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ProSieben Sat1 Boss Thomas Ebeling (Archivbild, gerne auch upside down imaginieren)

Bei einer Keynote auf dem deutschen Medienkongress in Frankfurt, den der Branchendienst (Marketing, Werbung, Medien) Horizont und The Conference Group ausrichteten, beschäftigte sich der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat1, Thomas Ebeling, mit der Zukunft des Fernsehens. Zumindest sagen er und Horizont das. In Wirklichkeit beschreibt Ebeling, der Zusammenfassung von Horizont nach, die Gegenwart des Fernsehens und stellt uns eine weitere betriebswirtschaftliche Optimierung der Programme zu Ungunsten von Qualität und Innovation in Aussicht, so meine Interpretation.

Bereits der Einleitungssatz von Horizont stimmt skeptisch: „Perspektivisch sieht Ebeling zahlreiche Chancen für die TV-Anbieter…“ So, so. Auch Ebeling hält sich mit Phrasen und Allgemeinplätzen nicht zurück:

  • „Fernsehen muss seine kreative Führungsrolle als Leitmedium behalten. “ (Übrigens interessant, dass Ebeling glaubt, das Fernsehen – nicht etwa das Internet oder sagen wir Magazine – hätte eine kreative Führungsrolle unter den Medien)
  • „Die Sender müssen optimal vermarktbare Formate und technisch überlegene Produkte etablieren, um ihre Position auszubauen.“ (Zitat Horizont-Zusammenfassung)
  • „Lokales ist wichtig.“
  • „Wir müssen vernünftige Preise erheben“
  • „Der Schutz des geistigen Eigentums ist zu gering.“

Man könnte Ebeling allerdings zu Gute halten, dass Horizont nur die Phrasen zitiert hat. Ich war nicht dabei und kann es nicht beurteilen.

Enthalten ist auch der übliche Lobbyismus in eigener Sache (wer will ihm das verdenken): Raubkopierer, öffentlich rechtliche Sender und die angeblich zu hohe Regulation der Privaten Rundfunkanbieter: So bemängelt Ebeling, dass Sat.1 6,5 Stunden Programm mit Fremdverpflichtungen füllen müssen. Ein Instrument mit dem Medienvielfalt gewährleistet werden soll (Abgabe von Sendezeit an Dritte ab einem bestimmten Marktanteil), stört Ebeling also.

Bereinigt um Allgemeinplätze und Lobbyismus  hat Ebeling folgende „Visionen“ für die Zukunft des Fernsehens:

  • Low-Cost-Strukturen
  • Top-Talente, die dem Sender ein Gesicht geben
  • Paid Content
  • individualisierte Werbung
  • Wirkungsforschung
  • breiteres Angebot (Diversifizierung)
  • Zuschauer direkt zur Kasse bitten (Transaktionsbeziehungen zu den Kunden aufbauen)

Man sieht, Thomas Ebelings Ideen sind vor allem betriebswirtschaftlicher Natur, keine Rede zudem von wegweisenden Ideen für das Internet. Ebeling habe zwar gesagt: „Online wird es mehr audiovisuelle Angebote geben, für die Verbraucher bereit sind, auch zu zahlen“, welche genau das überhaupt sein sollen, bleibt allerdings offen. Auch zu Fragen von Qualitätfernsehen oder Nachwuchsförderung vermisse ich Ideen.

Nun ist es nicht unbedingt Ebelings Aufgabe den kreativen Vorreiter zu spielen, er soll vor allem die wirtschaftliche Zukunft der Sendergruppe sicher stellen. Nun ist es aber so, dass das was Horizont über seine Keynote berichtet, nichts weiter ist, als eine Beschreibung der ökonomischen Gegenwart des Fernsehens und dessen Optimierung in der Zukunft. Ich lese heraus, dass Ebeling die Zuschauer in Zukunft mehr zur Kassen bitten will, die Kosten senken möchte, die Werbung mehr indvidualisieren will und mehr über die Nutzungsgewohnheiten seiner Kunden wissen will.

Das alles sieht für mich nach wenig Spielraum für Ideen, Innovationen und Kreativität aus, sondern nach billigen Doku-Soaps, primitiven Serien, Call-In-Shows oder Browserspielen auf ProSieben-Online – halt alles, was es schon gibt. Nur noch mehr, noch billiger, noch effizienter. Ich frage mich, wie das mit der angeblichen kreativen Führungsrolle, den Top Talenten oder der Hoffnung (mehr ist es ja nicht), die Kunden würden auch noch direkt dafür bezahlen zusammen passen soll?

Wenn Ebeling oder andere deutsche TV-Manager mit solchen konservativen betriebswirtschaftlichen Konzepten in die Zukunft gehen, werden sie genau diese nicht mitgestalten können.

Die Zukunft ist meiner Meinung nach ein Pay-TV-Konzept für das Internet, das Datenschutz und Nutzungsbedingungen zu Gunsten des Kunden gestaltet und nicht in DRM verkapselt oder durch Marktforschung und individualisierte Werbung über Gebühr problematisiert. Hierbei müssen althergebrachte Vertriebs- und Lizenzstrukturen grundsätzlich in Frage gestellt werden und dem Urheberrecht seine ursprüngliche, auf den Urheber (nicht dessen Verwerter) bezogene Bedeutung, zurück gegeben werden. Individualisierung auf der einen (hochspezialisierte Angebote zu hohen Preisen) und weltweit simultan übertragene TV Events (wie Sport, nur halt auch im Entertainment-Bereich, siehe X Factor, aber auch Serien und TV Filme) sollten dabei im Mittelpunkt stehen. Und Lokales bedeutet hierbei: mein individuelles Netzwerk aus Menschen, Produkten, Orten, Interessen.

Solche Ideen klingen doch gleich viel spannender. Aber wer Visionen hat, der sollte offensichtlich nicht zum Fernsehen gehen.

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Der Deutsche Fernsehpreis 2009 ist ohne Eklat über die Bühne gegangen. Die von Sat.1 ausgerichtete Veranstaltung machte nach dem Debakel im vergangenen Jahr vor, wie man einen solchen Preis angemessen ausrichtet. Thomas Gottschalk, Senta Berger, Josef Harder, Claus Kleber und die TV Helden gehören zu den Gewinnern 2009.

Am Samstag präsentierten Anke Engelke und Bastian Pastewka in ihren Rollen als die Volksmusikstars Wolfgang und Anneliese Funzfichler die 11. Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Übertragen wurde die Verleihung in diesem Jahr 2009 live von Sat.1. Laudatoren waren unter anderem Ina Müller, Johannes B. Kerner, Alice Schwarzer und Hannelore Elsner. Als Musik-Act war Jan Delay geladen. Alfred Biolek erhielt den Ehrenpreis, viel Applaus und eine lange Laudatio von Alice Schwarzer. Anders als Marcel Reich-Ranicki im vergangenen Jahr zierte er sich nicht, den Preis anzunehmen, der von zwei Kindern aus Nairobi überreicht wurde. Bioleks Kommentar: „Verehrter Marcel Reich-Ranicki, ich bitte um Verständnis, ich nehme den Preis an!“

Ein Highlight des Abends: Engelke und Pastewka sorgten mit Selbstironie dafür, dass der vorab kritisierte Preis moderationstechnisch gut dastand: „Sie wissen ja der Fernsehpreis hat ein ganz großes Herz. Deswegen wurden auch in diesem Jahr ein paar Sendungen nominiert, die nicht so gut sind“. In einem Einspieler wurden Wolfgang und Anneliese mit Szenen aus nominierten Filmen zu einem „neuen“ Film montiert. Auch das nicht unbedingt schlecht gemacht. Und gesungen wurde natürlich auch.

Ein weiterer guter Gag des Moderationsduos: „Man kann sichs vielleicht gar net mehr vorstellen, aber auch a Sonya Kraus war mal jung“. Und beim 30.000 Euro Förderpreis für sechs Nachwuchsschauspieler aus “ Die Wölfe“: „30.000 Euro! Das reicht ja fast für ein halbes Drehbuch von Doris Heinze!“ Ein weiterer Förderpreis geht an die junge Filmemacherin Eva Stotz.

Thomas Gottschalk gewann mit seiner Ausgabe von „Wetten, Dass…?“ vom 13. Dezember 2008 den Preis für die Beste Unterhaltungssendung/Moderation und sprach in seiner Dankesrede wie immer in letzter Zeit im Fernsehen über die Zielgruppe (er hat Probleme mit den Quoten in eben jener).

Bester Schauspieler in einer Hauptrolle wird Josef Hader im Film „Ein Halbes Leben“. „Tja, jetzt kann man auch nix mehr machen“, kommentierte Harder kabarettistisch den Preis. In der Schule sei er immer schlecht im Sport gewesen und habe daher nie was gewonnen. Wenigstens beim Fernsehen hat es jetzt geklappt. Dem ZDF dankte er für die großartige Gage. Das Publikum war amüsiert. Haders weiblicher Gegenpart wird Senta Berger, die den Preis als beste Schauspielerin für ihre Rolle in „Schlaflos“ gewinnt. Es ist tatsächlich ihr erster Fernsehpreis.

Als beste Reportage wird „Die Bombe“ (ZDF) ausgezeichnet, die von Nachrichtenpräsentator Claus Kleber journalistisch verantwortet wurde. Er nutzte die Laudatio um dem zeitweise politisch umstrittenen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender den Rücken zu stärken. Das ZDF ist ebenfalls der Gewinner des Preises für die beste Wahlsendung, das ZDF-Wahlforum, und für die Übertragung der Leichtathletik-WM als beste Sportsendung.

Bester Fernsehfilm wird das Flugzeug-Entführungsdrama „Mogadischu„, das bereits den Bayerischen Fernsehpreis und Die Goldene Kamera gewann. Bester Mehrteiler ist „Wir sind das Volk„. Dieser Preis geht damit an den Gastgeber des Abends: Sat.1 – und bleibt der einzige des Senders. Der Preis wurde zum ersten Mal verliehen.

Beste Serie ist „Der Lehrer„, womit auch RTL mal einen Preis gewinnt. Jedoch muss man dazu sagen, dass alle Nominierten in dieser Kategorie nicht gerade das Beste sind, was Fernsehen sein kann, sondern auch nur Mittelmaß. Hier zeigt sich, wie schlecht deutsche Fiktion in Sachen Serie ist. In der Dankesrede wurden dann dennoch auch böse Seitenhiebe an das deutsche Feuilleton verteilt, das „Der Lehrer“ verissen hatte. Dieses reflexartige „Jetzt beiss ich mal zurück“ der (des) RTL-Preisträger(s) ist auch schon aus dem vergangenen Jahr (DSDS) bekannt. In vielerlei Hinsicht der Tiefpunkt der Sendung.

Beste Comedy-Show ist schließlich „TV Helden„, das sich nach Aussage der Jury jenseits des klassischen Kabaretts ihr eigenes Humor-Territorium abstecke. Die taktlose Comedyshow lief kurzzeitig bei RTL, jetzt bei Harald Schmidt. Ironischer Kommentar: „Vielen Dank an RTL für den langen Atem, dass wir nicht gleich nach der ersten Sendung abgesetzt wurden (sondern nach der 2.)“.

Die Preisverleihung war in diesem Jahr eine deutliche Steigerung gegenüber der peinlichen Sendung mit dem Reich-Ranicki-Eklat im vergangenen Jahr im ZDF. Auf schreckliche Comedy-Auftritte wurde verzichtet, Anke Engleke und Bastian Pastewka waren ungleich witziger, drängten sich jedoch nicht unnötig in den Vordergrund. Viele Laudatios und Dankesreden waren kurz und pointiert (Silke Zertz/Drehbuch: „Also erstmal: mich gibts wirklich…“, Anna Fischer).

Einige (technische) Kategorien wie Kamera, Schnitt oder Musik wurden in den Werbepausen verliehen, was gegenüber den Geehrten irgendwie eine kleine Frechheit ist. Allerdings: auch bei den Oscars könnte es 2010 ähnlich zu gehen.

Sat.1 hat seine Sache gut gemacht, aus der Kritik aus dem vergangenen Jahr gelernt und eine unaufgeregte, kurzweilige und aufs Wesentliche konzentrierte Preisverleihung inszeniert. Im Mittelpunkt standen wieder die, die dort auch hingehören: Die Ausgezeichneten. Ein Highlight der Samstagabend-Unterhaltung ist und bleibt die Veranstaltung aber natürlich nicht.

Nachtrag 27.9.: Die Quoten des Deutschen Fernsehpreises 2009 waren sehr schlecht. Gegenüber 2008 verlor der Preis rund 3 Millionen Zuschauer, das ist ein Einbruch um 70 Prozent, schreibt Dwdl. Die Zahlen: 1,34 Millionen Zuschauer, 5,2 Prozent MA gesamt und 6,9 Prozent MA in der Zielgruppe.

Alle Nominierten und Gewinner (fett) des Deutschen Fernsehpreises 2009 (nach dem Klick):

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Der Sommer ist manchmal eine fernseharme Zeit, aber auch eine Zeit, in der die Sender gut das eine oder andere Format ausprobieren können, dass sich in Herbst, Winter und Frühjahr vielleicht nicht lohnen würde. Ein Überblick über die neuen Programme dieses Sommers im deutschen Fernsehen.

Erwachsen auf Probe, Reality-Doku, ab 3. Juni, RTL: Im umstrittenenen TV-Format leihen sich Teenager fremde Babies um auszuprobieren, wie es ist Eltern zu sein.

„Mission Hollywood“, Castingshow, ab 8. Juni, RTL: Til Schweiger sucht Nachwuchs-Schauspielerinnen. Es winkt eine Rolle in „Twilight 2“.

Sportfreunde Pocher – Alle gegen die Bayern, Sport-Casting, ab 27. Juni, Sat.1: OLiver Pocher castet Hobby-Kicker, die den FC Bayern herausfordern sollen. Das Endspiel findet am 25. Juli in der Arena auf Schalke statt.

Germany’s next Showstars, Casting, ab 4. Juni, ProSieben: DJ Bobo sucht Nachwuchstalente im Doppelpack, die ihn auf seiner Bühnenshow begleiten.

Promi-Singles – Traumfrau sucht Mann, Doku-Soap, im Sommer, Sat.1: Prominente Frauen wie Desirèe Nick, Sabrina Setlur und Maja von Hohenzollern suchen ihren Traumpartner, zumindest solange sie auf Sendung sind.

Giulia in Love?!, Doku-Soap, ab 2. Juli, ProSieben: Die ehemalige Dschungelbewohnerin und Ralph Siegel-Tochter lädt zehn Männer in eine Villa und sucht sich den passenden aus. Bis dahin müssen zahlreiche Einzel- und Gruppendates absolviert werden.

tvstipps

Der Branchendienst kress report hat die erfolgreichsten TV-Sendungen der Saison 2008/2009 anhand der Einschaltquoten in der Zielgruppe der 14- bis 49jährigen Zuschauer ermittelt. Das teilt der Dienst heute in einer Presseaussendung mit. Demnach löst „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) den bisherigen Primus „Dr. House“ auf dem ersten Platz ab. Der ausstrahlende Sender RTL kann sich zudem über 44 Formate in den Top 100 der meistgesehenen Sendungen freuen, das ist einsame Spitze. Mit Ausnahme von „Wetten, Dass…?“ (ZDF) auf Platz 7 sind zudem ausschließlich RTL-Sendungen in den Top 10 vertreten.

ProSieben folgt mit 27 Platzierungen in den Top 100 auf dem zweiten Platz, danach kommen Sat.1 mit 14, das ZDF mit sechs, Das Erste (ARD) mit fünf, Vox mit drei und RTL II mit einer Platzierung in den Top 100. Alle weiteren Sender sind folglich gar nicht in den Top 100 vertreten.

Die erfolgreichsten Neueinsteiger im Ranking sind „Die 10…“ auf Rang drei, „Das Supertalent“ auf Rang acht und „Die Ausreißer – Der Weg zurück“ auf Rang elf. Auch das alles Formate vom Sender RTL, der ohnehin schon 200 Monate ununterbrochen Marktführer in der Zielgruppe ist.

Hier die kompletten Top 10:

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Sat.1 plant eine neue Dokusoap für den Sommer, in der prominente Frauen mit Männern verkuppelt werden sollen. „Promi-Singles -Traumfrau sucht Mann“ soll sie heißen. Durchgesickert ist bereits, dass die ehemalige Dschungelkönigin Désirée Nick eine der Prominenten sein soll, die da auf Männerfang gehen. ProSieben plant übrigens eine ähnliche Schow, allerdings nur mit der ehemaligen Dschungelbewohnerin Giulia Siegel. Das Sat.1-Format „Promi-Singles-Traumfrau sucht Mann“ soll an die Sat.1-Sendung „Gräfin gesucht“ erinnern.

Auf welchem Programmplatz die Sendung gezeigt werden soll ist noch unklar, gegenüber dem Mediendienst DWDL bestätigte Sat.1 allerdings, dass es sich um eine Prime-Time-Sendung handeln soll. Ein entsprechender Aufruf sich zu bewerben, wird Sat.1 ab Freitag dieser Woche mit Désirée Nick im Programm ausstrahlen. Hoffentlich guckt auch einer zu.

macht Mitbewerber chancenlos

Travelocity Zwerg: macht Mitbewerber chancenlos

Auf seinem Blog beschäftigt sich Stefan Niggemeier mal wieder mit dem Thema Schleichwerbung im Fernsehen. In der vergangenen Episode von „Nur die Liebe zählt“ erklärt ein Verliebter die Dame des Herzens bei den Lokalisten kennen gelernt zu haben, einem sozialen Netzwerk, dass zur ProSiebenSat1 Media AG gehört. Darüber wird der Zuschauer jedoch im Unklaren gelassen. Vor einiger Zeit hatte Niggemeier bereits die außergewöhnlich fruchtbare Kooperation zwischen Subway und ProSieben mehrfach kritisiert. Das Schnellrestaurant war ungewöhnlich oft in Formaten dieses Senders vorgekommen.

Im Folgenden möchte ich kurz drei Aspekte anreißen auf welche Weise sich Schleichwerbung (sowie dessen Einschränkungen) und verwandte Formen wie Product Placement und Sponsoring negativ auf das Fernsehen, seine Zuschauer und die werbende Industrie auswirken können. Erstens die unzulässige Irreführung des Zuschauers, zweitens die Verhinderung von Wettbewerb und drittens die Verhinderung von teuren Programmen.

Schleichwerbung ist eine Form der getarnten Werbung mit dem Zweck, Werbebotschaften zu vermitteln, deren werblicher Charakter vom Zuschauer oder Leser entweder nicht auf Anhieb oder überhaupt nicht als solche zu erkennen sind (wp). In den von Niggemeier beanstandeten Fällen ist dies der Fall. Problematisch ist das erstens, weil Subway sich etwa über redaktionelle Inhalte ein Image „erkauft“, das nicht mit der Realität des überspitzt gesagt „turbokapitalistischen Ausbeuterunternehmens“ korreliert. Dazu ein kritischer Artikel hier. Man kann dann natürlich fragen, ob und wie bei einer solch fruchtbaren Partnerschaft eine kritische Berichterstattung in einem derart medienmächtigen Unternehmen wie ProSiebenSat1 überhaupt möglich ist. Im Falle von „Nur die Liebe zählt“ wird der Zuschauer zudem über die werbende Intention in die Irre geführt. Das ist so nicht akzeptabel. Werbung muss als solche erkennbar sein.

Schleichwerbung behindert auf diese Weise den freien Wettbewerb, in dem der Zuschauer/Konsument aufgrund von Werbung auf der einen und nutzwertigem Journalismus auf der anderen eine selbstbewusste und informierte Konsumentscheidung treffen kann. Mehr noch: auch für die Unternehmen kann Schleichwerbung zum Problem werden. Für die ausstrahlenden TV-Sender, und: sogar für Marktteilnehmer die nicht in Konkurrenz mit dem beworbenen Produkt stehen. Beispiel: „The Amazing Race“, eine amerikanische Reise-Gameshow. Der Sponsor Travelocity, ein Online-Reisebüro, hat sich derart im Programm bis hin zur Website platziert, dass auch nicht im direkten Wettbewerb stehende Unternehmen (etwa ein Autobauer) kaum noch eine Chance auf Wahrnehmung haben. Tessa Wegert von „The Clicks Network“ schreibt zu diesem konkreten Fall:

When an advertiser’s presence is so strongly demarcated in association with a media brand, there isn’t room for anyone else. Like Jaffe offline, site visitors won’t remember that car in association with the media brand. The effectiveness of Travelocity’s presence there (both concrete and psychological for visitors) robs advertisers like that automaker of the benefits aligning oneself with a well-liked property and its loyal fans can bring.

Und drittens: Wird Schleichwerbung und Sponsoring durch Staat oder Staatenbund und Rundfunkverträge zu stark reguliert, ergeben sich unschöne und alberne Einflüße auf die Realisation von Programmen, die ohne die finanzielle Unterstützung des Industrie unfinanzierbar wären. Die irische Version von „The Apprentice“, einer Business-Gameshow (in Deutschland: Big Boss, 2005) wäre zum Beispiel ohne Sponsoring undenkbar (die BBC macht die englische Version mit strengeren Regeln dazu, ist aber auch öffentlich-rechtlich und hat mehr Geld). Natürlich geriet die Sendung direkt in die Kritik wegen unzulässigem Product Placement. Mehr dazu und verlinkte Artikel in einem Beitrag auf diesem Blog (englisch). Es ist wirklich nicht schön, wenn Bürokratie und überholte Richtlinien zur Schleichwerbung und Produktplatzierung die Realisation von TV-Programmen behindern.

Was folgt daraus: Werbung in welcher Form auch immer, muss transparent sein. Das nützt letztlich allen: dem Zuschauer, den Werbenden und den Programmverantwortlichen. Entscheidend aus unternehmerischer Sicht sind zwei Punkte: die optimale und imagefördernde Platzierung des Produkts sowie Glaubwürdigkeit. Ungekennzeichnete Werbung kommt wie ein Boomerang mit negativem Image zurück. Zudem sollte sich das Fernsehen nie zu sehr von einem Produkt oder Unternehmen vereinnahmen lassen, das macht es andere Marktteilnehmer chancenlos und untergräbt damit mögliche weitere Partnerschaften. Schließlich und letztlich sollte, wenn sich alle über diese Spielregeln einig sind, der Rahmen in dem all dies statt finden kann von Seiten des Staates und der Rundfunkbehörden zumindest für private Rundfunkveranstalter und Unterhaltungsformate geweitet werden. Ohne die Industrie ist Fernsehen heutzutage nicht mehr möglich.

Nachtrag: Eine der gelungensten, transparentesten und sinnvollsten Versionen von „Schleichwerbung“, nämlich Stefan Raabs Wok-WM, haben die Bürokraten der Medienwacht Ende 2008 noch übel erwischt: Raabs Produktion habe unzulässig Schleichwerbung betrieben. In Zukunft dann ohne Sponsoren? Mehr dazu bei Peer Schader und den Medienpiraten.

48 Stunden ohne Fernseher: eine Horrorvorstellung. Nichts ganz: es gibt ja auch noch den Computer, das Internet, tragbare Medienplayer, Videospielkonsolen. Aber mal angenommen, das alles müsste weg. Für ein Wochenende hat nun ironischerweise ein TV-Sender, nämlich Sat.1 der Berliner Familie Mantel ihre Fernseher, Computerspiele und Radios weggenommen. Und jeder in der Familie hat seinen eigenen Fernseher. Fünf Stück sind es insgesamt. Vater Mantel zum Beispiel ist ein organiserter TV Zuschauer, wenn die neue TV-zeitschrift erscheint, kreuzt er erstmal für 14 Tage komplett an, was er ansehen will: „Und ne Stunde also brauch ick wirklich dafür“. Da ist der erste Schock bei Vater natürlich groß, als die Sat.1 Reporterin samt Möbelpackern anrückt: „Nö, also damit bin ick nich einverstanden. Wie? Allet? Aus der janzen Wohnung?“. Hilft nix, da müssen die Mantels dann durch. „Noch nichma Musike“, wie Mutter Mantel treffend feststellt.

Doch was nun. Es ist Freitag 17 Uhr und die gesamte Unterhaltungselektronik ist fort. „Naja, es fehlt wat, wa“, stellt Vater Mantel ernüchtert fest. Aber es gibt eigentlich immer was zu tun: „Ach, ick weeß, was ich mache. Ma ne Batterie inne Uhr rin“. Das Experiment geht natürlich stark auf die Psyche der Berliner Familie. „Langsam kommt man sich doch wirklich schon bekloppt vor“, resümiert Vater Mantel. Am Sonntag zeigen sich erste körperliche Entzugserscheinungen, Vater Mantel hat Bluthochdruck: 155:92. Das ist zuviel: „Janz ehrlich, ich brech das Ding ab, ich schaf das nichmehr“, kapituliert Vater Mantel vor der TV-Redakteurin. „Nee, nochma mach ick det nich“, so das Fazit von Mutter Mantel.

Den Sat.1-Autoren ist mit diesem netten, kleinen Stück ein ironischer, unterhaltsamer Beitrag gelungen, der in ein Lehrbuch für Boulevardjournalisten gehören könnte. Wunderbar.

Die Sendung des kann online auf der Seite von Sat.1 angeschaut werden.

Wer das Video zum eigenen Gebrauch oder aufgrund technischer Probleme herunterladen möchte, dem wird diese URL hilfreich sein:

Safari (alte Version) - Fenster -  Aktivität - Doppelklick

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Die Einschaltquoten des Sat.1-Magazins am vergangenen Sonntag waren allerdings nicht so berauschend: 5,9 Prozent Marktanteil sowohl in der Zielgruppe als auch beim Gesamtpublikum (0,6 bzw. 1,51 Millionen Zuschauer, Quelle: Videotext): Hatte die Familie Mantel etwa ein Quotenmessgerät und konnte deshalb selbst nicht zuschauen 😉

[via Stefan Niggemeier]

Sat.1 setzt am Mittwoch konsequent auf Sozialreportagen. Bereits im August hatte man mit „Gnadenlos Gerecht“ Jagd auf Hatz IV Betrüger gemacht, was vielen dann doch etwas zu einseitig vorkam. Es war das vielbeschworene Bild der unwürdigen Armen, denen staatliches Geld ja nicht zustehe, da sie faul sind, und Betrüger obendrein. Nun zeigt Sat.1 konsequent auch die andere Seite, was aber nichts am schiefen Bild ändert. „Geheime Helfer“ rückt nichts grade, sondern verstärkt die Trennung in würdige und unwürdige Arme. Diesmal sind es die würdigen Armen, die ehrenamtlich arbeiten und das wenige, das sie haben noch teilen.

Vorbild der Sat.1 Doku ist augenscheinlich „The Secret Millionaire“ , eine Reality Doku auf dem britischen Channel 4, die 2007 den Rose d’Or award als besten Reality Programm gewonnen hat. Wirtschaftlich erfolgreiche Menschen begeben sich undercover in die Unterschicht, um letztlich denen, die es ihrer Meinung nach verdienen, Geld oder sontiges zu schenken.

Die deutsche Version ist trist in ihren Bildern. Sie sind herbstlich grau, wie ein verregneter Herbsttag in Gelsenkirchen, das die Kulisse für die erste Episode bildet. Die Musik wurde offensichtlich hauptsächlich der Melodie nach ausgewählt. Perfect Day und Karma Police sind an den entsprechenden Stellen nicht zwingend passend.

Und so geht es: Der unterkühlt und introvertiert wirkende Unternehmer Christoph Kleuters macht als angeblich arbeitsloser Buchhalter Bekanntschaft mit der Hartz VI-Familie Hribernigg . Welt Online fragt zu Recht: Wer hilft hier wem? Unternehmer Kleuters, so machen uns zumindest die Autoren und die Menschenkenntnis der Familienmutter glauben bekommt nämlich auch etwas geschenkt: die Dankbarkeit, die Hilfsbereitschaft und die Freundlichkeit der Gelsenkirchener Familie, die ihm sichtlich gut tut. Im Gegenzug sind einige der Sorgen der Hriberniggs nun Vergangenheit: Vaters ehrenamtliche Stelle ist gesichert, der Sohn macht eine Ausbildung bei Kleuters Firma und alle fahren noch zusammen in den Urlaub.

Die Sendung ist nicht sonderlich spannend und wäre vermutlich im Nachmittagsprogramm des Senders anstelle von Gerichtsshows besser aufgehoben, zu wenig gibt man sich Mühe, das Format zumindest optisch auf Primetime zu polieren. Die natürlichen und authentischen Bilder sind erdrückend und alles andere als ein Publikumsfänger.

Alles in allem, ähnelt „Geheime Helfer“ allen anderen Helfer-Soaps im Fernsehen, sieht nur viel trauriger und öder aus, verzichtet aber weitgehend auf die redundante Aneinanderreihung von Szenen und Kommentaren, die die Szenen nochmal beschreiben. Gnadenlos auf Happy End getrimmt, lässt „Geheime Helfer“ den Zuschauer weitgehend unbeeindruckt zurück.

Geheime Helfer, seit 24. September 2008, Sat.1

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