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Thomas Gottschalk auf der „Wetten, Dass…?“ Couch mit Nicole und Lionel Richie, Michael Ballack, Dieter Bohlen und Michelle Hunziker.

Die Fernsehkritiken der professionellen Medien fallen kurz nach Thomas Gottschalks 60. Geburtstag sehr wohlwollend aus. Niemand traute sich an diesem Sonntag etwas Böses über Gottschalk und die 189. Ausgabe von Europas ehemals erfolgreichster Fernsehshow zu schreiben. Und dafür gab es noch einen anderen Grund als Gottschalks Geburstag: „Wetten, Dass…?“ und sein Moderator waren auf Mallorca gut wie schon lange nicht mehr.

Die Kulisse der mallorquinischen Stierkampfarena war wie schon im Vorjahr beeindruckend, Ein Set-Up, das man sonst aus dem deutschen Fernsehen nicht gewohnt ist und das neben den billigen, mehrfach verwertbaren Grundy-Kulissen bei DSDS oder Supertalent wie aus einer anderen TV-Welt wirkte.

Nachdem ein verletzter Fußballer namens Michael Ballack, DSDS-Opi Dieter Bohlen und Schmuserock-Urgestein Lionel Richie neben der 60-Jährigen Moderationslegende Platz genommen hatten, scherzte ich noch auf Twitter: „Grad bei #wettendass: Zwei Senioren und ein Invalide auf dem Sofa. Willkommen im #ZDF ;)“

Der Gastgeber aber, er wirkte und war jung, konzentriert, gut gelaunt und entspannt. Diesmal gab es keine Meckerei über Quotendruck oder Selbstironie der Zielgruppe längst entwachsen zu sein, sondern gekonnte Seitenhiebe auf die Richtigen:

„Nachher lud Bohlen ihn zur nächsten Runde von „Deutschland sucht den Superstar“ ein – ‚zum Moderieren‘. Und Gottschalk wusste trotz seines Zögerns sofort: ‚Ja, da muss dringend was passieren.'“ (Spiegel Online)

Als die spätere Wettkönigin ansetzte ihre Traktorreifen-Hula-Hoop-Wette zu erklären und das Gewicht des Reifens, den sie um ihre schmalen Hüften kreisen lassen würde, verriet, holte Gottschalk zu einem besonders fiesen Witz aus: „35 Kilo? Soviel hat Nicole Richie mal gewogen.“ Die Adoptivtochter des Sängers litt einst unter einer Essstörung. Gottschalk darf sich inzwischen alles erlauben.

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Michelle Hunziker

Co-Moderatorin Michelle Hunziker, die „Wetten, Dass…?“ in dieser Staffel um viel Charme und Witz bereichert hatte, ging neben einem Gottschalk in Hochform völlig unter an diesem Abend. Auch optisch machte die schöne Moderatorin eine nicht ganz glückliche Figur: In ihrem Outfit war sie vor allem Brust, dabei hat sie doch längst bewiesen, dass sie ganz andere Qualitäten hat.

Nicht ganz so prall sieht es allerdings für die Quoten der in dieser Hinsicht schon länger schwächelnden TV-Show aus. Mit 8,65 Millionen Zuschauern und 32,3 Prozent Marktanteil muss sich die Sommerausgabe von „Wetten, Dass…?“ zufrieden geben. Das sind 600.000 Zuschauer weniger als noch im vergangenen Jahr. Wir wollen hoffen, dass sich Gottschalk darüber nicht all zu viele Gedanken und noch ein paar Jahre weiter macht. Politisch gesehen wäre ich hier für die Rente mit 70. Denn wie Stern.de schreibt:

„Viele Medien nutzten seinen 60. Geburtstag einmal mehr für einen Abgesang auf den Show-Dino und seine blonde Assistentin. Aber am Sonntagabend zeigte er seinen Kritikern, warum man ihn doch vermissen würde, wenn er irgendwann einfach nicht mehr da wäre.“

Und hier noch das Video mit der Wette der Wettkönigin (wird möglicherweise gelöscht werden):

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Der Deutsche Fernsehpreis 2009 ist ohne Eklat über die Bühne gegangen. Die von Sat.1 ausgerichtete Veranstaltung machte nach dem Debakel im vergangenen Jahr vor, wie man einen solchen Preis angemessen ausrichtet. Thomas Gottschalk, Senta Berger, Josef Harder, Claus Kleber und die TV Helden gehören zu den Gewinnern 2009.

Am Samstag präsentierten Anke Engelke und Bastian Pastewka in ihren Rollen als die Volksmusikstars Wolfgang und Anneliese Funzfichler die 11. Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Übertragen wurde die Verleihung in diesem Jahr 2009 live von Sat.1. Laudatoren waren unter anderem Ina Müller, Johannes B. Kerner, Alice Schwarzer und Hannelore Elsner. Als Musik-Act war Jan Delay geladen. Alfred Biolek erhielt den Ehrenpreis, viel Applaus und eine lange Laudatio von Alice Schwarzer. Anders als Marcel Reich-Ranicki im vergangenen Jahr zierte er sich nicht, den Preis anzunehmen, der von zwei Kindern aus Nairobi überreicht wurde. Bioleks Kommentar: „Verehrter Marcel Reich-Ranicki, ich bitte um Verständnis, ich nehme den Preis an!“

Ein Highlight des Abends: Engelke und Pastewka sorgten mit Selbstironie dafür, dass der vorab kritisierte Preis moderationstechnisch gut dastand: „Sie wissen ja der Fernsehpreis hat ein ganz großes Herz. Deswegen wurden auch in diesem Jahr ein paar Sendungen nominiert, die nicht so gut sind“. In einem Einspieler wurden Wolfgang und Anneliese mit Szenen aus nominierten Filmen zu einem „neuen“ Film montiert. Auch das nicht unbedingt schlecht gemacht. Und gesungen wurde natürlich auch.

Ein weiterer guter Gag des Moderationsduos: „Man kann sichs vielleicht gar net mehr vorstellen, aber auch a Sonya Kraus war mal jung“. Und beim 30.000 Euro Förderpreis für sechs Nachwuchsschauspieler aus “ Die Wölfe“: „30.000 Euro! Das reicht ja fast für ein halbes Drehbuch von Doris Heinze!“ Ein weiterer Förderpreis geht an die junge Filmemacherin Eva Stotz.

Thomas Gottschalk gewann mit seiner Ausgabe von „Wetten, Dass…?“ vom 13. Dezember 2008 den Preis für die Beste Unterhaltungssendung/Moderation und sprach in seiner Dankesrede wie immer in letzter Zeit im Fernsehen über die Zielgruppe (er hat Probleme mit den Quoten in eben jener).

Bester Schauspieler in einer Hauptrolle wird Josef Hader im Film „Ein Halbes Leben“. „Tja, jetzt kann man auch nix mehr machen“, kommentierte Harder kabarettistisch den Preis. In der Schule sei er immer schlecht im Sport gewesen und habe daher nie was gewonnen. Wenigstens beim Fernsehen hat es jetzt geklappt. Dem ZDF dankte er für die großartige Gage. Das Publikum war amüsiert. Haders weiblicher Gegenpart wird Senta Berger, die den Preis als beste Schauspielerin für ihre Rolle in „Schlaflos“ gewinnt. Es ist tatsächlich ihr erster Fernsehpreis.

Als beste Reportage wird „Die Bombe“ (ZDF) ausgezeichnet, die von Nachrichtenpräsentator Claus Kleber journalistisch verantwortet wurde. Er nutzte die Laudatio um dem zeitweise politisch umstrittenen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender den Rücken zu stärken. Das ZDF ist ebenfalls der Gewinner des Preises für die beste Wahlsendung, das ZDF-Wahlforum, und für die Übertragung der Leichtathletik-WM als beste Sportsendung.

Bester Fernsehfilm wird das Flugzeug-Entführungsdrama „Mogadischu„, das bereits den Bayerischen Fernsehpreis und Die Goldene Kamera gewann. Bester Mehrteiler ist „Wir sind das Volk„. Dieser Preis geht damit an den Gastgeber des Abends: Sat.1 – und bleibt der einzige des Senders. Der Preis wurde zum ersten Mal verliehen.

Beste Serie ist „Der Lehrer„, womit auch RTL mal einen Preis gewinnt. Jedoch muss man dazu sagen, dass alle Nominierten in dieser Kategorie nicht gerade das Beste sind, was Fernsehen sein kann, sondern auch nur Mittelmaß. Hier zeigt sich, wie schlecht deutsche Fiktion in Sachen Serie ist. In der Dankesrede wurden dann dennoch auch böse Seitenhiebe an das deutsche Feuilleton verteilt, das „Der Lehrer“ verissen hatte. Dieses reflexartige „Jetzt beiss ich mal zurück“ der (des) RTL-Preisträger(s) ist auch schon aus dem vergangenen Jahr (DSDS) bekannt. In vielerlei Hinsicht der Tiefpunkt der Sendung.

Beste Comedy-Show ist schließlich „TV Helden„, das sich nach Aussage der Jury jenseits des klassischen Kabaretts ihr eigenes Humor-Territorium abstecke. Die taktlose Comedyshow lief kurzzeitig bei RTL, jetzt bei Harald Schmidt. Ironischer Kommentar: „Vielen Dank an RTL für den langen Atem, dass wir nicht gleich nach der ersten Sendung abgesetzt wurden (sondern nach der 2.)“.

Die Preisverleihung war in diesem Jahr eine deutliche Steigerung gegenüber der peinlichen Sendung mit dem Reich-Ranicki-Eklat im vergangenen Jahr im ZDF. Auf schreckliche Comedy-Auftritte wurde verzichtet, Anke Engleke und Bastian Pastewka waren ungleich witziger, drängten sich jedoch nicht unnötig in den Vordergrund. Viele Laudatios und Dankesreden waren kurz und pointiert (Silke Zertz/Drehbuch: „Also erstmal: mich gibts wirklich…“, Anna Fischer).

Einige (technische) Kategorien wie Kamera, Schnitt oder Musik wurden in den Werbepausen verliehen, was gegenüber den Geehrten irgendwie eine kleine Frechheit ist. Allerdings: auch bei den Oscars könnte es 2010 ähnlich zu gehen.

Sat.1 hat seine Sache gut gemacht, aus der Kritik aus dem vergangenen Jahr gelernt und eine unaufgeregte, kurzweilige und aufs Wesentliche konzentrierte Preisverleihung inszeniert. Im Mittelpunkt standen wieder die, die dort auch hingehören: Die Ausgezeichneten. Ein Highlight der Samstagabend-Unterhaltung ist und bleibt die Veranstaltung aber natürlich nicht.

Nachtrag 27.9.: Die Quoten des Deutschen Fernsehpreises 2009 waren sehr schlecht. Gegenüber 2008 verlor der Preis rund 3 Millionen Zuschauer, das ist ein Einbruch um 70 Prozent, schreibt Dwdl. Die Zahlen: 1,34 Millionen Zuschauer, 5,2 Prozent MA gesamt und 6,9 Prozent MA in der Zielgruppe.

Alle Nominierten und Gewinner (fett) des Deutschen Fernsehpreises 2009 (nach dem Klick):

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Habt ihr gestern auch „Wetten, Dass…?“ geschaut? Wahrscheinlich ja, insofern ihr den Abend vorm Fernseher verbracht habt, kam ja auch sonst nix. Vielleicht fangen wir mal mit dem Guten an. Das Publikum war super, die Luftbilder von der Arena auf Mallorca aus der das ZDF sendete, waren toll und die Sprüche die Thomas Gottschalk macht, wenn er ins Publikum geht, haben nichts von ihrem Witz verloren. Festzustellen ist auch: Otto ist immernoch ziemlich lustig.

Mein erster Eindruck am gestrigen Abend von „Wetten, Dass…?“ war der, das ich mich fragte, ob das ZDF Thomas Gottschalk gegen einen Bordellbesitzer als Moderator ausgetauscht hatte. Tatsächlich aber hatte sich Gottschalk nur als Bordellbesitzer verkleidet, um die Sommerausgabe zu moderieren. Im Laufe das Abends störte das Kostüm allerdings nicht weiter.

Gottschalks größtes Problem des abends war allerdings weder, dass Naomi Campbell wieder ausgeladen wurden war, noch das ab und an auchmal etwas schief ging, worüber Gottschalk souverän hinwegmoderierte, sondern seine Bessenheit vom Thema Zielgruppen-Quoten. Gleich mehrmals kokettierte er mit dem Thema in der Sendung. Nachdem unglaublich schrecklichen Auftritt Placido Domingos (eine Wetteinlösung) sagte Gottschalk sinngemäß, jetzt habe er sicher 200 bis 300 Zuschauer in der Zielgruppe verloren, die hole man sich jetzt aber zurück (mit einem Auftritt des mir unbekannten Highschool-Musical Stars Ashley Tishdale).

Und auch als die unerträglichen Prominenten-Kinder von Howard Carpendale und Hardy Krüger auf dem Sofa Platz nahmen, musste direkt nochmal über das Thema Zielgruppe gesprochen werden (die beiden spielen in so komischen Serien mit, die Namen wie „Forsthaus Falkenau“ oder „Der Landarzt“ haben, fragt mich jetzt aber nicht, was das ist). Gottschalk scheint es ziemlich mitzunehmen, dass er in der Zielgruppe nicht mehr so gut ankommt. Dabei gibt zumindest Quotenmeter heute Entwarnung: Gottschalk räumt ab, vergangene Quoten wurden überflügelt, schreibt das Portal über die Ausgabe von „Wetten, Dass…?“ in himmlische Höhen. Und zur Ehrenrettung Gottschalks sei auch gesagt, das er von einem schlechten Moderator noch zu unterscheiden ist und der nachlassende Erfolg von „Wetten, Dass…?“ am wenigsten an ihm liegt.

Mit 9,29 Millionen Zuschauern erreichte Gottschalk allerdings nichtmal so viele Zuschauer wie „The Apprentice“ am vergangenen Sonntag in UK. Darüber, dass britische TV Sendungen die angeblich erfolgreichste Fernsehsendung Europas seit einiger Zeit locker schlagen, hatte ich gestern schon ausführlich geschrieben (Großbritannien hat 20 Millionen weniger Einwohner als Deutschland). Es waren immerhin 60.000 Zuschauer mehr als im März und sogar 35,8 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. „Wetten, Dass…?“ bleibt also erstmal auf Augenhöhe mit Sendungen wie DSDS oder Dschungelcamp (das es zumindest 2010 auch gar nicht mehr gibt).

Auch die Mallorca-Ausgabe von „Wetten, Dass…?“ funktionierte genauso so, wie man das von „Wetten, Dass…?“ gewohnt ist. Das heißt, so wie die Macher glauben, die gesamte Familie erreichen zu können. Es gibt Gäste für die Mutti und Omi, so mal nen Opernsänger zum Beispiel, einen Actionschauspieler für Papi und beinah enthüllte Titten für den Opi, einen Teeniestar und Ice Age (war im Grunde nur eine Werbeeinblendung der Content-Industrie) für die Kleinsten. Das alles für sich genommen nichtmal Mittelmaß ist, wird dabei gerne übersehen.

Bewunderswert ist es, dass Gottschalk immer Gäste einladen kann, die vor allem er selbst toll findet (was dazu führt, dass manche Promis schon gefühlte 50 PR-Termine auf dem „Wetten, Dass…?“ Sofa hatten; Michelle Hunziker war allerdings gerade erst zum vierten Mal da, ich glaube, da muss noch nachgelegt werden). So war es offensichtlich, wie sehr Gottschalk die Musikauftritte von dieser Beatles Coverband und den Simple Minds (nein, dass sind keine öffentlich-rechtlichen Programmplaner) genoß. Da steht er dieser Mann, der sich trotzig und heuchlicherisch gegen die Quotendebatte wärt (die man im ÖR prinzipiell gar nicht führen sollte) inmitten von 9000 Menschen in bester Laune, die Kameras kreisen durch die Arena und für einen Moment hat man das Gefühl eine gute Fernsehshow zu sehen.

Bei diesem Moment bleibt es. Denn es ist vor allem Gottschalks Moment. Alles andere ist handwerklich professionelles Mittelmaß, das Regeln folgt, die vielleicht in den 80er und 90er Jahren mal galten um eine Samstagabendshow zu machen, die aber 2009 keinen mehr vom Hocker reißen. Dieser Moment der Freude, wenn Gottschalk begeistert seinen Lieblingsmusikern zuhört, er überträgt sich nur schwer auf das Publikum zu Hause, und er ist von kurzer Dauer.

In der nächsten TV-Saison wird sich Gottschalk wieder dem Alltag stellen müssen. Da sich RTL in der Werbekrise scheinbar vorgenommen hat kleinere Brötchen zu backen und erstmal nicht mehr als 6 Millionen Zuschauern braucht, die locker mit bewährten und nicht zu teuren Formaten eingefahren werden, droht „Wetten, Dass…?“ auch fürs erste keine Gefahr auf dem deutschen Fernsehthron. Was weiterhin fehlen wird, ist die Fernsehsendung am Samstagabend über die wirklich alle sprechen, in der etwas passiert, was man sehen muss, was man noch nie gesehen hat, die uns verbindet und sprachlos macht.

andere Blogs zu Wetten, Dass…?: Peer Schader über die seltsamen Reaktionen der Spon-Forenuser auf eine Spiegelkritiküber Wetten, Dass…? (von ihm selbst).

tvkritikundso

Die eigentlich noch nicht wirklich stattgefundene Debatte ums deutsche Fernsehen, die manche um die Qualität der Programme selbst, manche um die Frage nach mehr Kultur und Bildung im Fernsehen und die andere gar nicht führen, hat ihre erste abgesetzte Sendung zur Folge: das ZDF hat sich von Elke Heidenreich getrennt. Mit sofortiger Wirkung. Auch die beiden noch ausstehenden „Lesen!“-Episoden für 2008 werden nicht mehr produziert. Realsatire.

Nachdem Marcel Reich Ranicki wegen seiner Verärgerung um den Deutschen Fernsehpreis denselben abglehnt hat, hatte Heidenreich in der Folge zwei wütende, manche würden sagen unbeherrschte, Artikel in der FAZ geschrieben, in denen sie zunächst Ranickis Reaktion verteidigte, später das Angebot direkt rausgeworfen zu werden widerrufen und dem ZDF den Kampf angesagt hatte. Heidenreichs Hauptmotiv war wohl, ihre eigene Sendung auf einen besseren Sendeplatz zu verlegen, vielleicht aber auch nur Frustration. „Sie hungern uns aus“, schrieb sie und warf dem ZDF sowie indirekt Programmdirektor Thomas Bellut Unkenntnis, Unsensibilität, Oberflächkeit und bürokratisches Unvermögen vor. Dann kam noch der peinliche Auftritt Gottschalks und Ranickis dazwischen, als sie eine halbe Stunde über Fernsehen diskutierten wollten, aber nichts zu sagen hatten. Und Ranicki macht Werbung für T-Entertain, ein Pay-TV-Packet der Telekom. Elke Heidenreich nannte Gottschalk in der Bunte keinen guten Moderator mehr und „einen müden alten Mann“…

Ein „Schmierenstück in fünf Akten“ nennt Mark Stöhr von der Zeit das alles, versteht aber die Entscheidung des ZDF:

Die Darsteller machten daraus jedoch eine Inszenierung eigener hochschießender Eitelkeiten und verletzter Empfindlichkeiten. Die Intendanz schaute lange hilflos zu und zog jetzt die Notbremse. Man kann ihr keinen Vorwurf machen. Sie hatte keine andere Wahl, schon der eigenen Glaubwürdigkeit wegen.

Anders Stefan Niggemeier. Er wirft auf seinem Blog den ZDF-Entscheidern bräsige Arroganz und Ignoranz vor. Die Entscheidung Heidenreich rauszuwerfen zeige die Unfähigkeit Größe zu zeigen:

Es ist entlarvend, dass das ZDF den unfairen Kritiker Reich-Ranicki für seine ahnungslose Pauschalkritik mit einer Sendung belohnte, die Kritikerin Heidenreich für ihre begründete Pauschalkritik aber bestrafte, indem es ihr die Sendung wegnahm.

Mehr noch. Mit „Lesen!“ trifft es jetzt ausgerechnet eine Sendung, die von der Qualitätsdebatte gar nicht betroffen war. Die Entscheidung des ZDF sagt genauso viel über den Sender und sein Programm aus, wie Marco Schreyls peinlich-trotziger Seitenhieb beim TV-Preis auf die Kritiker des DSDS-Formats. Es ist die Unfähigkeit sich Kritik zu stellen, ernsthaft über besseres Fernsehen zu diskutieren, innovativ zu sein und statt dessen lieber am Gewohnten festzuhalten, den irgendwie funktionierts ja doch. Und gerade weil das Programm der Privaten so schlecht sei (was es nicht ist) ruhen sich ZDF und ARD auf dem Status des relativ gesehen nicht ganz so schlechten Fernsehens aus. Gebührenfinanzierte Schunkelstunden mit den aufgegelten Volksmusikanten, seifige Schnulzenserien, müde Gottschalks und Elstners und all dem Mist, der viel viel schlimmer ist als jedes DSDS-Casting.

Es geht ja leider nichtmal darum, dass das was Fernsehen heute ist, die Formate die so geliebt werden (Casting, Reality) mit dem Bildungs-, Kultur- und Unterhaltungsauftrag zu füllen oder endlich, endlich mal gute Filme nicht 0 Uhr zu versenden, sondern viertel nach neun. Es geht leider nur darum, ob man nicht vielleicht einen Kanal zur Hochkultur öffnen kann und zur Bildung. Aber nichtmal dazu sind sie alle in der Lage. Statt dessen keifen sie sich an, die alten Männer und Frauen, die gar nicht wissen, was Fernsehen ist und kann.

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