You are currently browsing the tag archive for the ‘Slumdog Millionaire’ tag.

All I wanna say is that
They don’t really care about us (They don’t care about us, Michael Jackson, 1996)

Ob Danny Boyle wohl weiß, wie es ist obdachlos zu sein. Ob Danny Boyle wohl jemals nach Hause kam, und sein Haus war niedergerissen? Ob es Danny Boyle wohl interessiert, dass seine beiden Kinderstars aus Slumdog Millionaire obdachlos geworden sind, jetzt nachdem er 8 Oscars gewonnen hat (die Kids auf dem roten Teppich mit dabei)?

Eine Woche nachdem indische Behörden bereits das Haus von Azharuddin Ismail, der in Slumdog Millionaire den kindlichen Salim spielt, abgerissen haben, ist nun auch der zweite Kinderstar aus dem preisgekröntem Film obdachlos geworden. Heute haben indische Behörden das Haus von Rubina Ali, die die kleine Latika spielte, dem Erdboden gleich gemacht. „Ich weiß nicht, wo ich heute Nacht schlafe. Ich habe kein Dach über dem Kopf“, erzählte das neunjährige Mädchen Journalisten. Ein Bild zeigt sie vor den Trümmern ihres Hauses. Ihr Vater sei verletzt wurden.

Die indischen Behörden haben die Häuser der Kinder und ihrer Familien bei einer Abrißaktion in den Slums zerstört, da diese illegal errichtet wurden sind. Sie grenzten an eine Zugverbindung, hoch oben über dem feinen Bandra, einer Vorstadt in der viele Bollywoodstars leben. Nicht jedoch Azharuddin Ismail und Rubina Ali, die wohnten auch nach ihren Filmrollen weiterhin in den Slums, was vor der Oscar-Verleihung bereits eine Kontroverse ausgelöst hatte. Plakativ hatte Boyle dann die Kinder in der Oscar-Nacht auf dem roten Teppich präsentiert.

Jetzt haben sie nichtmal mehr die armseeligen Baracken. Vorrübergehend können die Kinder nun bei einem Onkel wohnen. Wie wäre es, wenn sich statt dessen mal Danny Boyle und Fox Searchlight um die Sache kümmern würden?

Advertisements
Slumdog Millionaire: Jamal Malik (Dev Patel) blickt auf das moderne Indien. Wie ist es wirklich?

Slumdog Millionaire: Jamal Malik (Dev Patel) blickt auf das moderne Indien. Wie ist es wirklich?

Hollywood liebt „Slumdog Millionaire“, den ganz großen Gewinner der 81. Oscar-Verleihung. Abzusehen war das: Slumdog hatte schon überall abgeräumt: Britisch Independet Awards (3 Auszeichnungen), den britischen Filmpreis Bafta (7), Screen Actors Guild Award (1), vier Golden Globes und nun acht Oscars.

Warum ist das so? Nun, zunächst einmal ist Slumdog eine dieser ganz großen Liebesgeschichten, viel kitschiger als Titanic, märchenhaft, aber auch so cool, dass er locker auch Jungs gefällt, auch solchen, die sonst vielleicht eher auf Ballerei stehen. Slumdog Millionaire ist optisch und akkustisch absolut atemberaubend, schnell, emotional und künstlerisch. Slumdog ist aber auch innovativ, in dieser Art hat man noch nie eine so gelungene Mischung aus Hollywood und Bollywood gesehen.

Und er ist voller Themen. Am Anfang sitzt der junge erwachsene Jamal Malik in der indischen Ausgabe von „Wer wird Millionär“ und er weiß auf jede Frage eine Antwort. Das erweckt Misstrauen, zwei Polizisten verhören ihn und Jamal beginnt seine Geschichte zu erzählen. Episodenhaft nun, erfahren wir kleine, rührende spannende Geschichten aus Jamals Leben (die jeweils die Antwort auf eine der Fragen enthalten), eine Geschichte, die einen westlichen Blick auf die indische Kultur wirft, den Zuschauer in das schmutzige Mumbai führt, zugleich mit Bollywood spielt. Wir erfahren aus dem Leben von Slumkindern, treffen mit Jamal auf seine baldige große Liebe Latika, sehen wie sein großer Bruder in die Kriminalität abrutscht, wie sich Indien verändert und wächst, aber doch auch weiterhin den selben Verbrechern Raum bietet, die Jamal, Salim und Latika als Kinder im dreckigen Mumbai ausbeuteten und an die später Salim und Latika im kapitalistisch blühendem Mumbai zunächst noch gebunden sind.

Regisseur Danny Boyle, der mit „Trainspotting“ und „The Beach“ schon ähnlich ungewöhnliche Filme vorlegte wollte einen Wohlfühlfilm drehen wie er selbst sagte. Sein Bezug zu den sozialen Problemen Indiens ist immer nur der filmische, im Gegensatz zu anderen Straßenkinderfilmen wie „Salaam Bombay“ (1988) oder „Chop Shop“ (2007) fühlt man sich als Kinozuschauer nie angewidert oder wirklich schockiert bei „Slumdog Millionaire“. Trotz allem bleibt es ein schöner, märchenhafter und natürlich dramatisierter Film.

Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt. Trotz seiner filmischen Qualitäten hat „Slumdog Millionaire“ eine Kontroverse ausgelöst. Schnell kam der Vorwurf auf, der Film würde ein Armutsporno sein, vor allem auch die indischen Kinder, die den jungen Jamal und die junge Latika spielen ausbeuten. (Mehr dazu hier: Slumdog-Kontroverse). Doch das Thema ist (wie immer) komplex: Neben der Frage, ob man sich als westlicher Kinobesucher so unkritisch einem Feelgood-Movie im Slummillieu hingeben darf, steht auch die Frage, ob die dramatische Zuspitzung von Jamals Lebenswirklichkeit dem echten Indien, den echten Slums überhaupt gerecht wird. Kriminalität, Kinderausbeutung, Schmutz, Armut – viele Inder fühlen sich provoziert, glauben der Film stellt nur die Schattenseiten des Slumlebens dar. Tatsächlich aber, erwiesen sich die Bewohner solcher Slums „als gut informierte, kritische und mündige Wähler. Mehrfach brachten sie mit ihren Stimmen Regierungen zu Fall, von denen sie sich hintergangen fühlten. Daher kommt heute keine Partei mehr an den Stimmen der Armen vorbei.“ (Bericht in der tageszeitung)

Was denn nun? Wird Armut romantisch verklärt, oder wird die indische Armut zu kritisch, zu einseitig dargestellt? Soll man sich darüber überhaupt gedanken machen oder lieber den Film genießen, so wie er ist. Diese Frage ist schwer zu beantworten. Aber diese Debatte muss geführt werden, bringt sie doch vielleicht die indische Mittelschicht dazu, zu sehen, dass es diese Armut gibt, den westlichen Kinozuschauer dazu, zu verstehen, dass die Welt ein wenig komplexer ist als ein Hollywood-Film ist.

Beiträge auf anderen Weblogs: René Seifert zum „Slumtourismus“.

Slumdog Millionaire, USA/UK 2008, IMDB, Trailer bei Youtube, Roman bei Amazon (kein kommerzieller Partnerlink, englisch), deutscher Kinostart: 19. März 2009

[picapp src=“4/a/c/1/PicImg_81st_Academy_Awards_a2f0.JPG?adImageId=5104857&imageId=4082209″ width=“500″ height=“587″ /]

Regisseur Danny Boyle posiert mit dem Oscar für die beste Regie in „Slumdog Millionaire“. Der Film räumte bei den Oscars 2009 ab. via Newscom, PicApp

Die Gewinner der 81. Oscarverleihung 2009 stehen fest. „And the Oscar goes to…“ hieß es in der Nacht zum 23. Februar 2009. Diese Oscar-Verleihung, sie war sehr musikalisch. Moderator Hugh Jackmann machte aus seiner Vorliebe für Musicals keinen Hehl und eröffnete die Oscar-Nacht direkt mit einer musikalischen Persiflage auf die beliebtesten Filme in einer an billig ausschauenden klassischen Musical-Kulisse (eine Anspielung auf die Wirtschaftskrise?).

Der ganz große Gewinner ist wie schon bei den Golden Globes „Slumdog Millionaire“. Insgesamt acht Oscars (Bester Film, Regie, adaptiertes Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton, Musik, Lied) gewinnt der Film über einen indischen Straßenjungen, der bei „Wer wird Millionär“ teilnimmt um seine große Liebe zurückzugewinnen und jede Antwort weiß. Schicksal? Vielleicht, aber hinter jeder richtigen Antwort steckt eine kleine Geschichte, Geschichten die uns im Film das Leben des Slumdogs erzählen. Slumdog Millionaire ist mit acht gewonnen Oscars in der ewigen Rangliste der Filme mit den meistgewonnen Oscars auf Platz 14 bei 10 Nominierungen (die erfolgreichsten Oscar-Filme sind übrigens Titanic, Ben Hur und Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs mit jeweils 11 Oscars).

Der für 13 Oscars nominierte „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ hingegen gewinnt nur drei Oscars in den technischen Kategorien (Makeup, Visuelle Effekte, Szenenbild). Berechtigt: wie auch manch Kritiker schrieb, dieser Film ist technisch perfekt, aber doch recht langatmig und seelenlos. Diese Entscheidung ist nur folgerichtig. Regisseur David Fincher hatte mit seinem routiniertem Werk geradezu um Oscars gebettelt, aber wie man im Englischem so schön sagt: „He was trying too hard“.

Beste Haupdarstellerin wird ganz verdient Kate Winslet für ihre Darstellung einer in den Wirren des Zweiten Weltkrieges und dem Holocaust schuldig gewordenen Deutschen in der Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“.

Der beste Hauptdarsteller des Oscar-Jahres ist ebenfalls völlig verdient Sean Penn, der für seine Darstellung des homosexuellen Bürgerrechtlers Harvey Milk geehrt wurde. In Gus van Sants Film über eine Stück Geschichte und politische Liberalisierung ist Penn nach Ansicht vieler Kritiker vollkommen in seiner Rolle aufgegangen. In seiner Dankesrede betonte Penn dann auch nochmal die Bedeutung der politischen Botschaft und hatte warme Worte für seinen Freund Mickey Rourke („Du bist mein Bruder“) übrig, der ebenfalls in dieser Kategorie für einen Oscar nominiert war.

Deutschland kann den Oscar für den besten ausländischen Film nicht abräumen (Nominierung für „Baader Meinhoff Komplex“), statt dessen gewinnt leicht überraschend der japanische Film „Okuribito“ („Departures“). Ganz leer gehen die Deutschen aber nicht aus: Der Kurzfilm „Spielzeug“ von Jochen Alexander Freydank erhält einen Oscar.

Der Animationsfilm des Jahres ist erwartungsgemäß Wall e. Der verstorbene Heath Ledger gewinnt für seine Darstellung des Jokers in The Dark Knight ebenso erwartungsgemäß einen Oscar. Den Preis nahmen seine Familienmitglieder für ihn entgegen. Eddy Murphy übergab den Ehrenpreis für humanitäres Engagement an den Komiker Jerry Lewis.

Hier sind sie, nun alle Preisträger der Oscars 2009, komplett aufgelistet. Mit einem Klick auf den jeweiligen Oscar-Preisträger kommt man auf die entsprechende Seite der Internet Movie Database (IMDB), die größte Filmdatenbank im Internet. Dort findet man weitere Informationen zu den ausgezeichneten Filmen, Schauspielern und Filmemachern:

Den Rest des Beitrags lesen »

In Deutschland noch gar nicht in den Kinos (ab 19. März) entfachte der Film „Slumdog Millionaire“, der als einer der heißtesten Oscar-Kandidaten (10 Nominierungen) gilt, im Ausland eine kulturelle Debatte, die Ende Januar darin kulminierte, dass der Produktionfirma, „Fox Searchlight“ und Danny Boyle, dem Regisseur, vorgewurfen wurde, indische Kinder aus Slums wirtschaftlich auszubeuten.

Slumdog Millionaire, erzählt die Geschichte von einem (ehemaligen) indischem Slumjungen (vulgo: Slumdog), der bei „Wer wird Millionär“ teilnimmt, um seine große Liebe wiederzugewinnen, und alle Antworten weiß, den hinter jeder Antwort steht eine Geschichte. Der kindliche Slumdog und dessen Freundin wird dabei von zwei echten indischen Slumkindern verkörpert: Rubina Ali und Azharuddin Ismail.

Der britische Daily Telegraph berichtete Ende Januar nun, die beiden Kinder würden immernoch in Armut leben, was angesichts des Erfolges des Films eine Schlagzeile ist. Um es abzukürzen: Sie haben einmalig 2400 bzw. 800 Dollar erhalten, (ursprünglich) kein Haus (was die Eltern kritisieren) und monatliche 20 Pfund für Schule und Essen. Sollten sie die Schule bestehen, erhalten sie eine größere Summe (über deren genaue Höhe sich Fox ausschweigt). Die offizielle Darstellung besagt, es sei von Anfang an ein langfristiger Plan gewesen, den Kinder für lange Zeit im Leben zu helfen, die Entscheidung sie in den Slums und ihrer Community zu belassen eine moralische (mehr dazu in einem ABC-Radio-Interview mit Danny Boyle).

Hintergrund dieser Geschichte ist eine kulturelle Debatte und eine „Schmutzkampagne“ gegen Slumdog Millionaire, zumindest wenn man Pete Hammond von der L.A. Times glaubt:

Most of the damning allegations are being hurled against Fox Searchlight’s „Slumdog Millionaire,“ rather obvious since the film is the unquestioned front-runner and an easy target for rivals.

As noted earlier in this column, forces were at work in India trying to disparage Danny Boyle’s surprise hit and awards magnet leading to a front page L.A. Times story last Saturday pointing out some of the negative criticism essentially saying the film is a „white man’s“ vision of a slum-ridden India.

Danny Boyle selbst empfindet „Slumdog“ vor allem als „Feelgood-Movie“, wie er sagt (siehe verlinktes Interview), was aus moralischer Perspektive bedenklich erscheinen mag, stellt es doch Kinder in Armut dar. Und natürlich, so sagen einige, ist es mal wieder die westliche Version über das Leben (und die Probleme) in Indien (was wiederum die Inder selbst erzürnt).

Alice Miles von der London Times schreibt:

And it is set not in the West but in the slums of the Third World. As the film revels in the violence, degradation and horror, it invites you, the Westerner, to enjoy it, too. Will they find it such fun in Mumbai?

[…] Slumdog Millionaire is not a million miles away from a form of pornographic voyeurism. A Thousand Splendid Suns is obsessed with rape and violence against women, the reader asked to pore over every last horrible detail. Slumdog Millionaire is poverty porn.

Der Blogger Patrick Goldstein, sieht in der mit dem Erfolg von Slumdog aufkommenden Kritik (vermutlich unter der Prämisse, dass Slumdog gar kein sozialkritischer, sondern vor allem ein künstlerischer und fantasievoller Film sein will, sehe Boyle) einen typischen Kritikerreflex auf (zu großen) Erfolg von (popkulturellen) Werken, eine zu erwartende Gegenreaktion:

Today’s critics, who are invariably the torch bearers of the backlash posse, are suspicious, if not openly hostile, of any piece of art that is granted too much widespread — i.e. uncritical — public acceptance. In fact, the „Slumdog“ crew should take the whole thing as a back-handed compliment, since you have to be incredibly successful even to inspire a backlash. No one would bother to launch an attack on a tiny cult classic or an obscure art film — it’s the picture’s very popularity that inspires a critical counter-attack.

Deshalb empfiehlt Goldstein Kinogängern und Kritiker:

Whether you’re a critic or simply a loyal fan, when you see a film that rocks your world, don’t second guess your instincts. There’s nothing wrong with love at first sight.

Das soll sie dann wohl sein, die Art und Weise, wie Kulturkritik und Filmkritik (oder jegliche Kritik) im goldsteinschen Sinne zu funktionieren hat: Gut ist, was gefällt.

Damit ist auch der popkulturelle Erfolg von Slumdog Millionaire gut beschrieben. Wer damit klarkommt, wird Slumdog lieben, alle anderen schauen vielleicht lieber Chop Shop, einen kleinen, unaufgeregten und authentischen Film über einen Straßenjungen, der von einem eigenen Imbiswagen träumt.

Eine Bestenliste für die Filme 2008 zu erstellen ist schwierig, teilweise sind viele Filme auch aus 2007 in Deutschland noch gar nicht erschienen und von den kommenden Oscar- und Globe-Gewinner sind manche erst auf Festivals gelaufen. Und alles kann man auch gar nicht schauen, es fehlt aus garantiert was. Hier aber trotzdem mal ohne Ranking ein paar der besten Filme 2008. Mainstream-Kino ala Batman, Wall-e oder Iron Man lasse ich mal außen vor. Die Liste ist eher eine Empfehlung für Werke, die manchem vielleicht entgangen sind, oder die man in Zukunft kaufen/gucken sollte.

In Bruges (Brügge sehen und sterben)

Das kleine komische Gangsterdrama um zwei symphatische Verbrecher im wunderschönen winterlichen Brügge gehört zu den symphatischsten Filmen 2008. Vom Chef nach einem misslungenen Auftragsmord nach Brügge geschickt, finden Ray und der ältere Ken ihren ganz eigenen Bezug zur Stadt. Während Ken sich scheinbar in die Stadt verlliebt und Ruhe und Frieden findet, ist Ray wenig begeistert. Kurz darauf wird enthüllt, was der tatsächliche Sinn ihres Aufenthalts ist… wer muss sterben, nachdem er Brügge gesehen hat?

Chop Shop

In Ramin Bahranis Film „Chop Shop“ träumt Straßenjunge Alejandro von einem eigenen Imbisswagen, um sich ein besseres Leben aufzubauen. Großartig gespielt und völlig unaufgeregt erzählt und gefilmt unterscheidet sich „Chop Shop“ von anderen Straßenkinderfilmen wie Tsotsi oder City of God. Hier steht der pure Sozialrealismus im Vordergrund und die Botschaft, nie die Hoffnung zu verlieren. Einer der ehrlichsten und authentischsten Filme 2008, unaufdringlich und berührend.

Slumdog Millionaire

Wahrscheinlich der Film 2008 schlechthin: spannend, emotional, Holly- und Bollywood in einem, bereits jetzt mit Preisen überschwemmt und vermutlich einer der heißesten Anwärter auf Oscars und Globes. Slumdog Millionaire erzählt die Geschichte des indischen Straßenjungen Jamal Malik, der Kandidat bei „Wer wird Millionär“ ist (also der indischen Version). Weil der Verdacht auf Betrug aufkommt, wird ihm unsanft auf den Zahn gefühlt, doch Jamal erzählt episodenhaft sein Leben und warum er all die Antworten weiß und von seiner großen Liebe Latika… dazu der grandiose Soundtrack, unter anderem mit M.I.A. (Paper Planes!!) und viele tolle indische Tunes. Ein echtes Must See.

Milk

Der politische Beitrag zum Filmjahr 2008. „Milk“ ist Guys van Sants biografischer Film über Harvey Milk, den homosexuellen Bürgerrechtler, der als erster offen Homosexueller ein öffentliches Amt in Amerika bekleidet und erfolgreich mit einer Hand voll „schwuler Hippies“ zunächst San Franziskos und später der Gay Community des ganzen Landes gegen Proposition 6 (Berufsverbote und Diskrimminierung Homosexueller) vorgeht. Der Film glänzt vor allem durch Sean Penns herausragendes Spiel (gefolgt von Diego Luna und James Franco) und weniger durch filmische Meisterleistungen, das eher deskriptive Werk entspricht den üblichen Standards für solche Vorhaben.

Fifty Dead Men Walking

Jim Sturgess als Maulwurf bei der IRA und Ben Kingsley als dessen britischer Auftraggeber, der schnell zu einer Art Vaterersatz wird. Nach der realen Geschichte von Martin McGartland. Spannend, gut geschrieben und gefilmt, fehlt kurioser Weise auf allen großen Bestenlisten. Im Vergleich zu The Wind That Shakes the Barley (irische Rebellen) und Hunger (Hungerstrike im irischen Gefängnis), der hollywood-tauglichste IRA-Film, und einer meiner Lieblingsfilme 2008.

Happy-Go-Lucky

Happy-Go-Lucky ist ein Film, den man einfach lieben muss. Die quietschfiedele, knautschfröhliche und ständig lachende Poppy (Sally Hawkins) steht im Mittelpunkt der herrlich witzigen Komödie. Für Hawkins ist es wahrscheinlich die Rolle überhaupt, auf den Leib geschrieben sozusagen, bis ins Detail großartig gespielt. Die Grundschulllehrerin begegnet in diesem Film Menschen, die stellvertretend für den Zuschauer mit ihr im kollidieren, sei es der neurotische, hasserfüllte Fahlehrer oder die ultraspießige Schwester. Doch Poppy hält den Kopf oben und ist wie sie ist. Gutmenschlich, bezaubernd, aber doch ehrlich. Die wichtigste Komödie des Jahres. Und eine neue, eine weniger kitschtriefende Amelie!

Frost/Nixon

Richard Nixon, der bisher einzige US-Präsident der sein Amt niedergelegt hat, stellt sich nach der Watergate-Affäre dem britischen Lebemann und Talkshow-Moderator David Frost zu einem Interview. Was keiner für möglich gehalten hatte: Nachdem Nixon das Interview zunächst absolut im Griff hat (und Frost und seine Rechercheure dem beruflichen Untergang geweiht scheinen), gewinnt Frost letztlich die Oberhand und bringt Nixon dazu seine Fehler einzugestehen. Der Film zeichnet diese kuriose Geschichte nach, ohne sich auf die Seite von Nixon oder Frost zu schlagen und kommt noch dazu mit großartigen Nebendarstellern daher. Kevin Bacon etwa als persönlicher Berater von Nixon brilliert als untergebener, kühler Stratege. Superspannend und herausragend gespielt. Anders und doch noch ein Stück besser als „Good Night and Good Luck“, gerade weil es nicht um Journalismus geht, sondern um die Figuren dahinter.

Mehr Filme 2008 gibts bei Roger Ebert, und interessant sind auch die Nominierungen für die Golden Globes. Hier kann man die Favoriten des Time Magazines nachlesen. Und bei cinema klickt man sich durch die Bestenliste des amerikanischen Film-Instituts.

Nachtrag: auch andere Blogs haben inzwischen Bestenlisten für die Filme des Jahres 2008 erstellt. Bei nerdcore gewinnt The Dark Knight, die Fünf Filmfreunde haben There Will Be Blood und Man on Wire oben auf ihren Listen, sowie einige Geheimtipps.

Twittern geht immer

Social Web

Enter your email address to subscribe to this blog and receive notifications of new posts by email.

Schließe dich 7 Followern an

Knopfleiste

Statistik

  • 717,503 Seitenaufrufe seit Ende 2008