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Shit, sie haben Abby gekidnappt! (c) BBC

Achtung: Spoiler falls Staffel 1 noch nicht gesehen, sowohl in den Videos als auch im folgenden Text.

Videorückblick – Staffel 1:

Endlich ist Survivors wieder da. Und wie! Etwas länger als nötig hatte die BBC gewartet – vielleicht ja wegen der Schweinegrippe – um das 2008 gestartete, tolle Remake des Kult-Klassikers Survivors wieder auf die TV-Bildschirme zu bringen. Schon 1975 und auch noch mit etwas schwächeren weiteren Staffeln in den Folgejahren schickte die BBC das von Terry Nation erdachte Endzeitdrama in die Wohnzimmer begeisterter Scifi-Fans. 2008 überzeugte das zeitgemäße Remake viele TV-Fans.

Schöne HD-Optik, aktualsierte Charaktere (vor allem hinsichtlich ethnischer Herkunft), mehr Action, weniger Philosophie – das waren die Grundwerte der ersten neuen Staffel. Mit Staffel 2 scheinen die Macher die Schraube noch einmal hinsichtlich Mainstream anzuziehen – und das klappt überraschend gut. Nach vielen im Verlauf eher lahmen neuen US-Serien (FlashForward, V) ist Survivors tatsächlich eine überaus angenehme Abwechslung. Locker nimmt es die BBC-Produktion mit den US-Dramen der letzten Zeit auf. Unnötig eigentlich, dass im Verlauf der Episode heftig bei Lost (und FlashForward) geklaut wird. Ich weiß gar nicht mehr, ob das Flashback-Element, auf das ich anspiele, auch schon in der ersten Staffel benutzt wurde?

Greg, der den Flashback hat, ist schwer verwundet, Anya und Al werden verschüttet. Und unsere gute Abby, „Mutter“ aller Überlebenden, wurde von bösen Wissenschaftlern gekidnappt. Tja, wenn ihr nun nicht mehr wisst, wer wer war und überhaupt – so gings mir auch. Viel Zeit sich an die Charaktere und die Handlunsgbögen der ersten Staffel zu erinnern bleibt nicht, denn Survivors legt gleich ein ordentliches Tempo vor. Also: falls überhaupt schon geschehen, vielleicht nochmal schnell mit der letzten Folge von Staffel 1 auf den aktuellen Stand bringen. Denn Staffel 2 geht schließlich da weiter, wo Staffel 1 aufhörte, und das war ja mit einem fiesen Cliffhanger…

Gegenüber der mehr als soliden Produktion und schnellen Action bleiben Storytelling und Dialoge jedoch zurück. Damit geht das Remake genau in die andere entgegen gesetzte Richtung des Original, bei dem, soweit ich es verfolgt bzw. nachgeholt habe, irgendwann nur noch gemenschelt wurde. Wie in einer Seifenoper. Ähnlich klingt auch ein Satz aus der aktuellen Folge: „It’s not weak to ask for help, Tom“, sagt Sarah an einer Stelle, „Some people still care about eachother“. Ahja. Ich dachte, bei der Beschreibung des Charakters Tom Price seien wir schon ein Stück weiter, als nur, dass es ihm angeblich schwer falle, Hilfe anzunehmen. Aber vielleicht blieb bei der Aufspaltung des originalen Greg Preston – dem rauhen Beschützer – in den neuen Greg Preston und den überarbeiteten Tom Price nicht genug Charaktertiefgang für beide Figuren übrig. Auf der anderen Seite hat die BBC erst jünst mit „Paradox“ bewiesen, dass – wenn sie will – es auch noch viel schlechter geht.

Dass Survivors nicht gerade ein neues Highlight des Qualitätsfernsehens hinsichtlich ausgefeilter Charakter oder Storytiefe ist, habe ich deutlich gemacht – abgesehen davon bleibt es das derzeit vielleicht beste Mystery-Drama, welches überhaupt zur Auswahl steht. Und in einer ganz wichtigen Sache ist das Remake dem Original sogar eindeutig überlegen: Abby Grant ist noch dabei. Schauspielerin Carolyn Seymour, die die Original-Abby spielte stieg nach der ersten Staffel aus, ich glaube, weil sie sich mit den Produzenten nicht über die Fortführung der Story einigen konnte. 2010 ist Abby in noch dabei, Schauspielerin Julie Graham ging zum Glück nicht verloren. Anders als Greg und Tom ist ihre Abby Grant auch eine durchaus überzeugende Neuinterpretation. Die liegt derzeit allerdings gefesselt in einem Untersuchungslabor des fiesen Wissenschaftlers Whitaker. Wird Zeit, dass sie da jemand rausholt. Nächste Woche vielleicht auf BBC.

Hier der Trailer zu Staffel 2 (eventuell Spoiler):

Und noch mehr Survivors:

Survivors – Rezension zur ersten Staffel der Originalserie von 1975

Survivors – Kurzkritik zum Remake von 2008

Survivors bei Wikipedia

Survivors Fanblog

Survivors Website bei der BBC

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Überblick

Das Jahr 2009 war kein sonderlich gutes Jahr für die US-Serien. An der Mainstream-Unterhaltungsfront gab es praktisch nichts neues, während allerdings die großen Popcorn-Serien wie „Prison Break“ oder „Heroes“ endeten oder in der Bedeutungslosigkeit verschwanden. Der ABC-Neuzugang „FlashForward“ startete mit großem Aufsehen, konnte aber, wie ich schon vorhersagte, nicht überzeugen. Bei den Sitcoms konnte keine der neuen Serien den bereits laufenden Hits das Wasser reichen. Einzig „Modern Family“ gilt bei vielen Kritikern als neuer Hit, ja als eine der wichtigsten Serien der letzten Jahre, dazu später mehr. Wer Comedys wie „It’s Always Sunny in Philadelphia„, „Curb Your Enthusiasm„, „How I Met Your Mother“ oder „Two and a Half Men“ noch nicht gesehen hat, braucht den Neuzugängen erst gar keine Chance geben. Auch im anspruchsvolleren Drama-Bereich sieht es mau aus: ein neuer Meilenstein auf dem Level eines „Mad Men„, „The Sopranos“ oder „The Wire“ ist auf weiter Flur nicht in Sicht. Fünf Serien, die echte Serienfans nicht verpasst haben sollten, habe ich dennoch gefunden.

Die besten neuen Serien 2009

Nurse Jackie (c) Showtime

Nurse Jackie mit der auch aus den Sopranos bekannten Edie Falco ist wahrscheinlich die beste neue Serie in diesem Jahr. Witzig, symphatisch und fies. Die düstere Comedy handelt von der tablettensüchtigen, taktlosen, aber auch gutherzigen Schwester Jackie Peyton, die zu allem Überfluß auch noch ihren Mann betrügt, im Krankenhausalltag aber eine gute Seele ist. Anfangs noch etwas auf Robin Hood und Racheengel (siehe Erstkritik) getrimmt, konzentrierte sich die Serie ab der zweiten Episode mehr auf die Charaktere und ihre Geschichten. Mit der versnobten, aber unaufgeregten britischen Ärztin O’Hara und der tapsigen Schwesternschülerin Zoey hat Jackie die besten Sidekicks an die Seite gestellt bekommen, die man sich vorstellen kann. Neben der grandiosen Dynamik der drei Figuren sehen die restlichen Charaktere der Serie ziemlich alt aus.

Erstkritik bei tvundso.com: Nurse Jackie

Parks and Recreation (c) NBC

Parks and Recreation ist, kurz gesagt, dasselbe wie das amerikanische „The Office“ – nur nicht im Büro, sondern in der öffentlichen Verwaltung. Im Mittelpunkt steht die mittlere Beamte Leslie Knope (SNLs Amy Poehler), die genauso wie Michael Scott in „The Office“ ja eigentliche das Gute will, aber meistens eher für Chaos sorgt und versagt. Meistens, nicht immer. Getreu dem Motto „Yes, we can!“ lässt sich Leslie, die in einem Ort namens „Pawnee“ einen Park anlegen will,  jedoch nicht kleinkriegen. Die politische Aufbruchstimmung in Amerika ist jedoch inzwischen schon wieder verflogen, so dass auch Parks and Recreation scheinbar wenig Freunde gewonnen hat. Neben „30 Rock“ und „The Office“ gehört die Mockumentary jedoch eindeutig zu den besten Sitcoms der letzten Jahre bei NBC. Die Qualität der Episoden schwankt allerdings zwischen grandios und langweilig.

Mehr zur Serie hier auf tvundso.com: Parks and Recreation

The Good Wife (c) CBS

The Good Wife, die starke Ehefrau, sei es nun Hillary Clinton oder Patricia Blagojevich (die Frau eines wegen Korrputionsverdachts dem Amt enthobenen Gouverneurs, die im US-Dschungelcamp war, er selbst geht zu Celebrity Apprentice) – die starke Ehefrau stand in den letzten Jahren öfter Mal im Mittelpunkt des Medieninteresses. Und da dieses Jahr ohnehin Frauenjahr war (Cougar Town, Accidentally on Purpose) durfte Juliana Margulies (Emergency Room) in „The Good Wife“ eine Anwältin spielen, deren Mann, ein Bezirksstaatsanwalt, wegen Korruptionsverdacht und Affären ebenfalls aus dem Amt und direkt in den Knast gehoben wurde. Für ihre Rolle wurde Margulies für einen Golden Globe nominiert, aber auch die anderen Charaktere, vor allem Christine Baranksi als Kanzleichefin und Archie Panjabi als Kanzlei-eigene Schnüfflerin sind großartig. Dazu leisten die Macher bei „The Good Wife“ hervorragende Arbeit bei Kamera, Schnitt und Ton. Leider allerdings bleiben die Stories, sowohl die Rahmenhandlung als auch die jeweiligen Gerichts-Fälle, hinter Schauspiel und technischen Werten zurück. Das dürfte wohl auch die Zurückhaltung der Kritiker erklären. Beim Publikum aber holt die Serie sehr gute Quoten.

Erstkritik hier bei tvundso.com: The Good Wife

Modern Family (c) ABC

Modern Family ist bei den Kritikern der Hit des Jahres. Der Grund ist simpel: Modern Family ist eine moderne Version der klassischen Familiensitcom, bei der es nicht nur am Ende jeder Episode, sondern auch ganz allgemein eine Moral gibt. Das was einst die „Cosby Show“ für die schwarze Community, Integration und Akzeptanz geleistet hat, das kann auch Modern Family leisten – für Schwule, Patchworkfamilien und Migranten. Das Vorhaben gelingt so behutsam und unproblematisch, dass die Serie natürlich beim gesamten Publikum Akzeptanz finden musste. Und außerdem ist ja auch Al Bundy, also Ed O’Neill, mit dabei, als Familienoberhaupt. Die Mockumentary funktioniert zusehends besser und dürfte noch eine große Zukunft vor sich haben. Für junge Erwachsene und Singles allerdings, und eigentlich auch für alle die keine Durchschnitts-Amerikaner sind (und also Homosexualität völlig normal finden) dürfte die Sitcom nicht von vorrangigem Interesse sein.

Erstkritik hier bei tvundso.com: Modern Family

Glee (c) FOX

Glee, die Musical-Comedy von Fox, die gerade pausiert (obwohl man sie nach American Idol zeigen könnte, aber es gibt nicht genug Material) war vor allem bei den jungen Zuschauern dieses Jahr der Hit. Wo auch immer man im Internet hingeschaut hat, die „Gleeks“ hinterließen ihre Spuren. Vor allem bei Twitter und auf zahlreichen Fanseiten. Die herrlich überzogene, oft aber auch überhastet und unkoordiniert wirkende, manchmal comichafte Serie schaffte es auch zahlreiche Kritiker für sich zu gewinnen. Besonders Jane Lynch als fiese Cheerleader-Trainerin „Sue Sylvester“ wurde zu einer neuen Kultfigur im US-Fernsehen. Die Qualität der Musik schwankt zwischen genial und fremdschämig, bildet damit aber den idealen Soundtrack einer an die Popkultur verschwendeten Jugend. Herrlich bunt, erfrischend, kitschig und emotional. Manchmal aber wirken leider die Macher in ihrem Werk von dem Potenzial der Serie erschlagen. Interessant dürfte auch die Frage sein, wie lange die Halbwertszeit der Serie letztlich ist.

Mehr zur Serie hier auf tvundso.com: Glee

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Andre Braugher, Ray Romano und Scott Bakula spielen drei Männer gewissen Alters, die seit ihrer Jugend Freunde sind. Foto: Newsroom, via Picapp

„Men of a Certain Age“ war in der vergangenen Woche der erfolgreichste Kabel-Neustart einer Serie in diesem Jahr 2009 bei den jungen Erwachsenen. 5,4 Millionen Zuschauer sahen insgesamt zu. Ob das so bleibt, kann man durchaus bezweifeln, denn mehr als mittelmäßig war die erste Episode der Dramedy nicht.

Publikumsmagnet dürften vor allem die beiden TV Stars Ray Romano und Scott Bakula gewesen sein. Romano wurde mit „Allen lieben Raymond“ (in Deutschland derzeit noch auf Comedy Central zu sehen) berühmt. Und Scott Bakula ist natürlich sowohl bekannt aus „Zurück in die Vergangenheit“ (Quantum Leap) als auch als Captain in „Enterprise„.

Dritter im Bunde ist der hierzulande eher unbekannte Andre Braugher. Zusammen sind sie Joe, Terry und Owen, Freunde seit ihrer Jugend und jetzt in ihren späten Vierzigern und beginnenden Fünfigern. Die große Frage, der sich die drei Freunde in dieser Serie zu stellen haben ist vermutlich, ob sie denn nun eigentlich erwachsen geworden sind. Tatsächlich haben sie alle drei noch nicht geschafft das zu erreichen, was final das Erwachsensein kennzeichnet. Doch die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.

Joe (Romano) wollte einst professioneller Golfer werden, besitzt statt dessen aber einen Unterhaltungsladen und hat sich gerade von seiner Frau getrennt. Terry (Bakula) hat eine deutlich jüngere Freundin und versucht nicht sehr erfolgreich als Schauspieler Fuß zu fassen. Owen hat als Autoverkäufer und Vater von drei Kindern das bürgerlichste Leben, arbeitet aber bei seinem Vater, der in ihm offenbar eine große Enttäuschung sieht.

Die erste Episode dreht sich dann auch schwerpunktmäßig um Owen, der während einer Joggingrunde aufgrund seiner Diabetes umkippt und zusätzlich dann noch von seinen Freunden beim Rettungsversuch verletzt wird, darauf kurzzeitig seinen Job aufgeben will, dann aber von seiner Frau motiviert wird und am Schluß noch einen schönen Moment hat als er sich gegen einen fiesen anderen Autoverkäufer durchsetzt.

Irgendwie gelingt es der Serie jedoch noch nicht so recht, Comedy und Drama zu verbinden, was daran liegen mag, dass die Serie zu viel Potenzial hat, dieses aber kaum richtig zu nutzen weiß. Das zeigt sich sehr gut in Braughers Rolle, wie TV-Kritikerin Maureen Ryan feststellt: „Braugher could supply a lot of firepower — he effortlessly nails both the comedy and the drama — but the show doesn’t quite know how to use his many gifts.“

Die Seite „A&V Club“ vergleicht „Men of a Certain Age, für mich überraschend mit dem Kinofilm „Sideways„, auf dem sich zwei mittelalter Freunde, deren Leben ebenso wenig nach Plan verlaufen ist, auf einen Roadtrip durch Kalifornien begeben:

Men of a Certain Age isn’t quite as good as Sideways, but you can see where it would get there after a while. There’s an appealing sense of lost nostalgia in every choice made on the show, from the Beach Boys infused title sequence to the way all three main characters have big dreams they’ve had to essentially give up on.“

Am Ende könnte „Men of A Certain Age“ genauso scheitern wie seine Protagonisten. In Story und Schauspielern ist ein enormes Potenzial für die Serie angelegt, vor allem für gute Geschichten. Das große Problem der Serie könnte werden, dass sie es nicht schafft, dieses annährend auszureizen.

Men of A Certain Age, TNT, seit 7. Dezember 2009

Wissenschaftler King, Polizistin Flint: Empfangen Bilder aus der Zukunft (c) BBC

Polizeiermittlungen verbunden mit ein wenig Sciences Fiction, das ist ein bewährtes Konzept.  Die neue BBC Serie „Paradox“ erinnert daher auch direkt an ganz viele anderen Serien, die ein ähnliches Thema hatten, oder sich ähnlich anfühlen. Ohne sich jedoch irgendwie von diesen abzuheben, soviel sei schonmal gesagt.

In der britischen Presse wird „Paradox“ vor allem mit „Life on Mars“ verglichen, in der ein Polizist in die Vergangenheit reist. Näher liegt allerdings der Vergleich mit „FlashForward„, das vor einigen Wochen auf ABC gestartet ist (und in UK auf Five), in der die Menscheit für einen kurzen Moment in die Zukunft sehen (träumen) konnte. Um eigentlich aber noch genauer zu sein, könnte man noch „Early Edition“ aus den 90ern erwähnen, in der ein Börsenmakler die Zeitung vom nächsten Tag bekommt und entsprechende Unglücke verhindern muss.

Ok, und jetzt sind wir wirklich bei „Paradox“. Das nämlich geht so: Der nüchterne, leicht merkwürdige Physiker Dr. Christian King empfängt auf seinen komplizierten Gerätschaften und Computermonitoren eine Art Botschaft aus der Zukunft. Die zeigt Bilder eines möglichen Unglücks, darunter eine zerstörte Brücke und ein totes Mädchen. Ein Zeitstempel scheint darauf hinzudeuten, dass das die Bilder 18 Stunden in der Zukunft gemacht wurde. King verlangt nach einer Kommissarin mit entsprechender Vorstellungskraft und findet sie in in Rebecca Flint (Tamzin Outhwaite). Zwischen beiden konstruieren die Autoren ein zunächst etwas zielloses Gegensatzpaar.

Kings wirft ein, dass neben der Möglichkeit, die Bilder stammten aus der Zukunft, es auch sein eigener Plan für einen Bombenexplosion sein könne. Schön wäre an diesem Punkt etwa gewesen, wenn das eine nüchterne wissenschaftliche Feststellung wäre, doch die Autoren entscheiden sich dafür die Zuschauer mit dem Entstehen des Bildes des verrückten Wissenschaftlers in die Irre zu führen, nur um kurze Zeit später eine dritte, die langweiligste Erklärung für seinen Einwurf zu liefern:

„You suggested, you may have planted a bomb. Why?“
„To get your attention“
„Why would you need my attention?“
„You don’t think you’re worth my interest?“

Die Frage, was hinter dem Blick in die Zukunft steckt, bleibt zunächst offen, dient allerdings am Ende nochmal dazu, unsere beiden Protagonisten (zwei weitere Polizeiermittler bleiben erstmal nicht in Erinnerung) gegeneinander zu setzen:

„Where did they [photos] come from?“
„Can’t answer that.“
„Can’t or won’t? Aliens? God? Maybe this is prove god does exist, he made the world and everything in it. If anyone knows, what’s gonna happen next, he should.“
(…)
„I’m a physicist. Prove means something different to me.“
„What does that mean? 74 people died today. Is it going to happen again.“
„Until it is established what the ‚it‘ in this context means, I don’t know.“
„I saw… We saw the future today. We saw the future burn right in front of us…“

Die kühlen, logischen Antworten des Wissenschaftlers, und die emphatische, fast schon religiöse (also eigentlich menschliche) Polizistin, das funktioniert hier leider nicht so richtig. Denn nicht nur Dr. King wirkt unterkühlt, alle Personen in dieser Episode sind es, so auch Polizistin Flint, und auch die Bilder, sehr grau, farblos, fast schon trist. „Warum sieht jeder, ohne Ausnahme, so verdammt unglücklich aus“, fragt der Telegraph in seiner Kritik.

Statt unglücklich könnte man auch bierernst sagen. Mir hat das ganz gut gefallen. Es macht das ganze irgendwie realer, so wie einen normalen TV Krimi. Nicht wie eine Scifi-Serie. Und dadurch wird das Thema mit dem Blick in die Zukunft interessanter, als es etwa bei FlashForward ist. Dort erwartet man irgendwie ganz viel Action, Verschwörungen, Aliens und was weiß ich. Bei „Paradox“ erwartet man viel weniger, so dass so ein kleines Foto aus der Zukunft gleich viel spannender ist. Auch gut gegenüber FlashForward ist die Geschwindkeit der Serie, die im letzten Drittel teilweise in Echtzeit abläuft und für Momente richtig spannend wird.

Dennoch: es stellt sich natürlich die Frage, was das alles soll. Also nicht die Sache mit den Bildern aus der Zukunft, sondern die Serie überhaupt. Es ist zwar so, dass man sie sich durchaus anschauen kann, aber weder ist die Geschichte innovativ noch gibt sie Anlass irgendetwas besonderes zu erwarten. Eigentlich sollte auf diesem Sendeplatz vermutlich die zweite Staffel des hervorragenden Remakes des Serienklassikers „Survivors“ laufen. Doch wegen der Schweinegrippe soll die BBC die Serie verschoben haben. Und das finde ich ja nun wieder total „paradox“.

Paradox, Polizei-Mystery-Drama, BBC, seit 24. November 2009 (5 Episoden)

Channel 4s Miniserie „Cast Offs“ mag nicht besonders spannend sein. Allerdings: Sie ist unaufgeregt, behutsam und vor allem: ungewöhnlich menschlich. Die sechs Geschichten von behinderten Menschen, die sich in der Rahmenhandlung in einer Reality Show auf einer einsamen Insel befinden, zeigen, wohin es mit Channel 4 bei der Suche nach einem neuen Profil (ohne Big Brother, ohne Frauentausch) gehen könnte: Zurück zu schönen, klug geschriebenen (sagen wir ruhig : lehrreichen) Geschichten.

Cast Offs Cast Foto

„18 months ago Channel 4 marooned 6 disabled people on a remote island…“ (Einleitungssatz von „Cast Offs“)

Zu jedem vorstellbaren Tabu gibt es früher oder später eigentlich auch eine Fernsehsendung, die es bricht. Besonders der britische TV Sender Channel 4 ist in der Vergangenheit nicht sonderlich zimperlich mit gewagten TV Experimenten gewesen. Eine alternative Weihnachtsansprache des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmedinedschad, Kinder sich selbst überlassen in einem Fernsehdorf, Briten (darunter ausgerechnet auch ein Schwuler), die ausprobieren, wie es ist Moslem zu sein und bald der Absturz eines realen Passagierflugzeugs als TV Show (dem Vernehmen nach allerdings ohne Passagiere) – allesamt Ideen, die bei Channel 4 über den Schirm gelaufen sind oder werden. Doch nicht alles wo Tabu steht, ist auch Trash TV.

Channel 4s neuster vermeintlicher Tabubruch, Cast Offs, erzählt von sechs Behinderten, die sich freiwillig auf einer abgelegenen Insel aussetzen lassen, um in einer fiktiven, Survivor ähnlichen Reality Show versuchen – trotz ihrer Behinderungen – zu überleben. Die Meinungen über dieses Format gehen in der britischen Presse auseinander. Die einen schreiben, es sei trotz allem eine (langweilige) Freakshow (man beachte, trotz der Ausage des Artikels, die Illustration), andere hingegen fanden es durchaus sehenswert oder schrieben, Bhinderte würden in einem neuen Licht dargestellt.

Mein Eindruck allerdings ist ein ganz anderer. Ich kann zum Beispiel eine vermeintliche satirische Note oder Parodie einer Reality Show nur am Rande erkennen. Anders als bei den genannten Channel 4 Sendungen ist es diesmal wirklich gelungen, eine ehrliche und authentische Show zu machen, die sich dank gut gesetztem Sarkasmus nicht um politische Korrektheit schert und immer menschlich bleibt. Von billigem Voyeurismus keine Spur. Nachdem Channel 4 auf dem Weg der Selbstfindung das prollige Urformat des Tabubruch-TVs – Big Brother – erst in eine bunte, liebenswerte Reality Soap verwandelt hatte und nach der kommenden Staffel genau wie „Wife Swap“ (Frauentausch) ganz entsorgt, muss man „Cast Offs“ als Vorgeschmack auf neue Zeiten sehen.

Etwas sinnlos an „Cast Offs“ ist die (Umsetzung der) Idee der Reality Show, ohne die allerdings nicht erklärbar wäre, warum sich ein Blinder, eine Taube, ein Rohlstuhlfahrer, eine an Cherubismus (kastenförmiges Gesicht, Kinn) Erkrankte, ein Opfer der Nebenwirkungen von Contergan und eine Kleinwüchsige jetzt nun auf der Insel befinden. Sie müssen halt die fiktive Reality drehen. Davon allerdings bekommt man nichts mit. Gefilmt ist die leicht düstere Dramedy fast wie eine normale Serie. Dass da jetzt ein Kamerateam und Produktion mit dabei sein müsste, bekommt man nicht mit. Ist auch egal. Die Erzählweise geht nämlich eher so wie bei Lost als bei Survivor: In Flashbacks wird in jeder Episode die Hintergrundgeschichte eines der Gestrandeten (oder auch: Weggeworfenen, Ausgestoßenen – Mehrdeutigkeit von cast away/cast off) erzählt.

Episode 1 überrascht gleich mit einem äußerst einfühlsamen Einblick in das Leben von Rohlstulfahrer Dan, der erst seit kurzem (durch einen Unfall) im Rohlstuhl sitzt und mit dem Schicksal hadert.

Produzent: „We just want to hear a bit about you. Tell us about yourself“
Dan: „Uhmmm“
Dad: „You’re sporty. Say that!“
„I’m not that sporty.“
[…]
„He’s driven.“
„I can drive.“
[…]
„You are kind.“
„That’s not what they want dad.“
„That’s exactly what they want.“
„That’s not what they want.“
„Tell ‚em jokes, they want jokes.“
„They don’t want jokes, dad. They want cripples. Remember?“

Die Beziehung zwischen Dan und seinem Vater, dem es schwer fällt mit seinem Sohn umzugehen, obgleich er trotz seiner (erlernten) Hilflosigkeit alles versucht, um seinem Sohn zu helfen (und dabei sicher öfter scheitert) ist wunderschön eingefangen. Bedrückend ist die Situation in der Dan erstmals seit dem Unfall wieder ein Mädchen mit nach Hause bringt. Keiner der Vier weiß so recht, wie man da jetzt reagieren soll. „Wollen wir den Fernseher anmachen?“, „Ja, ok“, unterhalten sich die Eltern, während Dan in seinem Zimmer verschwunden ist, mit dem Mädchen. „Möchtest Du eine Tasse Tee“, fragt die Mutter, nachdem das Mädchen wieder gegangen ist. „Ich hätte sowieso eine für deinen Vater gekocht“. Worüber redet man in so einer Situation? Man merkt schon: Die Autoren haben Gespür bewiesen.

Auf der Insel ist es die Zuversicht einiger der anderen Gestrandeten – die mit ihrer Behinderung teilweise deutlich normaler umgehen – die Dan hilft, weniger depressiv zu denken. „This is not the day, where everything is over“, sagt Carrie, die Kleinwüchsige (sie meint die Trauer), „But you will get there. We’ll help you“. Dan hatte kurz zuvor von einem anderen Rohlstuhlfahrer erzählt, der ihm ungefähr gesagt: „Eines Tages, da hast Du so ein komisches Gefühl, Du wachst auf, und fühlst Dich plötzlich wieder normal“.

Die Geschichte über den blinden Tom in Episode 2 ist weniger erkenntnisreich. Natürlich hat Tom, offensichtlich seit seiner Geburt blind, ein normales Leben. Gleichwohl, die Geschichte um ein Date mit der Ex des Mitbewohners und den darauf folgenden Liebeskummer, ist überaus nett geschrieben. In einem Moment in der Geschichte stellt der Zuschauer fest, dass es gerade die fiese Art, wie sich der (was später sehr klar wird) ansonsten sehr gute Freund, in das Date einmischt, die Normalität ist, um die es hier geht. Weil, man denkt natürlich zuerst, dass es besonders gemein sei, einem Blinden ein Date versauen zu wollen. Aber genau das ist es natürlich nicht. Es ist gemein, vielleicht, aber nicht weil der Blinde blind ist. Auch in seinem Leben geht es um Frauen, Sex. Das ist kein Almosen. Und weil es das nicht ist, ist sein Mitbewohner sauer, dass es ausgerechnet seine Ex ist, für die sich Tom interessiert.

Die Geschichten in „Cast Offs“, sie sind voller Verzweiflung, sarkastischem Humor, Hoffnung, und nicht zuletzt: voller Normalität. Man kann „Cast Offs“ als Lehrstück über Diversity sehen, als überaus authentische Lektion über die Akzeptanz von Behinderten (und auch Schicksalschlägen im Allgemeinen). Die rührig-menschlichen Geschichten können einem aber auch schlichtweg zu gutmenschlich sein. Doch „Cast Offs“ ist ehrlich und fern jedes Zynismus. Gutes Fernsehen also.

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Die lieben Kinder: Atticus Shaffer, Eden Sher and Charlie McDermott in „The Middle“, hier bei einer Pressekonferenz im August 2009.

ABCs neue Comedy erinnert nicht nur vom Titel her an „Malcolm in the Middle“ (Malcolm Mittendrin) auch inhaltlich und was die Figuren betrifft, scheint es sich um eine kleine Kopie der bekannten Comedy zu handeln – nur halt ohne Malcolm. Im Mittelpunkt steht hier eher die völlig überstresste Mutter Frankie, gespielt von Patricia Heaton, die für ihre Rolle in „Alle lieben Raymund“ zwei Mal einen Emmy gewann.

The Middle ist aber auch „Indiana“, der Bundesstaat in dem die Serie angesiedelt ist und auch die (gefühlte) Mittelschicht, also das Millieu in dem die Familie lebt. Vater Arbeiter, Mutter verkauft Autos (also genau genommen, hat sie bisher noch keins verkauft). Höhepunkt zumindest der ersten Episode ist allerdings der jüngste Sohn „Brick“ (Atticus Schaffer, im Bild), der aussieht wie der ebenfalls jüngste Sohn in „Malcolm Mittendrin“ und zwar sicherlich nicht dümmer ist, als zum Beispiel der ähnlich angelegte DJ in Roseanne, aber bedeutend seltsamer. Der kleine verschrobene Sonderling ist das absolute Highlight der ersten Episode und hat zahlreiche Gags bei denen zumindest ich herzlich lachen konnte. Neben vielen anderen Merkwürdigkeiten wiederholt Brick etwa bestimmte Wörter flüsternd nochmal zu sich selbst (Begründung: „I like it. It suits me.“)

„The Middle“ ist ganz klar eine der besseren Comedys dieses Serienherbstes. Sie erzählt von einer grotesken, einfachen weißen Mittelschichten-Familie, die sich allerdings schon eher auf dem Abstieg nach unten befindet, mit teilweise absurden Figuren und einer ironischen Version von der „Zufrieden mit dem was hat“-Moral. Besonders gelungen ist die Szene, in der die Familie Tochter Sue zu einem Chor-Auftritt der Schule begleitet, dann aber feststellt, dass Sue gar nicht im Chor, sondern nur in der Crew ist. „The only thing lamer than school choir is beeing on the crew for shool choir“, stellt Bruder Axl fest. Doch Vater Mike: „She does look real happy, though“. Auf wunderbar witzige Weise glücklich sieht Sue dank der schauspielerischen Leistung Eden Shers („Weeds“) tatsächlich aus. Zumindest bis dann doch noch etwas schief geht.

Mit einer ähnlichen Szene endet dann auch die erste Episode:

Frankie: How come, you never tell me you love me?

Mike: I told you, I love you the day I married you. For everything that changed, I like you now.

Frankie (aus dem Off): So yeah, back then on the old licence [früheres Foto/Ich auf Führerschein ist gemeint], I didn’t know what my life was gonna be. And Mike’s right: Now I know. This is my life. It’s not gonna be in „People Magazine“ or anything. But you know what? I got it good.“

Zuvor hatte die Familie ihre Mutter, die ein Superhelden-Kostüm trägt, weggeworfene Schokolade essend von der Straße aufgelesen und mit Fast Food zum Abendessen versorgt. Die ironische Unvereinbarkeit des Gezeigten mit dem was gesagt wird, macht den typischen Reiz dieser Art von Comedy aus. Denn es funktioniert beim Zuschauer in zwei Richtungen: sowohl nach dem Prinzip „Always look on the bright side of life“, als auch „Das ist ja nun wirklich ne abgefahrene Familie, dagegen sind wir normal“.

The Middle, Comedy, Abc, seit 30. September 2009, offizielle Website

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10

NBCs neue Action-Serie über ein Team von Rettungssanitätern in San Francisco überzeugt in der Pilotfolge nicht nur mit ordentlich Action (Bilder (c) NBC), sondern auch mit überraschend tiefgründigen Charakteren und einem menschlichen Touch.

Der Hintergrund der Serie ist schnell – Achtung – gespoilert: Das Team von Rettungssanitätern bzw. einige von deren Kollegen wurde selbst Opfer eines unglaublich tragischen Unglücks. Zwei Rettungshubschrauber (Bild rechts) kollidierten in der Luft, Kollegen und Freunde starben. Die Handlung setzt schließlich ein Jahr nach dem Unglück ein, das in den ersten Minuten des Piloten die Zuschauer (überraschend, wenn man nicht einen Artikel wie diesen vorher gelesen hat) an den Fernseher fesselt. Mit einem großen, aufwändig gefilmten und inszeniertem Verkehrsunfall (Bild links) wird dann im Heute direkt nochmal nachgelegt.

Gute Hintergrundgeschichte und feine Action, das gefällt schonmal, doch im letzten Drittel des Piloten zeigt „Trauma“ noch ganz andere Stärken: es widmet sich der verblüffend intelligenten (in Bezug auf das Genre) Zeichnung der Hauptcharaktere.

Sanitäter Cameron Boone hat das Unglück von vor einem Jahr noch nicht verarbeitet und spricht mit dem gerade zurück gekehrten (aus dem Koma erwachten) Reuben „Rabbit“ Palchuk:

Every night for 13 years at the end of the early shift, I went home. But not that night. Rabbit, I could not bring this home. And I still can’t. I can’t bring this home to my family, to my wife and my kids. Do you understand. […] Who do I take this to? You know, who do I talk to?

Der mit dem Cameron da spricht, Rabbit, scheint auch einer der interessantesten Charaktere zu sein. Er hatte das Unglück überlebt und scheint sich jetzt auf unangenehme, fast schuldige, Weise unzerstörbar zu fühlen.

Die Rettungssanitäterin Nancy Carnahan, die ihren Freund verloren hat, belastet ihr Beruf seit dem Vorfall. In diesem Piloten konnte sie ein Unfallopfer nicht retten. Sie spricht mit dem Unfallarzt Dr. Joe Saviano:

Saviano: You run so fast all of you. You miss the point entirely

Nancy: There is a point?

Saviano: Yes, indeed. People get hurt, some get saved, a lot die. That happens all over again.

Später sehen wir die Charaktere in einer typischen Emergency Room-Stimmung untermalt von dem äußerst passenden Song „Hands Of Time“ von Groove Armada nach Hause kommen. Einer kehrt zu seiner Familie zurück, eine telefoniert mit ihrer besorgten Mutter, einer ist alleine zu Hause, schlaflos. „You can’t pick the days Nancy“, hatte Dr. Saviano noch gesagt. „Nor what happens in ‚em“.

Trauma, Rettungsaction, NBC, seit 28. September 2009, offizielle Website

Update 29.10.: NBC hat „Trauma“ abgesetzt. Die ersten 13 Folgen werden allerdings noch abgedreht. Schade.

ustv0910

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10

Flash Forward (c) ABC

Flash Forward (c) ABC

ABCs neues Mysterie-Drama „Flash Forward“ trumpft zum Serienstart in diesem Herbst gleich mächtig auf. Jede Menge Action, eine interessante Grundidee, aufwändige Bilder und eine netter WTF-Cliffhanger können gut unterhalten. Doch stellt sich die Frage, ob dieses Niveau überhaupt über eine komplette Season gehalten werden kann und nicht vielleicht ein einmaliger Publikumsfänger war?

Also worum gehts: Wir sehen verschiedene, zusammenhanglose Leute in ihrem „Alltag“: Krankenschwestern, die sich auf eine OP vorbereiten, ein Pärchen beim Sex, FBI-Ermittler bei einer Verfolgungsjagd, einen Selbstmörder auf einer Brücke und einen Arbeiter auf einem Strommast – als es auf einmal einen globalen Blackout gibt, das heißt, alle Menschen werden für 2 Minuten und 17 Sekunden bewusstlos. Zunächst gibt es darauf natürlich erstmal ein Chaos, Unfälle, Explosionen usw. (siehe Bild). Dazu später nochmal.

Während des mysteriösen globalen Blackouts haben, wie sich herausstellt, die Menschen Visionen von der Zukunft, genauer: vom 29. April 2010. Ein kleines Mädchen spricht die namensgebenden Worte der ersten Episode („No More Good Days“): „I had a bad dream. I dreamed there are no more good days“. Doch nicht alle empfinden die Zukunft als Bedrohung, manche sehen sie gar als Chance, der verhinderte Selbstmörder etwa. Serienheld Mark Benford, der als FBI-Ermittler herauszufinden versucht, was hinter dem Ereignis steckt, allerdings hat eher düstere Zukunftsvisionen, ebenso seine Frau, einer seiner Kollegen hat sogar gar keine Vision gehabt, was nur eines bedeuten kann: in der Zukunft wird er tot sein.

Doch vielleicht lässt sich die Zukunft ja noch ändern? Ist sie in Stein gemeisselt, oder ist die Vision gerade eine Art „Geschenk“, das es ermöglichen wird sie zu ändern. Solche philosophischen Fragen werden zwar auch aufgeworfen, doch eines macht der Pilot auch ganz deutlich: der Blackout scheint weniger ein metaphysisches Ereignis zu sein, vielmehr: irgendjemand steckt dahinter. Doch wer, und warum? Frühestens in 13 Folgen werden wir das wissen. Vielleicht aber auch erst in vielen Staffeln, sollte sich Flash Forward ähnlich entwickeln wie Serienhit „Lost“, mit dem es im Internet schon hier und dort verglichen wird.

Die Frage aber ist: Was passiert bis dahin? Der Pilot mit seinen reichhaltigen Actionszenen, der schönen Endzeitstimmung nach dem Blackout, all dem Chaos und den Explosionen wird vermutlich in dieser Form eine Singularität bleiben, oder blackoutet es jetzt jede Woche? Eher nicht. Darin unterscheidet sich Flash Forward zum Beispiel von Heroes. Dort wurde 2006 ja auch mit Hiros Zukunftsvision einer Nuklearexplosion in New York eröffnet. Dort allerdings wussten wir: Hey, die haben alle Superkräfte, dann ist ja jetzt erstmal für gute Action gesorgt bis das mit der Explosion geklärt wird. Flash Forward bietet – neben der Neugier auf die Auflösung der Story – nach dem Piloten erstmal nichts an, weshalb man sich auf die kommenden Episoden freuen sollte. Ich bin gespannt, was die Macher da jetzt vor haben, um das hohe Niveau zu halten und für Spannung zu sorgen. Ob Flash Forward ein neuer Serienhit wird, das wird sich erst im Laufe der Staffel zeigen. Das Potenzial ist da.

Interessant: Die Serie basiert wohl auf dem gleichnamigen Buch von Robert J. Sawjer. Ich habe über die Inhaltsangabe bei Wikipedia nur mal ganz knapp drüber gelesen, um mich nicht zu spoilern. Wenn die Schlagworte, die ich da aufgeschnappt habe, auch in der Serie vorkommen, könnte es noch sehr spannend werden.

Update 30.09.: Anke Gröner hat auch einen schönen Ersteindruck zu FlashForward geschrieben. Außerdem habe ich inzwischen gelernt, dass die beiden Worte ohne Leerzeichen geschrieben werden müssen: also FlashFoward statt Flash Forward.

Update 10.10.09.: ProSieben hat sich inzwischen die Rechte an FlashFoward gesichert.

Update 13.1210.09.: ABC hat eine komplette erste Staffel von FlashForward bestellt, mit insgesamt 25 Folgen.

Flash Forward, Mysterie, ABC, seit 24. September 2009, offizielle Website

ustv0910

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10

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Courteney Cox (im Bild während der Dreharbeiten zu Cougar Town in Kalifornien), die wir alle als Monica Geller aus „Friends“ kennen und lieben, ist auch nicht mehr die Allerjüngste, inzwischen auch schon 45 Jahre alt. Optimal also, um die 40jährige Cougar in der neuen Comedy „Cougar Town“ zu spielen. Cougar, so nennt man Frauen mittleren oder höheren Alters, die sich nochmal einen wesentlich jüngeren Mann schnappen, wie die Löwin die Gazelle. Und genau das ist auch das Vorhaben von Jules Cobb, die sich nach ihrer kürzlichen Scheidung wieder auf dem Markt nach Frischfleisch umsieht und in Episode 1 sogleich auch fündig wird. Problem: Sie hat auch noch einen 17jährigen Sohn, der es alles andere als toll findet, dass sich seine Mutter zu heißbegehrtesten Milf der Stadt entwickelt.

Cougar Town stammt von Bill Lawrence, dem Erfinder der Krankenhaus-Comedy Scrubs, und ist ebenfalls eine Single-Kamera-Comedy ohne Loughtrack, also gefilmt wie eine normale Serie und ohne eingespielte Lacher. Bei der Auswahl des Casts neben der wunderbaren Cox haben die Macher auch allerlei Augenmaß bewiesen. So ist Dan Byrd als Sohn Travis als netter Durchschnittsteenager ohne Außenseiter-Image optimal besetzt (3 v.l.). Auch Busy Phillips (bekannt als Audrey aus Dawsons Creek, rechts) kann man als eine von zwei Freundinnen der Heldin direkt ins Herz schließen. Und Ex-Mann Bobby als trotteliger Macho ist auch eine tolle Figur (2 v.r. stehend).

Überhaupt: Die Liebe zu interessanten Figuren merkt man der Sendung gut an. So klaut ein Teenager Werbeplakate auf denen Jules, die Immobilienmaklerin ist, recht freizügug dargestellt wird und tapaziert sein Zimmer damit. Der kleine „Perversling“ ist eine unglaublich kuriose Figur und das obwohl er nur einen Miniauftritt hat. Lediglich Jules Nachbarin und Freundin Elle und deren Mann Andy haben mich noch nicht direkt vom Hocker gerissen.

Ich kann also Sascha vom sablog Recht geben: Cougar Town bietet vor allem symphatische Charaktere und gute Gags. Allerdings: Beziehungsgeschichten und die Problemlagen von Frauen um die 40 sind nun auch keine neuen oder nach Innovation schreienden Themen. Genau wie bei „Accidentally on Purpose„, in der Jenna Elfman die Cougar mit dem jungen Freund spielt, stellt sich die Frage nach dem „Wozu?“.

Während AoP grundsätzlich erstmal vorhersehbar und überflüßig wirkt, macht „Cougar Town“ seine Sache ganz gut: Es ist ausreichend gut inszeniert und durchdacht um sich aus der Masse abzuheben, geht aber kaum Risikos ein. Die Hauptfiguren allerdings unterscheiden sich deutlich: Während Jules in „Cougar Town“ eher sexuell orientiert ist, ihren Körper und das Älterwerden aber auch kritisch/ironisch sieht, so ist Billie in AoP eher der süße, schusselige Typ. Das wirkt natürlich konservativer, läuft Gefahr langweiliger zu sein. Auch ist „Cougar Town“ etwas grotesker als das eher harmlose AoP. In ein paar Wochen werden wir sehen, welche der beiden Cougars die schärferen Krallen hat.

Cougar Town, Comedy, ABC, seit 23. September 2009, offizielle Website

ustv0910

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Modern Family (c) ABC

Modern Family (c) ABC

Mann!, ist Al Bundy alt geworden! Ed O’Neill, der den wohl bekanntesten Charakter einer Sitcom spielte, ist zurück auf den Bildschirmen. In ABCs neuer Comedy „Modern Family“ gibt er den Patriarchen, Jay Pritchett, einer dreiteiligen Familie; oder anders: von drei Familien, die im Mittelpunkt dieser sogenannten Mockumentary stehen. Genau wie „The Office“ und „Parks and Recreation“ ist „Modern Family“ als Pseudo-Doku gefilmt, es sieht also aus wie eine gespielte, lustige Doku-Soap.

Nur eine der drei Familien, denen das fiktive Doku-Team folgt, entspricht dem scheinbaren Normalbild der amerikanischen Durschnittsfamilie, im Bild oben mittig. Die Dunphys haben drei Kinder, Sohn und zwei Töchter, Vater eher so der Typ, der seinen Aufgaben nicht immer ganz gewachsen ist, Mutter Idealtypus. Die beiden anderen Familien sind eher ungewöhnlich. Jay Pritchett, Claire Dunphys Vater, selbst hat eine viel jüngere lateinamerikanische Frau geheiratet und sein Sohn Mitchells ist schwul und lebt mit einem allen homosexuellen Klischees entsprechenden Mann zusammen. Die beiden haben gerade ein Kind aus Vietnam adoptiert.

Die amerikanischen TV-Kritiker haben „Modern Family“ überaus positiv aufgenommen, wie man hier, hier oder hier lesen kann. Zwei Dinge sind mir demgegenüber negativ aufgefallen: Erstens wirkt der Pseudodokustil anders als bei Office oder Parks… irgendwie gezwungen, was man auch daran merkt, dass die Kamera programmiert wirkt, sie folgt also einem Drehbuch. Dokumentarisch ist nur die ständige, sehr starke Wackelei. Zweitens wirken die Akteure nicht sehr authentisch, sondern irgendwie gezwungen. Es ist, als würde man Schauspielern dabei zu sehen, wie sie versuchen etwas lustiges zu spielen, was sie ja auch tun. Es fehlt irgendwie das stimmige Ganze, die Illusion.

Gegen Ende der ersten Episode, insbesondere als sich die Familien dann treffen – vorher wissen wir noch gar nicht, das alle zu einer Familie gehören – wird das besser. Tatsächlich gelingen auch einige gute Gags, andere Geschichten hingegen wirken banal, etwa das die Tochter der Dunphys einen älteren Freund mit nach Hause bringt – da hilft auch die andere Darstellungsform nicht. Überhaupt: wäre da nicht der Mockumentary-Stil, die Dunphys wären vermutlich die langweiligste Sitcom-Familie, die ABC jemals erfunden hat. Die anderen beiden Familien jedoch sind recht gut. Vor allem in dem schwulen Pärchen liegt sehr viel Potenzial. Und Ed O’Neill als Vater Jay könnte nochmal eine große Rolle haben.

Mit 12,7 Millionen Zuschauern, das ist mehr als Office und Parks and Recreation bei NBC erreichen, ist „Modern Family“ erstmal sehr gut gestartet. Vielleicht ist die Kombination vom klassischen Sitcom-Thema Familie, dessen erfolgreiche Variation hin zu ungewöhnlichen Familien-Verhältnissen (wie bei Two and a Half Men) und dem noch lange nicht aus der Mode gekommenem Mockumentary-Stil ja eine durchaus erfolgreiche Formel für eine Comedy.

Nachtrag 29.11.09.: Das Entertainment Magazin „The Hollywood Reporter“ hat „Modern Family“ unter den besten Serien des Jahrzehnts auf Platz 10 gelistet.

Modern Family, Mockumentary, ABC, seit 23. September 2009, offizielle Website

ustv0910

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The Good Wife (c) CBS

The Good Wife (c) CBS

Julianna Margulies spielt in CBS‘ neuem Justiz-Drama die Rechtsanwältin Alicia Florrick. Deutschen Zuschauern ist Margulies vor allem durch ihre Rolle der Krankenschwester Carol Hathaway in Emergency Room bekannt.

Rezension:

Alicia Florrick hat keine leichte Zeit hinter sich. Ihren Ehemann, einen Staatsanwalt, hat eine Korruptions- und Sexaffäre zu Fall gebracht, er sitzt nun hinter Gittern. Mit seinem Rücktritt eröffnet die erste Episode von „The Good Wife“ gleich recht spannungsgeladen und legt einige Produktionswerte offen. Das Blitzlichtgewitter, dem sich die etwa 40jährige Mutter zweier Kinder stellen muss, hört sich tatsächlich an wie Gewehrsalven und leuchtet auf wie der Bombenhagel in einem Kriegsfilm. Wir wissen: Alicia Florrick wird es nicht leicht haben. „Does it ever get easier?“, fragt ihre erste Klientin später in eigentlich anderem, aber doch vergleichbarem Zusammenhang (möglicherweise: „angeklagt zu sein“). „No“, antwortet Florrick. „But you do get better at it“.

Nach 13 Jahren außerhalb der Berufes kehrt Florrick also zurück in eine Kanzlei, sechs Monate auf Probe, in Konkurrenz mit einem zweiten Anwärter, wie wir später erfahren, um für ihre Kinder (die in der ersten Folge zunächst nur kurz erscheinen, später aber eigene, nicht unbedingt gute, Storylines bekommen) zu sorgen und ihren Ruf zurück zu gewinnen. Sie bekommt einen ersten Fall übertragen, indem sie eine junge Mutter verteidigen muss, die ihren Ex-Mann ermordet haben soll. Florrick hält sich nicht an die vereinbahrte Strategie der Kanzlei, denn sie findet schnell neue Beweise, die ihre Mandantin entlasten.

Hier liegt die einzige Schwäche der ersten Episode, das Grundproblem dieser und jeder Justizserie. Der Fall und seine Lösung, wie auch der Lösungsweg ist nicht sonderlich spektakulär, neu oder innovativ. Es ist eben das gefühlt tausendunderste Anwältedrama und es gibt wohl kaum noch ein überraschendes Verbrechen. Aber das Genre ist, neben den Medizinern und den Cops eben ein Dauerbrenner beim Publikum. Bis zu 14 Millionen Amerikaner sahen daher auch die erste Episode. Die Einschaltquoten blieben im Verlauf der Staffel auf diesem Niveau.

Die Stärke der Serie aber liegt in ihrer äußerst dichten Atmosphäre und ihren hervorragenden Schauspielern, allen voran natürlich Margulies. Die behutsame Musikuntermalung, die oft entscheidende Akzente setzt, während wir Margulies mitunter nur mimischem Spiel zusehen, und die kühlen, kontrastreichen Bilder schaffen eine gefährlich, aber strukturiert wirkende Welt, in der sich die Anwältin bewegt. Florrick wird es mit Hindernissen zu tun haben, aber sie sind überwindbar, es ist möglich sich in dieser Welt zurechtzufinden. So wechselt die Kulisse ab und an auch in wärmere Bilder und Farben. Als Heldin der Serie steht natürlich außer Frage, dass sich Florrick durchsetzen und viele Fälle lösen wird.

Neugier erzeugt hingegen die Hintergrundgeschichte. Wir wissen nur, dass ihr Mann sie (mit Prostituierten) betrogen hat. Ob er aber auch des Amtsmissbrauchs schuldig ist, das ist vermutlich die große Frage. Darüber hinaus gibt er seiner Frau in dieser ersten Episode aufgrund seines Wissens als Ex-Staatsanwalt einen entscheidenden Lösungshinweis für den Fall. Und natürlich stellt sich auch die Frage, warum Alica sich von ihrem Mann nicht hat scheiden lassen. Ähnlich wie etwa Hillary Clinton scheint sie die „gute Ehefrau“, die erstmal keine überstürzt emotionalen Entscheidungen trifft. Gegenüber zweimal in der Episode auftauchenden Tieren, die gestreichelt werden wollen, lässt sie keine Nähe zu. Ein kleiner, jedoch wichtiger Hinweis der Drehbuchautoren zum Charakter ihrer Heldin. Beherrscht ist sie vor allem, jedoch auch emphatisch, wie sich zeigen wird.

Die wichtige Frage: Wird Alicia Florrick am Ende gar im Falle ihres Mannes ermitteln, eine Verschwörung aufdecken, zu ihm zurückfinden? Schauspieler Chris Noth (Mr. Big aus Sex and the City) ist als Phänotyp des starken Ehemannes eigentlich auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass er nicht die Korrumpierbarkeit in Person sein kann. Als Alicia Florrick zu Beginn der Episode während der Pressekonferenz neben ihrem Mann steht, wirkt sie verstört, zurückhaltend, eingeschüchtert. Auf dem Ärmel ihres Mannes sieht sie einen weißen Faden, hebt die Hand instinktiv um ihn zu entfernen, als er nach ihrer Hand greift und sie aus dem Saal zieht. Gegen Ende wirkt Aliccia Florrick deutlich stärker, auf einem guten Weg. Die Rollenbilder haben sich verändert. Ich würde den Titel der Serie daher auch eher mit „Die starke Ehefrau“ als „die gute“ übersetzen. Das trifft es.

Nachtrag 18.01.10.: Juliana Margulies hat für ihre Rolle in „The Good Wife“ einen Golden Globe gewonnen. Die Serie ist übrigens auch für eine zweite Staffel verlängert wurden. Außerdem gehört sie meiner Ansicht nach zu den fünf besten (neuen) US-Serien 2009.

The Good Wife, Justizdrama, CBS, seit 22. September 2009, offizielle Website

ustv0910

Weitere Kritiken zu den neuen US-Serien der TV-Saison 2009/10

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Jenna Elfman spielt in „Accidentally on Purpose“ die Filmkritikern Billie, die von einem deutlich jüngeren Mann schwanger wird.

Jenna Elfman, in Deutschland bekannt vor allem aus „Dharma und Greg“ hat eine neue Sitcom: „Accidentally on Purpose„. Sie spielt die 37jährige Billie (siehe Promotionfoto), eine Filmkritikerin, deren Karriere soweit ganz ok ist, die aber noch kein richtiges Leben hat: die Beziehung mit ihrem Chef verläuft recht ereignislos, denn der scheint sich nicht binden zu wollen. Als er sie eines nachts auf dem Eifelturm nicht mit einem Heiratsantrag überrascht, trennt sie sich und trifft kurz darauf den Koch Zack, Mitte 20, von dem sie schwanger wird.

Klare Sache also: Genau wie bei den Sitcoms „The Big Bang Theory“ und „Two and a Half Men“, die nach und vor beide nach „Accidentally on Purpose“ laufen, steht im Mittelpunkt der neuen Sitcom eine ungewöhnliche Familiesituation: Die Cougar, also mittelalte Frau, mit dem jungen Mann, die eine Familie gründen (müssen). Sie fügt sich damit hervorragend in das schon bestehende Programm bei CBS ein, das „How I Met Your Mother“ am Montag abend einleitet.

Die erste Episode beginnt, wie auch die Los Angeles Times schreibt, mit einer fürchterlich schlechten Zeile: „I can’t do another office party; I’ve already slept with everyone here“. Zumindest lernen wir so gleich mal Billies ersten Sidekick Olivia kennen, die das sagt, eine Journalistenkollegin Billies mit britischem australischem Akzent, die eher partylustig und gerade heraus ist. Später tritt zum Ausgleich noch Billies jüngere Schwester Abby, die eher Niedliche, Ruhige, hinzu. Billies Charakter befindet sich natürlich genau zwischen den beiden.

Auch Zack bringt Anhang mit in die neue gemeinsame Wohnung – die plötzliche Schwangerschaft und die gemeinsame Wohnung sind das Thema der ersten Episode. Drei typisch unreife junge Männer, die ein wenig eine vom Intellekt befreite Versionen der Geeks aus Big Bang Theory sein könnten, sollen also zum Hintergrundrauschen der Kulisse zu gehören und für den einen oder anderen Gag sorgen, was auch ganz gut funktioniert.

„Accidentally on Purpose“ wird von der Kritik als „mittelprächtig“ bewertet, lebt natürlich von der herausragenden Jenna Elfman und ist bemüht nicht zu beliebig und berechenbar zu wirken. Die Washington Post schreibt: „The show is another entry in TV’s bulging annals of friendly mediocrity. It registers on the senses, it painlessly kills some time, and it fills the gap between the shows that precede and follow it. It’s a bridge, a conduit, a bland bit of linkage.“

Dennoch kann man nicht behaupten, dass „Accidentally on Purpose“ nicht symphatisch ist, ganz im Gegenteil: die Serie hat durchaus einen Charme, der vielen Zuschauern gefallen könnte. Das ihre große Schwäche, die Mittelmäßigkeit, all zu sehr ins Gewicht schlägt, ist aufgrund der von der Post angesprochenen Brückenfunktion zwischen den anderen genannten CBS-Sitcoms, die als gut gelten, eher unwahrscheinlich.

Ich zumindest bin neugierig, wies weitergeht. Geht es nach dem Kritiker von Reuters, sei das ja aber wohl klar: „This is an utterly predictable comedy (what, you don’t think Zack and Billie will fall in love in Season 2, right after he starts dating another chick and Billie has an epiphany?) that’s got a few fun lines.“

„Accidentally on Purpose“ könnte allerdings gerade aus der Widerlegung dieser unterstellten Vorhersehbarkeit seine Stärke ziehen. Tut sie es nicht, wird sie nicht zu den Sitcoms gehören, an die man sich lange erinnern wird.

ustv0910

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