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Shit, sie haben Abby gekidnappt! (c) BBC

Achtung: Spoiler falls Staffel 1 noch nicht gesehen, sowohl in den Videos als auch im folgenden Text.

Videorückblick – Staffel 1:

Endlich ist Survivors wieder da. Und wie! Etwas länger als nötig hatte die BBC gewartet – vielleicht ja wegen der Schweinegrippe – um das 2008 gestartete, tolle Remake des Kult-Klassikers Survivors wieder auf die TV-Bildschirme zu bringen. Schon 1975 und auch noch mit etwas schwächeren weiteren Staffeln in den Folgejahren schickte die BBC das von Terry Nation erdachte Endzeitdrama in die Wohnzimmer begeisterter Scifi-Fans. 2008 überzeugte das zeitgemäße Remake viele TV-Fans.

Schöne HD-Optik, aktualsierte Charaktere (vor allem hinsichtlich ethnischer Herkunft), mehr Action, weniger Philosophie – das waren die Grundwerte der ersten neuen Staffel. Mit Staffel 2 scheinen die Macher die Schraube noch einmal hinsichtlich Mainstream anzuziehen – und das klappt überraschend gut. Nach vielen im Verlauf eher lahmen neuen US-Serien (FlashForward, V) ist Survivors tatsächlich eine überaus angenehme Abwechslung. Locker nimmt es die BBC-Produktion mit den US-Dramen der letzten Zeit auf. Unnötig eigentlich, dass im Verlauf der Episode heftig bei Lost (und FlashForward) geklaut wird. Ich weiß gar nicht mehr, ob das Flashback-Element, auf das ich anspiele, auch schon in der ersten Staffel benutzt wurde?

Greg, der den Flashback hat, ist schwer verwundet, Anya und Al werden verschüttet. Und unsere gute Abby, „Mutter“ aller Überlebenden, wurde von bösen Wissenschaftlern gekidnappt. Tja, wenn ihr nun nicht mehr wisst, wer wer war und überhaupt – so gings mir auch. Viel Zeit sich an die Charaktere und die Handlunsgbögen der ersten Staffel zu erinnern bleibt nicht, denn Survivors legt gleich ein ordentliches Tempo vor. Also: falls überhaupt schon geschehen, vielleicht nochmal schnell mit der letzten Folge von Staffel 1 auf den aktuellen Stand bringen. Denn Staffel 2 geht schließlich da weiter, wo Staffel 1 aufhörte, und das war ja mit einem fiesen Cliffhanger…

Gegenüber der mehr als soliden Produktion und schnellen Action bleiben Storytelling und Dialoge jedoch zurück. Damit geht das Remake genau in die andere entgegen gesetzte Richtung des Original, bei dem, soweit ich es verfolgt bzw. nachgeholt habe, irgendwann nur noch gemenschelt wurde. Wie in einer Seifenoper. Ähnlich klingt auch ein Satz aus der aktuellen Folge: „It’s not weak to ask for help, Tom“, sagt Sarah an einer Stelle, „Some people still care about eachother“. Ahja. Ich dachte, bei der Beschreibung des Charakters Tom Price seien wir schon ein Stück weiter, als nur, dass es ihm angeblich schwer falle, Hilfe anzunehmen. Aber vielleicht blieb bei der Aufspaltung des originalen Greg Preston – dem rauhen Beschützer – in den neuen Greg Preston und den überarbeiteten Tom Price nicht genug Charaktertiefgang für beide Figuren übrig. Auf der anderen Seite hat die BBC erst jünst mit „Paradox“ bewiesen, dass – wenn sie will – es auch noch viel schlechter geht.

Dass Survivors nicht gerade ein neues Highlight des Qualitätsfernsehens hinsichtlich ausgefeilter Charakter oder Storytiefe ist, habe ich deutlich gemacht – abgesehen davon bleibt es das derzeit vielleicht beste Mystery-Drama, welches überhaupt zur Auswahl steht. Und in einer ganz wichtigen Sache ist das Remake dem Original sogar eindeutig überlegen: Abby Grant ist noch dabei. Schauspielerin Carolyn Seymour, die die Original-Abby spielte stieg nach der ersten Staffel aus, ich glaube, weil sie sich mit den Produzenten nicht über die Fortführung der Story einigen konnte. 2010 ist Abby in noch dabei, Schauspielerin Julie Graham ging zum Glück nicht verloren. Anders als Greg und Tom ist ihre Abby Grant auch eine durchaus überzeugende Neuinterpretation. Die liegt derzeit allerdings gefesselt in einem Untersuchungslabor des fiesen Wissenschaftlers Whitaker. Wird Zeit, dass sie da jemand rausholt. Nächste Woche vielleicht auf BBC.

Hier der Trailer zu Staffel 2 (eventuell Spoiler):

Und noch mehr Survivors:

Survivors – Rezension zur ersten Staffel der Originalserie von 1975

Survivors – Kurzkritik zum Remake von 2008

Survivors bei Wikipedia

Survivors Fanblog

Survivors Website bei der BBC

Wollen überleben: Abby Grant (Carolyn Seymour) und Jennie Richards (Lucy Flemming)

Wollen überleben: Abby Grant (Carolyn Seymour) und Jenny Richards (Lucy Flemming)

Als die BBC 2008 auf die Idee kam, die Kult-Serie Survivors aus den Jahren 1975 bis 77 zu remaken, folgte sie der Idee, dass angesichts einer realistischen Angst vor weltweiten Pandemien, dieses Unterfangen nicht nur die Fans des Originals interessieren könnte, sondern auch eine breite Menge an Zuschauern.

Prouzent Hugh Warren schrieb auf Broadcastnow dazu:

The idea to remake the iconic 1970s series Survivors was BBC executive producer Sue Hogg’s. She rightly saw it would be timely following the outbreak of the Sars virus, bird flu and all the reports that we are overdue a flu pandemic.

Inzwischen ist durch die grassierende Schweinegrippe das Thema erneut aktuell geworden. Da es vom Remake derzeit nur 6 (allerdings sehenswerte, Review auf diesem Blog) Episoden gibt, möchte ich allen, die gar nicht genug Angst vor der Schweinegrippe haben können das kultige Original empfehlen. Und ganz besonders die erste Staffel mir Carolyn Seymour als Abby Grant.

„Survivors“ erzählt die Geschichte von Überlebenden einer nicht näher bestimmten weltweiten Epidemie, die nahezu die gesamte Erdbevölkerung ausgelöscht hat. Der große Charakter der ersten Staffel ist die Frauenfigur Abby Grant, die eine Gruppe guter und nicht ganz so guter Menschen zusammenhält, und nebenbei nach ihrem Sohn sucht. Mehr noch als Julie Graham im Remake weiß Carolyn Seymour ihre Abby Grant mit der richtigen Mischung aus Verletzlichkeit, Stärke, Gewissen und Vernunft zu spielen.

Abby Grant ist dabei quasi eine Mischung der beiden anderen großen Figuren der ersten Staffel, nämlich Jenny Richards (Lucy Fleming), die Naive, Verletzliche, und Greg Preston (Ian McCulloch), der der starke, rauhe Beschützer ist. Nach und nach finden sie zusammen, begegnen diesen und jenen Menschen, die genau wie sie selbst ums Überleben kämpfen und Schutz suchen.

Tatsächlich geht es in Survivors um die Frage, wie Menschen ohne Gesellschaft, Staat und Gesetze leben, also quasi im Naturzustand. Die Überlebenden müssen versuchen eine neue Gesellschaft aufzubauen und natürlich haben sie verschiedene Vorstellungen davon.

Wir treffen den Einzelgänger Garland, der sich im Partisanenkrieg mit Besetzern seines Anwesens befindet, den guruhaft wirkenden Charles Vaughaun, der versucht möglichst viele Kinder zu zeugen oder den Gauner Tom Price, der durch ein Verbrechen die Gemeinschaft vor ihre erste große Aufgabe stellt: sie müssen einen (vermeintlichen) Mörder richten und sie entschließen sich zur Todesstrafe. Nachdem klar wird, das der Falsche gerichtet wurde, unterhalten sich Abby und Greg:

Greg: It still comes back to me.
Abby: Oh Greg, we’re all just as responsible.
Greg: Yeah, but we didn’t all pull the trigger.
Abby: You were carrying out a collective decision. Look, If I’ve had voted the other way, then…
silence
Abby: I still think, the others schould be told about Price.
Greg: I don’t see what’s good that gonna do.
Abby: That’s not the point.
Greg: That’s the whole point. We’re fighting for survival not principles.
Abby: They have a right to know.
Greg: Abby, you’re the figure head here. Whether you like it or not, people are always gonna look up to you for a lead. But I’m the manager, I run things. And I’m warning you, that if you gonna insist on telling them I’ll challenge you. And if that happens, then all we’ve got here is gonna just fall apart.

Survivors ist also eine Serie über grundsätzliche Fragen unserer Gesellschaft, über das Fundament auf dem sie steht, und wie brüchig doch die Prinzipien sind, nach denen wir sie aufgebaut haben. Darüber, welche Herausforderungen Dinge darstellen können, die wir heute als normal hinnehmen. Vom Mangel an Elektrizität, Medikamenten, Wissen (etwa darüber wie man eine Maschine baut) und auch davon, wie eine gerechte Gesellschaft zu gestalten ist.

In der zweiten Staffel ist Carolyne Seymour dann nicht mehr dabei und die Serie wird zu einer ziemlich seifig anmutenden Geschichte. Die wunderbare erste Staffel, die so herrlich altmodische Episodentitel wie „Gone to the Angels“, „The Future Hour“ oder „Something of Value“ hat und vor allem im trübe, verregneten englischen Landschaften zwischen Cottages und Schlößchen spielt, ist auch heute noch einen Blick wert. Auch ganz unabhängig von der Schweinegrippe.

Survivors, Series 1, BBC, 1975, imdb, auf DVD erhältlich (UK Import)

Abby Grant (Julie Graham)

Der gute Mensch: Abby Grant (Julie Graham)

Ob der Mensch außerhalb der Gesellschaft gut oder böse ist, dazu haben die politischen Philosphen unterschiedliche Ansichten gehabt. Bei Thomas Hobbes waren sie ohne die Gesellschaft Feinde, bei Rousseau machte diese sie erst schlecht.

Die Endzeit-Serie Survivors, ein Remake der BBC-Produktion von 1975 bis 77, beschäftigt sich zunächst mit dem Nachwirken der alten Zeit. Nachdem ein Virus 99,9 Prozent der Erdbevölkerung getötet hat, versuchen die Überlebenden die Gesellschaft neu zu organisieren, insofern sie überhaupt ein Interesse daran haben. In der ersten Folge sind in einem Gefängnis nur ein Wärter und ein Häftling am Leben. Für den Wärter gelten die alten Gesetze und Regeln noch: er will den Häftling weiterhin gefangen halten. Das einzige überlebende Mitglied der britischen Regierung versucht ebenfalls mit starker und harter Hand eine Gruppe Überlebender zusammenzuhalten.

Der gute Mensch ist Abby Grant, eine etwa 40jährige Frau, die mit Klugheit und Emphatie eine andere Gruppe bunt gemischter Überlebender zusammenhalten will, wenn sie nicht gerade nach ihrem Sohn sucht. Diese handeln anders als die unter striktem Regime der Ministerin lebenden Survivors von Natur aus tugendhaft, sie sind Rousseaus Menschen, die unter der Ministerin, das könnte die von Hobbes sein, im Staat. Und dann gibt es natürlich noch Outsiders, die in Hobbes Naturzustand vagabundierend, misstrauisch und feindseelig oder voller Angst leben.

Das alles ist interessant. Aber Survivors ist auch eine überdurchschnittliche und unterhaltsame Serie. Sie ist ein wenig vorhersehbar und arg auf ein gutes Menschenbild getrimmt, und sie bildet politisch korrekt natürlich alle Ethnien der britischen Gesellschaft ab. Farbige, Muslims, Weiße. Handwerklich ist Survivors ebenfalls über alle Zweifel erhaben. Gut gefilmt und kurzweilig geschrieben, für Endzeit-Fans auf jeden Fall ein Tipp.

Survivors (Remake), seit 23. November 2008, BBC (UK)

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