You are currently browsing the tag archive for the ‘Britains Got Talent’ tag.

Susan Boyle, Zweitplatzierte bei der vergangenen Britain’s Got Talent-Staffel (BGT) soll sich auf Anraten von Ärzten und TV-Produzenten weiter schonen. Aus diesem Grund sagte Boyle ein Konzert in Manchester während der aktuellen Tournee der erfolgreichsten europäischen TV-Show ab.

Susan Boyle entschuldigte sich bei den Fans in Manchester, denen angeboten wurde, ihr Geld für die Tickets zurückzubekommen, wenn sie sich die Show ohne Boyle nicht anschauen wollen. Stephen Mulhern, der die Liveshow von BGT präsentiert wurde dennoch ausgebuht als er statt ihrer selbst nur einen Videoclip von Boyle präsentierte.

Susan Boyle war kurz nach ihrem überraschenden zweiten Platz bei BGT in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen wurden, die sie allerdings nach fünf Tagen wieder verlies. Die genauen Gründe sind nicht bekannt, es heißt allerdings sie hätte den plötzlichen Ruhm nicht verkraftet. (Kommentar dazu auf diesem Blog)

Susan Boyle trat allerdings am Freitag in Birmingham und am Samstag in Sheffield auf, wo sie mit Stehenden Ovationen gefeiert wurde, obglich ihr die Worte immernoch ziemlich schwer fielen. Susan Boyle hofft, heute am Konzert in ihrer Heimat in Glasgow teilnehmen zu können.

[Quellen: Bild.de, Times Online]

Die britische Medienwacht Ofcom hat etwa 350 Beschwerden zu den vergangenen Ausgaben der Talentshow „Britain’s Got Talent“ erhalten. Nur 16 davon betreffen allerdings den Umgang mit Susan Boyle, die einen Tag nach dem Finale der Show in eine Klinik eingewiesen wurde, und dort, wie heute bekannt wurde, vermutlich mehrere Wochen lang behandelt werden muss. (Kommentar dazu)

331 der Beschwerden gingen zu Hollie Steel ein, die beim Halbfinale am Freitag überfordert in Tränen ausbrach (Foto Hollie Steel). Hollie Steel hatte ihren Text vergessen und sollte nicht noch einmal singen dürfen, weshalb sie in Tränen ausbrach und Jurymiglied Simon Cowell später die Entscheidung rückgängig machte.

Tatsächlich sorgten sich allerdings nur 50 Beschwerenden um den Wohlergang des kleinen Mädchens. 281 hingegen beschwerten sich darüber, dass Hollie Steel noch einmal eine zweite Chance gegeben wurde.

Die anderen Ausgaben von Britain’s Got Talent erhielten nur bis zu 10 Beschwerden an Ofcom. Die höchste Zahl von Beschwerden erreichte einst ein Comedy-Anruf von Jonathan Ross und Russel Brand bei Schauspieler Andrew Sachs, auf dessen Anrufbeantworter diverse Beschimpfungen hinterlassen wurde. 42.000 Beschwerden gingen damals ein.

Ofcom teilte außerdem mit, in Sachen Britain’s Got Talent keine weiteren Ermittlungen aufnehmen zu wollen, da keine Runfunkrichtlinien verletzt wurden seien. Eine dieser Richtlinien besagt: „People in a state of distress should not be put under pressure to take part in a programme or provide interviews, unless it is warranted.“ Ich glaube, die britischen Medienwächter sind genauso blind wie die deutschen.

[Quelle: Guardian]

Das Folgende ist ein Kommentar zu: Susan Boyle in Klinik nach Got Talent-Finale

Einen Fall, wie den der Susan Boyle hat es so wohl noch nicht gegeben. Das ist überraschend, den jeder kulturkritische Soziologe etwa wird wohl beim Anschauen einer Reality-Show schonmal auf den Gedanken gekommen sein, dass der plötzliche, konstruierte Ruhm irgendwie auch ungesund sein könnte. Es ging zulange gut.

Es hat beides schon gegeben, Menschen die über Nacht Stars wurden, und Prominente, die mehr Zeit in Entzugskliniken und Heilanstalten verbringen als auf der Bühne. Überraschenderweise hat es noch keinen Fall gegeben, bei dem jemand recht unschuldiges, unbedarftes so schnell berühmt wurde, und dann an all diesem Trubel so schnell zerbrach.

Ich erinnere mich an eine DSDS-Kandidatin, die in der ersten Staffel Schluß machte, weil es ihr zuviel wurde, an erschöpfte Big Brother-Kandidaten, an viel Heulerei in Reality Shows, aber das war alles wenig beunruhigend. Selbst eine Lisa Bund im Dschungelkamp, kämpfend um Ruhm und Anerkennung, am Ende ein nervliches Wrack, sie war nicht mehr als ein Kollateralschaden. Das ist Showbiz, kommt vor, machen das ja freiwillig, werden gut bezahlt, kann man sagen. Außerdem wars ja „nur“ ne blonde Zicke, ne Attention Whore, Wannabee, wie auch immer.

Irgendwann musste es aber mal passieren, es musste die Falsche treffen. Und zwar richtig. Verdächtig lange hat sich das „Jeder kann ein Star sein“-Paradigma der Fernsehunterhaltung gehalten. Um welchen Preis, sollte man fragen. In einer Gesellschaft, in der nichtmehr nur die Schönen, die Talentierten, die Besten, die die am härtesten arbeiten Ruhm ernten, sondern gezielt die gesucht werden, die ganz und gar nicht makellos sind, um nicht mehr nur zynisch als Negativbeispiel dazustehen, sondern im Gegenteil zu echten Stars werden. In einer Gesellschaft, in der Ruhm aber gleichzeitig als das höchste zu erreichende Ziel gilt, muss es früher oder später zu Störungen kommen.

Und zu Opfern. Bislang haben das Spiel um den Ruhm all die „Simples“, ob nun etwa in Deutschland ein Holger Göpfert oder Michael Hirte, recht gut überstanden. Es ist nicht bekannt, dass sie Schaden davon getragen haben. Aber die Entwicklung hin zum Normalo als Star hat in diesem Ausmaß auch gerade erst begonnen. Nachdem Susan Boyle bei Britain’s Got Talent ihre erste Audition hatte, explodierte irgendwo etwas in der nach Entertainment, Projektionen und Emotionen gierenden Popkulturwelt. Plötzlich, quasi über Nacht, war Susan Boyle ein Weltstar.

Es war der Tag, andem das wohl weltbeste TV-Format Britain’s Got Talent zu eben diesem endgültig wurde. Und aus einer Küchenhilfe aus Schottland wurde jemand, der auf einmal (fast) so bekannt war wie der amerikanische Präsident. Mann kann auf viel vorbereitet sein, aber darauf nicht. Und selbst die besten Psychologen, das beste Team, das sich um die Kandidaten kümmert, können all das nicht kompensieren.

Es sind schon große Stars am Ruhm zerbrochen, ob Michael Jackson, Amy Winehouse, Whitney Houston, Robby Williams, Lars von Trier – die nach dem Höchsten streben, sie fallen tief; begleitet von Medien und Öffentlichkeit. Was aber bei diesen Profis Jahre dauert, bei Susan Boyle geschah es in wenigen Wochen. Von der Küchenhilfe zum Weltstar, dann zum Opfer der Schlagzeilen, dann zum „nur noch“ Zweiplatzierten, und nun in der Klinik. Erschöpft, ausgebrannnt.

Es war der Tag an dem Britain’s Got Talent (BGT), an dem das Fernsehen seine (neue) Unschuld verlor. Gerade Shows wie BGT konzentrieren sich auf gezielt kalkulierte Emotionen, auf die Gemeinsamkeiten der Gesellschaft, auf Verbindung, Werte. Das war etwas neues, eine Unschuldigkeit. Dass sie dazu eine „Unschuldige“ opfern mussten, war vielleicht solange möglich wie die „Unschuldige“ schadlos bleibt, mit Millionen Pfund letztlich in eine bessere Zukunft entlassen wird. Doch das Spiel, es ging nicht auf.

Der tiefe emotionale Fall der Susan Boyle, er ist nicht mehr nur ein Kollateralschaden. Er ist ein Signal, ein Weckruf an die TV-Macher. Wenn der Vorhang fällt, steht hinter all dem konstruierten Ruhm kein neuer Star, sondern im schlimmsten Fall eine gebrochene Frau. Das Fernsehen erst hat selbst die zerstörerische Kraft des Ruhms entfacht und wir, die Zuschauer überall auf der Welt, haben sie katalysiert.

Für Susan Boyle hoffen wir in diesen Tagen das Beste, dass sie sich erholt und Glück findet, vielleicht eine Platte aufnimmt, tut was immer sie will. Susan Boyle hat uns eine Geschichte erzählt davon, wie jemand, von dem man es nicht glaubte, Ruhm erlangen kann. Die Geschichte wollten wir hören. Und die Macher, sie haben vielleicht für einen Moment geglaubt, sie seien Gott. Jetzt sehen wir, wie sie, Susan Boyle, daran zerbrochen ist. Der Fall Susan Boyle hat uns aber auch gezeigt, wo die Grenzen liegen, die das Fernsehen nicht überschreiten sollte. Menschen sind nicht nur schöne Geschichten, sondern Menschen. Fernsehen muss das lernen.

tvkritikundso

Es war wahrscheinlich alles viel zu viel für die 48jährige Küchenhilfe Susan Boyle aus Schottland. Der Weltruhm über Nacht, die vielen Schlagzeilen, die überraschende Niederlage im Britain’s Got Talent-Finale am Samstag. Zitternd stand sie da, vor der Verkündung des Ergebnisses durch die Moderatoren Ant und Dec, den ganzen Stress, man hat ihn ihr angesehen. Es war zuviel. Nicht geschlafen habe sie, heißt es. Sie sei erschöpft, ausgebrannt, benehme sich seltsam.

Mitarbeiter der Got Talent-Produktion riefen am Sonntag abend gegen 18 Uhr die Polizei, da sie sich Sorgen um Susan machten, sie verhielte sich merkwürdig hieß es. Als Polizei und Rettungsanitäter an Boyles Londoner Hotel ankamen, begab sich die Schottin Medienberichten zufolge freiwillig in die Obhut der Mediziner, machte keinen Aufstand.

Der britischen Booulevard-Zeitung Sun erzählte eine anonyme Quelle: „Sie sah nicht gut aus, richtig verloren, sie war nicht wirklich bei Sinnen.“

Ein Sprecher von Britain’s Got Talent sagte, Susan Boyle sei emotional völlig ausgebrannt und erschöpft. Dem Magazin GM.TV erzählte Jurymitglied Piers Morgan: „Sie braucht erstmal Abstand von allem, Abstand von der Show, von den Medien, der Öffentlichkeit, ein bisschen Zeit für sich selbst“. Ihr Bruder erzählte der BBC: „Sie will einfach nur nach Hause zu ihren Katzen“.

Auch der britische Premier-Minister Gordon Brown erkundigte sich bei Simon Cowell und Piers Morgan nach dem Befinden von Susan Boyle, er sagte später: „Ich hoffe Susan Boyle kommt wieder auf Beine, denn sie ist wirklich eine außerordentlich nette Person, sie wird ihren Weg machen.“

Medien hatten zuvor kolportiert, Susan Boyle sei nach dem Finale wütend geworden und hätte „Ich hasse diese Show“ geschrien, und einen Mitarbeiter mit Wasser übergossen, als dieser sie beruhigen wollte. Piers Morgan wies diese Gerüchte zurück.

Ein persönlicher Freund Susan Boyles bedaurte in der Morgenshow bei der BBC die tragische Zäsur, die Susan Boyles Ruhm nun erfuhr: „Es ist so eine Tragik, eine Frau, die es liebt zu singen, eine ganz unschuldige Frau, wie sie da gefangen ist in diesem Spiel um den Ruhm“. Glücklich habe sie das alles offensichtlich nicht gemacht, sagte er.

[Quellen: The Guardian, The Sun, GM.TV, BBC]

Haben Britain's Got Talent gewonnen: Tanzcombo Diversity

Haben Britain's Got Talent gewonnen: Tanzcombo Diversity

Völlig überraschend hat gestern Abend die Tanzcombo „Diversity“ die dritte Staffel von Britain’s Got Talent gewonnen. Susan Boyle ist Zweite.

Es war eine unglaubliche nervenaufreibende Entscheidungsshow. Kurz vor der Verkündung des Ergebnisses sah Susan Boyle aus, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen, lange zeigte die Kamera die zitternde ehemalige Küchenhilfe aus Schottland nicht, aber auch die Moderatoren Ant und Dec sahen aus, als seien sie mit der Situation etwas überfordert. Als sie jedoch den Namen des Gewinneracts „Diversity“ verkündeten muss Susan Boyle augenblicklich ein Fels vom Herz gefallen sein. Sie wirkte wieder föhlich, erleichtert. glücklich und zufrieden, machete sofort wieder Scherze. Diversity hingegen waren völlig überrascht und von ihren Gefühlen überwältigt.

Opfer der Garderobiere: Ant und Dec

Opfer der Garderobiere: Ant und Dec

Haben wir gestern möglicherweise die beste TV-Show der Fernsehgeschichte gesehen, die Sendung, für die das Fernsehen überhaupt erst erfunden wurde? Das kann gut sein. Auch die ersten beiden Staffeln von „Britain’s Got Talent“ waren schon großartiges Fernsehen mit zahlreichen emotionalen Höhepunkten, aber keine kam zu einem passenderen Zeitpunkt als die dritte. Das Mutterland des Kapitals braucht eine solche Show, die die Menschen wieder verbindet.

Die Einschaltquote des gestrigen Finales war die höchste die jemals ein Reality-Programm in Großbritannien erreichte. Bis zu 19,2 Millionen Briten sahen in der Spitze zu, das sind 71,6 Prozent Marktanteil. Die Show selbst hatte im Schnitt 15,3 Millionen Zuschauer/71 Prozent Marktanteil, die Entscheidung 17,3 Millionen, 67,6 Prozent Marktanteil.

Das ist richtig, richtig viel und wird Fernsehmacher auf der ganzen Welt, wenn nicht schon ohnehin anhand der tollen Sendung, vor Neid ganz blaß werden lassen.

Wenn man der Sendung überhaupt etwas vorwerfen will, dann, dass Ant und Dec seltsam steife Anzüge tragen mussten, die sie aussehen ließen, als hätten sie einen Stock im Po. Und auch Amanda Holden scheint optisch nicht gerade ihren stärksten Tag gehabt zu haben.

Optischer Fehlgriff: Jurymitglied Amanda Holden

Optischer Fehlgriff: Jurymitglied Amanda Holden

Aber wenn die ganze Welt auf einen schaut, gibt man sich als eitle Dame vielleicht auch mal etwas zu viel Mühe um gut auszusehen. Das war jedenfalls nichts. Abgesehen von Amandas Kleid, Dekoltee und Frisur war das Finale von Britain’s Got Talent aber über alle Zweifel erhaben.

Junge im Spiegel: Aldan Davis

Junge im Spiegel: Aidan Davis

Es gab eine Menge zu sehen, recht viele Kinder, aber vielleicht braucht eine so große Show in dieser Zeit etwas mehr Unschuld als sonst. Der kleine Aidan Davis mit seiner Spiegeltanzperformance war jedenfalls sehr nett anzusehen.

Treffen der Generationen: 2 Grand

Treffen der Generationen: 2 Grand

Etwas Mitleid hatte ich ja mit der obskuren Opa-Enkelin-Gesangseinlage von 2 Grand, die nach einer Aussage selbst nichtmal damit gerechnet haben, überhaupt ins Halbfinale zu kommen. Aber da es ansonsten kein „Family Matters“ gab, musste das wohl auchmal sein.

Just Sweet: Hollie Steel

Just Sweet: Hollie Steel

Die Rolle des Überkindes kam der zuckersüßen Hollie Steel zu, die im hellblauen Kleidchen ganz wunderbar sang, aber letzten Endes wie die vier anderen Acts mit Kindern nicht bis in die Top 3 aufsteigen konnte.

Träumte noch einmal ihren Traum: Susan Boyle

Träumte noch einmal ihren Traum: Susan Boyle

Susan Boyle jedenfalls blieb beim bewährten Konzept, sie sang noch einmal ihren weltweit über 100 Millionen mal geklickten Song aus der ersten Britain’s Got Talent Audition „I dreamed A Dream“ und man darf sagen, besser als beim ersten Mal. Und als es vorbei war, war sie sichtlich froh.

Erleichtert nach ihrem Auftritt: Susan Boyle

Erleichtert nach ihrem Auftritt: Susan Boyle

Besonders toll fand ich ja auch den Auftritt von Saxophonist Julien Smith, der ebenfalls denselben Titel wie in der Audition blies und auf dem dritten Platz landete. Hatte etwas vom deutschen Supertalent-Gewinner Michael Hirte.

Gefühlvoll: Saxophonist Julien Smith

Gefühlvoll: Saxophonist Julien Smith

Was bleibt unterm Strich von Britain’s Got Talent? Obgleich in der Produktion bei FreeMantle als auch beim Sender ITV vermutlich eine der weltbesten TV-Macher arbeiten, als auch eben echte Profis, man hatte Zeitweise das Gefühl, diese Sendung ist zu groß geworden. Das ITV den Internetmarkt zum Beispiel völlig falsch einschätzte und dort Millionen verlor (obgleich es absehbar war nach Paul Potts) ist ein Indiz dafür. Und im Finale war ein Nervenzusammenbruch von Susan Boyle durchaus im Rahmen des Möglichen.

Ihre Überforderung stand auch sinnbildlich für die imense Größe und mediale Power die das ohnehin schon große Britain’s Got Talent in diesem Jahr angenommen hat. So bleibt ganz besonders in einem Land wie Großbritannien, indem Fernsehen Werte und Gemeinschaft stiftet, mehr als in Deutschland, letztlich der Eindruck zurück, dass der Gewinner zwangsweise ein Politikum sein muss. Mit Diversity hat seltsamer Weise und überraschend ein Act gewonnen der da ziemlich gut passt. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Videos, Infos und Bilder gibts auf der Website von Britain’s Got Talent.

Weitere lesenswerte Berichte zum Britain’s Got Talent Finale:

Michael Russnow in der Huffington Post

Ken Tucker von EW, mit Videos von Susan Boyle und Diversity

Lara Gould im Sunday Mirror

Ben Quinn und Amelia Hill im Observer/Guardian

Update 31.5.: Susan Boyle gewinnt Britain’s Got Talent nicht.

Bei Britain’s Got Talent wirds jetzt richtig ernst. Die Halbfinals sind fast vorbei und die zehn Finalisten, die morgen Abend um den Sieg auf ITV singen werden, stehen ab heute Abend fest. Bereits am Sonntag konnte sich Susan Boyle für das Britain’s Got Talent Finale qualifizieren. Jetzt wirds spannend. Die fünf Halbfinals in dieser Woche sorgten beim Sender ITV für bombastische Quoten und ein nicht abreißendes riesiges Medieninteresse. Branchenexperten gehen von Werbeeinnahmen in Höhe von 20 Millionen britischen Pfund einschließlich des Finales aus.

Hier eine Übersicht über die Entscheidungen der Halbfinals, die Finalisten und die Einschaltquoten:

Freitag: Aidan Davis (Tanz), Hollie Steel (Sängerin), Einschaltquote: 13,14 Millionen/57,3 Prozent Marktanteil

Donnerstag: 2 Grand (Sänger) und Julien Smith (Saxophon), Einschaltquote: 12,3 Millionen/51 Prozent Marktanteil

Dienstag: Shaheen Jafargoli (Sänger) und Stavros Flatley (Comedy Tanz), Einschaltquote: 12,7 Millionen, 50 Prozent Marktanteil

Montag: Flawless (Tanz) und Shaun Smith (Sänger), Einschaltquote: 11,3 Millionen, 50 Prozent Marktanteil

Sonntag: Susan Bolye (Sängerin) und Diversity (Tanz), Einschaltquote: 11,8 Millionen, 49 Prozent Marktanteil

Eine Übersicht über alle Britain’s Got Talent-Finalisten mit Videos gibts auch bei tvsongs.de

Die ganze Welt schaut nun auf Susan Boyle, die in dieser Woche beinah davor stand, auf grund des starken öffentlichen Drucks und der vielen Schlagzeilen alles hinzuschmeißen. Das habe Jury-Mitglied Piers Morgen einem BBC-Bericht zufolge bestätigt. Susan Boyle versucht jetzt in ihrer Heimat Schottland sich zu erholen und auf das Finale mental einzustellen. Über 60 Millionen Mal wurde das Susan Boyle Video im Internet angeklickt. Wird Susan Byole bald auch selbst Millionärin?

Offizielle Britain’s Got Talent Website

Sollte keine Pizza essen: Britain's Got Talent-Star Susan Boyle, Screenshot: talent.itv.com (c) ITV

Sollte keine Pizza essen: Britain's Got Talent-Star Susan Boyle, Screenshot: talent.itv.com (c) ITV

Update 31.5.: Susan Boyle gewinnt Britain’s Got Talent nicht.

Britische TV-Zuschauer müssen in dieser Woche ganz stark sein. Wie schon im vergangenen Jahr laufen 5 Halbfinals (sic) und am Samstag das große Finale. Im letzten Jahr habe ich das wirklich durchgezogen, 6 Tage lang, jeden Tag eine neue Episode der wohl inzwischen weltberühmtesten TV-Show. Danach war ich so übersättigt, dass ich kaum noch Lust auf das deutsche Supertalent hatte und auch in diesem Jahr recht spät angefangen habe 1 oder 2 Episoden zu schauen.

Wäre Susan Boyle nicht gewesen, die mit ihrem Auftritt über Nacht weltberühmt und über 100 Millionen Mal auf Youtube-Videos angesehen wurde , ich hätte wohl noch immer wenig Lust darauf gehabt. Als Susan Boyle am Sonntag Abend Memory aus dem Musical Cats sang, tobte das britische Publikum erwartungsgemäß wieder vor Begeisterung.

Das Video von Susan Boyle bei ihrem zweitem Auftritt kann übrigens auch mit deutscher IP ganz normal auf der Website des TV Senders ITV angeschaut werden. ITV hatte die Macht des Internet ja gehörig unterschätzt. Und auch hier werden sie wohl kein Geld einnehmen, oder wisst ihr wo ich so eine leckere Domino-Pizza kaufen kann? Die Rechte für eine internationale Online-Vermarktung liegen soweit ich weiß beim Produzenten FreeMantle, der zur RTL Group gehört.

Achja, Susan Boyle ist natürlich ganz locker ins Britain’s Got Talent-Finale gekommen. Wer wissen will, welche Kandidaten es nochbis ins Halbfinale geschafft haben und darum kämpfen am Samstag Susan Boyle herauszufordern, der kann sich die 40teilige Klickstrecke zu Britain’s Got Talent des Guardian ansehen.

Um die Frage aus der Überschrift gleichmal zu beantworten: Auf den ersten Blick haben Susan Boyle (Britain’s Got Talent)), Simon Cowell (Britain’s Got Talent, The X-Factor, American Idol) und „Miss Kiss Kiss Bang“ (deutscher Grand Prix-Beitrag des Duos „Alex Swings Oscar“) nichts gemeinsam. Doch es sieht so aus, als seien alle drei am Montag Gast bei Oprah Winfrey. Zum Thema: „The World’s Got Talent“…

Ob sich Oprah Winfrey den Titel für ihre Talkshow am Montag gut ausgesucht hat? „The World’s Got Talent“ wird sie heißen und neben ihr selbst werden noch 2 weitere Giganten zu sehen: nämlich der wohl weltberühmteste TV-Juror und Produzent Simon Cowell und die über Nacht durch Britain’s Got Talent weltberühmt gewordene Susan Boyle. Achja, und dann kommt noch was dazu, was so gar nicht in dieses Konzept passt: „Alex Swings Oscar“ mit „Miss Kiss Kiss Bang“, der deutsche Grand-Prix Beitrag, wird vermutlich ebenfalls am Montag bei Oprah zu sehen sein. Au weia.

Wie berichtet, traten „Alex Swings Oscar“ am Freitag in Hamburg mit ihrem Titel „Miss Kiss Kiss Bang“ auf. Nur 200 Leute wollten den Schrott allerdings sehen, wie die Bild-Zeitung heute berichtet (das Wetter sei Schuld gewesen). Die Bild weist zudem darauf hin, dass der Live-Mittschnitt von Auftritt und Gespräch am Montag im amerikanischem Fernsehen zu sehen sind, also just an dem Tag, an dem auch Susan Boyle und Simon Cowell bei Oprah gastieren. Autsch! (bislang war davon die Rede, der Auftritt wird am 14. Mai ausgestahlt)

Und das soll dann „Die Welt hat Talent“ überschrieben werden? Ohje, ich glaube, das müssen wir alle schauen – denn so krass hat man den Gegensatz des unterirdisch schlechten Unterhaltungsfernsehens im deutschen öffentlich-rechtlichem Telefunk und im Gegensatz dazu, die unglaubliche Unterhaltungskompetenz der Briten, noch nie gesehen. Chapeau. Das wird ein Stück Fernsehgeschichte – und peinlich ohne Ende (wenn es tatsächlich in der selben Sendung statt findet).

Wenn mich also nicht alles täuscht, ist das also ein und diesselbe Oprah-Sendung. Simon Cowell und Susan Boyle werden also auch dasein. Simon Cowell wird gleich zu zwei spannenden Themen mit der Talkmasterin reden. Erstmal natürlich über den schier unglaublichen Erfolg von Susan Boyle, die inzwischen in ganz kurzer Zeit zu einem der meistgesehen Videos aller Zeiten bei Youtube wurde. Und dann ist da noch das Gerücht, dass Simon Cowell bei dem sich irgendwie veränderndem American Idol aussteigen soll.

Über den Grand Prix hat sich übrigens der bekennende Grand Prix-Fan Stefan Niggemeier beim Faz-Fernsehblog auch so seine Gedanken gemacht. Dieses Jahr reizt es ihn so gar nicht, schreibt er (und ganz viel mehr).

Update: ein Interview mit Alex Christensen in der Neuen Osnabrücker Zeitung bestätigt meinen Verdacht – Zitat: „Sie [Oprah] macht einmal im Jahr eine Sendung, die „World’s got talent“ heißt. Da durchforsten die Scouts die ganze Welt nach Talenten und sind auch auf die Beiträge zum European Song Contest gestoßen. Nachdem sie alles angehört haben, befanden sie nur unseren Song für würdig für die Show. Das ist ein Ritterschlag für mich.“

Update 2: Die Chicago Tribune berichtete bereits vorgestern.

Update 31.5.: Susan Boyle gewinnt Britain’s Got Talent nicht.

Wie der britische Sender ITV 1,5 Millionen Pfund möglicher Werbeinnahmen verlor, weil er sich gegenüber dem „Parasiten“ Youtube und den Gegebenheiten der neuen Medien stur stellte.

Wer sich das Verhalten großer Fernsehkonzerne oder anderer Rechteinhaber in Bezug auf Youtube anschaut, sieht, dass die riesige Plattform vielen ein Dorn im Auge ist. RTL lässt Clips löschen, um sie selber auf Clipfish vermarkten zu können. Sevenload, die die Internet-Verwertungsrechte für das deutsche Big Brother haben lies ebenfalls Youtube-Videos löschen. Was natürlich angesichts der Fans, die Stunden damit zubrachten, die Videos bei Youtube einzustellen eine unglaublich dämliche Aktion ist. Ich habe sevenload seitdem den Rücken gekehrt, nicht, weil ich jetzt unbedingt Big Brother Videos bei Youtube sehen will, sondern weil die Art und Weise wie sevenload mit einer externen sozialen Gemeinschaft (also den Big Brother-Fans), beim Versuch ein Business daraus zu machen, umgeht, unanständig ist.

ITV, der britische private TV Sender, den man mit RTL vom Profil her vergleichen kann, und der u.a. das Dschungelcamp, das britische Pop Idol und eben auch Britain’s Got Talent sendet, ist auch so ein unsymphatischer Fall. Als ich im vergangenen Jahr hier Youtube-Videos von X-Factor-Kandidatin Diana Vickers eingebunden habe, musste ich ständig die Videos austauschen, weil ITV diese offenbar löschen lässt. Dabei ist doch gerade das gute Promotion für die zukünftigen Künstler und das Renomee der Show. ITV-Chef Michael Grade hasst Youtube gar so sehr, dass er es im vergangenen Jahr einen „Parasiten“ nannte.

Wie wenig Ahnung ITV offensichtlich von den neuen Medien hat oder wie sehr sie sich gegen sie streuben, wurde trotz des großen Erfolgs des Paul Potts-Videos (48 Millionen Youtube-Zuschauer) mal wieder anhand von Susan Boyle deutlich. Innerhalb von drei Wochen hat die Küchenhilfe aus Schottland, die an der Talentshow „Britain’s Got Talent“ teilnimmt, quasi das Internet überrannt und ist mit 46 Millionen Zuschauern (beim meistgesehen Video auf Youtube von ihr) bald an Paul Potts vorbeigezogen. Insgesamt sind es schon über 100 Millionen Zuschauer. 100 Millionen und wir sehen keinen einzigen bloody Penny, muss sich ITV derzeit denken. Der Verlust durch das verpasste Online-Werbegeschäft beläuft sich Schätzungen zufolge auf 1 bis 1,5 Millionen britische Pfund.

Die Lage ist kompliziert. ITV kann jetzt natürlich nicht das oder die Videos löschen lassen, die andere bei Youtube hochladen, und die millionenfach geschaut werden. Statt dessen hat Britain’s Got Talent Produzent „FreeMantle“ einen offiziellen Youtube-Channel eingerichtet. Wie es aussieht, besitzt FreeMantle die digitalen Verbreitungsrechte für Britain’s Got Talent im Ausland. Sobald wir etwa hier in Deutschland Susan Boyle oder ein anderes Video von Britain’s Got Talent anklicken, will FreeMantle Werbung im Umfeld des Clips senden. Einen entsprechenden Deal hat die Produktionsfirma mit Youtube abgeschlossen.

ITV hingegen kann, wenn überhaupt, nur mit Clips Geld verdienen, die von UK-Nutzern angesehen werden. Einen Deal mit Youtube dazu gibt es noch nicht. ITV möchte am liebsten Pre-Roll-Ads in die Videos einbinden, das mag Youtube aber nicht. Selbst wenn ITV und Youtube sich aber noch einigen sollten: Das Geschäft haben sie jetzt schon verpasst. Geschieht ihnen Recht. Aus Fehlern wird man aber hoffentlich klug.

Nachtrag 29.4.: In diesem Zusammenhang auch relevant: „10 Thesen zum Modernisierungsversagen der Medieneliten“ bei carta. Zitat: „Die Medienindustrie ignoriert weite Teile der technologischen Potenziale des Internets, weil sie nicht zu ihrem Geschäftsmodell passen […]. Wer sich dem neuen Medium derart verweigert, ist an der Misere auch selbst schuld. Das einzig wirklich Erfolg versprechende Mittel gegen massenhafte Urheberrechtsverletzungen sind legale Angebote, die besser und bequemer sind als die der Piraten.“

Update 31.5.: Susan Boyle gewinnt Britain’s Got Talent nicht.

Die Welt hat vielleicht einen neuen Star: Susan Boyle, 47 Jahre alt, Küchengehilfin aus Schottland. Oder sollte man lieber sagen: eine neue Paul Potts?

Doch von vorn:

Oft ist es so, dass gute Dinge, wirklich gute Dinge eine Zeit brauchen bis sie richtig groß werden. Und wenn sie eigentlich schon längst vorbei sind, dann wirken sie immernoch nach. Britain’s Got Talent ist auch in Deutschland vielen ein Begriff, nicht nur weil es mit dem Supertalent (RTL) eine deutsche Version davon gibt, sondern auch weil Paul Potts, der Gewinner der ersten Staffel, durch den europaweit (?) gelaufenen Imagewerbespot der Telekom zusätzliche Berühmtheit erfuhr. Viel, viel später allerdings nachdem er sich in England bei einer Talentshow auf eine Bühne gestellt hatte und sang. Auch davor schon wurde das Potts Audition-Video aus der ersten Staffel von Britain’s Got Talent bei Youtube millionenfach geklickt. Dieses mal sollte alles noch viel schneller gehen.

Nun ist es so, dass man von Britain’s Got Talent viel Gutes sagen kann. Die Produzenten scheinen nicht nur eine unglaublich unterhaltsam, dynamische Show voller Emotionen zu produzieren, die eine hohe Quote und viel Geld bringt, man scheint auch das Bewusstsein zu haben die beste und erfolgreichste TV-Show der Welt machen zu wollen. Die erste Episode startete am 13. April so stark wie nie zuvor: 10,3 Millionen Briten sahen die erste Folge der dritten Staffel von Got Talent. Am vergangenen Samstag schalteten 11,9 Millionen ein, die zweithöchste Quote in der Geschichte der Sendung (nur das Finale der zweiten Staffel hatte mehr Zuschauer und war die erfolgreichste britische TV-Sendung 2008).

Was war passiert? Susan Boyle war passiert! Oder anders: Britain’s Got Talent macht nochmal, was schon einmal funktioniert hat: eine neue Paul Potts.

bgt091

Können sie sich vorstellen, dass diese Frau (über sich selbst: „I’ve never been kissed“) wunderbar singen kann? Ja wahrscheinlich, weil sie den Blogeintrag bis hierhin gelesen haben und es sich denken können. Aber erstmal würde man nicht denken, dass sie da ein zukünftiger Weltstar ist, konnte man bei Potts ja auch nicht. Susan Boyle, die Küchenhilfe, sie könnte einen von diesen Frauen aus jeder Betriebskantine sein. Eine, die immer freundlich ist, aber kaum auffällt, die einem vielleicht leid tut, weil sie, die gute Frau – wie so viele Menschen – doch ein bisschen mehr verdient hätte zu bekommen vom Leben.

Doch dann singt Susan Boyle „I Dreamed a Dream“ aus „Les Misérables“, dem Musical und erschafft mit einem Schlag etwas Wunderschönes. Und keiner – man müsste schon ein sehr kaltes Herz haben oder ein neurotischer Kulturkritiker sein (ist ja schließlich alles „inszeniert“, gell) um sich dieser emotionalen Wirkung entziehen zu können – und keiner ist nicht für einen Moment berührt. So kalkuliert dieser Auftritt auch ist.

bgt0921

Und die Jury (v.l.n.r.: Simon Cowell, Amanda Holden, Piers Morgan) guckt so, wie sie auch bei Paul Potts oder besser im Telekom-Werbespot geschaut hat: ergriffen. Und das Publikum applaudiert und ist begeistert und wischt sich eine Träne weg. Wieder einmal hatten den meisten von uns unsere Vorurteile („So wie die aussieht, kann die doch nicht singen“) einen Strich durch die Rechnung gemacht, umso stärker folgte die Wirkung von Susan Boyles Auftritt.

bgt093

Und Susan Boyle, natürlich, sie hat es geschafft, sie ist eine Runde weiter. Aber Halt! Eine Runde weiter bei Britain’s Got Talent. Nein, nein, das reicht nicht. Susan Boyle ist über Nacht zum Star geworden. Was bei Paul Potts abzusehen, zu erahnen war, ist bei Susan Boyle explodiert. Sie hat 10 Fansites im Internet, ein Angebot für einen Plattenvertrag und eine Einladung zu Oprah Winfrey. (Quelle: sueddeutsche.de). Zählt man die Zuschauer der Youtube-Videos vom Susan Boyle-Auftritt bei Britain’s Got Talent zusammen ergibt sich ebenfalls ein beeindruckendes Bild: Etwa 70 Millionen weltweite Klicks führen zu ihr. Bei den meistgeklickten Einzelvideos aller Zeiten kommt Susan Boyle mit etwa 32 Millionen Klicks ebenfalls bereits ziemlich weit oben an. Nach einer Woche wohlgemerkt.

Wirklich beeindruckend, was die Produzenten von Britain’s Got Talent da geschaffen haben. Und der Titel der Show wird damit zur selbsterfüllenden Prophezeihung. Die Briten haben Talent. Fürs Showbiz. Und seien wir mal ehrlich: Tatsächlich ist so ein Auftritt viel beeindruckender als jedes Pop Idol oder DSDS-Finale.

Nachtrag: Es ist übrigens eine CD aus 1999 aufgetaucht auf der Susan Boyle „Cry Me A River“ singt (Youtube, 25.01. 2010: neuer Link). Der schottischen Zeitung Daily Record zufolge, soll es sich um eine Charity CD handeln, die nur in 1000 Kopien erschienen ist. Jedenfalls räumt die Aufnahme alle Zweifel aus dem Weg, dass Susan Boyle nur eie Eintagsfliege sein wird.

Twittern geht immer

Social Web

Enter your email address to subscribe to this blog and receive notifications of new posts by email.

Schließe dich 8 Followern an

Knopfleiste

Statistik

  • 716,798 Seitenaufrufe seit Ende 2008