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Kleines Fräulein, große Wirkung: Sentimentale Verbindung der Europäer.

Die Massenmedien als Opium fürs Volk werden in der Postdemokratie, auf die wir zugehen und vor allem in Krisenzeiten immer wichtiger, etwa um Revolutionen vorzubeugen. Britain’s Got Talent und X Factor brachten die Briten 2009 durch die Krise. Nun ist es die 19jährige Lena die Deutschland und Europa für den Moment wieder versöhnt. Ein Stück über die Propaganda in der Mediengesellschaft.

Als Lena Meyer-Landrut, die eigentlich nur noch Lena heißt, um die Herkunft aus einer Diplomatenfamilie abzustreifen, gestern Abend kurz nach 00 Uhr zur Siegerin des Eurovision Song-Contest (Artikel: Wir sind Lena) wurde, saßen 20,45 Millionen Deutsche vor den TV Geräten. Eine Einschaltquote für eine Unterhaltungssendung, die man aus den primitiven Produktionen von RTL, etwa DSDS, gar nicht und ansonsten nur aus Großbritannien kennt. Als die Briten im letzten Jahr von der Wirtschaftskrise so hart wie kaum ein anderes Land getroffen wurden, erzielten das britische Supertalent (Britain’s Got Talent) und Europas erfolgreichste Casting-Show „The X Factor“ ebenfalls Quoten von bis zu 20 Millionen in der Spitze.

Stabilisierung und Eskapismus

Die Flucht in ein alle Menschen verbindendes mediales Ereignisse, der Eskapismus in die Popkultur – er ist ein wichtiger Faktor zur Stabilisierung des kriselnden Kapitalismus und in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkter Regierungen. Gordon Brown halfen Susan Boyle (Britain’s Got Talent, über 20 Millionen Zuschauer), Lord Sugar (Apprentice, 10 Millionen) oder Joe McElderry (X Factor, 16 Millionen) zwar wenig, und auch Angela Merkel wird persönlich nicht viel von Lena profitieren – aber: sie beruhigt die Massen. Ihre gelassene Art mit dem Medienrummel umzugehen, ihr unverkrampftes Verhältnis zur ihrem Heimatland, ihr manchmal unschuldiges, manchmal freches Selbstbewusstsein, es hat die Deutschen und die Europäer ein Stückchen näher zusammengebracht.

Narkotikum und Stimulanz

Als Deutschland 1942 in den Wirren des zweiten Weltkriegs war gab es im Deutschlandsender die sogenannte Weihnachtsringsendung. Aus Köln rief der Sender damals 30 Nebenstellen an, Soldaten, Offiziere an den verschiedenen Fronten, an denen sich die Deutschen befanden. Das für die damalige Zeit eindrucksvolle Medienevent erzielte seine propgandistische Wirkung durch seine Unmittelbarkeit und seinen Livecharakter, erklärt das Deutschlandradio 1997 in einer Dokumentation (oben verlinkt).

Ein ähnliches Event, dass diesmal nicht der Motivation der deutschen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg, sondern einem humanerem Ziel: dem Zusammenhalt in der ersten großen Krise Europas dienen soll, hatten sich die Strategen der europäischen Rundfunkanstalten ausgedacht, einen Flashmob:

„Als Narkotikum und Stimulanz um die millitärischen Rückschläge vor allem bei Stalingrad zu erdulden, dazu diente die Weihnachtsringsendung des Deutschlandsenders. Auf Anordnung von Propagandaminister Joseph Goebbels wurde so zwischen den Soldaten an der Front, den Rundfunkanstalten und den Hörern zu Hause eine sentimentale Verbindung inszeniert, ein Menetekel aus Faszination und subtiler Gewalt.“ (Deutschlandradio)

Auch der Flashmob der Eurovision Song Contest-Macher hat es auf die sentimentale Verbindung zwischen den den Fans in Oslo, mit denen er einleitet, denen in europäischen Städten auf  Straßen und Plätzen und jenen 120 Millionen in den Wohnzimmern abgesehen. Genau wie bei der Weihnachtsringsendung ist nicht klar, wieviel von dem Geschehen wirklich live ist und wieviel vorab aufgenommen wurde.

System der Selbstberuhigung

Die großen Massenmedien schreiben diese Idee von der neuen Einigkeit Europas mit ihren Mitteln fort, nachdem sie wochenlang die Krise beschworen, auf die Griechen geschimpft und die Rückkehr der D-Mark diskutieren wollten:

„An diesem Abend in Olso ging es nicht um Rettungsschirme, Milliardenbürgschaften, Euroskepsis und Inflationsängste. Deutschland hat Europa einfach mal etwas geschenkt. Und Europa hat sich mit vielen ‚douze points‘ und ‚twelve points‘ bedankt.“ (FAZ)

Gideo Rachmann, ein Blogger der Financial Times, der uns von außen beobachtet hat, spürte sie auch, die Entspannung die Lenas Seg dem Deutsch-Europäischen Verhältnis schenkte:

„Many of these criticisms strike me as unfair – and also, rather unwise, given that they are often accompanied by a demand for the Germans to stand ready to write another large cheque.

But the deterioration in relations has left the Germans feeling distinctly unloved. You can sense the relief at Lena’s victory in the headlines in the German papers. Today’s Bild am Sonntag, shouted – ‚Europe Does Like Us.'“

Screenshot: bild.de

Der Onlineableger der auflagenstarken Springer-Zeitung überbietet sich heute schon den ganzen Tag mit Schlagzeilen, die einerseits die deutsche Seele trösten („Wir sind jetzt Schwarz Rot Lena“), andererseits nun auch plötzlich europäische Gemeinsamkeit in den Fordergrund stellen.Und im Fernsehen läuft eine Sondersendung nach der anderen.

Das interessante daran: Anders als in faschistischen Gesellschaften funktioniert die Propaganda nicht als Mittel der Herrschenden, sondern aus der Gesellschaft selbst heraus. Es ist offensichtlich, dass viel mehr Deutsche bereits europäisch denken und fühlen wollen, als man bei der Bild anfangs wohl dachte. Die neue Einigkeit Europas, sie ist vor allem eben auch eine in Deutschland gefühlte. In der ausländischen Presse habe ich kaum etwas über Lena lesen können.

Es ist, als hätten wir ein System der Selbstberuhigung geschaffen, dass inzwischen in der Lage ist entsprechende Götzen zu produzieren.

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Lena bei ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest in Olso

Lena Meyer Landrut hat den Eurovision Song Contest 2010 gewonnen. Zusammen mit Stefan Raab tritt sie in die Fußstapfen von Nicole und Ralph Siegel, die einst den Gesangpreis nach Deutschland holten. 28 Jahre ist das jetzt her. Seitdem gab es dann nicht mehr viel. Und Nicole musste als Symbol einer besseren Zeit einen langen Dienst tun. Dabei wollte sie nur ein bisschen Frieden.

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Sie hats geschafft: Lena ist Europameisterin im Singen.

Doch jetzt ist alles anders.  Die neue Nicole heißt jetzt Lena. Und Lena wurde heute zur Legende. Schon vor dem Abschluß der Punkteauswertung war der deutsche Beitrag uneinholbar vorne. 246 Punkte sollten es am Ende des Abends 00:11 Uhr werden,  246 Punkte aus ganz Europa mit denen die 19jährige Abiturientin aus Hannover die überwältigte Gewinnerin des Eurovision Song Contest wurde. Man kann sagen, sie und Stefan Raab haben sich mit diesem Projekt unsterblich gemacht. Europameister im Singen! Ganz ohne Ballack! Das Wunder von Oslo! Die Heldin von Oslo, sie wird morgen in Hannover empfangen. Und dann heißt es für einen Tag in Deutschland: Wir sind Lena!

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Lena feiert ihren Sieg beim Eurovision Song Contest

Und mehr noch: Jetzt ist endgültig bewiesen, dass man in Deutschland dazu in der Lage ist mit einer Castingshow ganz anderen Typs als dem primitivem DSDS einen Superstar von internationalem Format aufzubauen. Es war der zweite Februar, da schrieb ich über die erste, noch etwas holprige Ausgabe von „Unser Star für Oslo“: Schülerin rettet erste „Unser Star für Oslo“ Show. Am folgenden Tag teilten fast alle Medien den Aufhänger: die quirlige Göre mit der ungewöhnlich mutigen Musikauswahl hatte mit ihrer frischfrechen Art offenbar Eindruck hinterlassen. Doch bis zuletzt konnte sich wohl niemand so recht vorstellen, dass aus dem Knaller, der die etwas träge erste Oslo-Show bei ProSieben rettete, mal der Gewinner des Eurovision Song Contest werden würde.

Als der Abspann über den Bildschirm lief und Lena ihren Song „Satelite“ noch einmal gesungen hatte, sagte sie noch: „Ich weiß nicht wo ich hinsoll, ich quatsch einfach noch ein bisschen“. Die Richtung ist jetzt ganz klar: nach ganz oben. Was ihr erstes Album „My Cassette Player“ betrifft – da ist noch viel Luft in diese Richtung. Und man kann sich ziemlich sicher sein, dass wir Lena – anders als alle DSDS Gewinner – in 40 Jahren noch in diversen Fernsehsendungen sehen werden. Ihr Lied „Satelite“ wird dann ein vielleicht ein Kult-Oldie sein.

Ergebnisse des 55. Eurovision Song Contest

Kulturkritik: Lenas Wunder von Oslo und die neue Einigkeit Europas

Lena – Auftritt beim Eurovision Song Contest:

Roundup | Weiter sind: Cyril Krueger, Kerstin Freking, Jennifer Braun, Leon Taylor, Christian Durstewitz, Katrin Walter, Lena Meyer-Landsrut, Sharyhan Osman. Raus sind: Meri Voskanian, Maria-Lisa Straßburg

„Es geht einen Tick zu sehr um Musik und die Teilnehmer werden zu wenig gedemütigt“, sagte König Boris später am Abend bei TV Total scherzhaft über „Unser Star für Oslo„. Der deutsche Funrapper war neben Nena in der dritten Ausgabe der Casting Show Mitglied der wöchentlich wechselnden Jury. Als in der Woche zuvor zum zweiten Mal fünf von zehn Kandidaten für die dritte Show ausgewählt wurden, saßen Sarah Connar und Peter Maffay im Jurysessel. Wie immer war die Jury nicht unbedingt das Highlight der Show. Doch Stefan Raab als Jurychef bemüht sich inzwischen für etwas Lockerheit zu sorgen.

Sessel wie gesagt. Ein Pult wie in anderen Casting-Shows gibt es hier ja nicht. Das soll wohl die Barriere zwischen fiesen Juroren und Kandidaten auflösen. Nena rümpfte überhaupt die Nase darüber, großartige Bewertungen abgeben zu müssen, ähnlich wie Marius Müller Westernhagen in der ersten Show. Ganz auf die Publicity und darauf später die neueste Platte bei TV Total in die Kamera halten zu können, wollte die ewig junge Schmuserockerin aber nicht verzichten.

Vom Alter her optisch kaum unterscheidbar aber in realen Erdenjahren doch wenigstens eine Generation entfernt, waren die zehn Kandidaten, die in der aktuellen Show auftraten und von denen acht übrig bleiben sollten. Meri Voskanian, die schon in vielen Casting Shows, darunter DSDS und der armenische Eurovision Vorentscheid (oder so), ausgeschieden ist und die gesundheitlich angeschlagene Maria Lisa Straßburg sollten zu den anderen beiden gehören. Gleichwohl – darüber, in der zweiten Runde bei „Unser Star für Oslo“ auszuscheiden ist immernoch weniger beschämend als bei DSDS zu gewinnen. Um genau zu sein: eigentlich gar nicht.

Während ich mich die ganze Show über fragte, ob nicht DSDS-Kandidat und Shootingstar Menowin plötzlich auftauchen wird, um „99 Luftballons“ mit seiner Kinderstimme zu singen (Die durchaus nette und funktionierende „vom Knacki zum Schmusebär“-Storyline wäre sicher nach Nenas Geschmack), lieferte Kandidatin Sharyhan Osman einen beeindruckenden Beweis für die musikalische Überlegenheit des Raab-Formats. Sie sang einen beeindruckenden selbstgeschriebenen Song, der gefühlt 1000 Mal besser klang als alle Songs, die Dieter Bohlen jemals für einen DSDS-Gewinner geschrieben hat, zusammen. Auch Publikums-Favoritin Lena, die vier Schultage hintereinander Abitur-Klausuren geschrieben hatte („Das ist aber das Leben eines Schülers, das erlebe nicht nur ich“), konnte wieder einmal mit einem unbekannten Song überzeugen. Als Fundgrube für unbekannte aktuelle Musikperlen könnte die 18-Jährige locker ein Spex-Abo ersetzen.

Auch Katrin Walter („Warwick Avenue“), Kerstin Frecking („Not Ready To Make Nice“) oder Jennifer Braun („Like The Way I Do“) waren musikalisch besser als viele der Kandidaten, die sich am Wochenende bei DSDS mit deutlich leichteren Melodien herumquälten und in dem einem oder anderen Fall auch komplett versagten. Gleichzeitig stehen aber auch die Kandidaten von „Unser Star für Oslo“ dem Wiedererkennungswert eines Menowin, eines „Checkers“ oder dem mit dem Hut aus DSDS in nichts nach. Hatte ich am Anfang noch zahlreiche Kandidaten bei „Unser Star für Oslo“ als langweilig bezeichnet, so ist inzwischen das Gegenteil der Fall: „Jetzt wo man alle schon kennt, macht die Show auch gleich mehr Spaß!“, kommentierte ich auf Twitter.

Und tatsächlich: es macht inzwischen tatsächlich Spaß, sich die Auftritte der verbleibenden Kandidaten anzuschauen, auch wenn man nicht Musik studiert oder den ganzen Tag im Probekeller rumhängt. Nicht wenige waren am heutigen Abend der Meinung: Können wir nicht alle nach Oslo schicken!? Schon jetzt freue ich mich auf die Auftritte der verbliebenen Acht. Auch Moderator Obdenhövel kommt langsam in Normalform. Als König Boris einen Künstler aus seiner aktuellen Playlist mit den Worten „Kennt ihr wahrscheinlich nicht“ kommentierte, antwortete Obdenhövel in etwa „Stimmt, aber Lena wirds nächste Woche singen“. Darüber hinaus ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch Radiofrau Sabine Heinrich bis zum Finale in fünf Shows noch in der Rolle einer TV-Moderatorin ankommen wird.

Wer auch immer am Ende nach Oslo fährt, wird wohl erstmals im deutschen Publikum nicht nur mehr daumendrückende Fans als Kritiker haben, sondern seit gefühlten Jahrzehnten überhaupt Fans. Das hat „Unser Star für Oslo“ nämlich bereits jetzt schon geleistet: Was auch immer in Oslo passiert, Schadenfreude über das deutsche Versagen wird es diesmal nicht geben. Und ganz nebenbei hat „Unser Star für Oslo“ auch noch etwas bewiesen was eigentlich der Titel einer ganz anderen Show sein solle: „Germany’s Got Talent!

Alle Videos der Show auf der offiziellen Website: Unser Star für Oslo

Alle Texte zu „Unser Star für Oslo“ hier bei tvundso.com

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Hat ers mal wieder geschafft? Stefan Raab zeigt wie „Eurovison Song Contest“ und „Casting Show“ funktionieren.

Über 24 Stunden sind vergangen seit der ersten Ausgabe von „Unser Star für Oslo“ bei dem ARD und ProSieben gemeinsam nach einem deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest suchen. Das Urteil der Kritiker fällt nicht eindeutig aus, quantitativ überwiegen die wohlwollenden Kritiken. „Die nationale Aufgabe“ und das in Deutschland ungewohnt hohe Niveau der Casting-Show hatte die meisten Kritiker offensichtlich beeindruckt. Dabei ist es ein bisschen so, als würde man in einer Kritik über Mineralwasser begeistert feststellen, dass es so schön durchsichtig ist, und nicht so dunkel wie diese klebrige Cola. Doch dass „Unser Star für Oslo“ kein Trash wie DSDS ist, musste man den meisten Lesern offensichtlich erstmal sagen.

Gelobt wurde vor allem Stefan Raab als Mastermind hinter „Unser Star für Oslo“ und die junge Lena, die am Ende der ersten Show das Publikum begeisterte. Kritik gabs hingegen für die viel zu unkritische Jury (inklusive Raab), die bemüht war, ja niemandem weh zu tun, allen voran Marius Müller Westernhagen. Darüber, ob die erste Ausgabe von „Unser Star für Oslo“ nun wohltuende Abwechslung und niveauvolle Unterhaltung war oder doch zu ernst, bieder und langweilig, ist kein eindeutiges Urteil auszumachen. Bei manchen Kritikern hatte ich den Eindruck, dass sie – ähnlich der gestrigen Jury – sich noch um ein klares Urteil drückten. Verissen hat die Show einzig die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das andere Ende der Fahnenstange markiert die Süddeutsche: hier war man völlig hin und weg.

Hier also ein paar Ausschnitte aus den Fernsehkritiken des vergangenen Tages:

Peer Schader | Spiegel Online

„Fast pedantisch arbeitete sich die Jury an kleinen Schwächen ab, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, zu großzügig Lob auszuteilen. Vor allem Müller-Westernhagen wirkte dabei so kleinkariert und besserwisserisch, dass man ihm vom Sofa aus gern mal zugerufen hätte, dass es doch auch darum geht, ein bisschen Spaß zu haben.“

„Etwas weniger Musikschulenatmosphäre wäre auch in Ordnung gewesen.“

„Das Schönste aber war, dass Raab sein Versprechen eingehalten hat, ausschließlich Leute auf die Bühne zu lassen, die wirklich singen können, und ernst mit ihnen umzugehen.“

Peter-Philipp Schmitt | FAZ

„Lena sang am Ende eines Abends, der viel zu gemächlich dahin plätscherte. Wer sich auf ein Spektakel gefreut hatte, mit Demütigungen, Beleidigungen, Anfeindungen oder doch wenigstens mit ein wenig Glamour, wurde enttäuscht.“

„Raab hatte ganz unterschiedliche Persönlichkeiten und musikalische Stilrichtungen versprochen. Doch so ganz anders waren die Zehn und ihre Lieder letztlich nicht.“

„Westernhagen war nichts wichtiger, als keinem der Kandidaten mit seiner Kritik zu Nahe zu treten.“

Anne Wiegel | Der Westen

„Eine kleine Oase tat sich an diesem Dienstagabend auf, als 1Live-Moderatorin Sabine Heinrich mit ‚Schlag den Raab‘-Gastgeber Matthias Opdenhövel auf die Bühne trabte (…)“

„und die ewigen Abgrenzungsversuche zu DSDS nervten mitunter gewaltig“

„Doch es wurde gesungen, nur gesungen, es wurde kritisiert, nicht beleidigt, es gab Musik zu hören, keine Sozialdramen – geht doch!“

Christian Pohl | Die Welt

„Der Dank dafür gebührt vor allem einem: Stefan Raab. Dem kann man sicher vieles vorwerfen, nicht aber, dass er sich nicht besonnen und mit vollem Einsatz um die Rettung des Grand Prix bemühen würde.“

„Die Jury geriert sich nicht als Scharfrichter hinter ausladendem Pult, die von oben herab ihr einzig richtiges Urteil über unwürdige Bittsteller fällen, sondern sitzt in drei Sesseln und behandelt die Kandidaten mit Respekt wie freundliche Förderer.“

„Eben weil es bei Raab anders läuft als in anderen Casting-Shows, stehen hier andere Persönlichkeiten auf der Bühne als bei DSDS. Reifer, überlegter und mit echter Leidenschaft für die Musik.“

Hans Hoff | Süddeutsche

„Es war dies auch ein Signal, dass in dieser Show so manches möglich ist, dass in Deutschland mehr Musikalität steckt als bisherige Wettbewerbe zu zeigen wagten.“

„Zu verdanken ist das eindeutig Stefan Raab, der sich mit ganzer Kraft in die Sache geworfen hat, der dafür gesorgt hat, dass sich begabte Kandidaten bei ihm aufgehoben und nicht veräppelt fühlen.“

„Die 27-jährige Katrin, die mit Nobody Knows von Pink bei der Sache war, wirkte wie vom Himmel gefallen und provozierte die Frage, wo sie denn wohl in Zeiten der tagtäglichen Popstar-Auslese so lange gesteckt haben mag.“

Ingo Scheel | Stern

„unspektakulär, an der Grenze zum Schnarchigen“

„Solide Moderatoren mit niedrigem Stotterfaktor“

„Es wirkte zunächst hüftsteif, entpuppte sich mit Fortlauf der Sendung jedoch als wohltuende Alternative zu all den pöbelnden Bohlens, den überdrehten Soosts und heulenden Darnells.“

„Wer den Applaus und die Reaktionen am Abend in Köln gehört hat, vermag sich mit ein wenig Phantasie vorstellen, dass Lena es bis nach Oslo schaffen könnte.“

Thomas Lückerath | DWDL

„Man könnte aber auch sagen: Es war eine Wohltat, weil reduziert auf das, was bei einem ernsthaften Wettbewerb von Bedeutung ist. Es war einfach nettes Fernsehen. Das ist nicht spektakulär oder schlagzeilenträchtig – aber muss es ja auch (noch) nicht sein.“

„Ja, an Kuschelkurs mangelte es nicht am Dienstagabend in Köln-Mülheim. Und an langen aber leider nicht eindeutigen oder gar knackigen Jury-Statements auch nicht.“

Michael Reufsteck | Fernsehlexikon

„Dass sie so unspektakulär ist, ist ein weiteres Indiz dafür, dass es sich wirklich um einen ernst gemeinten Musikerwettstreit handelt. Und so viele verschiedene Varianten gibt es nicht, einen solchen zu veranstalten. Da singen halt nacheinander Menschen Lieder vor, und später bestimmen die Fernsehzuschauer per Telefonabstimmung, wer in die nächste Runde kommt.“

„aber im Gegensatz zu anderen Castingshows kann man das, was ich gerade ‚Musik‘ genannt habe, bei Unser Star für Oslo tatsächlich ohne Gewissensbisse als solche bezeichnen.“

Alle Artikel zu “Unser Star für Oslo” hier bei tvundso.com

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Wenn Pressebilder sprechen könnten: So öde wie Idee auf allen Fotos dieses dämliche Oslo-Schild hoch zu halten, wirkte auch der Beginn der ersten Show von „Unser Star für Oslo“.

Die erste Ausgabe der gemeinsamen Eurovision Song Contest Casting-Show „Unser Star für Oslo“ von ARD und ProSieben war alles andere als aufregende Unterhaltung. Verkrampfte Moderatoren, weichgespühlte Kandidaten, bierernste Stimmung. Doch dann kam Lena…

Diese fünf Kandidaten sind weiter:

Die Links führen zum Steckbrief der Kandidaten.

Zu Beginn war es alles andere als ein neues Show Event. „Unser Star für Oslo“ begann so verkampft, bieder und ernst, als würde es nicht um einen Gesangswettbewerb gehen, sondern um die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes. Dabei ist doch nur eine einzige Stelle zu besetzen: die des deutschen Teilnehmers für den Eurovision Song Contest Ende Mai in Oslo.

Sogar Stefan Raab wirkte so ernst, als sei er gerade in einen öffentlich-rechtlichen Rundfunkrat gewählt wurden. Auch die EinsLive-Moderatorin Sabine Heinrich war nicht der Knaller, den ich mir erhofft hatte. Möglicherweise waren die vielen Kameras im Studio der Radiomoderatorin ja unheimlich. Und dann kamen die ersten Kandidaten…

Offensichtlich ist man bei ARD und ProSieben derart bemüht, sich soweit wie möglich von DSDS zu disntanzieren, dass  jegliche pointierten Jury-Kommentare verboten waren und die Kandidatenauswahl danach erfolgte, wer möglichst normal aussah, keine Ecken und Kanten hatte und freundlich lächeln konnte. Student und möglichst jung sein half zudem ungemein. Langweilig und brav waren sie die ersten Kandidaten. Doch das sollte nicht so bleiben…

Spätestens als die Kandidatin mit der Startnummer 10 auf die Bühne trat, waren auch die gelangweiltesten Zuschauer plötzlich wieder hellwach. Die 18 jährige Schülerin Lena Meyer-Landrut überzeugte als vorwitzige und frischfreche Rockgöre auch die letzten Zweifler: vielleicht kann das doch was werden. Dabei hatte ich vorher noch bei Twitter gemeckert, dass die Kandidaten alle so jung waren. Doch bei Lena, der Allerjüngsten, war das kein Makel. Im Gegenteil: es bedurfte vielleicht gerade einer unbekümmerten 18jährigen Rampensau um die bis dahin spröde Veranstaltung aufzubrechen.

Natürlich wurde Lena direkt zum Publikumsfavoriten und in die zweite Runde der Veranstaltung gewählt („Ich freu mich so so hart“, sagte sie). Außerdem weiter sind: die Germanistikstudentin Kerstin Freking, die rassige Meri Voskanian, der Mädchenschwarm mit dem coolen Namen Cyril Krueger und die bescheidene Verkäuferin Katrin Walter, die aussieht wie eine junge Celine Dion (und meine persönliche Favoritin ist).

Diese fünf, sie sind dann doch gar nicht so schlecht, wie es zu Beginn der Show den Eindruck machte. Wahrscheinlich war es das starre Korsett der Seriösität in das man die „nationale Aufgabe“ einen Star für Oslo zu finden gepresst hatte, das zunächst sämtliche Unterhaltung im Kern erstickte. Ein geradezu neurotisches anmutendes Verhältnis zum Genre Casting-Show prägte vor allem die erste Jury: sowohl Marius Müller Westernhagen als Yvonne Catterfeld betonten, dass sie sich sonst nie für eine solche Rolle hergeben würden. Außer bei „Unser Star für Oslo“ eben. Verständlich ist das: RTL, Grundy und DSDS, aber auch Popstars und ProSieben haben in Deutschland schon viel verbrannte Erde hinterlassen.

Westernhagens Begründung für seine kritische Haltung allerdings war gar nicht so übel: Künstler kann man nicht vergleichen, jeglicher Wettbewerb unter Künstlern sei idiotisch, stellte Westernhagen zu Beginn der Show fest, bevor er sich dann als bester deutschprachiger Casting-Juror aller Zeiten erwies. Zwar war er zu bemüht keinem weh zu tun, dennoch waren seine kritischen Anmerkungen, Einschätzungen und Kommentare sicherlich das Treffendste was man jeh in einer deutschen Castingshow gehört hatte. Am Ende lies sich der große Marius sogar noch zu einer Art Diskussion über die mangelnde „schwarze“ Soulqualität einer Kandidatin hinreissen. „Das erste was man in diesem Beruf lernen muss, ist Kritik anzunehmen und daraus zu lernen“, gab er der jungen Künstlerin mit auf den Weg. Schade, dass Westernhagens Juryauftritt wohl einmalig bleiben wird.

Sieben weitere Shows bleiben nun, um zu zeigen, dass die Alternative zu DSDS nicht langweilige, verkrampfte und weichgespülte Gesangwettbewerbe von Studenten sind, sondern überraschende, witzige und charakterstarke Persönlichkeiten wie Publikumsliebling Lena oder unentdeckte Perlen, wie Katrin Walter. Nebenbei bemerkt übrigens: Bühnenbild, Beleuchtung und Bildregie waren solide bis hervorragend. Achso, und: Was sagt man eigentlich dazu, dass die Kandidaten nicht in irgendwelche Kostüme gezwängt werden, sondern scheinbar alle in ihren liebsten Wohlfühlklamotten aufgreten sind? Ich finds gut. Also in der Hinsicht stimmt alles. Wenn nun unter den nächsten 10 Kandidaten, die wir nächste Woche sehen, wieder wenigstens zwei, drei Leute vergleichbarer musikalischer Qualität und Ausstrahlung sind, dann kann das noch was werden. Als erstes aber bitte bei den Machern mal den Stock aus dem Arsch ziehen.

Alle Artikel zu „Unser Star für Oslo“ hier bei tvundso.com

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Lutz Marmor vom NDR, Stefan Raab und Andreas Bartl von ProSieben posieren für ein langweiliges Pressefoto.

Unser Star für Oslo, Roundup:

  • Was wird gesucht? Deutscher Künstler/Musik-Act für den Eurovision Song Contest 2010 vom 25. bis 29. Mai in Oslo.
  • Wer hilft suchen? ARD, die Jugendradiowellen der ARD, ProSieben (Brainpool, Stefan Raab)
  • Wann? 2. Februar bis 12. März (8 Sendetermine, Übersicht mit Wiederholungen)
  • Die Jury! Stefan Raab ist Jury-Chef, wird flankiert von wechselnden nationalen Künstlern aus dem Musik-Geschäft, darunter: Marius Müller Westernhagen, Sarah Connor, Peter Maffay, Jan Delay, Xavier Naidoo.
  • Die Moderatoren! Sabine Heinrich (EinsLive), Matthias Obdenhövel (ProSieben)
  • Die Kandidaten! 5000 haben sich beworben, 20 von ihnen treten an: Turnierbaum
  • Der Souverän?! Deutschland entscheidet per Telefon und SMS.

Man könnte fast meinen die gemeinsam von ARD und ProSieben gestemmte Castingshow „Unser Star für Oslo„, die am heutigen Dienstag startet (2. Februar 2010) sei das eigentliche deutsche „X Factor„. Denn gegen die Inszenierung als mediales Mega-Event, wie man es von der britischen Casting-Show kennt, wirkt DSDS richtig provinziell. Präsentiert wurde das finale Konzept der Show bereits Mitte Januar im Reichstag, um die nationale Bedeutung (oder den Wunsch danach) zu unterstreichen.

Unser Star für Oslo“ ist die erste Kooperation von ARD und ProSieben, nach einigen Geburstwehen entstanden nach dem letztem Debakel des deutschen Gesangsbeitrags beim Eurovision Song Contest.  Beginnen wir mit dem Schlechtesten (keine Angst, das meiste ist gut): Im folgenden einige Gesprächsauszüge von Thomas Schreiber, Koordinator Unterhaltung bei der ARD, im Interview mit dem radioeins Medienmagazin, dass auch hier – wie immer – gerne lang und breit über sich selbst, also die ARD, berichtet (als mp3 auf der Seite von radioeins, Sendung vom 23. Januar, ab 30:25 Min):

  • „Das sind Profis auf jeder Seite, wir haben alle ein gemeinsames Ziel (…)“
  • „Die Qualität der Bewerber, die wir für die Sendung haben, ist jetzt im Ergebnis besser, als ich mir das am Anfang vorgestellt habe.“
  • „Von den 20 Leuten die da antreten, die sind alle von wirklich hoher Qualität, auch… also musikalisch… so dass ich gespannt bin, wie die Sendungen dann laufen.“
  • „…auch das ist ja ungewöhnlich: Eine Moderatorin von WDR EinsLive, dem Radio, moderiert mit einem ProSieben-Moderator sowohl auf ProSieben als auch im Ersten… also das ist ja Ausdruck sozusagen dieses Kooperationswillens, den es da gibt.“
  • „Wir haben sozusagen, eine gemeinsame Tonalität, denn es handelt sich ja hier um keine Quatschsendung, sondern um eine ernsthafte Sendung (…)“

Damit wäre dann wohl recht bildhaft auch beschrieben, warum die ARD sich die Hilfe von Stefan Raab holen muss, um eine zeitgemäße, moderne Unterhaltungssendung zu produzieren. Denken und Sprache sind bei der ARD scheinbar einfach zu verkrampft, zu wenig spontan, zu kopflastig, zu konservativ. Öffentlich rechtliche Realität eben: irgendwo zwischen bierernst und Volkmusik-Vollrausch. (Mehr von Thomas Schreiber)

Stefan Raab hingegen hat in den vergangenen 10 Jahren gezeigt, dass es zwischen den beiden Extremen deutscher Unterhaltungs-Realität, nämlich Carmen Nebel und Dieter Bohlen, noch einen dritten, sehr erfolgreichen Weg gibt. Mit seinen Event Shows, allen voran „Schlag den Raab“ erreichen Stefan Raab und Brainpool auch Zuschauer aus der Mitte der Gesellschaft. Als alter Musik-Spezi bietet sich Raab zudem gerade für den Song Contest an, bei dem er selbst in unterschiedlichen Rollen dabei war.

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=sabine+heinrich&iid=7610578″ src=“8/d/6/3/Unser_Star_Fuer_2d98.jpg?adImageId=9798589&imageId=7610578″ width=“500″ height=“408″ /]

Obdenhövel, Heinrich, Raab: Suche nach dem Super… äh Eurovision-Star.

Am schönsten hat die gemeinsamen Pläne von ARD und ProSieben allerdings Sabine Heinrich, Moderatorin bei EinsLive und bei „Unser Star für Oslo“ (und der kommende Knaller schlechthin) , im radioeins-Interview beschrieben:

„Wir casten da keine Pop-Mäuschen oder sowas. (…) Stefan möchte auch nicht, dass dann gemerkt wird: ‚Ahhh, das ist das Lied von Stefan Raab, der macht sich mal wieder sehr wichtig.‘ (…) Es geht nicht um Stefan Raab in dieser Sendung, es geht nicht um mich, es geht nicht darum, dass die ARD super aussieht oder das ProSieben super aussieht, sondern das wir einen Kandidaten nach Oslo schicken, auf den alle Lust haben.“

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer der Hoffnung, dass es auch in Deutschland, wo gerade die siebte Staffel des trashigen DSDS läuft, eine unterhaltsame Casting-Show geben kann, in der es vor allem um eines geht: Musik.

ARD-Videoblog-Bericht „Unser Star für Oslo“:

Alle Artikel zu “Unser Star für Oslo” hier bei tvundso.com

Mehr zu „Unser Star für Oslo“ im Internet:

Stern.de Sonderseite „Ein Lied für Oslo“

Eurovision Song Contest Seite des NDR

„Unser Star für Oslo“ Website von TV Total

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