger des Abends gewählt wurde, hat eine glänzende Karriere als Politiker vorsich. Aber Achtung, nur nicht anecken. So habens Steffen Seibert, Günter Jauch, Anke Engelke und Henning Scherf ja auch zu was gebracht.

tvkritikundso

Habt ihr gestern auch „Wetten, Dass…?“ geschaut? Wahrscheinlich ja, insofern ihr den Abend vorm Fernseher verbracht habt, kam ja auch sonst nix. Vielleicht fangen wir mal mit dem Guten an. Das Publikum war super, die Luftbilder von der Arena auf Mallorca aus der das ZDF sendete, waren toll und die Sprüche die Thomas Gottschalk macht, wenn er ins Publikum geht, haben nichts von ihrem Witz verloren. Festzustellen ist auch: Otto ist immernoch ziemlich lustig.

Mein erster Eindruck am gestrigen Abend von „Wetten, Dass…?“ war der, das ich mich fragte, ob das ZDF Thomas Gottschalk gegen einen Bordellbesitzer als Moderator ausgetauscht hatte. Tatsächlich aber hatte sich Gottschalk nur als Bordellbesitzer verkleidet, um die Sommerausgabe zu moderieren. Im Laufe das Abends störte das Kostüm allerdings nicht weiter.

Gottschalks größtes Problem des abends war allerdings weder, dass Naomi Campbell wieder ausgeladen wurden war, noch das ab und an auchmal etwas schief ging, worüber Gottschalk souverän hinwegmoderierte, sondern seine Bessenheit vom Thema Zielgruppen-Quoten. Gleich mehrmals kokettierte er mit dem Thema in der Sendung. Nachdem unglaublich schrecklichen Auftritt Placido Domingos (eine Wetteinlösung) sagte Gottschalk sinngemäß, jetzt habe er sicher 200 bis 300 Zuschauer in der Zielgruppe verloren, die hole man sich jetzt aber zurück (mit einem Auftritt des mir unbekannten Highschool-Musical Stars Ashley Tishdale).

Und auch als die unerträglichen Prominenten-Kinder von Howard Carpendale und Hardy Krüger auf dem Sofa Platz nahmen, musste direkt nochmal über das Thema Zielgruppe gesprochen werden (die beiden spielen in so komischen Serien mit, die Namen wie „Forsthaus Falkenau“ oder „Der Landarzt“ haben, fragt mich jetzt aber nicht, was das ist). Gottschalk scheint es ziemlich mitzunehmen, dass er in der Zielgruppe nicht mehr so gut ankommt. Dabei gibt zumindest Quotenmeter heute Entwarnung: Gottschalk räumt ab, vergangene Quoten wurden überflügelt, schreibt das Portal über die Ausgabe von „Wetten, Dass…?“ in himmlische Höhen. Und zur Ehrenrettung Gottschalks sei auch gesagt, das er von einem schlechten Moderator noch zu unterscheiden ist und der nachlassende Erfolg von „Wetten, Dass…?“ am wenigsten an ihm liegt.

Mit 9,29 Millionen Zuschauern erreichte Gottschalk allerdings nichtmal so viele Zuschauer wie „The Apprentice“ am vergangenen Sonntag in UK. Darüber, dass britische TV Sendungen die angeblich erfolgreichste Fernsehsendung Europas seit einiger Zeit locker schlagen, hatte ich gestern schon ausführlich geschrieben (Großbritannien hat 20 Millionen weniger Einwohner als Deutschland). Es waren immerhin 60.000 Zuschauer mehr als im März und sogar 35,8 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. „Wetten, Dass…?“ bleibt also erstmal auf Augenhöhe mit Sendungen wie DSDS oder Dschungelcamp (das es zumindest 2010 auch gar nicht mehr gibt).

Auch die Mallorca-Ausgabe von „Wetten, Dass…?“ funktionierte genauso so, wie man das von „Wetten, Dass…?“ gewohnt ist. Das heißt, so wie die Macher glauben, die gesamte Familie erreichen zu können. Es gibt Gäste für die Mutti und Omi, so mal nen Opernsänger zum Beispiel, einen Actionschauspieler für Papi und beinah enthüllte Titten für den Opi, einen Teeniestar und Ice Age (war im Grunde nur eine Werbeeinblendung der Content-Industrie) für die Kleinsten. Das alles für sich genommen nichtmal Mittelmaß ist, wird dabei gerne übersehen.

Bewunderswert ist es, dass Gottschalk immer Gäste einladen kann, die vor allem er selbst toll findet (was dazu führt, dass manche Promis schon gefühlte 50 PR-Termine auf dem „Wetten, Dass…?“ Sofa hatten; Michelle Hunziker war allerdings gerade erst zum vierten Mal da, ich glaube, da muss noch nachgelegt werden). So war es offensichtlich, wie sehr Gottschalk die Musikauftritte von dieser Beatles Coverband und den Simple Minds (nein, dass sind keine öffentlich-rechtlichen Programmplaner) genoß. Da steht er dieser Mann, der sich trotzig und heuchlicherisch gegen die Quotendebatte wärt (die man im ÖR prinzipiell gar nicht führen sollte) inmitten von 9000 Menschen in bester Laune, die Kameras kreisen durch die Arena und für einen Moment hat man das Gefühl eine gute Fernsehshow zu sehen.

Bei diesem Moment bleibt es. Denn es ist vor allem Gottschalks Moment. Alles andere ist handwerklich professionelles Mittelmaß, das Regeln folgt, die vielleicht in den 80er und 90er Jahren mal galten um eine Samstagabendshow zu machen, die aber 2009 keinen mehr vom Hocker reißen. Dieser Moment der Freude, wenn Gottschalk begeistert seinen Lieblingsmusikern zuhört, er überträgt sich nur schwer auf das Publikum zu Hause, und er ist von kurzer Dauer.

In der nächsten TV-Saison wird sich Gottschalk wieder dem Alltag stellen müssen. Da sich RTL in der Werbekrise scheinbar vorgenommen hat kleinere Brötchen zu backen und erstmal nicht mehr als 6 Millionen Zuschauern braucht, die locker mit bewährten und nicht zu teuren Formaten eingefahren werden, droht „Wetten, Dass…?“ auch fürs erste keine Gefahr auf dem deutschen Fernsehthron. Was weiterhin fehlen wird, ist die Fernsehsendung am Samstagabend über die wirklich alle sprechen, in der etwas passiert, was man sehen muss, was man noch nie gesehen hat, die uns verbindet und sprachlos macht.

andere Blogs zu Wetten, Dass…?: Peer Schader über die seltsamen Reaktionen der Spon-Forenuser auf eine Spiegelkritiküber Wetten, Dass…? (von ihm selbst).

tvkritikundso

Wetten, Dass…? 21. März 2009: 9,23 Millionen Zuschauer, 30,6 Prozent Marktanteil (quelle)

Britain’s Got Talent (Performances) 30. Mai 2009: 15,23 Millionen Zuschauer, 71 Prozent Marktanteil (quelle)

Es muss mal Schluß sein mit der Legende, dass „Wetten, Dass…?“ die erfolgreichste TV Show Europas sei. Das stimmt nämlich gar nicht. Hier steht der Wahrheit. 🙂

Die Kritik an Thomas Gottschalk und dem ZDF wächst. Besonders die Kritik an „Wetten, Dass…?“, dem einstigen Flagschiff der Samstag abend Unterhaltung. Während die Quoten von „Wetten, Dass…?“ in der Zielgruppe langsam aber sicher nicht mehr konkurrenzfähig sind und durchaus von DSDS und Dschungelcamp, vielleicht auch bald von „Supertalent“ übertroffen werden, ist Gottschalks Show mit den ewig gleichen Prominenten und den banaler werdenden Wetten bei den Rentnern noch erfolgreich. Angreifbar macht sich das ZDF, Gottschalk und „Wetten, Dass…?“ vor allem mit der immer stärker werdenden Annährung an das private Fernsehen.

Thomas Lückerath von DWDL hat anlässlich der gestrigen Pressekonferenz zur heutigen „Mallorca“-Ausgabe von „Wetten, Dass…?“ einen kritischen Kommentar zu „Wetten, Dass…? und Gottschalk, den er einen Heuchler nennt, geschrieben. Ein paar Auszüge:

„Wer auch immer ihm das vor oder nach seinen Sendungen noch einzureden versucht: Das ZDF-Flagschiff „Wetten, dass..?“ rudert inzwischen mit allen Mitteln, auch denen des Privatfernsehens, um den Erhalt des Einschaltquoten-Niveaus zu sichern. Wenn sich Gottschalk jetzt wieder indirekt über das RTL-„Dschungelcamp“ auslässt, dann muss einem als Beobachter und Gebührenzahler der Kragen platzen.“

[…]

„Im Grunde steckt eine gestiegene Nervosität dahinter.; eine Unruhe, sich äußern und verteidigen zu müssen. Das allerdings will so gar nicht zum Bild des über den Dingen stehenden Gottschalks passen. Des Rätsels Lösung ist einfach: Gottschalk geht die Kritik an seiner Person und seinen Sendungen entgegen öffentlichen Bekundungen sehr nahe. Da muss der Sender seinen Frontmann montags schon mal trösten.“

Das kann man im Grunde so unterschreiben. Allerdings lässt sich Lückerath am Ende seines Textes zu einer seltsam versöhnlichen Wendung hinreissen, statt die einzig logische Konsequenz zu ziehen und zu sagen was „Wetten, Dass…?“ nämlich wirklich ist: Scheiße.

Und das geht etwa so:

Effektiver wäre es, wenn man stattdessen das ganz große Theater um die Show reduzieren würde und sich das ZDF und Gottschalk darauf konzentrieren würden, was sie wirklich können: Europas erfolgreichste Fernsehshow zu stemmen […]

Bitte was? Europas erfolgreichste Fernsehshow? Die erfolgreichste Fernsehshow Europas ist kurz gesagt der Eurovision Song Contest, aber auch wenn man Shows miteinander vergleicht, die nur in einem Land ausgestrahlt werden ist „Wetten, Dass..? maximal die dritterfolgreichste TV Show Europas, denn es wird gleich von 2 anderen Shows geschlagen. „X-Factor“ und „Britain’s Got Talent“ (BGT). Sogar eine Reality Show wie „The Apprentice“ hat teilweise mehr Zuschauer.

Es würde wahrscheinlich nichtmal reichen, die Zuschauer in der Schweiz und Österreich (mal so für die Größenordnung) hinzuzählen, damit „Wetten, Dass…?“ auch nur annähernd so viele Zuschauer erreicht wie „Britain’s Got Talent“, nämlich bis zu 19 Millionen. Das ist zwar die höchste Zahl, aber auch im Schnitt über alle ausgestrahlten Episoden ist BGT erfolgreicher als „Wetten, Dass…?“ und jede einzelne Episode erreichte mehr Zuschauer als die vergangene „Wetten, Dass…?“-Folge.

Um die Legende „Wetten, Dass…?“ sei die erfolgreichste TV Show Europas aufrecht zu erhalten, müsste man schon den Schnitt aller je gesendeten Ausgaben mit dem von allen BGT-Ausgaben vergleichen, damit „Wetten, Dass…?“ am Ende der Sieger bleibt. Was natürlich ziemlicher Quatsch wäre. Was zählt, ist jetzt und hier.

Meedia hat sich vor einiger Zeit den Quotenverlauf von „Wetten, Dass…?“ angeschaut. Richtig ist, früher, da hatte „Wetten, Dass…?“ mal starke Marktanteile und dicke Quoten bis über 20 Millionen Zuschauer. Das ist lange vorbei, inzwischen erreicht Gottschalks Show nichtmal mehr 10 Millionen Zuschauer.

Man könnte jetzt sagen, dass ist ja trotzdem die erfolgreichste Sendung in Deutschland (zumindest beim Gesamtpublikum) und die Zeiten haben sich geändert und so weiter. Britain’s Got Talent aber zeigt mit fast 20 Millionen Zuschauern und Marktanteilen bis zu 70 Prozent, wie man heutzutage Fernsehen macht und genauso erfolgreich ist, wie „Wetten, Dass…?“ früher in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mal ganz abgesehen davon, dass anders als beim ZDF, Millionen weitere Menschen die britische Sendung weltweit im Internet anschauen

Fakt ist: „Wetten, Dass…?“ ist nicht die erfolgreichste TV Show Europas.

2500 Deutsche im Alter von maximal 35 Jahren haben sich beworben, 40 kamen in die engere Auswahl, 6 fahren zum großen Finale nach Berlin am 19. Juni. „Ich kann Kanzler“ heißt das Politikercasting im ZDF, auf das der Sender allerdings wenig Lust zu haben scheint. Nur drei Sendetermine gibt es für die ansich geniale Show-Idee, einen davon offenbar mitten in der Nacht (Screenshot Programmsuche bei klack.de).

Wahrscheinlich muss man froh sein, dass das ZDF überhaupt sowas macht und „TV-Minister“ Roland Koch nichts gegen eine solche Sendung hatte. Statt einer spannenden Reality-Show im Apprentice-Stil also vermutlich eine biedere Prime-Time-Show mit vorgeschobenen Minibericht und dem ausführlichen Teil der Vorentscheidung unter Publikumsausschluß im Nachtprogramm. Naja, ZDF eben.

So funktionierts: die 40 Bewerber die sich der Jury stellen mussten, wurden von der ZDF-Redaktion der Sendung ausgewählt. Danach prüfte die dreiköpfige Jury die Entscheidungsstärke, Rhetorik und das Wissen der Bewerber. Die Jury besteht aus TV-Moderator Günther Jauch, dem früheren Bremer Bürgermeister Henning Scherf und Komikerin Anke Engelke. Was Jauch und Engelke für die Jury qualifiziert ist bislang völlig unklar. Darüber wer Kanzler wird, stimmen in der Show am 19. Juni die Zuschauer ab. Moderator ist Steffen Seibert.

DDP berichtet über Aufgaben, denen sich die 6 Finalkandidaten in der Show stellen müssen: Die Kandidaten müssen ihre politischen Ideen in einer Rede oder Debatte darstellen und verteidigen. Außerdem müssen sie spontan eine Entscheidung zu einer politischen Krisensituation treffen sowie sich kritischen Fragen von Journalisten stellen.

Die Finalisten stehen inzwischen fest: Jacob Schrot, 18 Jahre aus Brandenburg, Antje Krug (31), vierfache Mutter aus Thüringen, Siegfried Walch (25) aus Inzell in Bayern, Delano Osterbrauck, ein 18-jähriger Schüler aus München, Philip Kalisch (30) aus Hamburg und Nuray Karaca (18) aus Wiesbaden.

Einer dieser sechs wird am 19. Juni dann zum Kanzler gekürt. Dem Gewinner winkt das echte Monatsgehalt von etwa 20.000 Euro eines Bundeskanzlers sowie ein Praktikum im Bundeskanzleramt.

Der Branchendienst kress report hat die erfolgreichsten TV-Sendungen der Saison 2008/2009 anhand der Einschaltquoten in der Zielgruppe der 14- bis 49jährigen Zuschauer ermittelt. Das teilt der Dienst heute in einer Presseaussendung mit. Demnach löst „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) den bisherigen Primus „Dr. House“ auf dem ersten Platz ab. Der ausstrahlende Sender RTL kann sich zudem über 44 Formate in den Top 100 der meistgesehenen Sendungen freuen, das ist einsame Spitze. Mit Ausnahme von „Wetten, Dass…?“ (ZDF) auf Platz 7 sind zudem ausschließlich RTL-Sendungen in den Top 10 vertreten.

ProSieben folgt mit 27 Platzierungen in den Top 100 auf dem zweiten Platz, danach kommen Sat.1 mit 14, das ZDF mit sechs, Das Erste (ARD) mit fünf, Vox mit drei und RTL II mit einer Platzierung in den Top 100. Alle weiteren Sender sind folglich gar nicht in den Top 100 vertreten.

Die erfolgreichsten Neueinsteiger im Ranking sind „Die 10…“ auf Rang drei, „Das Supertalent“ auf Rang acht und „Die Ausreißer – Der Weg zurück“ auf Rang elf. Auch das alles Formate vom Sender RTL, der ohnehin schon 200 Monate ununterbrochen Marktführer in der Zielgruppe ist.

Hier die kompletten Top 10:

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Ich muss gleich mal zugeben, dass ich die neue „heute-show“ mit Oliver Welke nicht sehen wollte und nicht gesehen habe, allerdings habe ich mir inzwischen einige Ausschnitte in der ZDF-Mediathek angesehen, in denen erfreulicherweise zum Beispiel Martina Hill und Olaf Schubert (die ich beide toll finde) vorkamen.

Olaf Schuberts Interview mit einem Bankexperten und seinen (Schuberts) Kommentar: „Die Menschen warten ja eigentlich auf kurze, einfache Antworten, sie  verstehen die großen, komplexen Zusammenhänge ja sowieso nicht. Wir haben ja die Aufgabe sie zu beruhigen“ fand ich allerdings recht gelungen.

Lachen musste ich insgesamt trotzdem nicht so richtig, was unter anderem daran lang, dass etwa beim gut zusammenmontiertem Beitrag zur Bundespräsidentenwahl, die Komik durch Welkes Kommentare wieder zerstört wurde. Raum für Störungen wird Welke allerdings nicht zu viel gegeben, die Reporter sind die wahren Helden der Sendung. Und einer muss ja der Stichwortgeber sein.

Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich auch nicht über die „Wochenshow“ oder über die „Daily Show with Jon Stewart“ lachen kann, auf denen das neue ZDF-Format offensichtlich basiert (mit einem Hauch „switch“ dazu).

Maßgeblicher als meine Meinung ist das schon die bekannter deutscher TV-Kritiker, und die sind zu meiner Überraschung recht gespalten in ihrer Beurteilung der Show.

Michael Reufsteck vom fernsehlexikon.de fand die heute-show gut:

Was viele überraschen dürfte: Die Show war gut. Natürlich reichte sie nicht an die Daily Show heran, aber hey, es war erst die Premiere. Man merkte den meisten Beteiligten an, dass sie vom Original nicht nur schon mal gehört, sondern es sogar schon mal gesehen hatten, und vor allem Martin Sonneborn und Christian Ehring als „Reporter“ erinnerten sehr an das was die Amerikaner so gut machen.

Peer Schader vom Faz-Fernsehblog fand die heute-show hingegen eher schlecht:

Das klingt fast aufklärerisch – wirkte aber in der ersten Ausgabe so hoffnungslos altmodisch, dass man sich am liebsten Urban Priol und „Neues aus der Anstalt“ von vorher zurückgewünscht hätte, wo schon dieselben Scherze über die „WUMS“-Europawahlplakate der Grünen gemacht wurden (nur eben früher). Und im „Entlarven“ sind definitiv die Kollegen von „Toll!“ bei „Frontal 21“ besser. Das alles wäre aber gar nicht mal weiter schlimm, wenn das ZDF endlich öffentlich zugeben würde, was es eigentlich vorhat: so zu werden wie Sat.1 in den 90ern.

Ja, was denn nun? Am besten selber angucken, falls noch nicht geschehen. Wiederholungen der heute-show: ZDFinfo, 29.5., 21:30 Uhr; 3Sat: 30.5. 23:50 Uhr.

Die eigentlich noch nicht wirklich stattgefundene Debatte ums deutsche Fernsehen, die manche um die Qualität der Programme selbst, manche um die Frage nach mehr Kultur und Bildung im Fernsehen und die andere gar nicht führen, hat ihre erste abgesetzte Sendung zur Folge: das ZDF hat sich von Elke Heidenreich getrennt. Mit sofortiger Wirkung. Auch die beiden noch ausstehenden „Lesen!“-Episoden für 2008 werden nicht mehr produziert. Realsatire.

Nachdem Marcel Reich Ranicki wegen seiner Verärgerung um den Deutschen Fernsehpreis denselben abglehnt hat, hatte Heidenreich in der Folge zwei wütende, manche würden sagen unbeherrschte, Artikel in der FAZ geschrieben, in denen sie zunächst Ranickis Reaktion verteidigte, später das Angebot direkt rausgeworfen zu werden widerrufen und dem ZDF den Kampf angesagt hatte. Heidenreichs Hauptmotiv war wohl, ihre eigene Sendung auf einen besseren Sendeplatz zu verlegen, vielleicht aber auch nur Frustration. „Sie hungern uns aus“, schrieb sie und warf dem ZDF sowie indirekt Programmdirektor Thomas Bellut Unkenntnis, Unsensibilität, Oberflächkeit und bürokratisches Unvermögen vor. Dann kam noch der peinliche Auftritt Gottschalks und Ranickis dazwischen, als sie eine halbe Stunde über Fernsehen diskutierten wollten, aber nichts zu sagen hatten. Und Ranicki macht Werbung für T-Entertain, ein Pay-TV-Packet der Telekom. Elke Heidenreich nannte Gottschalk in der Bunte keinen guten Moderator mehr und „einen müden alten Mann“…

Ein „Schmierenstück in fünf Akten“ nennt Mark Stöhr von der Zeit das alles, versteht aber die Entscheidung des ZDF:

Die Darsteller machten daraus jedoch eine Inszenierung eigener hochschießender Eitelkeiten und verletzter Empfindlichkeiten. Die Intendanz schaute lange hilflos zu und zog jetzt die Notbremse. Man kann ihr keinen Vorwurf machen. Sie hatte keine andere Wahl, schon der eigenen Glaubwürdigkeit wegen.

Anders Stefan Niggemeier. Er wirft auf seinem Blog den ZDF-Entscheidern bräsige Arroganz und Ignoranz vor. Die Entscheidung Heidenreich rauszuwerfen zeige die Unfähigkeit Größe zu zeigen:

Es ist entlarvend, dass das ZDF den unfairen Kritiker Reich-Ranicki für seine ahnungslose Pauschalkritik mit einer Sendung belohnte, die Kritikerin Heidenreich für ihre begründete Pauschalkritik aber bestrafte, indem es ihr die Sendung wegnahm.

Mehr noch. Mit „Lesen!“ trifft es jetzt ausgerechnet eine Sendung, die von der Qualitätsdebatte gar nicht betroffen war. Die Entscheidung des ZDF sagt genauso viel über den Sender und sein Programm aus, wie Marco Schreyls peinlich-trotziger Seitenhieb beim TV-Preis auf die Kritiker des DSDS-Formats. Es ist die Unfähigkeit sich Kritik zu stellen, ernsthaft über besseres Fernsehen zu diskutieren, innovativ zu sein und statt dessen lieber am Gewohnten festzuhalten, den irgendwie funktionierts ja doch. Und gerade weil das Programm der Privaten so schlecht sei (was es nicht ist) ruhen sich ZDF und ARD auf dem Status des relativ gesehen nicht ganz so schlechten Fernsehens aus. Gebührenfinanzierte Schunkelstunden mit den aufgegelten Volksmusikanten, seifige Schnulzenserien, müde Gottschalks und Elstners und all dem Mist, der viel viel schlimmer ist als jedes DSDS-Casting.

Es geht ja leider nichtmal darum, dass das was Fernsehen heute ist, die Formate die so geliebt werden (Casting, Reality) mit dem Bildungs-, Kultur- und Unterhaltungsauftrag zu füllen oder endlich, endlich mal gute Filme nicht 0 Uhr zu versenden, sondern viertel nach neun. Es geht leider nur darum, ob man nicht vielleicht einen Kanal zur Hochkultur öffnen kann und zur Bildung. Aber nichtmal dazu sind sie alle in der Lage. Statt dessen keifen sie sich an, die alten Männer und Frauen, die gar nicht wissen, was Fernsehen ist und kann.

Zur Debatte um die Qualität des deutschen Fernsehens, die Literaturkritiker Marcel Reich Ranicki versehentlich ausgelöst hatte, weil ihm die Verleihung des deutschen Fernsehpreises verständlicher Weise nicht zugesagt hat, schreibt Harald Martenstein vom Tagesspiegel ein paar grundlegende Worte:

Erfolg und Qualität – das sind, bei Büchern, bei Sendungen, bei Musik, generell, zwei grundverschiedene Eigenschaften. Manchmal fällt beides zusammen, manchmal nicht.

Und damit sind wir schon bei den Grundproblemen des deutschen Fernsehens. Das erste ist, dass der Erfolg vieler Formate im Privatfernsehen sich nicht mit deren Qualität deckt. Wobei hier grundsätzlich von einer auf das Genre gerichtet Qualität gesprochen werden sollte. DSDS ist zum Beispiel ein schlechtes Beispiel: schreckliche Jury, träge Moderation, kaum gute Kandidaten. Gegenbeispiel wäre X-Factor vom Pop Idol-Erfinder Simon Fuller (DSDS) im britischen ITV; Hier mal 3 Kandidaten zur Illustration: 1, 2, 3. Die Qualität wird zum Beispiel schon allein dadurch besser, dass ältere Kandidaten teilnehmen dürfen. Dabei kommt X-Factor ebenfalls von der RTL Group (FremantleMedia), man weiß also wies geht, aber vielleicht ist das deutsche Publikum zu sehr auf niedrigen Anspruch konditioniert?

Betrachtet man den unglaublichen Erfolg und die Akzeptanz beim Publikum, die Reality Formate und Casting Shows haben, so können etwa öffentlich-rechtliche Sender nicht die Augen davor verschließen, schließlich haben sie auch einen Unterhaltungsauftrag. Und während bei RTL und Co. systembedingt (Quotendruck, Rendite, Zielgruppe) Qualität und Niveau leiden können (nicht müssen), wie wäre es, wenn die ÖR solche Formate in ihr Programm holen? Die ARD hats mit dem „Steinzeitexperiment“ schon gemacht, und war damit interessanter und spannender als jede Survivor-Staffel (CBS). Die BBC in Großbritannien war auch mutig und hat das Apprentice-Format von Reality-Pionier Mark Burnett (u.a. eben auch Survivor) ins Programm aufgenommen, ohne bezahlte Business-Tasks, dafür mit Witz, Intelligenz und Charme – und damit unzählige Preise gewonnen (und Quoten, die realtiv gesehen noch über denen von DSDS in Deutschland liegen, eine deutsche Apprentice Version ist allerdings 2005 mit Big Boss gescheitert).

Warum nicht also auch eine Castingshow oder eine Reality auf ARD und ZDF (gut, Gottschalks Musical-Casting gabs ja), aber eben ganz anders produziert als auf RTL oder CBS, mit Kandidaten allen Alters, klassischer Musik? Oder wie wäre es mit einem Amazing Race durch die Kulturhaupstädte Europas? So würde sich moderne, zeitgemäße Unterhaltung, Kultur und Bildung vereinen, ohne dröge oder belehrend zu wirken.

Auch unerklärlich, warum so viele Filmperlen im deutschen Fernsehen zur Nachtzeit, statt zur Primetime laufen. Das großartige BBC-Drama „State of Play“ zum Beispiel versendete Arte mitten in der Nacht (naja fast), in jedem Fall quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Und das ist nur eines von vielen Beispielen.

Um all dies wird es am Freitag 22:30 Uhr bei der Diskussion zwischen Gottschalk (sic!) und Ranicki vorrausichtlich nicht gehen, und um Privatfernsehen und Unterhaltung schon gleich gar nicht. Es geht vermutlich dann um Hochkultur. WDR-Intendatin Monika Piel hat derStandart zufolge schon angedeutet, dass im Ersten Programm zur Hauptsendezeit Events, Kultur wie Theater- oder Operninszenierungen wie auch Dokumentationen gesendet werden könnten.

In dem Fall bleibt Kultur dann aber Kultur und holt die Leute weder dort ab, wo sie sind, noch macht es jenen, die sich gar nicht mehr mit (Hoch)Kultur beschäftigen, dieselbe schmackhaft. Wenn man denn Kultur im Fernsehen möchte, dann muss man auch mit den Mitteln des moderenen Unterhaltungsfernsehens und seinen Formaten arbeiten. Und da ist es übrigens völlig verfehlt jetzt etwa auf RTL zu schimpfen oder sich über deren vermeintliche Doppelmoral lustig zu machen. Gerade die RTL Group hat spannende und innovative Formate entwickelt und vorangetrieben. Jetzt gilt es sie im ÖR mit dem Programmauftrag zu füllen. Vielleicht interessiert sich jemand für Puccini, nachdem er in einem hochwertigen Gesangswettbewerb auf ARD oder ZDF etwas daraus gehört hat? Dann können wir nochmal über die Opernübertragungen reden.

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