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Die heiß diskutierte und umstrittene RTL-Reality-Doku „Erwachsen auf Probe“ ist kein sonderlich großer Erfolg für den Privatsender. Die Quoten der dritten Ausstrahlung (vierte Episode) von „Erwachsen auf Probe“ am gestrigen Mittwoch waren alles andere als berauschend. In der Zielgruppe erreichte „Erwachsen auf Probe“ nur noch 15,8 Prozent Marktanteil.

Bereits am Dienstag wurde bekannt, dass einige Werbekunden nicht weiterhin im Umfeld von „Erwachsen auf Probe“ werben wollen. Der schwedische Möbelverkäufer Ikea begründete gegenüber dem Mediendienst DWDL seinen Rückzug damit, dass die Sendung nicht den Werten entspreche, mit denen das Unternehmen in Verbindung gebracht werden wolle. So sei die Sendung reißerisch aufgemacht und führe Menschen vor, sagte ein Unternehmenssprecher dem Bericht zufolge. Die stornierten Spots wurden auf andere Programme umgelagert und führen daher nicht zu Werbeausfällen wie RTL sagt.

Entwarnung von rechtlicher Seite gibt es für „Erwachsen auf Probe“ allerdings auch. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) kam bei ihrer Prüfung der ersten beiden Episoden zu dem Schluß, dass eine Menschenwürdeverletzung nicht gegeben ist und angesichts der Sendezeit nach 20.00 Uhr eine Beeinträchtigung von Zuschauern über zwölf Jahren nicht vorliegt.

Gleichwohl kritisierten die Anlage und die Produktionsbedingungen des Formats geübt. „Säuglinge werden nach Auffassung des Gremiums für dramaturgische Effekte eingesetzt und die jugendlichen Teilnehmer mit Berufung auf ein oberflächliches und vermeintlich pädagogisches Ziel einem Realitätsschock ausgesetzt. Sie werden von Erziehern und so genannten Experten beobachtet und kontrolliert, erhalten jedoch keine echte und umfassende Hilfe, beispielsweise von Vertrauenspersonen aus ihrem familiären Umfeld. Nach Einschätzung der KJM ist „Erwachsen auf Probe“ weder pädagogisch wertvoll noch pädagogisch begründet“, schreibt die Kommission.

In „Erwachsen auf Probe“ (TV-Kritik auf diesem Blog) leihen sich Teenager unter anderem fremde Babies um an ihnen zu üben, wie es ist erwachsen zu sein und Kinder zu haben, den Alltag zu meistern. Bereits im Vorfeld sorgte die Reality für harte Kritik von zahlreichen Jugendschutzvereinen, Ärzten und Institution.

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Hmm, ich dachte der ganze Trubel um „Erwachsen auf Probe“ sei bereits vorbei, da erinnerte mich eine Pressemeldung des Verlags „Vedra“ daran, dass gestern die dritte Episode lief. Hätte ich dann mal aufnehmen oder anschauen sollen, so richtig Lust habe ich aber nicht mehr, da mir die ersten beiden Episoden nicht so gut gefallen haben. In dieser Reality-Show leihen Eltern ihre Babies (und Kinder) fremden Teenagern für ein soziales Experiment. Die Teenager sollen erfahren, wie es ist Kinder zu haben und Erwachsen, Eltern zu sein.

Werbung für „Erwachsen auf Probe“ zu machen war allerdings nicht Bernd Dosts, so heißt der Besitzer des Verlags, Absicht, eventuell will er selbst Werbung für sich machen oder im besseren Fall noch einmal das sagen, was alle anderen auch schon gesagt haben. RTL schädige kleine Kinder, so in der Art.

Betreffend „Erwachsen auf Probe“ ist Bernd Dost der Meinung: „Die gesendeten Folgen suggerierten denn auch dem Zuschauer durch geschickte Schnittfolge, dass den ausgeliehenen Kleinstkindern letztendlich nichts passiert sei – jedoch in Wirklichkeit standen die Babys unter größtem Stress, durchliefen ein Wechselbad der Gefühle, zeigten starke Trennungsängste ja, Trauer. Sie litten entsetzlich.“

Bernd Dost ist Dokumentarfilmer, die Süddeutsche Zeitung schrieb über ihn, er habe eine „behutsame Art, mit den Menschen zu reden, beziehungsweise: sie zum reden zu bringen“. Dost selbst hat sich zuletzt mit dem Thema Säuglings- und Bindungsforschung beschäftigt und wiederholt nocheinmal die Argumente die andere Kritiker der RTL-Reality vorbrachten. Kurz gesagt: Die Babies in der Sendung tragen durch die Trennung von ihren Eltern Schaden davon.

Jener Bernd Dost hat nun bei der Staatsanwaltschaft Köln Strafanzeige wg. Körperverletzung gegen die Verantwortlichen der von RTL produzierten Serie gestellt, der erste ist er nicht. Es liegen schon weitere Anzeigen gegen den Sender vor (siehe erster Link in diesem Post). Er verlangt, dass das gesamte gedrehte Material beschlagnahmt wird: Nur so lasse sich in einem späteren Gerichtsverfahren erkennen, wie sehr hier die körperliche Unversehrtheit und Gesundheit von Babys verletzt wurde, wie sehr die Kinder dadurch auch für ihr späteres Leben traumatisiert wurden, heißt es in der Pressemitteilung.

Wie berichtet, hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) die gestern ausgestrahlten ersten beiden Episoden von „Erwachsen auf Probe“ (mittwochs, RTL) in einem dreiköpfigen Prüfausschuß unter die Lupe genommen. Jedoch konnten sich die drei KJM-Mitglieder nicht darüber einig werden, ob Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen vorliegen. In „Erwachsen auf Probe“ leihen sich Teenager-Paare echte unter anderem echte Babies, um mit ihnen das Eltern sein zu üben.

In einer Presseaussendung teilt die KJM heute mit:

Aufgrund weiteren Diskussionsbedarfs wird das zwölfköpfige KJM-Plenum in seiner nächsten Sitzung am 17. Juni 2009 über die bis dahin ausgestrahlten Sendungen beraten.

In der vergangenen Woche hatte die KJM ankündigt, “Erwachsen auf Probe” isnbesondere auf einen möglichen Verstoß gegen die Menschenwürde und eine die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigende Wirkung hin zu untersuchen.

Stellt das KJM-Plenum am 17. Juni einen Verstoß fest, leitet sie die Sache an die Landesmedienanstalten weiter, die, dem Hörensagen nach, Sanktionen gegen private Rundfunkveranstalter verhängen könnten, etwa Bußgelder oder Ausstrahlungsverbote.

Zum Thema: Erwachsen auf Probe – TVundso-Kritik

[via medienpiraten]

Erwachsen auf Probe (c) RTL

Erwachsen auf Probe (c) RTL

Nachdem ich die ersten beiden Episoden von „Erwachsen auf Probe“ (mittwochs, RTL) angeschaut habe, muss ich sagen, drei der vier Teenager-Paare hätte ich, wenn ich ein Kind hätte, dieses nicht anvertraut. Weder dem Gangster-Paar aus Köln, noch der schwer zu verstehenden Hauptschülercombo, und auch nicht unbedingt dem ansich durchaus symphatischen Schmuddelpärchen aus Hannover. Lediglich Lila und Sebastian machten einen einigermaßen soliden und fähigen Eindruck sich um ihr Kind kümmern zu können.

Das Schlimme ist, in der Realität bekommen gerade solche Leute wie die ersten drei Paare vermutlich Kinder in jungen Jahren. Zumindest muss man das annehmen, um die Dokusoap der Logik der negativen Identifikation nach, der solche Realities immernoch folgen, anschauen zu können. So wie die will ich nicht sein. Loser eben, wie Peer Schader im Faz-Fernsehblog schreibt.

Der erste Schock folgt mit dem Einzug in das ultraspießige Suburbia, vier Einfamilienhäuser in einer Gegend, die trostloser nicht sein könnte, müssen die Teenagerpaare bewohnen. Der zweite Schock ist dann die Aussage des RTL-Sprechers, für den Notfall gäbe es Hilfe von Katja Kessler. Das ist die ehemalige Bild-Kolumnistin, die ein bisschen aussieht wie eine Mangafigur und neben dem Buch von Dieter Bohlen auch eins übers Muttersein geschrieben hat, womit sie sich auskennt, da sie das selbst viermal geworden ist.

Später wird der Eindruck allerdings revidiert Klatschjournalistin Kessler sei hier die Expertin, als RTL zur Absicherung, das niemand das Reality-Format noch mehr missversteht als ohnehin schon, mehrmals echte Erziehrinnen einblendet, die überwachen wie die Teenager mit den geliehenen Babies umgehen.

Und was waren das jetzt nochmal für Leute, zu denen die Eltern da ihre Kinder verleihen? Also einer hat 15 Strafanzeigen bekommen und sich früher gerne mal geprügelt. Ein anderer, Hauptschüler Elvir, erzählt aus dem Beziehungsalltag:

„Das gibts manchmal mit uns Streit. […] Ich hab gesehen, ok, die hört nicht auf, die schreit mich an, die beleidigt mich, die sagt, ich wär ein Wichser, ein Penner. Ok, die geht jetzt ein bisschen zu weit, dass ich ihr dann eine geklatscht habe. Und von da hat die aufgehört. Jetzt macht die das nicht mehr. […] Ich würde die Nadine nochmal schlagen, wenn die das gleiche macht wie damals“

Elvir, der, um seine wahre Identität als Nichtsnutz und Dummkopf zu verbergen, ausschließlich Anzüge zu tragen scheint, ist dann auch jener, der sich nachts auf die Babypuppe legt und sie damit tötet.

Man kann durchaus auch gutes über die etwas zu langatmig geratene erste Doppelfolge sagen, und zwar das sie lustig ist, was auch beabsichtigt zu sein scheint. Man kann auch darüber sagen, dass sie auch irgendwie so etwas lehrreiches hat, womit RTL ja auch gerne argumentierte, da es in Deutschland so viele Teeniemütter gäbe.. Das ganze Geschrei um die Show entpuppte sich allerdings recht schnell als viel Lärm um nichts.

Letzteres tut die Show aber leider auch. „Erwachsen auf Probe“ ist eine schwer zu ertragende Mischung aus dem alten Reality-Format, indem wir uns Asis anschauen sollen, um das Gefühl zu bekommen, besser zu sein, und aus einem biederen spießbürglerichen Lehrstück über das Erwachsen werden, das mit der ewig monotonen Musik aus dem Leierkasten der Realityproduzenten untermalt wird. Es ist nicht so trist und depressiv wie die tägliche Prekariatsschau „Mitten im Leben“, und unterm Strich recht unspektakulär.

Trotz allem Trubel erreichte „Erwachsen auf Probe“ in der Zielgruppe gestern auch nur 19,1 Prozent Marktanteil, was mehr als schmeichelhaft ist und vermutlich auch nicht unbedingt mehr werden wird, denn das einzig Sehenswertes, nämlich wie die Teenager die Babies bekommen und auf sie reagieren ist jetzt auch schon vorbei im Grunde. Alles andere wäre im Nachmittagsprogramm besser aufgehoben.

tvkritikundso

RTL darf die umstrittene Doku-Soap „Erwachsen auf Probe“, in der Eltern ihre Babies verleihen, damit Teenager mit ihnen üben können, wie es so ist Eltern zu sein, ausstrahlen. Ein familienpolitischer Verein und eines seiner Mitglieder hatten versucht per Eilantrag das Kölner Jugendamt dazu zu verpflichten, die Ausstrahlung zu verhindern. Dieses Verbotsantrag hat das Verwaltungsgericht Köln heute vormittag abgelehnt. Das berichtet DWDL.

Das Gericht stellte demnach fest, dass das Kölner Jugendamt überhaupt nicht dafür zuständig sein, TV-Sendungen zu genehmigen oder zu verbieten und daher auch nicht dazu verpflichtet werden könnte. Über die Einhaltung von Jugendschautzbestimmungen im privaten Rundfunk seien allein die Landenmedienanstalten verantwortlich.

Das allerdings jene Landesmedienanstalten die Ausstrahlung von „Erwachsen auf Probe“ verbieten werden oder Bußgelder verhängen ist noch nicht komplett vom Tisch. Die Komission für Jugendmedienschutz hatte angekündigt, „Erwachsen auf Probe“ überprüfen zu wollen. Stellt man dort Verstöße fest, wird der Fall an die Landesmedienanstalten weitergeleitet.

„Erwachsen auf Probe“ hatte bereits vor der Erstausstrahlung am heutigen Abend (20:15 Uhr, RTL, Doppelfolge, dann fünf Mal mittwochs) eine Welle des Protest ausgelöst. RTL hatte Kritiker zu einer Vorführung und Diskussion eingeladen, bei der ein Vertreter des oben genannten Jugendamtes der Stadt Köln eine Instrumentalisierung von Kindern feststelle, aber keine Kindeswohlgefährdung.

Stefan Niggemeier vom Faz-Fernsehblog findet die gesamte Debatte hysterisch und auf allen Seiten von Heuchelei geprägt. Er schreibt, „die Diskussion, ob eine solche Sendung ausgestrahlt werden darf oder verboten werden muss, verhindert die Frage, in welcher Form sich das Fernsehen brisanten Themen und der Lebenswirklichkeit widmen sollte und wie es seiner Verantwortung gegenüber den Protagonisten gerecht wird“.

Die Tsunami-Welle der Kritik gegen die neue RTL-Reality „Erwachsen auf Probe“ nimmt immer krassere Formen an. Inzwischen liegen sogar Strafanzeigen gegen die Sendung vor, die Komission für Jugendmedienschutz will die Sendung prüfen, 60 Verbände aus dem Kinder- und Jugendschutz haben dazu aufgerufen die Sendung zu stoppen

Die Sueddeutsche berichtet, der Verein „Verantwortung für die Familie“ hat Strafanzeige gegen RTL wegen der geplanten Ausstrahlung der Doku-Soap „Erwachsen auf Probe“ bei der Staatsanwaltschaft Köln gestellt. Es gehe um den Verdacht der Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener, sagte demnach der Anwalt des Vereins. Wie der evangelische Pressedienst berichtet, stammt eine zweite Strafanzeige von einem Arbeitskreis am Familiengericht in Freising.

Bild.de berichtet heute, dass sich 60 Verbände aus der Kinder- und Jugendhilfe in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Ausstrahlung der Sendung „Erwachsen auf Probe“ gerichtet haben. Zu den Unterzeichnern gehören Pro Familia, die SOS- Kinderdörfer, der Deutsche Lehrerverband, der Deutsche Kinderschutzbund und der Deutsche Hausfrauenbund (komplette Liste). Sie fordern einen Stopp der Sendung, die am 3. Juni 20:15 Uhr erstmals auf RTL ausgestrahlt wird. Auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hatte einen Stopp der Sendung angemahnt, sollte RTL sie nicht überarbeiten.

Der Kinderschutzbund in Münster hat sogar zu Protesten gegen die Ausstrahlung von „Erwachsen auf Probe“ aufgerufen. „Die Dreharbeiten sind bereits erfolgt, jetzt geht es darum, die Ausstrahlung und etwaige Fortsetzungen zu verhindern“, sagt Dieter Kaiser, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes, über die angenommene Notwendigkeit des Protestes.

In der Doku-Soap „Erwachsen auf Probe“ versuchen sich Teenager mit geliehenen Babies als Eltern. RTL-Chefin Anke Schäferkordt sagten einem Welt-Berichte zufolge am heutigen Freitag zu der massiven Kritik: „Wir haben vollstes Verständnis für die Sorge die aufgrund der misszuverstehenden RTL- Pressemitteilung entstanden ist -, dass Kinder mehrere Tage der Obhut ihrer Eltern entrissen werden. Doch diese Sorge können wir zu 100 Prozent entkräften, dies war nicht der Fall. Die Mütter waren fester Bestandteil des Produktionsablaufs und die ganze Zeit in unmittelbarer Reichweite ihrer Kinder.“

Weitere Artikel zu „Erwachsen auf Probe“:

„Erwachsen auf Probe“: Ein Fall für den Jugendschutz

„Erwachsen auf Probe“: Fronten verhärtet

„Erwachsen auf Probe“: Jetzt spricht eine der Baby-Verleiherinnen

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Die Kommission für Jugendmedienschutz will die RTL-Reality „Erwachsen auf Probe“ überprüfen. Stellt diese einen Verstoß gegen Jugendschutzbestimmungen fest, könnte die Ausstrahlung der Sendung verboten werden und die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehmen.

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Dass RTL am gestrigen Freitag überhaupt zu einer Diskussionsrunde um die umstrittende neue Doku-Soap „Erwachsen auf Probe“ eingeladen hat, kann man positiv bewerten. Bedenkt man den Erfolg des Senders und seiner sicherlich nicht ganz unproblematischen anderen Dokusoaps (der sich vermutlich auch bei „Erwachsen auf Probe“ einstellen wird), ist es ja eine schöne Sache, wenn man sich den hysterischen Kritikern nicht mit der Haltung „Der Erfolg gibts uns Recht“ grundsätzlich verweigert.

Ohne eine klare Haltung zu dem was man da tut, die ja nur sein kann, dass man die eigenen Programme gut, richtig und wichtig findet, ist es wohl kaum möglich im Umfeld der zumindest besseren Abendproduktionen von RTL zu arbeiten (im Gegensatz dazu bin ziemlich überzeugt, dass die Nachmittagsproduktionen oder der RTL II-Trash einfach von Leuten gemacht wird, die nicht über ihre Arbeit reflektieren). Vor diesem angenommenen Hintergrund, finde ich die Haltung RTLs beachtlich.

In „Erwachsen auf Probe“ probieren (hilflose) Teeny-Eltern die Elternschaft mit geliehenen echten Babies aus. Der Hauptvorwurf der Kritiker von „Erwachsen auf Probe“, ist der der möglichen Schädigung des  Säuglings.

In den Kommentaren auf diesem Weblog erklärt die Ärtzin Dr. Dorothea Böhm, die ebenfalls an der gestrigen Diskussionsrunde teilnahm, dazu:

Stark vereinfacht ausgedrückt: Verlassenheitsgefühl lässt das Stresshormon Cortisol bei Babys stark ansteigen, dieses unterdrückt Wachstumsprozesse. Das Gehirn wächst in der Säuglingszeit sehr schnell und ist gegen derlei negative Einflüsse sehr empfindlich. Im Tierexperiment sind die Zusammenhänge zwischen der Trennung von Jungtieren und Müttern und dem Auftreten irreversibler Hirnstrukturveränderungen seit mehr als 10 Jahren bewiesen.

Einem Bericht von DWDL zufolge, die offensichtlich die Diskussionsrunde besucht haben, scheiterte der Versuch einer Versöhnung zwischen den Programmmachern und den Kritikern:

Das Problem der gut gemeinten Zusammenkunft: Menschen, die vor lauter Fernsehmachen all die als „dramaturgische Zuspitzung“ geschönten Fakes als völlige Selbstverständlichkeit des Mediums betrachten, treffen auf engagierte Interessenvertreter, die zum Teil vermutlich selten so lange eine RTL-Programm am Stück gesehen haben wie an diesem Freitag in Köln.

RTL will weiterhin an der Ausstrahlung von „Erwachsen auf Probe“ ab dem 3. Juni festhalten, die erste Episode allerdings noch einmal prüfen und gegebenfalls überarbeiten. Bei ähnlichen Produktionen möchte man in Zukunft bereits vorab auf entsprechende Experten und Verbände zugehen. Ein „Making of“ für Zuschauer, die kein DWDL oder dieses Blog lesen, fände ich übrigens auch nicht verkehrt.

„Erwachsen auf Probe“ basiert auf dem englischen “The Baby Borrowers”, dass BBC3 letzten Sommer ausstrahlte, und das im Vorfeld auch in Großbritannien für Kritik sorgte. Auch ein ähnliches soziales Experiment, in der Kritik verkürzt als „Kinder Big Brother“ bezeichnet, sorgte auf der Insel in diesem Jahr für Aufruhr. In „Boys and Girls alone“ überließ Channel 4 Kinder auf einem Grundstück sich selbst.

In einem Interview mit stern.de spricht nun erstmals eine Mutter darüber, warum sie RTL ihren kleinen Baby-Sohn Lasse dem TV-Sender für ein Reality-Format überlies. Die Doku-Soap „Erwachsen auf Probe“ steht derzeit im Kreuzfeuer der Kritik. Der saarländische „Landrat“ Peter Müller würde die Sendung am liebsten verbieten lassen. Und auch österreichische Institutionen haben inzwischen in die Kritik eingestimmt.

Das Format „Erwachsen auf Probe“ basiert auf dem englischen „The Baby Borrowers“, dass BBC3 letzten Sommer ausstrahlte, und das im Vorfeld ebenfalls für Kritik sorgte. Teenager sollen ausprobieren, wie es ist Eltern zu sein und sich um Kind, Alltag und Geld kümmern zu müssen. Dazu bekommen sie fremde Babies ausgeliehen.

Nachdem die Resonanz auf ein Gesprächs- und Vorführungsangebot von RTL an die Kritiker des Formats offensichtlich gering war, muss nun der Stern ran und Mutter Katrin B. erklären lassen, warum alles halb so schlimm ist (was der Wahrheit vermutlich ziemlich nahe kommt).

Baby-Verleiherin Katrin B. (31) erzählte dem Stern:

Kein Kind wurde zu etwas gezwungen. Es gab kein Drehbuch, keinen Zeitplan, dem sich die Kleinen unterordnen mussten, auf alle ihre Bedürfnisse wurde jederzeit Rücksicht genommen. Anders wäre das doch gar nicht gegangen. Oder meinen Sie etwa, irgendeine normale Mutter schaut einfach zu, wenn ihr Kind weint? Selbstverständlich gehe ich zu meinen Sohn, wenn er die Arme nach mir ausstreckt – völlig egal, ob gerade zehn Kameras laufen.

Die Leser des Stern-Artikels konnte das möglicherweise nicht überzeugen. Aktuell findet eine deutliche Mehrheit der Abstimmenden bei der anbei stehenden Umfrage: „Babys kommen zu Schaden, die Ausstrahlung sollte verboten werden.“ Wetten, die gucken trotzdem alle?

Wegen einer neuen Reality-Doku bricht über den Sender RTL derzeit eine Welle des Protest herein. Das berichtet Focus Online. Im Format „Erwachsen auf Probe“ probieren vier Teenager-Pärchen den Alltag von Erwachsenen aus, inklusive Geld verdienen und Leihbabies hüten. Die Säuglinge haben andere Eltern den Teenagern für die Produktion der TV-Show überlassen.

Wie üblich bei gewagten Reality-Formaten kommen nun allerlei Leute daher, die meinen, das dürfe man nicht. Verbieten!, schreien sie nun gemeinsam. Instrumentalisierung der Babies warf die Kinderkomission des Bundestages dem Sender RTL vor, der Vizepräsident der Niedersächsischen Ärztekammer Gisbert Voigt glaubt, den Kindern würde seelischer Schmerz zugefügt und der Deutsche Kinderschutzbund befürchtet Bindungsstörungen. Alle forderten einen Verzicht der Ausstrahlung der siebenteiligen Serie, die am 3. Juni starten soll.

RTL selbst verweist darauf, dass die echten Eltern das Experiment 24 Stunden am Tag mit Überwachungskameras beobachten können. Außerdem seien Erzieher, Ärztin und Psychologen immer vor Ort. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger verweist zudem auf die große soziale Relevanz des Themas. In Deutschland nähme die Zahl der Teenager-Mütter und der Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen kontinuierlich zu. Viele Teenager-Paare aber seien noch gar nicht reif genug um Eltern zu werden.

Einer Meldung des Mediendienstes DWDL zufolge hat RTL die Kritiker des Formats zu einer Vorführung und einer Dikussionsrunde eingeladen.

In England und den USA sorgten vergleichbar gewagte Reality-Formate in den vergangenen Jahren für ähnliches Aufsehen und Kritik. CBS (USA) spielte mit Kindern die Gründerzeit der Amerikaner nach (Kid Nation, 2007) und Channel 4 (England) überlies Mädchen und Jungen eine zeitlang (ebenfalls überwacht von Kameras und Eltern) auf einem Grundstück sich selbst (Boys and Girls alone, 2009) (Bericht auf diesem Blog). Mit der Einbeziehung von Säuglingen wagt sich RTL überraschender Weise noch ein Stück weiter vor. Das Format basiert allerdings auf einer ähnlichen Produktion der BBC.

Einen Verzicht auf die Ausstrahlung der Serie finde ich persönlich unsinnig, allerdings sollten die Kinderschützer und Medienkritiker darauf achten, dass nicht Sender wie RTL II auf dumme Gedanken kommen, falls das RTL-Format Erfolg hat.

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