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„There’s a management theory that says: ‚There’s no such thing as a bad idea‘. From where I sit: you’ve just managed to disprove that“, sagte Lord Sugar zum Team Revolution nach der zweiten Woche Junior Apprentice im Boardroom. Was wir hier oben sehen, ist die schlechte Idee: eine Art Schuhkarton mit Regalen und oben ausklappbaren Spielbrettern. Der Flex ’n Store. Eine „Revolution“ im Campingbusiness ist es allerdings nicht. Allein schon deswegen, weil das klobige Ding (man kann es nicht zusammenfalten) aus Pappe ist. Die beiden Teams der Reality Junior Apprentice hatten die Aufgabe ein neues, nützliches Camping-Product zu designen und  bei drei Retailern zu verkaufen. Um eines vorwegzunehmen: keines der drei Fachgeschäfte wollte den riesigen Schuhkarton haben.

Adam Eliaz allerdings, Teamchef von Revolution, war bis zuletzt begeistert. „Make shure, you bring in the shoes, cause that’s one of my favorite aspects…“, hatte er noch zu Zoe gesagt, die den Pitch machen würde. Und das ist Zoes Gesicht, als sie den Flex n‘ Store zum ersten Mal sah:

Adam allerdings, wie gesagt, der war begeistert. Hier der Wortwechsel der beiden:

Adam: „It’s a really good product.“

Zoe: „Ok, brilliant…“ (nicht sehr überzeugt)

Adam: „I really do think so, you can fit so many clothes in there. All your dirty shoes. It’s brillant. … I’ll just try my shoe in there … Yeah, it’s brilliant … That does work.“

Als Adam plötzlich seine Schuhe auszog, um zu probieren, ob das von seinem Meisterhirn erdachte Schuhkartonfeature auch wirklich funktionieren würde, musste Zoe dann allerdings doch noch lachen. Putzig ist er ja der Adam, der genau wie Emma Walker am Ende dieser Episode noch einmal davon kommen würde. Beide lieferten keine besonders gute Vorstellung ab. Von Emma stammte nämlich die Idee ein Camping-Tool aus Pappe zu designen.

Irgendwie war es nicht die Woche von Camping-Experte Adam (er betreibt selbst einen Campingshop im Internet). Für das Werbeplakat, wollte er eigentlich auch ein Zelt aufbauen. Es blieb beim Versuch::

Jeder im Team, auch Emma hatte mehr Führungsstärke als Adam der hypernervös war und keine Entscheidungen treffen konnte, außer der Entscheidung jetzt eine Entscheidung getroffen zu haben, die ihm jemand anderes vorwegnahm:

Emma (am Telefon): „… and we have decided on this, and we don’t actually have time to talk about this anymore. So, we just gonna have to leave it at that. Ok, just trust us, ok.“

Hibah (am Handy): „Ok, well, Adam should make the decisions.“

Adam: „Ok, yeah, I’m gonna make that decision, which Emma just said.“

Die Entscheidung die da getroffen wurde, war übrigens die, statt einem Spieletisch, der Idee von Hibah und Zoe, ein Produkt zu bauen, dass einfach alle Ideen des Brainstormings mit einbaut. Und so entstand der Flex ’n Store, den keiner außer Adam mochte.

Gut zu diesen merkwürdigen Entscheidungen junger Businesstalente passt wie immer Nick Hewers Gesichtsausdruck:

Und während Zoe später feststellte, dass Adam wohl davon gekommen wäre, weil er Lord Sugar an ihn selbst erinnere, habe ich in dieser zweiten Episode von Junior Apprentice den Nachfolger von Nick Hewer entdeckt:

Beide hier auf dem Bild, Aryun Rajyagor (links) wie auch Rhys Rosser, gehörten später übrigens zum Gewinnerteam. Team Instinct entwarf einen Art Trolly, den man auch als Schlitten benutzen konnte, gedacht für Festivalbesucher, die ihre Sachen vom Auto zum Zelt transportieren wollen. Als Belohnung gab es schließlich einen Ausflug mit Feuerwerk:

Die Verlierer führte ihr Weg wie immer ins Bridge End Cafe:

Adam entschied sich schließlich Zoe, was überraschend war, und Hibah mit zurück in den Boardroom zu nehmen. Zoe verteidigte sich mit der üblichen Strategie, dass sie noch ihre Fähigkeiten als Teamleiterin unter Beweis stellen wolle. Schließlich traf es, was ich nicht nachvollziehen kann, Hibah. Eigentlich hätte Adam gehen müssen, denke ich. Aber so bleibt der Show ein äußerst unterhaltsamer Kandidat erhalten. Aber wen wundert das schon. Mit jeder Episode frage ich mich mehr, wieviel von all dem gescriptet sein mag.

Nach zwei Episoden muss ich nun sagen, dass mich Junior Apprentice fast genauso gepackt hat, wie die bisherigen fünf Staffeln, von denen ich vier 2008 innerhalb kürzester Zeit angesehen habe. Freunden hochwertiger Reality Produktionen sei die Show genauso wie die bald folgende reguläre sechste Staffel wärmstens ans Herz gelegt.

Junior Apprentice, Episode 1

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Es war nicht unbedingt ein guter Start für die sechsteilige Sonderausgabe des britischen Erfolgsformats Apprentice am gestrigen Abend auf der BBC. Zumindest wenn es nach Zuschauerzahlen geht: 4,3 Millionen Briten, nur etwa die Hälfte der gewohnten Zuschauer, schalteten ein um „Junior Apprentice“ zu schauen. Doch gute Unterhaltung war die Show. Zwar wirkten vor allem die männlichen Teilnehmer unter den zehn 16- bis 17-jährigen Teenagern alles andere als authentisch, doch die Show punktete mit weniger Slapstick und gescriptet wirkender Comedy als noch in Staffel 5 des regulären Formats, dafür mit dem vertraut subtilen Humor vor allem in Schnitt und Fotografie.

Die Mädels:

Die Jungs:

Die Neue:

Neu ist bei Junior Apprentice aber vor allem eine: Die britische Fußballmanagerin Karren Brady. In die Fußstapfen von Margaret Mountford als Sidekick von Boss Lord Sugar zu treten ist kein so leichter Job. Die allseits beliebte Weggefährtin von Lord Sugar hatte nach fünften Staffel Apprentice verlassen, um sich auf ihre universitäre Karriere zu konzentrieren. Brady nun, bereits einmal als Kandidation in der Benefiz-Version „Comic Relief Does The Apprentice“ dabei gewesen, ist Herausforderungen gewohnt: Bereits mit 23 war sie Managerin des Birmingham City Football Clubs.

Jung sind auch die Kandidaten dieser Apprentice Staffel. Und nicht sonderlich authentisch, schreibt die britische Presse. Natürlich haben sie die anderen Staffeln gesehen und kennen die berühmten Kandidaten. Nun scheint es, als wollen sie sich so verhalten, wie die großen Vorbilder:

„As do the teenagers – especially the boys, who have been squeezed into shiny new suits to make them look more entrepreneurial. They all sound as if they are trying to act like the apprentices they’ve seen on TV, rather than be themselves“, schreibt der Guardian heute.

„“I’m ruthless in business. If somebody is there that I don’t need in my company – they’re gone. It’s as simple as that“, erzählt der Ire Jordan De Courcy gleich zu Beginn. Mit 12 habe er seine Internetfirma gegründet, verkauft seitdem Elektronik im Netz. Doch im Verlauf der Episode wirkt er zunehmend unsicherer, muss am Ende schließlich gehen. Die Jungs hatten verloren. Käse im Wert von 500 britischen Pfund waren sie nur mit Verlust losgeworden, Jordan als Teamleiter ist verantwortlich. As simple as that.

Irritationen gibt es zunächst auch bei den Mädchen, die zu Beginn der Episode – gerade ins Kandidatenhaus eingezogen – zum Smalltalk ansetzen. „My mom and dad bought me shares for my tenth birthday. ‚You want to own a bit of a chocolate factory?‘ They bought me shares in Cadbury“, erzählt Kirsty Cleaver, die noch aussieht wie ein Kind. „‚Ohhh ’shares‘. I thought you said ’shoes'“, entgegnet Zoe Plummer, die deutlich älter aussieht und über deren Verkaufskünste Nick Hewer später sagen wird, dass sie für eine 16Jährige beeindruckend seien.

„I think appearance is very important in business. No one wants to deal with an ugly person , really“, sagt Zoe später. Die britische Presse greift das Zitat dankbar auf. Fernsehunerfahrene und Kulturkritiker mögen von einer Show, die rücksichtsloses Unternehmertum zu propagieren scheint und dafür jetzt sogar Teenager bemüht, getriggert werden. Doch bewahrt sich auch Junior Apprentice durch den gewohnt ironischen, wenn auch affirmativen, Blick, der auch in diesen Zitaten deutlich wird, eine gewisse Distanz zur reinen systemstabilisierenden Verherrlichung des entfesselten Kapitalismus.

Zwar bringt Zoes Dominanz schließich sogar Teamchefin Hibah Ansary (Mitte) zu einem Tränenausbruch, doch als Belohnung versöhnt am Abend ein Restaurantbesuch bei Tom Aiken, einem der jüngsten Sterneköche Englands.

Das Verliererteam hingegen diskutiert die Niederlagen im tristen Bridge End Café. „Wind is my least favourite weather type“, sagt Tim Ankers später zur Entschuldigung der Teamniederlage im Boardroom. Eine seltsame Begründung. Doch diesmal hat sie ihm den Kopf gerettet. Der Boardroom selbst wirkte deutlich unspannender als sonst. Zum einen ist Lord Sugar zu den Teenagern natürlich nicht so fies wie gewohnt. Aber auch das Unterhaltungspotenzial der Rechtfertigungsversuche von Jugendlichen für Fehler, die nicht so ungewöhnlich für Jugendliche sind (ganz im Gegenteil zu Businessprofis) fällt deutlich ab.

Junior Apprentice war ursprünglich für den Januar geplant, wurde aber wegen der Wahlen verschoben. Lord Sugar war Teil des Teams von Wahlverlierer Gordon Brown. Zur Begrüßung seiner Kandidaten hatte Lord Sugar am Beginn der Sendung gesagt: „You see, I have a passion for helping young people to succeed, because ultimatly it’s up to your generation to rescue and revitalize the country. So no pressure then, right?“

Offizielle Website von Junior Apprentice

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Shit, sie haben Abby gekidnappt! (c) BBC

Achtung: Spoiler falls Staffel 1 noch nicht gesehen, sowohl in den Videos als auch im folgenden Text.

Videorückblick – Staffel 1:

Endlich ist Survivors wieder da. Und wie! Etwas länger als nötig hatte die BBC gewartet – vielleicht ja wegen der Schweinegrippe – um das 2008 gestartete, tolle Remake des Kult-Klassikers Survivors wieder auf die TV-Bildschirme zu bringen. Schon 1975 und auch noch mit etwas schwächeren weiteren Staffeln in den Folgejahren schickte die BBC das von Terry Nation erdachte Endzeitdrama in die Wohnzimmer begeisterter Scifi-Fans. 2008 überzeugte das zeitgemäße Remake viele TV-Fans.

Schöne HD-Optik, aktualsierte Charaktere (vor allem hinsichtlich ethnischer Herkunft), mehr Action, weniger Philosophie – das waren die Grundwerte der ersten neuen Staffel. Mit Staffel 2 scheinen die Macher die Schraube noch einmal hinsichtlich Mainstream anzuziehen – und das klappt überraschend gut. Nach vielen im Verlauf eher lahmen neuen US-Serien (FlashForward, V) ist Survivors tatsächlich eine überaus angenehme Abwechslung. Locker nimmt es die BBC-Produktion mit den US-Dramen der letzten Zeit auf. Unnötig eigentlich, dass im Verlauf der Episode heftig bei Lost (und FlashForward) geklaut wird. Ich weiß gar nicht mehr, ob das Flashback-Element, auf das ich anspiele, auch schon in der ersten Staffel benutzt wurde?

Greg, der den Flashback hat, ist schwer verwundet, Anya und Al werden verschüttet. Und unsere gute Abby, „Mutter“ aller Überlebenden, wurde von bösen Wissenschaftlern gekidnappt. Tja, wenn ihr nun nicht mehr wisst, wer wer war und überhaupt – so gings mir auch. Viel Zeit sich an die Charaktere und die Handlunsgbögen der ersten Staffel zu erinnern bleibt nicht, denn Survivors legt gleich ein ordentliches Tempo vor. Also: falls überhaupt schon geschehen, vielleicht nochmal schnell mit der letzten Folge von Staffel 1 auf den aktuellen Stand bringen. Denn Staffel 2 geht schließlich da weiter, wo Staffel 1 aufhörte, und das war ja mit einem fiesen Cliffhanger…

Gegenüber der mehr als soliden Produktion und schnellen Action bleiben Storytelling und Dialoge jedoch zurück. Damit geht das Remake genau in die andere entgegen gesetzte Richtung des Original, bei dem, soweit ich es verfolgt bzw. nachgeholt habe, irgendwann nur noch gemenschelt wurde. Wie in einer Seifenoper. Ähnlich klingt auch ein Satz aus der aktuellen Folge: „It’s not weak to ask for help, Tom“, sagt Sarah an einer Stelle, „Some people still care about eachother“. Ahja. Ich dachte, bei der Beschreibung des Charakters Tom Price seien wir schon ein Stück weiter, als nur, dass es ihm angeblich schwer falle, Hilfe anzunehmen. Aber vielleicht blieb bei der Aufspaltung des originalen Greg Preston – dem rauhen Beschützer – in den neuen Greg Preston und den überarbeiteten Tom Price nicht genug Charaktertiefgang für beide Figuren übrig. Auf der anderen Seite hat die BBC erst jünst mit „Paradox“ bewiesen, dass – wenn sie will – es auch noch viel schlechter geht.

Dass Survivors nicht gerade ein neues Highlight des Qualitätsfernsehens hinsichtlich ausgefeilter Charakter oder Storytiefe ist, habe ich deutlich gemacht – abgesehen davon bleibt es das derzeit vielleicht beste Mystery-Drama, welches überhaupt zur Auswahl steht. Und in einer ganz wichtigen Sache ist das Remake dem Original sogar eindeutig überlegen: Abby Grant ist noch dabei. Schauspielerin Carolyn Seymour, die die Original-Abby spielte stieg nach der ersten Staffel aus, ich glaube, weil sie sich mit den Produzenten nicht über die Fortführung der Story einigen konnte. 2010 ist Abby in noch dabei, Schauspielerin Julie Graham ging zum Glück nicht verloren. Anders als Greg und Tom ist ihre Abby Grant auch eine durchaus überzeugende Neuinterpretation. Die liegt derzeit allerdings gefesselt in einem Untersuchungslabor des fiesen Wissenschaftlers Whitaker. Wird Zeit, dass sie da jemand rausholt. Nächste Woche vielleicht auf BBC.

Hier der Trailer zu Staffel 2 (eventuell Spoiler):

Und noch mehr Survivors:

Survivors – Rezension zur ersten Staffel der Originalserie von 1975

Survivors – Kurzkritik zum Remake von 2008

Survivors bei Wikipedia

Survivors Fanblog

Survivors Website bei der BBC

Manchmal fühlt man sich als Freund von qualitativ hochwertigem Fernsehen ja irgendwie in der Unterzahl. Da würde man am liebsten das Land verlassen, was zumindest medial per DVD oder Internet ganz einfach geht. Passend dazu diese Szene aus der großartigen britischen Familien-Comedy „Outnumbered„, die manche Kritiker 2007 nicht lustig fanden, deren nur leicht idealisierte Fernsehfamilie aber viel Charme, Wärme, Humor und Optimismus versprüht. „Outnumbered“ ist in diesem Sinne das genaue Gegenteil von deutschem Fernsehen. Im vergangenen Jahr räumte „Outnumbered“ – völlig zurecht – bei den Britsh Comedy Awards ab.

Wissenschaftler King, Polizistin Flint: Empfangen Bilder aus der Zukunft (c) BBC

Polizeiermittlungen verbunden mit ein wenig Sciences Fiction, das ist ein bewährtes Konzept.  Die neue BBC Serie „Paradox“ erinnert daher auch direkt an ganz viele anderen Serien, die ein ähnliches Thema hatten, oder sich ähnlich anfühlen. Ohne sich jedoch irgendwie von diesen abzuheben, soviel sei schonmal gesagt.

In der britischen Presse wird „Paradox“ vor allem mit „Life on Mars“ verglichen, in der ein Polizist in die Vergangenheit reist. Näher liegt allerdings der Vergleich mit „FlashForward„, das vor einigen Wochen auf ABC gestartet ist (und in UK auf Five), in der die Menscheit für einen kurzen Moment in die Zukunft sehen (träumen) konnte. Um eigentlich aber noch genauer zu sein, könnte man noch „Early Edition“ aus den 90ern erwähnen, in der ein Börsenmakler die Zeitung vom nächsten Tag bekommt und entsprechende Unglücke verhindern muss.

Ok, und jetzt sind wir wirklich bei „Paradox“. Das nämlich geht so: Der nüchterne, leicht merkwürdige Physiker Dr. Christian King empfängt auf seinen komplizierten Gerätschaften und Computermonitoren eine Art Botschaft aus der Zukunft. Die zeigt Bilder eines möglichen Unglücks, darunter eine zerstörte Brücke und ein totes Mädchen. Ein Zeitstempel scheint darauf hinzudeuten, dass das die Bilder 18 Stunden in der Zukunft gemacht wurde. King verlangt nach einer Kommissarin mit entsprechender Vorstellungskraft und findet sie in in Rebecca Flint (Tamzin Outhwaite). Zwischen beiden konstruieren die Autoren ein zunächst etwas zielloses Gegensatzpaar.

Kings wirft ein, dass neben der Möglichkeit, die Bilder stammten aus der Zukunft, es auch sein eigener Plan für einen Bombenexplosion sein könne. Schön wäre an diesem Punkt etwa gewesen, wenn das eine nüchterne wissenschaftliche Feststellung wäre, doch die Autoren entscheiden sich dafür die Zuschauer mit dem Entstehen des Bildes des verrückten Wissenschaftlers in die Irre zu führen, nur um kurze Zeit später eine dritte, die langweiligste Erklärung für seinen Einwurf zu liefern:

„You suggested, you may have planted a bomb. Why?“
„To get your attention“
„Why would you need my attention?“
„You don’t think you’re worth my interest?“

Die Frage, was hinter dem Blick in die Zukunft steckt, bleibt zunächst offen, dient allerdings am Ende nochmal dazu, unsere beiden Protagonisten (zwei weitere Polizeiermittler bleiben erstmal nicht in Erinnerung) gegeneinander zu setzen:

„Where did they [photos] come from?“
„Can’t answer that.“
„Can’t or won’t? Aliens? God? Maybe this is prove god does exist, he made the world and everything in it. If anyone knows, what’s gonna happen next, he should.“
(…)
„I’m a physicist. Prove means something different to me.“
„What does that mean? 74 people died today. Is it going to happen again.“
„Until it is established what the ‚it‘ in this context means, I don’t know.“
„I saw… We saw the future today. We saw the future burn right in front of us…“

Die kühlen, logischen Antworten des Wissenschaftlers, und die emphatische, fast schon religiöse (also eigentlich menschliche) Polizistin, das funktioniert hier leider nicht so richtig. Denn nicht nur Dr. King wirkt unterkühlt, alle Personen in dieser Episode sind es, so auch Polizistin Flint, und auch die Bilder, sehr grau, farblos, fast schon trist. „Warum sieht jeder, ohne Ausnahme, so verdammt unglücklich aus“, fragt der Telegraph in seiner Kritik.

Statt unglücklich könnte man auch bierernst sagen. Mir hat das ganz gut gefallen. Es macht das ganze irgendwie realer, so wie einen normalen TV Krimi. Nicht wie eine Scifi-Serie. Und dadurch wird das Thema mit dem Blick in die Zukunft interessanter, als es etwa bei FlashForward ist. Dort erwartet man irgendwie ganz viel Action, Verschwörungen, Aliens und was weiß ich. Bei „Paradox“ erwartet man viel weniger, so dass so ein kleines Foto aus der Zukunft gleich viel spannender ist. Auch gut gegenüber FlashForward ist die Geschwindkeit der Serie, die im letzten Drittel teilweise in Echtzeit abläuft und für Momente richtig spannend wird.

Dennoch: es stellt sich natürlich die Frage, was das alles soll. Also nicht die Sache mit den Bildern aus der Zukunft, sondern die Serie überhaupt. Es ist zwar so, dass man sie sich durchaus anschauen kann, aber weder ist die Geschichte innovativ noch gibt sie Anlass irgendetwas besonderes zu erwarten. Eigentlich sollte auf diesem Sendeplatz vermutlich die zweite Staffel des hervorragenden Remakes des Serienklassikers „Survivors“ laufen. Doch wegen der Schweinegrippe soll die BBC die Serie verschoben haben. Und das finde ich ja nun wieder total „paradox“.

Paradox, Polizei-Mystery-Drama, BBC, seit 24. November 2009 (5 Episoden)

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Nick Griffin, Vorsitzender der britischen Nationalisten, bei seiner Ankunft vor dem BBC-Studio am Donnerstag dieser Woche.

Die BBC-Talkrunde „Question Time„, in der das Publikum die Fragen stellt, hatte am Donnerstag der vergangenen Woche mit etwa 8 Millionen Zuschauern die höchste Einschaltquote ihrer 30jährigen Geschichte. Normalerweise schauen zwei bis drei Millionen Briten zu. Grund war der Auftritt des rechtsextremen Vorsitzenden der British National Party (BNP), der schon im Vorraus für Kontroversen in der britischen Öffentlichkeit gesorgt hatte. Griffin und seine Partei hatten bei den Europawahlen im Juni über 6 Prozent der Stimmen gewonnen und damit zwei Plätze im europäischen Parlament errungen. Aus dem politischen Talk-Alltag kann man sie nunmehr nicht weiterhin ausschließen.

Vier weitere Gesprächspartner waren neben Moderator David Dimbleby am Tisch, um sich mit Nick Griffin auseinanderzusetzen: Jack Straw, der britische Justizminister und Mitglied der Labour Party; Baroness Warsi, Mitglied des Schattenkabinetts der Tories und dort zuständig für Soziales und Minderheiten; Der Innenpolitikexperte der britischen Liberalen Chris Huhne und die Autorin und Kritikerin Bonnie Greer.

Abgesehen von der farbigen Bonnie Greer, die Griffin grundsätzlich zumindest zur Hälfte den Rücken zudrehte und offensichtlich beschlossen hatte, ihn nicht ernst zu nehmen („Ich hab einen ganzen Stapel Bücher für Dich mitgebracht, Du kannst sie gebrauchen…“), hatten sich die übrigen Drei offensichtlich ernsthaft mit ihrem Kontrahenten auseinandergesetzt und waren hochmotiviert und bereit ihn nun als Nazi zu entlarven, seine Strategien und Lügen zu enthüllen. Genau das wird gemeinhin in der öffentlichen Debatte als auch auch das Richtige angesehen: Nazis soll man nicht ausschließen aus der politischen Diskussion (das wäre dann undemokratisch), sondern ihnen gut vorbereitet Argumente entgegensetzen, sie als das enthüllen, was sie sind.

Chris Huhne versuchte das folgendermaßen:

„I would like to have his view, see whether he has been misquoted on this. Because this was video footage. There’s no question of him beeing misquoted ; this is his technique. ‚Perhaps one day‘ – cause he’s gonna trying be very moderate today – ‚perhaps one day, once by beeing rather more settled, we got ourselves in a position where we control the british broadcasting media. Then perhaps one day the british people might change their mind and say: ‚Yes every last one must go, every single member of a ethnic minority““. And this is the man, when we thinking of churchill and fighting facism: „Yes Adolf went a bit too far“. Now, which bit too far, Nick Griffin, did Adolf Hitler go? Was it in gasing the jews? Was it in bombing british cities?“

Der erste Teil von Huhnes Zitat ist wichtig, und zu dem gibt es wirklich einen Videobeweis. Huhne macht jedoch den Fehler Griffins bewiesenes und enthüllendes Zitat mit einem weiteren zu verbinden (dem, er habe gesagt, Adolf Hitler sei ein bisschen zu weit gegangen), aus dem sich Griffin (vielleicht sogar zu Recht) mit dem Vorwurf des falschen Zitierung herausreden kann. Das ist überhaupt nicht nötig und zeigt eine gerade zwanghafte Weise, wie immer wieder versucht wird rechtsextremen Politiker mit der Nazikeule möglichst oft eins überzubraten.

Doch Moderator Dimbleby gelingt es in der Folge, dass Thema wieder auf Griffins Hauptstrategie des Wolfs im Schafspelz zu lenken (gekürzt):

Dimbleby: „And you were there with the american friends of the BNP, and you were with the head of the Ku Klux Klan, David Duke“

Griffin: „No“

D: „He’s there in the picture standing beside you. […] He’s there, I’ve seen it“

[…]

D (zitiert zunächst Griffin aus dem Video): „‚Instead of racial purity we talk about identity, use salable words: freedom, security, identity, democracy. Nobody can come and attack you on those ideas‘. But the truth is, what you were saying there is, that’s just the start of the story. And when we’ve won public support, then we can go to our propper agenda.“

[…]

G: „I shared a plattform arguing with him [David Duke]. And when you trying to win people over to a more moderate position, you have go somewhere to start with, […].“

(Anmerkung: Griffin rühmt seinen angeblichen Verdienst aus einer Horde unzivilsierter Nazis in der BNP eine gemäßigte rechtsnationale Partei gemacht zu haben.)

D: „So you where saying these things, not because you meant them, but because it was the way of winning him over? You know, you wanted to win over a racist to your view? And you said, we start by beeing moderate“

(Anmerkung: Was soll dieses Missverständnis eigentlich? Natürlich gibt Griffin nicht vor Duke für seine angeblichen gemäßigten Positionen gewinnen zu wollen, sondern die jungen US-Neonazis)

G: „Not to win over him, but to win over the youngsters […]“

Griffins Rechtfertigung, seine sprachliche, die wirklichen Ziele verhüllende Strategie als einen Versuch junge Nationalisten von zu extremen Überzeugungen zu bewahren, ist hier natürlich hochgradig lächerlich, und das wird auch deutlich. Griffin macht innerhalb dieses hier gekürzt wiedergegebenen Dialogs allerdings noch einen anderen Fehler, als er bezogen auf den Ku Klux Klan-Chef David Duke sagt, der unter ihm (Duke) geführte Teil des Klans sei übrigens ein recht gewaltloser. („I’ve shared a platform with David Duke, who once was the leader of a Ku Klux Klan, and always a totally non-violent one, incidentally…“)

Die BBC hat weitere Zitate aus der Diskussion gesammelt.

Ein weiterer Aspekt bei dem wiederum die BBC einen Fehler gemacht hat, war die Zusammensetzung des Publikums, die auch in einer britischen Seifenoper klischeehafter nicht hätte sein können. Fehler, denn natürlich will Griffin im Nachhinein Beschwerde dagegen einlegen und natürlich wirkt die vermutlich bewusste Auswahl von vor allem gebildeten Migranten auch wiederum als Manipulation, bestärkt jene, die die Mär von den linken Systemmedien allzu gerne hören.

Sämtliche vorstellbaren Minderheiten waren also aufgreiht (Anhänger den BNP waren allerdings auch im Publikum, applaudierten gelegentlich). Das ging sogar soweit, dass beim Thema Homosexualität zwei aus Sicht der Regie wohl eindeutig homosexuell aussehende Männer eingeblendet wurden (einer der beiden hatte zumindest die Frage gestellt). In diesem Punkt war Griffin übrigens eindeutig: Homosexualität gehöre in die Privatsphäre. Er finde es widerlich, Schwule in der Öffentlichkeit (beim Küssen) zu sehen.

Das Ironische an der Geschichte ist, das Griffin mit solchen Sprüchen vermutlich auch Protestwähler unter denen gewinnen könnte, die er eigentlich verachtet: Abweichend von Kontinentaleuropa sind britische Muslime entschieden und nahezu einstimmig gegen Homosexualität. Griffin fischt hier bewusst nach aus seiner Sicht Stimmvieh, indem er gönnerhaft sagt, auch Moslems und andere Minderheiten können natürlich weiterhin in Großbritannien bleiben (wenn sie keine Schmarotzer sind). Es ginge ihm vielmehr darum, dass keine neue hinzukommen. Das Boot sei quasi voll.

Für Griffin hat sich Question Time möglicherweise gelohnt. Focus berichtet, sein Auftritt hätte der Partei viele neue Mitglieder oder zumindest Interessenten beschert, 22 Prozent der britischen Wähler ziehen einer Umfrage zufolge zudem ernsthaft in Betracht die BNP zu wählen, vier Prozent sind fest entschlossen. Das wären weniger als bei der Europawahl und auch Vergleichszahlen nennt Focus nicht. Der Punkt ob solche TV Auftritte von Rechtsextremen ihnen Zulauf bringen, sollte gut untersucht werden. Wahr ist vermutlich, dass Probleme mit der Integration von Migranten und insbes. Moslems viele Briten in die Arme der BNP getrieben haben, so glaube ich.

Tatsächlich gelang Griffin ein eigentlich banaler Einwand auf die Frage, warum man ihm überhaupt glauben schenken sollte, der aber schwer wiegt:

Dimbleby: „Why should anybody trust what you say, why should anybody think it’s anymore than a fassade“

Griffin: „Why should anybody trust any politician, all of us?“

Hier zeigt sich das eigentliche Problem in der Wirkung von TV Auftritten von Rechtsextremen und dem Umgang mit ihnen. Zu Recht wird bei ihrer Behandlung eine Härte an den Tag gelegt, die im Umgang mit anderen Politikern zu vermissen ist. Der liberale Politiker, der sozialdemokratische, der konservative, sie alle lügen, zumindest müssen wir das vernünftigerweise annehmen. Nur sind die Folgen ihrer unaufgedeckten Lügen für die Gesellschaft vielleicht nicht so fatal, wie im Falle eines Rechtsextremen.

Wenn wir also etwas aus Question Time lernen wollen, dann das Härte, Beharrlichkeit, Quellensicherheit, solides Hintergrundwissen, die Frage nach der Motivation, was hinter den Worten steht, das all diese Dinge nicht nur im Falle des journalistischen Umgangs mit einem Rechtsextremen eine Tugend sind, sondern im Falle jedes Politikers. Das Erscheinen des Rechtsextremen macht erst wieder deutlich, was Journalismus eigentlich leisten könnte, und es wirkt oft so holprig, peinlich, daneben, weil Journalisten viel zu wenige Nazis interviewen.

Question Time mit Nick Griffin ist in mehreren Teilen auf Youtube verfügbar

Dokumentationen wie „Unsere Erde“ erfreuten sich zuletzt auch auf DVD und im Kino großer Beliebtheit, schon zuvor genoss die BBC einen großen Ruf in Sachen Naturdokumentationen. Der neueste Vertreter dieser atemberaubenden Dokumentationen ist die von Sir David Attenborough erzählte Doku „Life„, die in zehn Teilen seit dieser Woche immer montags 21 Uhr GMT bei der BBC zu sehen ist.

Bei Life geht es allerdings nicht darum, uns deutlich zu machen, dass, wenn wir alle mehr ans Klima denken, das Eisbär-Baby nicht ertrinken muss, sondern um den natürlichen Kampf ums Überleben. „Ah, ha, ha, ha, stayin‘ alive, stayin‘ alive! That’s what the animals should be singing as the BBC’s sumptuous new natural history masterpiece unfolds“, schreibt der Mirror. Es ist die alte Geschichte vom Fressen, Gefressen werden, von Raubtier und Beute und von all jenen Strategien die Tiere und Pflanzen entwickelt haben, um demgegenüber ihr Überleben zu sichern.

„In the end, overcoming lifes challenges, whether finding enough to eat or outwitting your predators is only significant if lifes final challenge can be met. From a tiny frog, dedicating weeks to her few cherished tadpoles to an orang utan spending eight years bringing up her baby, individual animals strive to reach this one ultimate goal: to pass on their genes and to ensure the survival of the next generation. Ultimately in nature, that is what life is all about.“

So lautet die Moral der ersten Episode, die zugleich als Prolog für die kommenden Folgen erscheint. Ernüchternd, nicht wahr? Zumindest müssen die Tiere, gesteuert von Genen und Instinkt, sich nicht die Frage stellen, welchen Sinn das alles hat. Und dennoch: natürlich gibt es in „Life“ neben all dem auch die kleinen poetischen und die emotionalen Momente. Etwa als zwei Haubentaucher ihre Partnerschaft mit einem komplexen und wunderschönem Tanz auf dem Wasser erneuern. Und dann ist da die Geschichte von der Oktopus-Mutter, die ihre letzten Tage damit verbringt ihre Eier zu schützen und dabei willentlich verhungert, genau dann, wenn die klitzekleinen Oktopus-Babies schlüpfen.

„Life“ ist eine beeindruckende Mischung aus Spannung und Emotion. Fast überflüßig zu sagen, dass die Komposition aus Bildern, Musik und Erzählung sich genau auf dem hohem Niveau bewegt, das man von einer BBC-Produktion erwarten darf. Anders als in den Kinoproduktionen geht es hier weniger um Bildgewalt, vielmehr stehen überraschende, spannende oder lustige Details aus der Natur im Mittelpunkt. Mit 6,5 Millionen Zuschauern war „Life“ am Montag der Quotensieger in seinem Timeslot. Völlig zu Recht: Gibt es doch kaum etwas aufregenderes als die Natur. Ein echtes Muss für Fans des Genres und alle die es werden wollen.

BBC Website zu „Life“

Schokoladenpräsentation: Kate und Yasmina im Apprentice-Finale

Schokoladenpräsentation: Kate und Yasmina im Apprentice-Finale

9,8 Millionen Briten sahen am Sonntag abend zu, als sich Sir Alan Sugar für die nächste, den nunmehr fünften, Apprentice entschied. Das entspricht einem Marktanteil von 38 Prozent und ist zugleich die höchste Quote, die eine Folge von The Apprentice UK jemals erreichte.

Die neue Apprentice: Yasmina Siadatan

Die neue Apprentice: Yasmina Siadatan

Die Entscheidung für Restaurant-Besitzerin Yasmina Siadatan kam für nicht wenige sicherlich völlig überraschend. Die schöne Kate Walsh, bei der eigentlich immer alles perfekt ist, ist nun nur noch die Zweitplatzierte.

In der finale Episode der Business-Show drehte sich alles um Schokolade. Kate und Yasmina mussten mit der Hilfe weiterer, bereits zuvor ausgeschiedener Kandidaten, eine neue Schokolade kreiren, Box und Titel entwerfen und einen Werbespot für das neue Produkt drehen.

Mit Choc D’Amour entschied sich Kates Team für das Thema Partnerschaft und Romantik, Yasminas Team setzte mit Cocoa Electric auf „schockierende Aromen“. Beide Präsentationen wurden von den geladenen Branchenvertretern als äußerst professionell eingeschätzt, Kates Schokolade war allerdings zu teuer und Yasminas schmeckte fürchterlich.

Ob diese letzte Schokoladenaufgabe allerdings wirklich entscheidend war für Sir Alans Wahl steht in den Sternen. Soweit ich mich erinnere arbeiten die beiden Finalkandidaten nach den Dreharbeiten zu Apprentice ohnehin erstmal probeweise für Sir Alan.

Abschied nehmen heißt es nun von Margaret Mountford, die wird nämlich nichtmehr zu Apprentice zurückkehren. Sie wird sich jetzt auf ihre akademische Karriere konzentrieren und ihren Ph.D in Papyrologie (!) machen. Und eins steht fest: Sie wird eine Lücke hinterlassen, die nicht so schnell aufzufüllen ist. Sehr schade.

Auch um Sir Alan gibt es derzeit einen kleinen Trouble. Der wankende britische Premier, Gordon Brown, ein persönlicher Freund Sir Alans, hat ihn als „enterprise tsar“ in der vergangenen Woche in sein Team geholt. Aus Sir Alan (Suralan) wird zudem Lord Sugar (könnte auch eine Figur aus der Schokoladenwerbung sein), er ist damit Mitglied des britischen Oberhauses. Die Konservativen sind besorgt wegen der Rolle von Sir Alan in Politik und TV Show, dies könnte Probleme mit den Richtlinien der BBC geben. Sir Alan jedoch sagte, der Job als Unternehmenszar (Konjunkturberater) sei nicht politisch und er werde auch nicht der Regierung beitreten.

Genaugenommen hat Sir Alan also neben Yasmina Siadatan also noch einen weiteren neuen Apprentice: Gordon Brown 😉

Emotionales Final 5: Apprentice-Kandidatin Debra Barr (c) BBC

Emotionales Final 5: Apprentice-Kandidatin Debra Barr (c) BBC

Im quasi Halbfinale von „The Apprentice UK“ darf traditionell auchmal eine Träne vergossen werden. Nachdem Showman James McQuillan als erster der letzten Fünf von Sir Alan Sugar gefeuert wurde, blickte dieser noch einmal durch den Boardroom und sprach die letzten Worte: „It’s been brilliant“. Das überwältigte selbst die verbleibenden vier Business-Ladies und vor allem, zu vieler Überraschung sicherlich, auch Debra Barr, die sonst eher dafür bekannt war, keine Gefangenen zu machen. So kann man sich täuschen.

Trotz des plötzlichen Aufblitzens von Menschlichkeit reichte es für Debra, die ich persönlich neben Kate gerne im Finale gesehen hätte, nicht. Hauchdünn sei die Entscheidung ausgefallen, so Sir Alan, aber letztlich musste auch Debra gehen, vor ihr bereits auch Lorraine Tighe, von der vermutlich auch die wenigstens gedacht haben, dass sie es bis ins Finale schaffen könnte. In der vergangenen Episode ging sie dann auch völlig unter.

Freuen sich über Finaleinzug: Yasmina Siadatan und Kate Walsh

Freuen sich über Finaleinzug: Yasmina Siadatan und Kate Walsh (c) BBC

Im Finale landeten damit die etwas spröde Yasmina Siadatan, die im echten Leben ein Restaurant betreibt und die schöne Psychologin Kate Walsh, die allen beurteilenden Interviewern der vergangenen Episode als zu perfekt vorkam, zu kontrolliert, zu wenig feurig. Die Interviews fielen insgesamt recht knapp aus, wie üblich. Eventuell sollte man mal darüber nachdenken ob 75 Minuten Laufzeit oder noch mehr für die letzten beiden Episoden einer Staffel sinnvoll wären.

Kann zurück in sein Dorf: "Village-Idiot" James McQuillan

Kann zurück in sein Dorf: "Village-Idiot" James McQuillan (c) BBC

Die Interviews, wenn auch kurz, waren jedoch wieder einmal extrem spannend und aufschlußreich. Wer hätte gedacht, dass gerade Lorraine ihr CV gefälscht hat? Und wie bizarr ist es, dass Yasmina ihre eigenen Business-Zahlen nicht kannte. Und während Kate auf jede Frage die passende Antwort wusste, sah James (siehe Bild) ziemlich dumm aus.

Es ist immer wieder verwunderlich wie sehr einem die Apprentice-Kandidaten über die inzwischen 11 Wochen ans Herz wachsen können. So denkt man nach jeder Staffel, wie wollen sie beim nächsten Mal wieder so tolle Leute bekommen. Nun waren Lucinda und Claire aus der vierten Staffel wirklich schwer zu toppen, aber in der Breite waren auch in der Fünften wieder so viel interessante Charaktere dabei.

Und nächste Woche ist dann schon wieder Finale und dann ein Jahr Pause. Schade, dass es so wenig solcher grandiosen Reality-Shows gibt. Es war keine Minute langweilig. Anders wird es bei den verbleibenden 60 auch nicht werden.

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Britische Muslime gelten als besonders konservativ. Jetzt kriegen sie was auf die Augen: Die Seifenoper „EastEnders“ erzählt eine schwule Liebesgeschichte, mit einem Moslem, der sich zwischen Glaube, Familie und seinen homosexuellen Gefühlen entscheiden muss.

Eastend Boys und Westend Girls war gestern. Die BBC bricht mit einem der letzten großen Tabus in britischen Seifenopern. In der Kult-Soap EastEnders (vglb. Lindenstraße) wird es eine schwule Liebesgeschichte geben, mit einem Moslem. Sogar einen Kuss soll die Storyline beinhalten. Das berichtet der Guardian. Die Folgen werden ab Mitte Juni ausgestrahlt.

Die Stroyline wird sich um den 24jährigen Syed Masood drehen, der im Konflikt mit seinen Gefühlen und seinem Glauben steht. Masood hat eigentlich eine Freundin und versucht sich gerade mit seiner Familie wieder gut zu stellen, nachdem er Geld mit dem Familienunternehmen verloren hatte. Doch dann verliebt er sich in den offen homosexuellen Christian Clarke.

EastEnders-Produzent Diederick Santer erzählte der Zeitung: „Wir haben immer versucht, EastEnders das moderne Leben im multikuturellen Großbritannien wiederspiegel zu lassen, und wir haben immer Geschichten mit sozialer Relevanz für unser vielgestaltiges Publikum aufgegriffen. Es wird keine moralische Geschichte über richtig und falsch, vielmehr haben wir eine Geschichte aus dem Leben gegriffen, die erzählt wie ein junger Mann zwischen seinen Gefühlen und seinem Glauben hin- und hergerissen ist.“

Für Syed sei diese Entscheidung zwischen Glauben und seinen wahren Gefühlen besonders hart, der, bleibt er seinem Herz treu, ein zweites Mal riskiert, seine Familie zu verlieren. Die besondere Bedeutung, die Familie und Ehe im Islam haben, kann bestimmte Lebensbereiche wie eben Beziehungen, die sich sonst nicht so sehr von anderen Kulturen unterscheiden, auf eine harte Probe stellen, glaubt Produzent Santer.

Bevor die BBC die schwule EastEnders-Storyline produzierte, habe sie Wissenschaftler, Initiativen für schwule Moslems und den muslimischen Rat Großbritannies befragt. Eine Studie hatte erst vor kurzem ein erschreckendes Ergebnis hinsichtlich der Einstellung britischer Muslime zur Homosexualität ergeben. Kein einziger der Befragten fand Homosxualität moralisch akzeptabel. Im Gegensatz dazu akzeptierten 35 Prozent der französischen Moslems homosexuelle Handlungen.

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Wer hoch fliegt, kann tief fallen: Apprentice-Kandidat James McQuillan (c) BBC

Wer hoch fliegt, kann tief fallen: Apprentice-Kandidat James McQuillan (c) BBC

Deutlich mehr Briten wollten gestern das Championsleague-Finale, in dem Manchester United Barcelona mit 0:2 unterlag, sehen, als die 10. Episode der aktuellen Apprentice-Staffel. 9,6 Millionen Briten schauten die ITV-Live-Übertragung um die Krone des Europäischen Fußballs, 6,5 Millionen Zuschauer entschieden sich für die aktuelle Apprentice-Folge (guardian tv ratings), für etwa 1,5 Millionen Briten war damit Fußball wichtiger als Business, um soviel lag The Apprentice gegenüber den Quoten der vergangenen Wochen etwa zurück.

Mit der 10 Episode, bei der es um die beliebte Aufgabe des Teleshoppings ging, schließt The Apprentice den Aufgabenteil der Show ab, in der kommenden Woche geht es für die verbleibenden Kandidaten in die gefürchteten Job-Interviews, dann folgt das große Finale. Die Chancen stehen dabei gut, dass wieder eine Frau The Apprentice gewinnen könnte.

Nach dem Ausscheiden von Kandidat Howard Ebison, der Sir Alan Sugar als zu wenig mutig und heraustechend erschien, verbleiben vier Damen und ein Mann im Kampf um den Job bei Sir Alan. Debra Barr (die Unaustehliche), Kate Walsh (Die Schöne), Lorraine Tighe (das hässliche Entlein) und Yasmina Siadatan (die Unaufällige) stehen dem einzigen Mann James McQuillan (im Bild, der „verloren gegangene Idiot“) gegenüber.

Für die Gewinner des Teleshopping-Tasks gab es zur Belohnung eine nervenaufreibende Flugstunde, die doch sehr an Stefan Raabs berühmten Kunstflug erinnerte. Eins ist jedoch sicher: ein ähnlich dummes Gesicht werden noch vier weitere der verbleibende fünf Apprentice-Kandidaten machen. Denn nur einer kann der oder die neue Apprentice werden.

Wollen überleben: Abby Grant (Carolyn Seymour) und Jennie Richards (Lucy Flemming)

Wollen überleben: Abby Grant (Carolyn Seymour) und Jenny Richards (Lucy Flemming)

Als die BBC 2008 auf die Idee kam, die Kult-Serie Survivors aus den Jahren 1975 bis 77 zu remaken, folgte sie der Idee, dass angesichts einer realistischen Angst vor weltweiten Pandemien, dieses Unterfangen nicht nur die Fans des Originals interessieren könnte, sondern auch eine breite Menge an Zuschauern.

Prouzent Hugh Warren schrieb auf Broadcastnow dazu:

The idea to remake the iconic 1970s series Survivors was BBC executive producer Sue Hogg’s. She rightly saw it would be timely following the outbreak of the Sars virus, bird flu and all the reports that we are overdue a flu pandemic.

Inzwischen ist durch die grassierende Schweinegrippe das Thema erneut aktuell geworden. Da es vom Remake derzeit nur 6 (allerdings sehenswerte, Review auf diesem Blog) Episoden gibt, möchte ich allen, die gar nicht genug Angst vor der Schweinegrippe haben können das kultige Original empfehlen. Und ganz besonders die erste Staffel mir Carolyn Seymour als Abby Grant.

„Survivors“ erzählt die Geschichte von Überlebenden einer nicht näher bestimmten weltweiten Epidemie, die nahezu die gesamte Erdbevölkerung ausgelöscht hat. Der große Charakter der ersten Staffel ist die Frauenfigur Abby Grant, die eine Gruppe guter und nicht ganz so guter Menschen zusammenhält, und nebenbei nach ihrem Sohn sucht. Mehr noch als Julie Graham im Remake weiß Carolyn Seymour ihre Abby Grant mit der richtigen Mischung aus Verletzlichkeit, Stärke, Gewissen und Vernunft zu spielen.

Abby Grant ist dabei quasi eine Mischung der beiden anderen großen Figuren der ersten Staffel, nämlich Jenny Richards (Lucy Fleming), die Naive, Verletzliche, und Greg Preston (Ian McCulloch), der der starke, rauhe Beschützer ist. Nach und nach finden sie zusammen, begegnen diesen und jenen Menschen, die genau wie sie selbst ums Überleben kämpfen und Schutz suchen.

Tatsächlich geht es in Survivors um die Frage, wie Menschen ohne Gesellschaft, Staat und Gesetze leben, also quasi im Naturzustand. Die Überlebenden müssen versuchen eine neue Gesellschaft aufzubauen und natürlich haben sie verschiedene Vorstellungen davon.

Wir treffen den Einzelgänger Garland, der sich im Partisanenkrieg mit Besetzern seines Anwesens befindet, den guruhaft wirkenden Charles Vaughaun, der versucht möglichst viele Kinder zu zeugen oder den Gauner Tom Price, der durch ein Verbrechen die Gemeinschaft vor ihre erste große Aufgabe stellt: sie müssen einen (vermeintlichen) Mörder richten und sie entschließen sich zur Todesstrafe. Nachdem klar wird, das der Falsche gerichtet wurde, unterhalten sich Abby und Greg:

Greg: It still comes back to me.
Abby: Oh Greg, we’re all just as responsible.
Greg: Yeah, but we didn’t all pull the trigger.
Abby: You were carrying out a collective decision. Look, If I’ve had voted the other way, then…
silence
Abby: I still think, the others schould be told about Price.
Greg: I don’t see what’s good that gonna do.
Abby: That’s not the point.
Greg: That’s the whole point. We’re fighting for survival not principles.
Abby: They have a right to know.
Greg: Abby, you’re the figure head here. Whether you like it or not, people are always gonna look up to you for a lead. But I’m the manager, I run things. And I’m warning you, that if you gonna insist on telling them I’ll challenge you. And if that happens, then all we’ve got here is gonna just fall apart.

Survivors ist also eine Serie über grundsätzliche Fragen unserer Gesellschaft, über das Fundament auf dem sie steht, und wie brüchig doch die Prinzipien sind, nach denen wir sie aufgebaut haben. Darüber, welche Herausforderungen Dinge darstellen können, die wir heute als normal hinnehmen. Vom Mangel an Elektrizität, Medikamenten, Wissen (etwa darüber wie man eine Maschine baut) und auch davon, wie eine gerechte Gesellschaft zu gestalten ist.

In der zweiten Staffel ist Carolyne Seymour dann nicht mehr dabei und die Serie wird zu einer ziemlich seifig anmutenden Geschichte. Die wunderbare erste Staffel, die so herrlich altmodische Episodentitel wie „Gone to the Angels“, „The Future Hour“ oder „Something of Value“ hat und vor allem im trübe, verregneten englischen Landschaften zwischen Cottages und Schlößchen spielt, ist auch heute noch einen Blick wert. Auch ganz unabhängig von der Schweinegrippe.

Survivors, Series 1, BBC, 1975, imdb, auf DVD erhältlich (UK Import)

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