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Im Februar diesen Jahres sorgte eine Vorabveröffentlichung eines Portraits über Stefan Niggemeier in der taz für eine kleine Mini-Aufregung in der Blogosphäre. Der Autor des Portraits schrieb Stefan Niggemeier eine Enthüllungsgeschichte zu, die dieser aber nicht selbst aufgedeckt, sondern nur aufgegriffen und einem größeren Publikum zugänglich gemacht hatte. Diese Geschichte steht hier ausführlich. Der Fehler wurde später korrigiert.

In diesem Text, der – genau wie dieser hier – bitte nicht als Rumniggelei an Niggemeier missverstanden werden soll, schrieb ich damals:

„Und auch der letzte große Coup des Bildblogs, die Geschichte mit dem falschen Vornamen des neuen Wirtschaftsministers, beruht nach Aussage von Niggemeier auf der Arbeit eines externen (wie wir aus der Zeit erfuhren: Studenten), der mit Bildblog ansich nichts zu tun habe. Die Lorbeeren ernetet letztlich aber das Bildblog (was dem Studenten in dem Fall aber nicht stören dürfte, wenn es ihn denn gibt), worüber sich Niggemeier auf seinem Blog freut. In der öffentlichen Wahrnehmung wird diese kritische “Enthüllung” zu den strukturellen Problemen und journalistischen Mängeln vieler Medien, früher oder später – das würde nicht verwundern – dem Bildblog und Niggemeier zugeschrieben.

Genau das ist jetzt auch passiert. Die Westfälischen Nachrichten schrieben nun kurzzeitig über Stefan Niggemeier:

„Niggemeiers Coup, in Wikipedia Wirtschaftsminister Guttenberg den falschen Vornamen Wilhelm unterzujubeln, war ein kleiner Medienskandal. Verdeutlichte es doch die Bequemlichkeit mancher Journalisten bei ihren Recherchen.“

Der Text wurde inzwischen geändert, nachdem Niggemeier selbst auf seinem Blog auf den Fehler hingewiesen hat.

Ich hatte mir ja damals gedacht, ob die Kritik meinerseits an diesem falschen Portrait vielleicht übertrieben war, aber wie sich jetzt herausstellt, war die Legendenbildung rund um den wichtigsten deutschen Blogger keine einmalige Angelegenheit. Mal sehen, wie die Sache weitergeht.

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Offenbar wegen der häufigen stilistischen Fehler in den Artikeln des TV-Fanmagazins (Nachtrag: die Kommentatoren weisen darauf hin, dass es sich um ein kommerzielles Unternehmen handelt) Quotenmeter.de hat Journalist Stefan Niggemeier jetzt öffentlich das Projekt angegriffen und auf seinem privaten Weblog der Lächerlichkeit preisgegeben; oder zumindest sein Blog für einen solchen Angriff bereitgestellt (unter dem Artikel steht die kryptische Botschaft „von und für Michael) Als Beweis für die mangelnde Qualität des Angebots führt Niggemeier zwei „Stilanalysen“ (1,2) des deutschen Drehbuchautors Torsten Dewi an, die dieser auf seinem Blog „Wortvogel“ veröffentlicht hatte. Eifrig werden sie von den üblichen Jubelpersern in den Kommentaren um weitere Beispiele ergänzt.

Die Kritik an Quotenmeter verstehe ich. Im Vergleich zu Serienjunkies.de ist die Berichterstattung über US-TV, die ich bei beiden Zines verfolge, schlechter. Allerdings gibt es nicht wirklich viele Seiten im deutschen Netz, die zumindest semiprofessionell überhaupt die relevanten Meldungen und Quoten aus dem US-Markt zusammenfassen.

Insofern finde ich es, trotz der sicherlich auch berechtigten Kritik, überhaupt gut, dass es Quotenmeter gibt. Und zumindest bei der Ende 2008 und Anfang 2009 sowohl bei Quotenmeter als auch bei der Profiseite DWDL.de stattgefundenen exzessiven Berichterstattung über die schlechten Big-Brother-Quoten konnte ich keinen qualitativen Unterschied zwischen beiden Seiten erkennen. Das betrifft die Quotenmeldungen aber allgemein. DWDL bietet darüber hinaus professionellen Journalismus und Quotenmeter Fan-Atmosphäre. Beide haben also ihren Platz. Wollen Medienmacher wissen, was den Fans gefällt schauen sie sicher eher auf Quotenmeter als auf DWDL.

Warum sich Niggemeier nun vor allem auch zu der Formulierung ”Quotenmeter” ist eine Seite, die erstaunlich viele Medienmenschen mit einem professionellen Branchendienst verwechseln“ hinreissen lässt und ganz besonders auch Quotenmeter-Chef Fabian Riedner als „einschlägig bekannt“ bezeichnet (und damit gefühlt in die Nähe eines Verbrechers rückt), verstehe ich nicht. Niggemeier spielt als TV-Kritiker und Fernsehjournalist in einer ganz anderen Liga und zeigt dann plötzlich auf eine kleine Fanseite, die junge Leute mit Engagement betreiben (und dabei selbstverständlich auch Fehler machen) und stellt diese damit blos. Ich finde, dass ist ganz schlechter Stil.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Stefan Niggemeier nicht mehr nur auf Medienprofis, sondern zunehmend auch auf junge Leute losgeht, die auch „was mit Medien“ machen. Vor einiger Zeit zerrte Niggemeier eine junge RTL-Journalistin in die Öffentlichkeit und empfahl ihr einen anderen Beruf, weil sie bei der Berichterstattung über den Amoklauf in Winneden völlig überfordert war.

Am 23. März erscheint ein Buch mit dem Titel „Die Alphajournalisten 2.0“. Darin, so schreibt der Herausgeber, porträtieren die Autoren „die neuen Stars der deutschen Medien- und Journalistenszene: Die “next Generation” des Journalismus arbeitet vor allem als Web-Kolumnist, Blogger und Online-Chef – und erst nebenher als Blattmacher, Buchautor oder TV-Moderator.“

Einer der portraitierten ist Stefan Niggemeier. In der taz erschien am Freitag ein Vorabdruck des Portraits über Stefan Niggemeier. Darin ist ein Absatz enthalten, der bei den Bloggern Weltherrscher und lanu für Aufregung sorgte:

Hat er nicht Angst vor all den großen Namen – vor Springer, vor Broder, vor jenen, die einen Vitaminpromotor wie Hademar Bankofer beschäftigen, der medizinische Weisheiten verkündet, deren Haltlosigkeit Niggemeier ebenfalls enthüllte, auf dass der sogenannte Fernsehdoktor in der ARD nicht mehr praktizieren konnte? Nein, „Angst“, sagt er, „habe ich nur manchmal vor den Folgen meiner eigenen Veröffentlichungen, nicht vor den großen Namen“

Es geht wohl um diese Texte in Niggemeiers Blog, die erschienen nachdem ein Blogger namens hockeystick bei der BooCompany auch auf die kommerziellen Verwicklungen von Hademar Bankhofer hingewiesen hat. Niggemeier verweist in beiden Blogartikeln selbst darauf, dass die Bankofer Geschichte auf Recherchen von Boocompany und Stationäre Aufnahme zurückgeht. Das Buch aber, es schreibt ihm dies als eigene Journalistische/Rechercheleistung zu.

Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang auch diesen Absatz des Artikels aus dem Portrait:

Was sagt Niggemeier selbst über diese Zuschreibung? „Alphajournalist? Ich wäre kokett, wenn ich sagen würde, nein, dazu werde ich gar nicht gezählt oder das Label ginge an mir vorbei. Aber je größer die Etiketten, umso häufiger ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass die Leute das gegen mich verwenden – und irgendwann irgendeiner merkt, dass ich auch nur mit Wasser koche. Der Niggemeier – ein Faker!“ Eine Angst, die viele Journalisten kennen mögen – und bei Niggemeier klingt es sogar ein wenig frivol. Er ist doch bekannt als sattelfester Rechercheur.

Es ist bei vielen von Niggemeiers Coups tatsächlich so, dass sie weniger auf sattelfester Recherche beruhen, als mehr auf der Arbeit anderer, sie aber hauptsächlich auf Stefan Niggemeier positiv zurückwirken. Auch Niggemeiers „Enthüllungen“ um die TV-Gewinnspielveranstalter 9Live und Callactive beruhen zu großen Teilen auf der Arbeit obsessiver Nutzer eines Forums, dass Bildausschnitte akribisch sammelt. Und auch der letzte große Coup des Bildblogs, die Geschichte mit dem falschen Vornamen des neuen Wirtschaftsministers, beruht nach Aussage von Niggemeier auf der Arbeit eines externen (wie wir aus der Zeit erfuhren: Studenten), der mit Bildblog ansich nichts zu tun habe. Die Lorbeeren ernetet letztlich aber das Bildblog (was dem Studenten in dem Fall aber nicht stören dürfte, wenn es ihn denn gibt), worüber sich Niggemeier auf seinem Blog freut. In der öffentlichen Wahrnehmung wird diese kritische „Enthüllung“ zu den strukturellen Problemen und journalistischen Mängeln vieler Medien, früher oder später – das würde nicht verwundern – dem Bildblog und Niggemeier zugeschrieben. Dabei sammelt, sortiert und aggregiert Niggemeier hauptsächlich, soweit es seine Internetbezogene Arbeit und Publikation betrifft. Als oft auch popkultureller Journalismus-Unternehmer hat es Niggemeier zu einem Geschäftskonzept gemacht, das was im Internet oft ohne ökonomische Absichten journalismusähnlich recherchiert und enthüllt wird, auszuwerten, anzureichern, zu erläutern und einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das ist gut und schlecht zugleich.

Niggemeier sagt, in diesem Portrait, er wolle nicht ideologisch sein (auch darüber könnte man im Falle der Bildzeitung diskutieren: kann es zu ihr überhaupt einen anderen Standpunkt als einen ideologischen geben, und wenn ja, macht dieser sie dann nicht besser als sie ist?), er wolle das Bild über die Bild „schlechter Geschmack“ aber „verlässliche Recherchen“ (Wo kommt denn das her?) entmystifizieren, das Bildblog sammelt nur Argumente, sagte er mal an anderer Stelle. Aber wer entmystifiziert Stefan Niggemeier (und ist das überhaupt nötig?), der, und das wissen wir nach dem Text aus dem Journalisten-Buch völlig unkritisch hofiert wird, vielleicht auch, weil es ja einen geben muss, unter ihnen, den Journalisten, die sie alle übereinander schreiben, der auch gut ist, der das Ideal des guten Journalisten hochhält?

Wenn in so einem Buch in einem Artikel über einen der als idealistisch, recherchesicher, angstfrei und distanziert (im positiv journalistischem Sinne) beschrieben wird, selbst diese Distanz nicht gewahrt wird, sondern hoffnungslos gelobhudelt wird und obendrauf auch nochweislich falsche Sachen stehen, dann hat das zweifelsohne einen faden Beigeschmack. Man soll Botschaft und Sender nicht verwechseln. Ob einer, der immer sagt, was die anderen alles falsch machen, nicht auch mal Fehler machen kann oder soll, darüber liese sich streiten. Wenn es diese Fehler gibt, und Niggemeier nicht nur der große Idealist und unerschrockene David der Medienwelt ist, dann sollte man das wissen. Aus dem Buch „Die Alphajournalisten 2.0“ erfährt man es jedenfalls nicht.

Nachtrag 15.2.: Inzwischen haben noch weitere Blogs berichtet: Chris (F!xmbr) setzt den aktuellen Vorfall in einen größeren Zusammenhang der gesamten Kritik an Stefan Niggemeier und nennt Niggemeier einen Sonnenkönig. Cartagena findet auch, das Niggemeier die Lorbeeren für anderer Leute Arbeit einheimst. ugugu findet, Niggemeier sollte deutlich Stellung beziehen. Derselben Ansicht ist oldman. Und Martina Kausch findet schon seit gestern, dass sich lanu zu Recht ärgert. Unaufgeregter, präzise und stilsicher schreibt das Blog „A Better Tomorrow“ über die Rampensau Niggemeier und den deutschen Kumpeljournalismus.

Nachtrag 16.2.: Die taz hat inzwischen den Fehler im Text korrigiert: „Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich hatten wir geschrieben, dass Niggemeier auch die „Haltlosigkeit der medizinischen Weisheiten“ eines Hademar Bankhofer „enthüllte“, der daraufhin nicht mehr in der ARD praktizieren konnte. Die Enthüllungen über Bankhofer stammen aber nicht von Niggemeier, sondern von den Bloggern von ‚Stationäre Aufnahme‘.“

Nachtrag 28.4.: Wie mir ein Käufer des Buchs „Die Alphajournalisten 2.0“ inzwischen getwittert hat, ist der Fehler auch im Buch korrigiert wurden.

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