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Die kanadische Comedy-Gruppe „Kids in the Hall“ verewigt sich 2008 auf dem kanadischen „Walk of Fame“. Im Januar 2010 kehren sie mit „Death Comes to Town“ auf die kanadischen TV-Schirme zurück.

Mit „Death Comes to Town„, einer comichaften, dunklen Sitcom, meldet sich die kanadische Komiker-Truppe „Kids in the Hall“ nach mehr als 15 Jahren mit einer neuen Show auf den kanadischen Fernsehschirmen zurück. Ihre gleichnamige erste TV Serie lief 1988/89 bis 1994/95 ebenfalls auf CBC und in den USA auf HBO, außerdem in Argentinien. In Deutschland lief die Serie mal auf Premiere. Die offizielle Website der Comedians besteht bis heute nahezu ausschließlich aus Werbung für die DVDs dieser uralten Serie. Kanada eben…*.

So hinterwäldlerisch wie ihre Website kommt auch das fiktive Örtchen Shuckton in Ontario daher, dass sich ironischer Weise um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2028 beworben hat. Zeitgleich mit der Absage an diesen großen Plan trifft auch der Tod in der verschlafenen Stadt ein. Bürgermeister Larry Bowmann wird dahin gemetzelt. Wer ist der Möder?

Die Komiker von „Kids in the Hall“ übernehmen in der düsteren Comedy jeweils direkt mehrere Rollen, darunter, wie das so üblich ist, beide Geschlechter, was kaum auffällt. Die Website twitchfilm.net bestätigt in ihrem Review – die Komikertruppe ist immernoch gut in Form (Hervorhebungen von mir):

„The worry with a show like this, with the principals so long removed from their glory days, is that it will not live up to the memories of what made the group special the first time.  But the absence here has not hurt a bit.  The Kids have not lost a step and, if anything, the shift in format has brought a new punch to their work, allowing them to work characters and develop gags over an extended period.  This is absolutely prime stuff.“

Tatsächlich ist „Death Comes to Town“ eine dieser überzogenen, respektlosen, mal bunten, dann wieder dunklen Comedies, wie sie auch sonst die Briten gerne machen und mögen. Wer zuletzt „Psychoville“ (BBC2) gerne gesehen hat, wird wahrscheinlich auch mit „Death Comes to Town“ seinen Spaß haben.

*die offizielle Website von „Death Comes to Town“ ist hingegen ganz hübsch.

Death Comes to Town – Trailer:

Habt ihr Euch schonmal gefragt, wie Dieter Bohlen immer die tollen Songs einfallen, mit denen er auch in diesem Jahr bei DSDS wieder ein junges, vertragsgeknebeltes Talent für immer auslöschen wird? Tja, ich weiß es auch nicht. Bei dieser Szene hier aus der überaus witzigen Comedy „It’s Always Sunny In Philadelphia“ musste ich aber sofort an Dieter Bohlen, DSDS und die „Freaks“ denken. Ihr auch?

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John Krasinski und Jenna Fischer während der Dreharbeiten zur Hochzeit der von ihnen gespielten Jim Halpert und Pam Beesly in „The Office“. (Foto: famepictures, via PicApp)

Sie sind endlich verheiratet: Pam Beesly und Jim Halpert (Jenna Fischer und John Krasinski), die vermutlich einzig „normalen“ Mitarbeiter der fiktiven Niederlassung des Papier-Imperiums „Dunder Mifflin“ in Scranton, USA. Fünf Staffeln und ein paar Episoden hat es gendauert, bis sich die beiden Figuren aus „The Office“ (das amerikanische Stromberg) das Ja-Wort geben. In meinem persönlichen TV-Universum die vermutlich wichtigste TV-Hochzeit seitdem Andy und Flo bei GZSZ geheiratet haben. Und von Seifenoper hatte die Lovestory zwischen Jim und Pam auch immner irgendwie was.

Die Amerikaner fegte die vielleicht wichtigste Fernseh-Hochzeit des Jahres allerdings nicht grad massenhaft von den Straßen. 9,1 Millionen sahen zu. Was für derzeitige NBC-Verhältnisse ganz gut ist, aber für so eine wichtige Episode doch irgendwie enttäuscht. Vor einigen Jahren hätte das noch anders ausgesehen. Mit 4,5 Prozent aller jungen Amerikaner erreichte die Episode allerdings ein recht gutes Rating, nur noch geschlagen von Grey’s Anatomy (tvbythenumbers).

Dabei war die einstündige Hochzeitsepisode „Niagara“ gar nicht so schlecht. Time schreibt:

„Like a wedding itself, it was sometimes a long blur of one event after another; there were no subplots so much as a string of vignettes, some of them connected. And yet within that blur, there were a few moments that stood out and promised to stick with you: those moments that, as Pam said early on in the episode, you need to take a mental snapshot of.“

Einer der Höhepunkte der Sendung, neben der Vermählung als solcher, war vermutlich jene Szene in der Pam, ohnehin schon völlig gestresst, durch ein Missgeschick der Brautschleier zerreisst und Jim sie aufheitert, indem er sich die Krawatte abschneidet. Vermutlich denken viele weibliche Zuschauer in dem Moment, dass Jim Halpert der perfekte Mann ist.

Die aufgeweckte, erfrischende, humorvolle, aber niemals alberne Art- und Weise in der Jim Pam in Schlüsselszenen, wie eben auch dieser, immer wieder beistand, diese Art, sie erinnert eben auch daran, wie Michael Scott seinen Mitarbeitern beisteht. Mit dem Unterschied, dass Michael mangels sozialer Kompetenz oder Übereifer fast immer scheitert. Die Grundmotivation Jim gegenüber Pam, wie auch Michael gegenüber seinen Mitarbeiter ist allerdings dieselbe: Einsatz für den anderen, egal ob nun in Beruf oder Liebe.

Die eigentliche Vermählung sollte dann sowohl in einer Kirche, als auch auf einem Schiff in den Niagara-Fällen stattfinden, auf das Pam und Jim zwischendurch flüchten. Bei der kirchlichen Trauung entschieden sich die Produzenten ein Youtube-Video aufzugreifen, dass in diesem Sommer für Aufsehen sorgte: Die Hochzeit des realen Paares Jill und Kevin. Aus beidem, dem kuriosen Remake des Youtube-Videos als auch der beeindruckenden Niagara-Trauung wurde schließlich die eigentliche Hochzeit montiert, übrigens ganz ohne dass man jemanden sprechen hört. Sehr gelungen, fand ich. Vorab hatte sich Andy übrigens die Hoden gequetscht, Michael in irgendeiner Abstellkammer geschlafen und Kevin seine Schuhe verloren, so dass er Cleenex-Boxen statt dessen tragen musste.

In Amerika spekuliert man bereits jetzt schon, ob es für diese Hochzeits-Episode vielleicht einen Emmy geben könnte. In Anbetracht des Mangels anderer Höhepunkte im US-Fernsehen, ist das sicherlich nicht unrealistisch. Bis dahin kann man trotzdem schonmal sagen: Here’s to Pam und Jim!

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Die lieben Kinder: Atticus Shaffer, Eden Sher and Charlie McDermott in „The Middle“, hier bei einer Pressekonferenz im August 2009.

ABCs neue Comedy erinnert nicht nur vom Titel her an „Malcolm in the Middle“ (Malcolm Mittendrin) auch inhaltlich und was die Figuren betrifft, scheint es sich um eine kleine Kopie der bekannten Comedy zu handeln – nur halt ohne Malcolm. Im Mittelpunkt steht hier eher die völlig überstresste Mutter Frankie, gespielt von Patricia Heaton, die für ihre Rolle in „Alle lieben Raymund“ zwei Mal einen Emmy gewann.

The Middle ist aber auch „Indiana“, der Bundesstaat in dem die Serie angesiedelt ist und auch die (gefühlte) Mittelschicht, also das Millieu in dem die Familie lebt. Vater Arbeiter, Mutter verkauft Autos (also genau genommen, hat sie bisher noch keins verkauft). Höhepunkt zumindest der ersten Episode ist allerdings der jüngste Sohn „Brick“ (Atticus Schaffer, im Bild), der aussieht wie der ebenfalls jüngste Sohn in „Malcolm Mittendrin“ und zwar sicherlich nicht dümmer ist, als zum Beispiel der ähnlich angelegte DJ in Roseanne, aber bedeutend seltsamer. Der kleine verschrobene Sonderling ist das absolute Highlight der ersten Episode und hat zahlreiche Gags bei denen zumindest ich herzlich lachen konnte. Neben vielen anderen Merkwürdigkeiten wiederholt Brick etwa bestimmte Wörter flüsternd nochmal zu sich selbst (Begründung: „I like it. It suits me.“)

„The Middle“ ist ganz klar eine der besseren Comedys dieses Serienherbstes. Sie erzählt von einer grotesken, einfachen weißen Mittelschichten-Familie, die sich allerdings schon eher auf dem Abstieg nach unten befindet, mit teilweise absurden Figuren und einer ironischen Version von der „Zufrieden mit dem was hat“-Moral. Besonders gelungen ist die Szene, in der die Familie Tochter Sue zu einem Chor-Auftritt der Schule begleitet, dann aber feststellt, dass Sue gar nicht im Chor, sondern nur in der Crew ist. „The only thing lamer than school choir is beeing on the crew for shool choir“, stellt Bruder Axl fest. Doch Vater Mike: „She does look real happy, though“. Auf wunderbar witzige Weise glücklich sieht Sue dank der schauspielerischen Leistung Eden Shers („Weeds“) tatsächlich aus. Zumindest bis dann doch noch etwas schief geht.

Mit einer ähnlichen Szene endet dann auch die erste Episode:

Frankie: How come, you never tell me you love me?

Mike: I told you, I love you the day I married you. For everything that changed, I like you now.

Frankie (aus dem Off): So yeah, back then on the old licence [früheres Foto/Ich auf Führerschein ist gemeint], I didn’t know what my life was gonna be. And Mike’s right: Now I know. This is my life. It’s not gonna be in „People Magazine“ or anything. But you know what? I got it good.“

Zuvor hatte die Familie ihre Mutter, die ein Superhelden-Kostüm trägt, weggeworfene Schokolade essend von der Straße aufgelesen und mit Fast Food zum Abendessen versorgt. Die ironische Unvereinbarkeit des Gezeigten mit dem was gesagt wird, macht den typischen Reiz dieser Art von Comedy aus. Denn es funktioniert beim Zuschauer in zwei Richtungen: sowohl nach dem Prinzip „Always look on the bright side of life“, als auch „Das ist ja nun wirklich ne abgefahrene Familie, dagegen sind wir normal“.

The Middle, Comedy, Abc, seit 30. September 2009, offizielle Website

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10

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Courteney Cox (im Bild während der Dreharbeiten zu Cougar Town in Kalifornien), die wir alle als Monica Geller aus „Friends“ kennen und lieben, ist auch nicht mehr die Allerjüngste, inzwischen auch schon 45 Jahre alt. Optimal also, um die 40jährige Cougar in der neuen Comedy „Cougar Town“ zu spielen. Cougar, so nennt man Frauen mittleren oder höheren Alters, die sich nochmal einen wesentlich jüngeren Mann schnappen, wie die Löwin die Gazelle. Und genau das ist auch das Vorhaben von Jules Cobb, die sich nach ihrer kürzlichen Scheidung wieder auf dem Markt nach Frischfleisch umsieht und in Episode 1 sogleich auch fündig wird. Problem: Sie hat auch noch einen 17jährigen Sohn, der es alles andere als toll findet, dass sich seine Mutter zu heißbegehrtesten Milf der Stadt entwickelt.

Cougar Town stammt von Bill Lawrence, dem Erfinder der Krankenhaus-Comedy Scrubs, und ist ebenfalls eine Single-Kamera-Comedy ohne Loughtrack, also gefilmt wie eine normale Serie und ohne eingespielte Lacher. Bei der Auswahl des Casts neben der wunderbaren Cox haben die Macher auch allerlei Augenmaß bewiesen. So ist Dan Byrd als Sohn Travis als netter Durchschnittsteenager ohne Außenseiter-Image optimal besetzt (3 v.l.). Auch Busy Phillips (bekannt als Audrey aus Dawsons Creek, rechts) kann man als eine von zwei Freundinnen der Heldin direkt ins Herz schließen. Und Ex-Mann Bobby als trotteliger Macho ist auch eine tolle Figur (2 v.r. stehend).

Überhaupt: Die Liebe zu interessanten Figuren merkt man der Sendung gut an. So klaut ein Teenager Werbeplakate auf denen Jules, die Immobilienmaklerin ist, recht freizügug dargestellt wird und tapaziert sein Zimmer damit. Der kleine „Perversling“ ist eine unglaublich kuriose Figur und das obwohl er nur einen Miniauftritt hat. Lediglich Jules Nachbarin und Freundin Elle und deren Mann Andy haben mich noch nicht direkt vom Hocker gerissen.

Ich kann also Sascha vom sablog Recht geben: Cougar Town bietet vor allem symphatische Charaktere und gute Gags. Allerdings: Beziehungsgeschichten und die Problemlagen von Frauen um die 40 sind nun auch keine neuen oder nach Innovation schreienden Themen. Genau wie bei „Accidentally on Purpose„, in der Jenna Elfman die Cougar mit dem jungen Freund spielt, stellt sich die Frage nach dem „Wozu?“.

Während AoP grundsätzlich erstmal vorhersehbar und überflüßig wirkt, macht „Cougar Town“ seine Sache ganz gut: Es ist ausreichend gut inszeniert und durchdacht um sich aus der Masse abzuheben, geht aber kaum Risikos ein. Die Hauptfiguren allerdings unterscheiden sich deutlich: Während Jules in „Cougar Town“ eher sexuell orientiert ist, ihren Körper und das Älterwerden aber auch kritisch/ironisch sieht, so ist Billie in AoP eher der süße, schusselige Typ. Das wirkt natürlich konservativer, läuft Gefahr langweiliger zu sein. Auch ist „Cougar Town“ etwas grotesker als das eher harmlose AoP. In ein paar Wochen werden wir sehen, welche der beiden Cougars die schärferen Krallen hat.

Cougar Town, Comedy, ABC, seit 23. September 2009, offizielle Website

ustv0910

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10


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Modern Family (c) ABC

Modern Family (c) ABC

Mann!, ist Al Bundy alt geworden! Ed O’Neill, der den wohl bekanntesten Charakter einer Sitcom spielte, ist zurück auf den Bildschirmen. In ABCs neuer Comedy „Modern Family“ gibt er den Patriarchen, Jay Pritchett, einer dreiteiligen Familie; oder anders: von drei Familien, die im Mittelpunkt dieser sogenannten Mockumentary stehen. Genau wie „The Office“ und „Parks and Recreation“ ist „Modern Family“ als Pseudo-Doku gefilmt, es sieht also aus wie eine gespielte, lustige Doku-Soap.

Nur eine der drei Familien, denen das fiktive Doku-Team folgt, entspricht dem scheinbaren Normalbild der amerikanischen Durschnittsfamilie, im Bild oben mittig. Die Dunphys haben drei Kinder, Sohn und zwei Töchter, Vater eher so der Typ, der seinen Aufgaben nicht immer ganz gewachsen ist, Mutter Idealtypus. Die beiden anderen Familien sind eher ungewöhnlich. Jay Pritchett, Claire Dunphys Vater, selbst hat eine viel jüngere lateinamerikanische Frau geheiratet und sein Sohn Mitchells ist schwul und lebt mit einem allen homosexuellen Klischees entsprechenden Mann zusammen. Die beiden haben gerade ein Kind aus Vietnam adoptiert.

Die amerikanischen TV-Kritiker haben „Modern Family“ überaus positiv aufgenommen, wie man hier, hier oder hier lesen kann. Zwei Dinge sind mir demgegenüber negativ aufgefallen: Erstens wirkt der Pseudodokustil anders als bei Office oder Parks… irgendwie gezwungen, was man auch daran merkt, dass die Kamera programmiert wirkt, sie folgt also einem Drehbuch. Dokumentarisch ist nur die ständige, sehr starke Wackelei. Zweitens wirken die Akteure nicht sehr authentisch, sondern irgendwie gezwungen. Es ist, als würde man Schauspielern dabei zu sehen, wie sie versuchen etwas lustiges zu spielen, was sie ja auch tun. Es fehlt irgendwie das stimmige Ganze, die Illusion.

Gegen Ende der ersten Episode, insbesondere als sich die Familien dann treffen – vorher wissen wir noch gar nicht, das alle zu einer Familie gehören – wird das besser. Tatsächlich gelingen auch einige gute Gags, andere Geschichten hingegen wirken banal, etwa das die Tochter der Dunphys einen älteren Freund mit nach Hause bringt – da hilft auch die andere Darstellungsform nicht. Überhaupt: wäre da nicht der Mockumentary-Stil, die Dunphys wären vermutlich die langweiligste Sitcom-Familie, die ABC jemals erfunden hat. Die anderen beiden Familien jedoch sind recht gut. Vor allem in dem schwulen Pärchen liegt sehr viel Potenzial. Und Ed O’Neill als Vater Jay könnte nochmal eine große Rolle haben.

Mit 12,7 Millionen Zuschauern, das ist mehr als Office und Parks and Recreation bei NBC erreichen, ist „Modern Family“ erstmal sehr gut gestartet. Vielleicht ist die Kombination vom klassischen Sitcom-Thema Familie, dessen erfolgreiche Variation hin zu ungewöhnlichen Familien-Verhältnissen (wie bei Two and a Half Men) und dem noch lange nicht aus der Mode gekommenem Mockumentary-Stil ja eine durchaus erfolgreiche Formel für eine Comedy.

Nachtrag 29.11.09.: Das Entertainment Magazin „The Hollywood Reporter“ hat „Modern Family“ unter den besten Serien des Jahrzehnts auf Platz 10 gelistet.

Modern Family, Mockumentary, ABC, seit 23. September 2009, offizielle Website

ustv0910

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV Saison 2009/10

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Jenna Elfman spielt in „Accidentally on Purpose“ die Filmkritikern Billie, die von einem deutlich jüngeren Mann schwanger wird.

Jenna Elfman, in Deutschland bekannt vor allem aus „Dharma und Greg“ hat eine neue Sitcom: „Accidentally on Purpose„. Sie spielt die 37jährige Billie (siehe Promotionfoto), eine Filmkritikerin, deren Karriere soweit ganz ok ist, die aber noch kein richtiges Leben hat: die Beziehung mit ihrem Chef verläuft recht ereignislos, denn der scheint sich nicht binden zu wollen. Als er sie eines nachts auf dem Eifelturm nicht mit einem Heiratsantrag überrascht, trennt sie sich und trifft kurz darauf den Koch Zack, Mitte 20, von dem sie schwanger wird.

Klare Sache also: Genau wie bei den Sitcoms „The Big Bang Theory“ und „Two and a Half Men“, die nach und vor beide nach „Accidentally on Purpose“ laufen, steht im Mittelpunkt der neuen Sitcom eine ungewöhnliche Familiesituation: Die Cougar, also mittelalte Frau, mit dem jungen Mann, die eine Familie gründen (müssen). Sie fügt sich damit hervorragend in das schon bestehende Programm bei CBS ein, das „How I Met Your Mother“ am Montag abend einleitet.

Die erste Episode beginnt, wie auch die Los Angeles Times schreibt, mit einer fürchterlich schlechten Zeile: „I can’t do another office party; I’ve already slept with everyone here“. Zumindest lernen wir so gleich mal Billies ersten Sidekick Olivia kennen, die das sagt, eine Journalistenkollegin Billies mit britischem australischem Akzent, die eher partylustig und gerade heraus ist. Später tritt zum Ausgleich noch Billies jüngere Schwester Abby, die eher Niedliche, Ruhige, hinzu. Billies Charakter befindet sich natürlich genau zwischen den beiden.

Auch Zack bringt Anhang mit in die neue gemeinsame Wohnung – die plötzliche Schwangerschaft und die gemeinsame Wohnung sind das Thema der ersten Episode. Drei typisch unreife junge Männer, die ein wenig eine vom Intellekt befreite Versionen der Geeks aus Big Bang Theory sein könnten, sollen also zum Hintergrundrauschen der Kulisse zu gehören und für den einen oder anderen Gag sorgen, was auch ganz gut funktioniert.

„Accidentally on Purpose“ wird von der Kritik als „mittelprächtig“ bewertet, lebt natürlich von der herausragenden Jenna Elfman und ist bemüht nicht zu beliebig und berechenbar zu wirken. Die Washington Post schreibt: „The show is another entry in TV’s bulging annals of friendly mediocrity. It registers on the senses, it painlessly kills some time, and it fills the gap between the shows that precede and follow it. It’s a bridge, a conduit, a bland bit of linkage.“

Dennoch kann man nicht behaupten, dass „Accidentally on Purpose“ nicht symphatisch ist, ganz im Gegenteil: die Serie hat durchaus einen Charme, der vielen Zuschauern gefallen könnte. Das ihre große Schwäche, die Mittelmäßigkeit, all zu sehr ins Gewicht schlägt, ist aufgrund der von der Post angesprochenen Brückenfunktion zwischen den anderen genannten CBS-Sitcoms, die als gut gelten, eher unwahrscheinlich.

Ich zumindest bin neugierig, wies weitergeht. Geht es nach dem Kritiker von Reuters, sei das ja aber wohl klar: „This is an utterly predictable comedy (what, you don’t think Zack and Billie will fall in love in Season 2, right after he starts dating another chick and Billie has an epiphany?) that’s got a few fun lines.“

„Accidentally on Purpose“ könnte allerdings gerade aus der Widerlegung dieser unterstellten Vorhersehbarkeit seine Stärke ziehen. Tut sie es nicht, wird sie nicht zu den Sitcoms gehören, an die man sich lange erinnern wird.

ustv0910

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„What is community college? Well, you’ve heard all kinds of things. You’ve heard it’s loser college for remedial teens, twentysomething dropouts, middle-age divorcees and old people keeping their minds active as they circle the drain of eternity. That’s what you’ve heard! However: I wish you luck!“

Es gibt schon ziemlich viele Sitcoms und jedes Jahr verschwinden welche, neue kommen hinzu. Jetzt gibt es also auch eine Sitcom, die an einem Community College spielt. Neben Colleges (Bachelor-Abschlüße) und Universitäten (Master und Bachelor) gibt es in den USA auch die sogenannten Community Colleges, die auf eine universitäre Ausbildung vorbereiten. Der Zugang soll möglichst breiten Bevölkerungsschichten offenstehen und danach kann auf einem richtigen College weiter studiert werden. Arnold Schwarzenegger war auf einem, Calvin Klein war es und Dan Harmon auch.

Dan Harmon ist der Erfinder von „Community“, NBCs neuester Sitcom, die nach „Parks and Recreation“ und „The Office“ am Donnerstag kommt und sich passend in die hoffnungsvollen „Yes We Can“-Sitcoms aus dem real existierendem US-Alltag einfügt: Stadtverwaltung, Büro und jetzt eben auch Community College. Die Serie basiert ein wenig auf Dan Harmons eigenen Erfahrungen am Glendale Community College. Das fiktive Seriencollege heißt Greendale Community College. Im Mittelpunkt steht eine Spanisch-Lerngruppe, die von Hauptfigur Jeff Winger als Vorwand gegründet wird, um mit der hübschen Britta anzubandeln.

Also von vorn, wen haben wir da (Screencaps (c) NBC):

Da wäre zunächst wie gesagt Jeff Winger (Joel McHale), der der typische Serienhauptcharakter ist: ein eigentlich netter Typ mit vielen Schwächen. Aufs Community College muss er, weil aufgeflogen ist, dass sein Jura-Examen aus Kolumbien statt von der Columbia stammt.

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Dann natürlich die schöne Britta (Gillian Jacobs), zwischen der und Jeff sich vermutlich die komplette Staffel (Serie) über eine Lovestory hinziehen wird.

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So, zwei schöne Hauptdarsteller haben wir schonmal. Kommen wir langsam zu den ausgefalleneren Mitgliedern der Gemeinschaft. Da ist der gute Abed (the Arab, Danny Pudy), der schwer von Begriff, ein Außenseiter, Freak ist, aber vermutlich schnell die Herzen der Zuschauer gewinnt.

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Dann haben wir noch Chevy Chase, der den sieben Mal geschiedenen Senioren Pierce Hawthorne spielt und vor allem Chevy Chase ist, halt jemand, damit die Sendung auch eingeschaltet wird.

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Immer eine gute Idee ist auch ein Brite mit einem lustigen Akzent (der wirklich lustig ist, wenn es genau darum geht, dass es lustig sein soll, wie hier).

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Und ann noch ein paar andere. Unter anderem der Farbige mit den Lernschwierigkeiten, eine dicke farbige (geschiedene?) Frau und ein schüchternes weißes Mädchen mit wenig Selbstbewusstsein.

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Fertig ist der zügig und ziemlich hervorragend eingeführte Cast einer neuen Sitcom. Allesamt scheinen sie die Klischees aus dem ganz oben angefügten Zitat zu erfüllen. Doch das hat – neben der Tatsache das Klischees lustig sind – noch einen ganz anderen Sinn. Diese erste Episode ist eine Homage an den Filmklassiker „The Breakfast Club„, indem hinter die Fassade scheinbar stereotyper Teenager geschaut wird. „You are all better than you think you are. You are just designed not to believe it, when you hear it from yourself. […] You justed stoped beeing a study group. You’ve become something unstoppable. I hereby pronounce you a community“, erklärt Jeff in einer weniger pathetisch klingenden Ansprache die Moral von der Geschichte.

Ist „Community“ nun eine gute oder eine schlechte Sitcom? Oder so mittendrin? Schwer zu sagen. Ich fand sie nach dieser ersten Episode deutlich schlechter als Office und Parks and Recreation, doch sie fügt sich sehr gut in den Donnerstag abend bei NBC ein, und sie ist nicht wirklich schlecht. Angesichts vieler anderer guter Sitcoms im US-TV, von den genannten beide über 30 Rock bis hin zu How I Met Your Mother, gibt es nicht wirklich einen Grund, warum man diese auch noch schauen sollte. Vielleicht aber interessiert sich der eine oder andere ja doch, was aus den liebenswerten Verlierern wird, wie es der Telegraph schreibt. Es steckt vielleicht ja genauso mehr in „Community“ wie in seinen Figuren oder der „school-shaped toilet“. Fazit: Stört nicht weiter.

ustv0910

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10 Things I Hate About You (c) ABC

10 Things I Hate About You (c) ABC

William Shakespeares Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ ist bereits 1999 Vorlage für den Film „10 Things I Hate About You“ (imdb) gewesen, in dem der verstorbene Heath Ledger den Rocker „Patrick Verona“ spielt, dem es gelingen muss die Widerspenstige „Katarina“ zu daten, damit dessen Freund Joey, der ihn dafür bezahlt, deren jüngere Schwester Bianca daten kann. Denn so will es der Vater der beiden Schwestern, erst muss die ältere Mal einen Mann haben, bevor die jüngere überhaupt etwas mit Männern anfangen darf.

Im Original von Shakespeare endet diese Handlung, die einem als Reichen verkleidetem Trunkenbold vorgespielt wird, damit, dass die Widerspenstige vermeintlich am Ende gezähmt ist, und ihrem Mann gehorsam zeigt und ein Loblied auf die Unterwürfigkeit der Frauen singt. Diese aus heutiger Sicht umstrittene Perspektive spielte in der Filmkomödie keine Rolle mehr.

Nach dem Film gibt es nun auf ABC Family die Serienversion der Filmversion des Stoffes von Shakespeare, die vermutlich mit dem Original nur noch das ungleiche Schwesternpaar und die Erringung der Liebe einer Frau gemeinsam hat. Die Schwestern heißen hier natürlich auch wieder Bianca und Kat(arina). Der alleinerziehende Vater, wie schon im Film Gynäkologe, möchte seine Töchter vor dem schlechten Einfluß der Higschool-Jungs beschützen. Bei Kat ist das vermutlich leicht, denn die hat weder Interesse an Popularität und zunächst auch nicht an Jungs. Natürlich begegnet sie gleich in der ersten Episode Patrick Verona, wobei nicht klar ist, ob der später dafür bezahlt wird sie zu daten.

Bianca hingegen möchte vor allem eines: Beliebt sein und Cheerleader werden. Dumm nur, dass die Chearleader-Chefin eine ziemliche Zicke ist, und noch bevor Bianca um deren Aufmerksamkeit werben kann, den ersten Konflikt mit der widerspenstigen Kat hat. Biancas Popularitätsträume sind fürs erste jedenfalls erledigt.

ABCs halbstündige neue Single-Kamera Comedy (ohne Lacher oder Publikum) spielt in einer herrlich klischeebeladenen Welt, die Shakespeares bunten Adligen-Shows, in diesem Sinne nichts nachsteht. Es gibt alles, was so ein Teenie-Universum zu bieten hat. Den netten unglücklich verliebten Nobody, ein Mädchen, das beliebt sein will, die zickige Chearleader-Chefin, den mysteriösen Rocker, den Nerd. Ähnlich wie die neuen Musical-Comedy Glee nimmt sich „10 Things I Hate About You“ nicht sonderlich ernst und entfernt sich damit schonmal deutlich vom möglichen Disney-Image.

„10 Things I Hate About You“ bietet clevere Dialoge, solide Charaktere und durchaus kurzweilige Unterhaltung. Wer 90210 auch in seiner Neuauflage irgendwie zu 90s findet, überholt und nervig, trotzdem aber gerne ein paar Teenie-Geschichten auf der Mattscheibe hätte, macht hier nichts falsch. Der US-Start gilt mit 1,6 Millionen Zuschauern als geglückt. Vor allem junge Frauen verleite der Familiensender zum einschalten.

10 Things I Hate About You, ABC Family, seit 7. Juli 2009

Psychoville Cast (c) BBC

Psychoville Cast (c) BBC 2

Von den Machern von „The League of Gentlemen“, Reece Shearsmith und Steve Pemberton, einer in Großbritannien überaus beliebten Comedy, kommt in diesem Sommer eine kleine, morbide neue Horror-Comedy -Serie: „Psychoville„.  Wer so wie ich, kein riesiger Fan dieses seltsamen britischen Humors  ist, wird  ein wenig irritiert schauen, wenn er sich die Serie ansieht. Sie ist ein bisschen  „komisch“, im doppelten Wortsinne.

Pschoville, erzählt, wie der Name erahnen lässt, von fünf Psychophaten, die verteilt über Großbritannien ihre seltsamen Leben führen. Da wäre das von Serienmördern faszinierte Muttersöhnchen, die Hebamme, die eine Puppe wie ein reales Baby behandelt, der Kleinwüchsige mit dem Killerblick, der blinde Millionär und Stofftiersammler und schließlich der einhändige aggressive Clown. Sie alle verbindet eins: Sie erhalten in der ersten Episode einen Brief der nur die Worte „Ich weiß, was Du getan hast“ enthält. Das Rätselraten beginnt.

Liverpool Echo schreibt über die Charaktere:

The silly and sinister creations are spread throughout the country – Salford, Bristol, Ilkley, Eastbourne and Wood Green in London – but heaven help us if they ever find themselves under the same roof.

Die erste Episode konzentriert sich ganz nach dem Motto „Schaut Euch die mal an“ auch ganz auf diese seltsamen, typisch britischen Charaktere und ihre Einführung. Keiner von ihnen scheint wirklich böse zu sein, aber man muss schon ein Fan dieses Formats sein, um sie auch nur ein bisschen mögen zu können. Mehr noch, man kann auch nicht wirklich viel über sie lachen. Sam Walloston vom Gaurdian sieht das ähnlich:

It just leaves me a bit cold – and not in a chilling way. I didn’t laugh much, which is a bit of a problem in a comedy.

Psychoville ist eine makabere, dunkelbunte und bizarre Horror-Comedy, die viel Wert auf ihr Ensemble legt und mit den üblichen Klischees (Muttersöhnchen = Serienkiller, böser Clown, Kleinwüchsige) spielt, die wohl niemals aus der Mode kommen werden, wenn es darum geht, Briten zum lachen zu bringen. Ich kann nicht drüber lachen, aber irgendwie möchte ich trotzdem wissen wies weitergeht. Genrefans mit Vorliebe für britischen Humor riskieren einen Blick.

Psychoville, BBC 2, seit 18. Juni (7 Episoden)

Hasst Bürokratie: Bürokrat Ron Swanson (Nick Offerman) (c) NBC

Hasst Bürokratie: Bürokrat Ron Swanson (Nick Offerman) (c) NBC

„I did it, because I hate bureaucracy. My idea of a perfect government is: one guy who sits in a small room at a desk. And the only thing he’s allowed to decide is who to nuke.“

In der vergangenen Woche hatte ich eine ausführliche Rezension über die neue Mockumentary „Parks and Recreation“ (freitags, NBC) geschrieben. Schon nachdem ich eine Nacht über die Sitcom geschlafen hatte, war ich überzeugt, dass mein Fazit, dass diese Sendung eine Chance verdient, richtig war. Genaugenommen mag ich „Parks and Recreation“ richtig gerne. Viele amerikanische Kritiker hatten ebenfalls geschrieben, dass die Sendung etwas Zeit bräuchte sich zu entwickeln und vor allem, man solle sie nicht unfairerweise mit „The Office“ in einen Topf werfen.

Letzteres ist aber weder unfair, noch unberechtigt, die vierte Episode zeigt die klarsten Übereinstimmungen zu „Office“. In dieser Folge muss Bürokratin Leslie Knope zu einer Anhörung, weil ihre 19jährige Mitarbeiterin auf einem Internetvideo Wein trinkend zu sehen ist, Leslie hatte diese Flasche Wein geöffnet. Klingt nicht dramatisch, isses aber in Amerika.

Dann passierte das, was wir schon aus „The Office“ kennen: in einem unerwarteten Moment reagiert jemand, von dem wir es am wenigstens erwarten, völlig anders, als wir denken, meistens moralisch. Leslies Boss, dem sie in ihrer seltsamen Selbstwahrmung noch dankte, dass er bei der Anhörung dabei ist (obwohl er ohnehin muss, wie er selbst zu ihr sagt) ergreift plötzlich Partei für sie und schützt sie vor den teilweise intimen Fragen. Obgleich Ron Swanson (im Bild), also ihr Boss, hauptsächlich andere Motive hatte (siehe Zitat oben), blitzt aus dem widerwärtigem Boss für einen Moment ein guter Mensch hervor.

Das Hauptmotiv der ersten drei Episoden war, wie in der vergangenen Woche geschildert, in Leslie eine tragisch-komische Figur zu finden, die (unabsichtlich) zum Mittler zwischen den vom Volk entfernten Bürokraten und dem die Bürokraten hassendem Volk selbst wird. In dieser vierten Episode ging es nun darum, die Ernsthaftigkeit und Kleinkariertheit der Bürokratie anzugreifen. Zu Beginn der Sendung werden Leslie und Kollege Tom (der sich wie üblich für nichts interessiert) gerufen um Jugendlichen, die sich mit Hundekot bewerfen zur Ordnung zu rufen. Statt dessen mischt sie sich in die Schlacht ein und wirft zurück, anstelle Bußgelder zu verhängen. Am Ende trinkt sie Bier im Büro (mit Mitarbeiter Mark) nachdem er ihr riet, nicht alles (so auch die Aktennotiz wegen des Weins) so ernst zu nehmen

Verglichen mit den ersten Folgen ist das banaler, aber, und das ist das Gute, es funktioniert besser. Die Folge wirkt aus einem Guss. Ich finde gerade auch, weil es viele ähnliche Gags und Wendungen wie bei „The Office“ gibt. Leslies Panikattacke als sie erfährt, dass sie zur Anhörung muss, könnte genauso geschrieben für und gespielt von Steve Carell als Michael Scott sein. Kopien sind nicht immer was schlechtes.

ustv0910

Lässt sich nicht unterkriegen: Bürokratin Leslie Knope

Lässt sich nicht unterkriegen: Bürokratin Leslie Knope (Amy Poehler)

Es wäre ein Fehler, die bislang zugegeben noch schwerfällige und pointenarme neue Sitcom „Parks and Recreation“ zu unterschätzen. Nicht, weil die Show von den Office-Machern Greg Daniels und Michael Schur miterdacht wurde, sondern weil sie eine Idee hat. Dazu später mehr.

Amy Poehler („Saturday Night Live“) spielt in „Parks and Recreation“ die Bürokratin Leslie Knope in der amerikanischen Kleinstadt Pawnee. Nach einer Bürgersprechstunde, in der sie erfährt, dass jemand in eine Baugrube gefallen ist und sich beide Beine brach, beschließt Leslie diese Baugrube in einen Park zu verwandeln. Das ist ab da ihr großes Ziel. Der Park.

Doch niemand außer sie selbst scheint an dieses Vorhaben zu glauben. Ihr Boss Ron Swanson kann engagierte Bürger oder Beamte gar nicht ab. Das Parks and Recreation-Department besteht in seinem Sinne eigentlich nur, um keine Parks zu bauen. Über den idealen Mitarbeiter sagt er:

„But I like Tom. He doesn’t do a lot of work aorund here. He shows zero initiative, he is not a team player, he never wants to go that extra mile. Tom is exactly what I’m looking for in an government employe.“

Tom Haverford ist Leslies Kollege und ein Möchtgern-Frauenheld. Hinzu kommen die Krankenschwester Ann und ihr Mann Andy (der besoffen in die Baugrube fiel), sowie Kollege und Leslies heimliche Liebe Mark. Damit ist das Unterkomitee zur Parkplanung vollständig. In den ersten drei Episoden gilt es Nachbarschaft, Vorgesetzte und Presse zu überzeugen, dass der Park eine gute Idee ist. Doch alles geht schief.

Ähnlich wie einst beim Start des amerikanischen Office, dass zuerst wie eine zu bemühte Nachstellung des britischen Originals wirkte, ist das, genau wie Office als Pseudodokumentation (sog. Mockumentary) ohne „Laugh Track“ gefilmte, „Parks and Recreation“ zunächst einmal schwerfällig und auch schwer zu fassen. Die Charaktere wirken fremd, nicht jeder Gag funktioniert so, wie er gedacht ist. Doch daran sollte man die Sendung nicht messen.

Entertainment Weekly sieht das ähnlich und schreibt: „One would be foolish to underestimate the series 
this early on“. Amy Poehlers Schauspiel, die locker als weibliche Version von Michael Scott (The Office) durchgeht, aber eigene Akzente setzt, wird in der allgemein gnädigen Kritik der US-Reviews gelobt: “ She’s awkward but not alienating, and she’s eager without being repelling. Most of all, there’s a genuine heart to her that gives the comedy a balance and lets it be mocking without resorting to cruelty.“ (hollywoodreporter)

Die besondere Stärke von „Parks and Recreation“ liegt aber, genau wie bei Office darin, dass die Sendung einer Idee folgt. Bei Office ist es so, dass ganz anders als im banal-zynischem deutschen Stromberg, Michael Scott im Grunde eine positive Figur ist. Er ist oft diskrimminierend, hilflos, schießt über das Ziel hinaus, vielleicht auchmal faul, verzweifelt, aber eins tut Michael Scott immer: Er versucht alles, aber wirklich alles (auch wenn es schief geht oder am Ziel vorbei), um seine Mitarbeiter zu motivieren.

Leslie Knope ist ebenfalls ein Vorbild, wenn man so will. Sie ist hilf- und ahnungslos, völlig überfordert, aber sie glaubt an ihre Sache. Sie glaubt an den Park. Ihre völlig verrückte Wahrnehmung der Realität ist doch zugleich die Botschaft. Als ein wütender Bürger sagt: „Hey Parklady – you suck!“ antwortet sie dem (fiktiven) Doku-Team: „Habt ihr gehört, er hat Parklady gesagt“

Adam Hanft von der Huffington Post sieht in der Person Leslie Knope und ihrer Haltung, und den im Gegensatz dazu dem Bürger entfremdeten weiteren Bürokraten (siehe ihr Chef oben) eine Parallele zur amerikanischen Gesellschaft:

The show announces that we’ve come a long way from the Reagan era: no longer is government the problem. But Poehler’s cheery Jeffersonian hopefulness is only part of the story; the rest of her cast sees the world a bit differently. They’ve given up, tossed in the white flag of shrugged-shoulder surrender. Her silly idealism only yields eye-rolling.

[…]

Similarly, I wonder if Parks and Recreation is picking up on the green shoots of a new belief, that government is not our nemesis, that the uncelebrated and the mocked who labor there actually care about what they do, and that they can change lives for the better.

Das Schöne, das besonders Kluge an Office wie auch Parks and Recreation ist, wie ich finde, dass neben der Kritik, dem ins Lächerliche ziehen von kritikwürdigen Dingen der Grundtenor beider Sendungen ein hoffnungsvoller ist.

Michael Scott ist vom Ehrgeiz getrieben, der beste Papierverkaufsmanager zu sein und alles für seine Mitarbeiter zu tun, Leslie Knope glaubt irgendwie daran, dass sie mit ihrem Park etwas für die Bürger und ihr Stadtviertel tun kann, für das Verhältnis von beiden zueinander. Die Show zeigt auf eine amerikanische Gesellschaft und sagt: Schaut her, so ist es. Aber da ist auch jemand, der weiß zwar nicht genau wie, aber der will etwas richtig machen.

„Parks and Recreation“ hat also eine Botschaft. Noch im Eindruck von Barack Obamas „Yes, we can!“ könnte es zum Beispiel diese sein. Den Ausflug zu Obama spare ich mir mal, das steht alles bei der Huffington Post. 6,8 Millionen Amerikaner jedenfalls sahen die erste Episode der Show. Inzwischen sind es etwas mehr als 5 Millionen. Immerhin. Hoffen wir, dass NBC „Parks and Recreation“ diesselbe Chance gibt, die auch Leslie Knope verdient hat. Beide wollen etwas Gutes.

ustv0910

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