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Wenn Pressebilder sprechen könnten: So öde wie Idee auf allen Fotos dieses dämliche Oslo-Schild hoch zu halten, wirkte auch der Beginn der ersten Show von „Unser Star für Oslo“.

Die erste Ausgabe der gemeinsamen Eurovision Song Contest Casting-Show „Unser Star für Oslo“ von ARD und ProSieben war alles andere als aufregende Unterhaltung. Verkrampfte Moderatoren, weichgespühlte Kandidaten, bierernste Stimmung. Doch dann kam Lena…

Diese fünf Kandidaten sind weiter:

Die Links führen zum Steckbrief der Kandidaten.

Zu Beginn war es alles andere als ein neues Show Event. „Unser Star für Oslo“ begann so verkampft, bieder und ernst, als würde es nicht um einen Gesangswettbewerb gehen, sondern um die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes. Dabei ist doch nur eine einzige Stelle zu besetzen: die des deutschen Teilnehmers für den Eurovision Song Contest Ende Mai in Oslo.

Sogar Stefan Raab wirkte so ernst, als sei er gerade in einen öffentlich-rechtlichen Rundfunkrat gewählt wurden. Auch die EinsLive-Moderatorin Sabine Heinrich war nicht der Knaller, den ich mir erhofft hatte. Möglicherweise waren die vielen Kameras im Studio der Radiomoderatorin ja unheimlich. Und dann kamen die ersten Kandidaten…

Offensichtlich ist man bei ARD und ProSieben derart bemüht, sich soweit wie möglich von DSDS zu disntanzieren, dass  jegliche pointierten Jury-Kommentare verboten waren und die Kandidatenauswahl danach erfolgte, wer möglichst normal aussah, keine Ecken und Kanten hatte und freundlich lächeln konnte. Student und möglichst jung sein half zudem ungemein. Langweilig und brav waren sie die ersten Kandidaten. Doch das sollte nicht so bleiben…

Spätestens als die Kandidatin mit der Startnummer 10 auf die Bühne trat, waren auch die gelangweiltesten Zuschauer plötzlich wieder hellwach. Die 18 jährige Schülerin Lena Meyer-Landrut überzeugte als vorwitzige und frischfreche Rockgöre auch die letzten Zweifler: vielleicht kann das doch was werden. Dabei hatte ich vorher noch bei Twitter gemeckert, dass die Kandidaten alle so jung waren. Doch bei Lena, der Allerjüngsten, war das kein Makel. Im Gegenteil: es bedurfte vielleicht gerade einer unbekümmerten 18jährigen Rampensau um die bis dahin spröde Veranstaltung aufzubrechen.

Natürlich wurde Lena direkt zum Publikumsfavoriten und in die zweite Runde der Veranstaltung gewählt („Ich freu mich so so hart“, sagte sie). Außerdem weiter sind: die Germanistikstudentin Kerstin Freking, die rassige Meri Voskanian, der Mädchenschwarm mit dem coolen Namen Cyril Krueger und die bescheidene Verkäuferin Katrin Walter, die aussieht wie eine junge Celine Dion (und meine persönliche Favoritin ist).

Diese fünf, sie sind dann doch gar nicht so schlecht, wie es zu Beginn der Show den Eindruck machte. Wahrscheinlich war es das starre Korsett der Seriösität in das man die „nationale Aufgabe“ einen Star für Oslo zu finden gepresst hatte, das zunächst sämtliche Unterhaltung im Kern erstickte. Ein geradezu neurotisches anmutendes Verhältnis zum Genre Casting-Show prägte vor allem die erste Jury: sowohl Marius Müller Westernhagen als Yvonne Catterfeld betonten, dass sie sich sonst nie für eine solche Rolle hergeben würden. Außer bei „Unser Star für Oslo“ eben. Verständlich ist das: RTL, Grundy und DSDS, aber auch Popstars und ProSieben haben in Deutschland schon viel verbrannte Erde hinterlassen.

Westernhagens Begründung für seine kritische Haltung allerdings war gar nicht so übel: Künstler kann man nicht vergleichen, jeglicher Wettbewerb unter Künstlern sei idiotisch, stellte Westernhagen zu Beginn der Show fest, bevor er sich dann als bester deutschprachiger Casting-Juror aller Zeiten erwies. Zwar war er zu bemüht keinem weh zu tun, dennoch waren seine kritischen Anmerkungen, Einschätzungen und Kommentare sicherlich das Treffendste was man jeh in einer deutschen Castingshow gehört hatte. Am Ende lies sich der große Marius sogar noch zu einer Art Diskussion über die mangelnde „schwarze“ Soulqualität einer Kandidatin hinreissen. „Das erste was man in diesem Beruf lernen muss, ist Kritik anzunehmen und daraus zu lernen“, gab er der jungen Künstlerin mit auf den Weg. Schade, dass Westernhagens Juryauftritt wohl einmalig bleiben wird.

Sieben weitere Shows bleiben nun, um zu zeigen, dass die Alternative zu DSDS nicht langweilige, verkrampfte und weichgespülte Gesangwettbewerbe von Studenten sind, sondern überraschende, witzige und charakterstarke Persönlichkeiten wie Publikumsliebling Lena oder unentdeckte Perlen, wie Katrin Walter. Nebenbei bemerkt übrigens: Bühnenbild, Beleuchtung und Bildregie waren solide bis hervorragend. Achso, und: Was sagt man eigentlich dazu, dass die Kandidaten nicht in irgendwelche Kostüme gezwängt werden, sondern scheinbar alle in ihren liebsten Wohlfühlklamotten aufgreten sind? Ich finds gut. Also in der Hinsicht stimmt alles. Wenn nun unter den nächsten 10 Kandidaten, die wir nächste Woche sehen, wieder wenigstens zwei, drei Leute vergleichbarer musikalischer Qualität und Ausstrahlung sind, dann kann das noch was werden. Als erstes aber bitte bei den Machern mal den Stock aus dem Arsch ziehen.

Alle Artikel zu „Unser Star für Oslo“ hier bei tvundso.com

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Lutz Marmor vom NDR, Stefan Raab und Andreas Bartl von ProSieben posieren für ein langweiliges Pressefoto.

Unser Star für Oslo, Roundup:

  • Was wird gesucht? Deutscher Künstler/Musik-Act für den Eurovision Song Contest 2010 vom 25. bis 29. Mai in Oslo.
  • Wer hilft suchen? ARD, die Jugendradiowellen der ARD, ProSieben (Brainpool, Stefan Raab)
  • Wann? 2. Februar bis 12. März (8 Sendetermine, Übersicht mit Wiederholungen)
  • Die Jury! Stefan Raab ist Jury-Chef, wird flankiert von wechselnden nationalen Künstlern aus dem Musik-Geschäft, darunter: Marius Müller Westernhagen, Sarah Connor, Peter Maffay, Jan Delay, Xavier Naidoo.
  • Die Moderatoren! Sabine Heinrich (EinsLive), Matthias Obdenhövel (ProSieben)
  • Die Kandidaten! 5000 haben sich beworben, 20 von ihnen treten an: Turnierbaum
  • Der Souverän?! Deutschland entscheidet per Telefon und SMS.

Man könnte fast meinen die gemeinsam von ARD und ProSieben gestemmte Castingshow „Unser Star für Oslo„, die am heutigen Dienstag startet (2. Februar 2010) sei das eigentliche deutsche „X Factor„. Denn gegen die Inszenierung als mediales Mega-Event, wie man es von der britischen Casting-Show kennt, wirkt DSDS richtig provinziell. Präsentiert wurde das finale Konzept der Show bereits Mitte Januar im Reichstag, um die nationale Bedeutung (oder den Wunsch danach) zu unterstreichen.

Unser Star für Oslo“ ist die erste Kooperation von ARD und ProSieben, nach einigen Geburstwehen entstanden nach dem letztem Debakel des deutschen Gesangsbeitrags beim Eurovision Song Contest.  Beginnen wir mit dem Schlechtesten (keine Angst, das meiste ist gut): Im folgenden einige Gesprächsauszüge von Thomas Schreiber, Koordinator Unterhaltung bei der ARD, im Interview mit dem radioeins Medienmagazin, dass auch hier – wie immer – gerne lang und breit über sich selbst, also die ARD, berichtet (als mp3 auf der Seite von radioeins, Sendung vom 23. Januar, ab 30:25 Min):

  • „Das sind Profis auf jeder Seite, wir haben alle ein gemeinsames Ziel (…)“
  • „Die Qualität der Bewerber, die wir für die Sendung haben, ist jetzt im Ergebnis besser, als ich mir das am Anfang vorgestellt habe.“
  • „Von den 20 Leuten die da antreten, die sind alle von wirklich hoher Qualität, auch… also musikalisch… so dass ich gespannt bin, wie die Sendungen dann laufen.“
  • „…auch das ist ja ungewöhnlich: Eine Moderatorin von WDR EinsLive, dem Radio, moderiert mit einem ProSieben-Moderator sowohl auf ProSieben als auch im Ersten… also das ist ja Ausdruck sozusagen dieses Kooperationswillens, den es da gibt.“
  • „Wir haben sozusagen, eine gemeinsame Tonalität, denn es handelt sich ja hier um keine Quatschsendung, sondern um eine ernsthafte Sendung (…)“

Damit wäre dann wohl recht bildhaft auch beschrieben, warum die ARD sich die Hilfe von Stefan Raab holen muss, um eine zeitgemäße, moderne Unterhaltungssendung zu produzieren. Denken und Sprache sind bei der ARD scheinbar einfach zu verkrampft, zu wenig spontan, zu kopflastig, zu konservativ. Öffentlich rechtliche Realität eben: irgendwo zwischen bierernst und Volkmusik-Vollrausch. (Mehr von Thomas Schreiber)

Stefan Raab hingegen hat in den vergangenen 10 Jahren gezeigt, dass es zwischen den beiden Extremen deutscher Unterhaltungs-Realität, nämlich Carmen Nebel und Dieter Bohlen, noch einen dritten, sehr erfolgreichen Weg gibt. Mit seinen Event Shows, allen voran „Schlag den Raab“ erreichen Stefan Raab und Brainpool auch Zuschauer aus der Mitte der Gesellschaft. Als alter Musik-Spezi bietet sich Raab zudem gerade für den Song Contest an, bei dem er selbst in unterschiedlichen Rollen dabei war.

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=sabine+heinrich&iid=7610578″ src=“8/d/6/3/Unser_Star_Fuer_2d98.jpg?adImageId=9798589&imageId=7610578″ width=“500″ height=“408″ /]

Obdenhövel, Heinrich, Raab: Suche nach dem Super… äh Eurovision-Star.

Am schönsten hat die gemeinsamen Pläne von ARD und ProSieben allerdings Sabine Heinrich, Moderatorin bei EinsLive und bei „Unser Star für Oslo“ (und der kommende Knaller schlechthin) , im radioeins-Interview beschrieben:

„Wir casten da keine Pop-Mäuschen oder sowas. (…) Stefan möchte auch nicht, dass dann gemerkt wird: ‚Ahhh, das ist das Lied von Stefan Raab, der macht sich mal wieder sehr wichtig.‘ (…) Es geht nicht um Stefan Raab in dieser Sendung, es geht nicht um mich, es geht nicht darum, dass die ARD super aussieht oder das ProSieben super aussieht, sondern das wir einen Kandidaten nach Oslo schicken, auf den alle Lust haben.“

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer der Hoffnung, dass es auch in Deutschland, wo gerade die siebte Staffel des trashigen DSDS läuft, eine unterhaltsame Casting-Show geben kann, in der es vor allem um eines geht: Musik.

ARD-Videoblog-Bericht „Unser Star für Oslo“:

Alle Artikel zu “Unser Star für Oslo” hier bei tvundso.com

Mehr zu „Unser Star für Oslo“ im Internet:

Stern.de Sonderseite „Ein Lied für Oslo“

Eurovision Song Contest Seite des NDR

„Unser Star für Oslo“ Website von TV Total

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Schiefe Wahrnehmung: Bild-Chef Kai Diekmann und Springer-Boss Matthias Döpfner, hier bei einem Event in Hamburg im Juni 2009, machen Stimmung gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

In einem großem, aufgeregtem Beitrag schimpft die Bild-Zeitung heute (sogar in ihrem Titelaufmacher) über die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. „Zwangsgebühren! Was kriegen wir dafür? Immer mehr Kanäle, die keiner braucht„, schreibt Bild-Autor Paul Ronzheimer. Der Beitrag ist mit einem Flachbildfernseher illustriert, der die Senderlogos von demnach wohl überflüßigen Fernsehsendern wie „einsfestival“, „3Sat“ oder „ZDFneo“ zeigt.

Der Artikel ist Teil einer aufgeregten Kampagne (DWDL.de schreibt: „Kampagnen-Journalismus vom Feinsten“), in der Verlage, wie der von Kai Diekmann (Bild) und Matthias Döpfner (Axel Springer AG) geführte Axel Springer Verlag (siehe Foto), versuchen, ihr unternehmerisch (weniger journalistisch) motiviertes vermeintliches Hausrecht im Internet durchzusetzen. Unterstützt von Politikern und so manchen Intellektuellen. In Vergessenheit gerät dabei häufig: Die Benachteiligten im „Wettbewerb“ sind in Wirklichkeit die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und die Nutzer. Doch der Umdeutungsprozess ist längst im Gange.

Im Text behauptet die Bild-Zeitung:

Mit Gratisangeboten für Smartphones, Internet-Seiten und zahllosen Sparten- und Sonderkanälen gehen ARD und ZDF immer weiter über ihren gesetzlichen Auftrag der ‚Grundversorgung‘ hinaus…

Was die Internetseiten betrifft, und das scheint die Bild wohl nicht zu wissen, gibt es gar keinen Grundversorgungsauftrag. Was schlecht ist (also das Nichtwissen), denn das wäre doch gerade ein Argument für Bild und die Mannschaft vom Springer-Verlag, die Aktivitäten von ARD und ZDF im Netz besonders kritisch zu sehen. So wie es dasteht, ist es ja eigentlich richtig: Was ARD und ZDF im Netz machen, soll über die Grundversorgung hinaus gehen. Vielleicht wollte man aber auch die Bild-Leser, die hier aufgehetzt informiert werden sollen, nicht überfordern. Tatsächlich nämlich sollen die öffentlich-rechtlichen Angebote im Internet einen „Mehrwert“ besitzen.

Die Beschränkung auf den sogenannten „Mehrwert“ ist aus Sicht des Gebührenzahlers allerdings ein Problem. Volker Lilienthal hat sich in einem Text für „Aus Politik und Zeitgeschichte“ mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag beschäftigt, der eine öffentlich-rechtliche Online-Presse ausschließt, und jene Punkte herausgestellt, die problematisch für die Öffentlich-Rechtlichen und ihre Nutzer sind:

  • Sendungsbezogenheit der Angebote:

In der Aktualität aber ist es schlicht unmöglich, sich an die vorherige Existenz einer Sendung zu halten (…) Würde der 12. RÄStV derart eng ausgelegt, gerieten ARD, ZDF und das Deutschlandradio wettbewerblich ins Hintertreffen.

  • Zeitlich begrenzte Speicherung von Angeboten im Netz:

Die Zeitgrenzen wurden vom Gesetzgeber mit Rücksicht auf das private Fernsehen eingeführt. Rundfunkpolitik, deren eigentliche Aufgabe es doch ist, eine positive Kommunikationsordnung zum Wohle aller zu gestalten, mutiert hier partiell zu einer reinen Wettbewerbspolitik, die Schutzräume für die privatwirtschaftlichen Wettbewerber im dualen Rundfunksystem zu errichten versucht. Zeitgrenzen sind – wiederum aus Nutzersicht gesehen – kontraproduktiv, weil der Gebührenzahler und Staatsbürger das Recht haben sollte, sich zeitunabhängig aus verfügbaren Quellen genau dann zu informieren, wenn ein plötzliches Interesse ihn treibt, oder der Tagesablauf es erlaubt.

Kurzum: Aus Sicht von Journalistik-Professor Volker Lilienthal ist der Wettbewerb eher zu Lasten der öffentlich-rechtlichen Medienveranstalter und nicht zu Lasten der privaten Medienbetriebe verzerrt. Dass es einen solchen Wettbewerb geben soll, stellt jedoch Lilienthal nicht in Frage. Hauptunterscheidungsmerkmal ist für ihn: Die Öffentlich-Rechtlichen sollten nicht anbieten, was die Privaten besser und billiger können.

Derzeit stellen sich viele Medienbeobachter und Medienkritiker und auch manche Verleger(söhne) die Frage, wie man in Zukunft Qualitätsjournalismus finanzieren will. Denn die Europäische Union will – und das schlägt sich ja auch neben dem ohnehin in die gleiche Richtung gehenden Interessen der Verleger im Rundfunkstaatsvertrag nieder – das zunächst einmal private, freie Kräfte in unserer Gesellschaft dafür sorgen, dass bestimmte, für die Menschen wichtige Aufgaben gesichert werden, bevor der Staat da einen Einfluß darauf haben sollte: Energieversorgung, Telekommunikation oder eben auch Journalismus.

Aus diesem Grund haben die Verlage, wie also auch der Springer-Verlag, zu dem die Bild-Zeitung gehört, die Aufgabe, auszuprobieren, wie man einen solchen Journalismus (im Internet) finanzieren kann. Das könnte man etwa historisch begründen oder mit dem Grundgesetz („Eigentum verpflichtet“). Da die Werbeeinnahmen aber nicht auchreichen, denken die Verlage darüber nach, direkt von den Lesern Geld im Internet zu verlangen. Zum Beispiel für ein Programm, mit dem man speziell dafür aufbereitete Inhalte von Bild und Welt auf dem iPhone lesen und anschauen kann. Das Bild also mobil macht, hat damit zu tun, dass Bild mobil macht.

Als Reaktion auf diese Programme des Axel Springer Verlags hat die ARD nun angekündigt eine entsprechende iPhone-Applikation für die Tagesschau ins Netz stellen zu wollen (sog. Tagesschau App). Diese Pläne stießen verständlicherweise bei Springer auf Kritik. Genaugenommen, und das macht die Sache so absurd, widerspricht die Tagesschau-Applikation meiner Ansicht nach nicht der Mehrwertdefinition, ist aber natürlich eine deutliche Provokation. Nicht nur an den Axel Springer Verlag gerichtet, könnte man meinen. Wir erinnern uns: Der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag basiert auf dem Entgegenkommen der damals regierenden Politiker (SPD, CDU) gegenüber den Wünschen profitorientierter Akteure (Verlage) und den Vorgaben der EU.

Selbstverständlich wäre auch ein spendenfinanziertes Journalismus-System, eine funktionierende Blogosphäre und/oder Bürgerjournalismus auch im Sinne der von der EU gewünschten Subsidiarität. Hier wäre es auch die Aufgabe des Staates, eine „eine positive Kommunikationsordnung zum Wohle aller zu gestalten“, wie es Lilienthal geschrieben hatte. Zum Beispiel in dem man Rechtssicherheit für Blogger schafft, so dass diese nicht so leicht abgemahnt werden können. Tatsächlich aber wenden sich deutsche Lobby-Politiker wieder einmal gegen eine Kommunikationsordnung zum Wohle aller, sondern unterstützen die Verlage dabei, ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten weiter auszubauen. Mit dem irren Argument, die Verlagen selber seien das Opfer eines (zugunsten der ÖR) verzerrten Wettbewerbs.

Der CDU-Mann Wolfgang Börnsen sagte in der Bild (via Netzpolitik):

ARD und ZDF gefährden die Medienvielfalt, weil sie dabei sind, ein marktbeherrschendes Kartell zu werden

Auch im aktuellen Bild-Beitrag wiederholt Jürgen Doetz, Vorsitzender des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) diese Mär:

Die Politik muss endlich klare Grenzen setzen. Diese Wettbewerbsverzerrung macht private Anbieter kaputt.“

Und einen bereitwilligen FDPler hat die Bild auch gefunden:

FDP-Medienexperte Burkhard Müller-Sönksen: „Wir brauchen nicht nur eine neue Gebührenregelung, sondern auch eine klare Definition für die Grenzen des öffentlichen Rundfunks.”“

Auch das angebliche „Qualitätsmedium“ des Springer-Konzerns, „Die Welt“, hatte einen passenden Für- bzw. Gegensprecher gefunden, nämlich den CDU-Politiker und Kulturstaatsminister Bernd Neumann:

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lehnt Pläne der ARD ab, die ‚Tagesschau‘ kostenlos auf Smartphones, wie das [sic!] iPhone, anzubieten.

Diese Formulierung ist besonders absurd, da die Tagesschau ja ohnehin kostenlos im Netz, so auch auf Smartphones abrufbar ist, App hin oder her.

Der eigentliche Konflikt ist also nicht ein Programm für ein Smartphone, sondern der Versuch die Deutungshoheit darüber zu bekommen, wer im Journalismus der Zukunft welche Aufgaben haben sollen. Denn eines muss klar sein: kommt es zu einer Medienkonvergenz im Internet, verschwinden damit bisherige Einzelmedien in einem neuen Medium. Und das wäre dann wohl nicht mehr öffentlich-rechtlich.

Manche Intellektuelle, wie etwa Robin Meyer-Lucht von Carta.info, scheinen sich längst auf die Seite der Verlage geschlagen zu haben: viele Beiträge, die klüger geschrieben sind als Bild-Artikel, aber ins selbe Horn stoßen machten zuletzt auf dem Portal mobil gegen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, und deren Versuch ihrem Wettbewerbsnachteil zu entgehen: hier, hier und hier etwa (in einem Kommentar hier auf tvundso.com wehrt sich Robin Meyer-Lucht gegen den Vorwurf der Einseitigkeit). Auch Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel hat schon vor Monaten das intellektuelle Fundament für die jetzige Debatte um den Paid-Content im Verlags-Journalismus bereitet.

Es hat sich also eine unheimliche Allianz gebildet aus Verlegern, Politikern und Intellektuellen. Jeder Konsument von Journalismus muss sich entscheiden, ob ein Journalismus der als große Hauptsäule profitorientierte Verlage wie den Axel Springer Verlag hat, derjenige ist, der ihm den besten Dienst bei Meinungsbildung, Kritik- und Kontrolle im digitalen Zeitalter, also auch im Internet oder auf dem iPhone, leisten kann.

Ich denke, alle potenziellen Produzenten journalistischer Inhalte sollten mindestens gleichberechtigt sein: ein solides öffentlich-rechtliches Fundament, zusätzlich profitorientierte und nicht-profitorienterte private Akteure.

Und jeder soll das produzieren, was er am besten kann. Und bei manchen soll es eben nicht mehr als ein nackt geschütteltes Bild Girl sein. Man muss seine Grenzen eben kennen.

Vor einigen Jahren soll es bei der ARD ein Papier gegeben haben, „in dem steht, dass alle Filme, die in der ARD gezeigt werden, sofort verstanden werden müssen, dass sie eine bestimmte Länge nicht überschreiten dürfen und dass Motive sich in bestimmten Abständen wiederholen müssen.“ (Faz)

5,36 Millionen Zuschauer sahen gestern auf der ARD den Film Frau Böhm sagt nein„, der ganz im Zeichen dieser Vorgaben gestanden haben könnte. Gemessen an seinem komplexem Thema – dem Verlust der Anständigkeit und Moral im neoliberalem Unternehmertum – war der Spielfilm geradezu banal. Er widerspiegelt all die Emotionen und oberflächlichen Einsichten, die man in den letzten Jahren als Zuschauer bereits in unzähligen Talkshows vermittelt bekommen hat. Dem guten deutschen Unternehmertum sind im Zuge der Globalisierung die Werte, die Moral verloren gegangen. Darüber sind wir nun alle sehr enttäuscht, können es aber auch nur beklagen, nicht ändern, sollten versuchen selbst anständig zu bleiben.

Im Gegenzug zu dieser Banalität bietet der Film eine durchdachte und tiefgründiger gezeichnete Hauptfigur, Rita Böhm, die als graue – aber nicht zuletzt durch Senta Berger, die sie spielt, auch elegante – Maus seit 25 Jahren in einem deutschen Unternehmen die Vorstandsbezüge bearbeitet. Ihre obersten Werte: Korrektheit, Verlässlichkeit, Verschwiegenheit.

Die sueddeutsche schreibt:

„Rita Böhms Leben ist Kargheit, Gewohnheit, Ritual. Ein Käsebrot auf einem Brettchen, ein Stück grüne Gurke dazu und Nachrichten aus dem alten Transistorradio, das ist ihr Feierabend. Tagsüber verlässt sie ihr schlichtes Büro mit Gummibaum selten. Ihre Loyalität isoliert sie vom Rest der Belegschaft. Aus Flurfunk und Kantinentratsch hält sie sich raus. Sie kannte noch den Firmengründer, Heinz Walter Rotenbaum. Der sagte immer ‚Vorstand bedeutet Vorbild für Anstand.‘ Früher.“

25 Jahre, 178 Tage Resturlaub, nie einen Fehler gemacht, immer loyal gewesen. Dann wird die Firma von einem ausländischen Investor geschluckt. In der neuen Sekretärin Ira Engel wird Frau Böhm mit der nachfolgenden Generation konfrontiert. Beide Frauen müssen erstmal in Beziehung zueinander gesetzt werden, was dadurch gelingt, dass sich Frau Böhm kurz um die Tochter von Ira Engel kümmert, nachdem die einen Hörsturz erlitten hat.

Die Befreundung mit der Tocher fällt gar nicht so schwer, besitzt Frau Böhm als verbindendes Element doch einen geretteten Igel als kleinen Freund, der Stacheln hat, so dass man ihm nicht zu nahe kommen muss. Der Film droht sich in der Mitte in solcherlei schönen (eigentlich aber unnützen) Beschreibungen seiner Protagonistin zu verlieren (Als Charakterstudie ist der Film wirklich nicht schlecht). Auch wird uns nicht vorenthalten, dass sich Rita Böhm zu Weihnachten neben einem Glas Sekt auch eine neue Brille gönnt, fast schon als kleine Rebellion nach dem Motto „Einmal denke ich auch an mich“.

Denn draußen herum denken alle nur an sich. 80 Millionen Euro Boni möchte sich der Vorstand genehmigen, nach dem der Deal mit dem neuen Investor perfekt ist. Doch der Vorgang den Frau Böhm anweisen soll, er ist nicht formal nicht korrekt. Bislang ohne eindeutige Haltung wird ihr nun bewusst, dass es nicht mehr mit rechten Dingen zugeht. Frau Böhm sagt nein.

Der Tagesspiegel sieht den Auslöser von Frau Böhms Sinneswandel nicht nur darin, dass die fehlerhafte Zahlungsanweisung ihr die Missstände in einer Sprache deutlich macht, die sie versteht, sondern auch im positiven Einfluß der jungen Ira Engel: „Frau Böhm wiederum, die dem Unternehmen gegenüber jahrzehntelang loyal war und alle Chefs gedeckt hat, muss erst von Ira lernen, dass Loyalität nicht immer heißt zu schweigen und nichts zu unternehmen.“

„Die Perspektive im ARD-Film ist gut gewählt. Denn sie holt den moralischen Abwägungsprozess und die detektivische Recherche in ein dem normalen Zuschauer nachvollziehbares Milieu und zu authentischen Figuren herunter …“, schreibt der Spiegel lobend über die Vereinfachungen die der Film vornimmt, um niemanden zu überfordern. Nicht verwunderlich ist es daher, dass am Ende Frau Engel, die die Vorgänge zu ihrem eigenen Vorteil nutzte, von Rita Böhms moralischer Überlegenheit noch auf die Seite der Anständigen gezogen wird.

Der Versuch des Films über die Protagonistin eine Erkenntnis, Einsicht über das derzeit hochaktuelle Thema unternehmerischer Verantwortung und Moral zu vermitteln, glückt, bleibt aber oberflächlich. Die Aufgabe von „Frau Böhm sagt nein“ scheint es eher zu sein zu unterhalten, Emotionen beim Zuschauer zu bedienen, als mit komplexeren Hintergründigkeiten zu verwirren. Insofern sagt der Film vor allem etwas über den ARD-Fernsehfilm aus, weniger über den Zustand der Wirtschaft.

Parteien und Politiker leben in diesem Wahlkampf 2009 den Bürgern Politik- und Demokratieverdrossenheit vor. Die öffentlich-rechtlichen Sender ergeben sich mürrisch dem Diktat des Stillhaltens und Nicht-Diskutierens. Die Konsequenz: Demokratie und Diskurs finden gar nicht mehr oder außerhalb der Parlamente statt.

Bislang hat man den Bürgern immer Politikverdrossenheit unterstellt, inzwischen scheint es auch die Politiker selbst zu treffen. Wobei hier wohl eher eine Demokratieverdrossenheit festzustellen ist. Allen voran geht die Veränderung des Parteiensystems: statt früher drei, dann vier Parteien sind inzwischen fünf Parteien fest verankert im deutschen Bundestag. Ist ein Ende abzusehen? Klaus-Peter Schöppner stellt auf Carta fest: „Das alte Freund-Feind-Denken aus Zeiten der schwarzgelben oder rotgrünen Lagerbildung gehört der Vergangenheit an. Wo früher tiefe Gräben Übergänge fast unmöglich machten, gibt es heute alle paar Meter neue Brücken: Mal breite große, mal schwankende, voller Risiken, deren Fundamente aber mit jeder Wahl sicherer werden.“

Während die kleinen Parteien inzwischen in Regionen von Wählerstimmen vordringen, für die sie früher belächelt wurden (man denke an die 18 Prozent-Kampagne der FDP), scheinen es die großen langsam mit der Angst zu bekommen, vermeiden lieber den Diskurs mit dem Wähler und den Wahlkampf. So waren sich etwa am gestrigen Mittwoch fast alle Anrufer des WDR 5 Tagesgesprächs darüber einig, dass etwa die Wahlplakate den Wähler für dumm verkaufen, unkonkret und verwechselbar sind. Und das trifft auch die kleinen Parteien, die den großen in Banalität und Unbeweglichkeit in nichts nachstehen. „Es wird dem Wähler bei dieser Bundestagswahl wirklich nicht leicht gemacht. Die kleinen Parteien werden auch nicht beweglicher, sind erstarrt in ihrer gegenseitigen Ausschließeritis“, schreibt Michael Spreng. Das trifft natürlich insbesondere auf Grüne und FDP zu, die sich kaum von den beiden (ehemaligen) Volksparteien unterscheiden. Lediglich Die Linke scheint ein wenig sozialdemokratisches und Protestprofil zu haben, doch wie steht es dort mit der praktischen Politik? Das wird sich so schnell nicht beweisen, da mit ihr keiner koalieren will.

Wir haben also: zwei große Parteien, bei denen nicht zuletzt nach dem TV Duell vom vergangenen Sonntag klar wurde, dass man sich in der Großen Koalition ganz wohl zu fühlen scheint. Und wir haben zwei kleine Parteien, die zwar Stimmen gewinnen, aber kaum eigenes Profil, oder gar einen  Gegenentwurf zur aktuellen Politik haben. Und wir haben schließlich eine  linke Partei, der jeder Populismus vorwirft und mit der keiner koalieren will. Aber was bitte ist an „Aus der Krise hilft nur Grün“ oder „Mehr Netto vom Brutto“ eigentlich gehaltvoller als an „Hartz IV abschaffen“?

Und nun fallen auch noch die Arenen weg, in denen sich die Positionen voneinander abgrenzen könnten, in denen man mit oder vor dem Wähler diskutieren könnte: Sowohl Angela Merkel als auch Frank-Walter Steinmeier haben ARD und ZDF Absagen für TV Diskussionsrunden mit den Spitzenkandidaten aller Parteien erteilt. „Die Verweigerung von Kanzlerin und Kanzlerkandidat beschädigt die demokratische Kultur“, kritisierte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

Daraufhin haben nun inzwischen beide Sender die entsprechenden Runden aus dem Programm gestrichen. Das ZDF nahm die für den heutigen Donnerstag geplante Berliner Runde komplett aus dem Programm, die ARD strich heute die für den kommenden Montag geplante Sendung „Die Favoriten“. Statt dessen zeigt die ARD auf dem Sendeplatz am Montag abend „Kämpfe ums Kanzleramt – Die spannendsten Elefantenrunden im deutschen Fernsehen“. Quasi ein „Best of“ als Erinnerung an bessere demokratische Zeiten.

Warum allerdings ARD und ZDF die beiden Debatten-Sendungen scheinbar verschnupft aus dem Programm streichen, wundert mich. DWDL schreibt: „Auch vor den letzten beiden Bundestagswahlen hatte etwa Kanzler Gerhard Schröder nicht an der „Berliner Runde“ teilgenommen, 2002 weigerte sich darüber hinaus auch CSU-Herausforderer Edmund Stoiber. Die Diskussionsrunden fanden damals dennoch statt.“

Wenn Merkel und Steinmeier nicht wollen, dann soll man ruhig noch zwei weitere Male nur mit Grünen, FDP und Linken diskutieren, dann werden CDU und SPD schon sehen was sie von ihrer Verweigerungshaltung haben. Mit der Entscheidung von ARD und ZDF wird diese starre, Wahlkampf und demokratischen Diskurs verweigernde Haltung bei SPD und CDU nur noch unterstützt. Sie ergeben sich quasi dem Diktat der Diskussionsverweigerung und des Stillhaltens und Verwaltens des status quo. Recht erfolgreich: Opposition findet in diesem Wahlkampf kaum statt. Ganz besonders nicht inhaltlich. Was nicht verwundert: Es gibt auch kaum Inhalte.

Es bleiben für mich nur wenige deutliche Schlussfolgerungen aus diesem seltsamen Wahlkampf: Bei Politik- und Demokratie-Müdigkeit, wie sie uns die deutsche Bundesregierung vorlebt, mitmachen und gar nicht erst wählen gehen, etwas völlig anderes wählen und/oder Politik außerhalb der Parlamente machen. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass die Absage an Demokratie und Diskurs diese Grundwerte unserer Gesellschaft außerhalb der Parlamente stattfinden lassen wird. Vielleicht können wir dann bald ja über das Ende der Parteiendemokratie diskutieren?

Bei der Verteilung der Marktanteile im Monat Juni, die der Mediendienst DWDL heute präsentiert hat, erweisen sich die großen TV-Sender als die großen Verlierer. Vom schwächeren Programm der Platzhirsche profitieren vor allem die kleineren Sender, die für ihre Verhältnisse kräftig zulegen konnten.

Sowohl Vox (7,5 +0,4), RTL II (6,9 + 0,6) als auch kabel 1 (6,5 + 0,1) konnten in der Zielgruppe im Monat Juni die Marktanteile steigern. Bei dem Wert von kabel 1 handelt es sich sogar um den besten Monatswert den der kleine ProSiebenSat.1-Bruder jemals erreicht hat. Ähnlich wie im vergangenen Jahr bescherten RTL II die inzwischen soliden Quoten des Dauerbrenners Big Brother ein gutes Ergebnis. Bei Vox handelt es sich nach dem schwächeren Mai um eine Erholung der Quoten. Das ZDF profitiert von der U21-Fußball-EM und legt im Juni einen ganz Prozentpunkt zu, und landet damit ausnahmsweise mal nicht auf einem Allzeittief bei den jungen Zuschauern im Alter von 14 bis 49 Jahren. Die einst erfolgreiche Samstagabendshow „Wetten, Dass…?“ verbucht ebenfalls keinen neuen Negativrekord und landet mit ihrer Mallorca-Ausgabe auf Platz 5 der meistgesehen Sendungen bei den jungen Zuschauern.

Richtig mies sieht es hingegen bei der ARD aus, der Mainzer Sender Das Erste kam mit nur noch 6,1 Prozent Marktanteil bei den jungen Zuschauern auf den schlechtesten Wert seiner Geschichte. Mit der Programmierung von Hollywood-Hits mitten in der Nacht machte der Rentersender vor kurzem noch negativ auf sich aufmerksam. Ich gehe also davon aus, dass der Verlust junger Zuschauer bei der ARD gewollt ist und der Negativ-Wert als Erfolg verbucht wird. 😉

RTL bleibt wie zu erwarten weiterhin Marktführer, verliert aber 0,9 Prozentpunkte und kommt damit auf 15,6 Prozent Marktanteil in er Zielgruppe. ProSieben ist mit 1,2 Prozentpunkten Verlust in der Zielgruppe gar der größte Verlierer (11,4). Beiden Sender fehlen Erfolgsformate wie Top Model oder DSDS, die Sommerersatzshows für die Primetime floppten allesamt. Da RTL auch für die kommende Hauptsaison Quotenhits wie das Dschungelcamp aus dem Programm gestrichen hat, muss man davon ausgehen, dass RTL mit Billigproduktionen der aktuellen Werbekrise ein solides Nullwachstum entgegenstellt.

Unterm Strich können wir aus den Zahlen vielleicht herauslesen, dass das TV-Programm nicht nur im Sommer, sondern auch im kommenden Herbst schlechter werden wird. RTL riskiert erstmal nichts kostspieliges und verlässt sich auf die Quotengaranten DSDS und Supertalent, die ARD und das ZDF wollen kein Programm für junge Zuschauer machen (und wenn sies versuchen, machen sie sich so wie bei „Ich kann Kanzler“ lächerlich). Grund zur Sorge ist das nicht, so bleibt mehr Zeit für DVDs und ausländische TV-Hits aus dem Internet.

Der ARD-Programmdirektor Volker Herres hat gegenüber Quotenmeter die späte Ausstrahlung von erfolgreichen Kinofilmen wie „Babel“ oder „Little Miss Sunshine“ gerechtfertigt. Die Aufregung um die von Kritikern beanstandete seltsame Programmierung könne Herres nicht verstehen. Denn die Quoten seien um die späte Uhrzeit in Ordnung, und außerdem sind Filme durch kürzere Vermarktungszyklen inzwischen weniger attraktiv geworden.

Wie berichtet strahlt die ARD große Kinofilme in der Reihe „Sommerkino“ frühestens ab 22:45 Uhr (immer donnerstags), teilweise sogar erst eine halbe Stunde vor Mitternacht aus. Herres verweist darauf, dass die Filme um die späte Uhrzeit von den Zuschauern angenommen werden: „Wir freuen uns über unsere Kinofilme im Sommer und unser Publikum offensichtlich auch: Die ersten beiden Filme der Reihe ‚Sommerkino im Ersten‘ wurden von 1,26 bzw. 1,44 Millionen Menschen gesehen.“

Das allerdings sagt ja nichts darüber aus, wie viele Zuschauer zur Primetime einschalten würden. Abgesehen davon bemängeln Kritiker vor allem die Gewichtung verschiedener Programmformate in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Wer Seifenopern, Volksmusik und nachgeahmte Programme der Privaten in Masse ausstrahlt und zu prominenten Zeiten, der braucht sich nicht wundern, wenn hochwertige Inhalte in der Nacht eine Aussage darüber treffen, wie man etwa bei der ARD seinen Unterhaltungsauftrag versteht. Nämlich nicht öffentlich-rechtlich sondern am Markt orientiert, und der funktioniert nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner Prinzip, was entsprechend das Niveau nach unten drückt.

Bereits im vergangenen Jahr hat Jürgen Knoop, der sich bei der ARD-Tochter degeto um Spielfimlme kümmert DWDL ausführlich erklärt, wieso bei der ARD Filme so oft in der Nacht laufen: „Wir können auch auf diesem Sendeplatz ein ordentliches Ergebnis erzielen, schonen die Filme für die weitere Ausstrahlung im kommenden Jahr und lassen keine Rechte verfallen, für die wir bezahlt haben.“

Spielfilme verlieren nach Aussage von Knoop wie auch Herres außerdem zunehmend an Attraktivität. Das liegt an der schnellen Vermarktung auf DVDs und sicherlich, wie ich vermute, auch daran, dass gerade für die Zielgruppe Filme oft vorher schon als Raubkopien im Netz interessant sind.

Harald Schmidts neue Late Night-Show, die genauso heißen wird wie er selbst, also „Harald Schmidt“ wird nicht mehr 60 Minuten sondern nur noch 45 Minuten lang sein, wie jetzt bekannt wurde. Die Sendung wird wie schon „Schmidt und Pocher“ donnerstags gegen 22:45 Uhr ausgestrahlt. Los geht’s am 17. September.

„Harald Schmidt alleine ist in der jetzigen Phase genau richtig. Er wird eine Sendung machen, die deutlich politischer und aktueller ist als die bisherige. Das passt gut zu ihm“, erzählte ARD-Programmchef Volker Herres den Stuttgarter Nachrichten. Pocher hätte man zwar auch gerne bei der ARD gehalten, kommt aber auch ohne ihn aus.

„Schmidt und Pocher“ hatte sich anders als Schmidts vorangegangene eigene Formate immer mehr zum Kritikerschreck entwicklet, wirkte ideenlos und banal. Jetzt soll es offensichtlich zuück zu den Wurzeln gehen. „Jeder, der das Fernsehgeschäft kennt, kann sich doch an den fünf Fingern abzählen, wie die Show aussehen wird“, sagte Schmidt der Bild-Zeitung.

Filmfans, die die Filme des ARD-Sommerkinos sehen wollen, brauchen entweder wenig Schlaf oder einen Rekorder. Traditionell zeigt das Erste diverse Topfilme, darunter „Little Miss Sunshine“ und „Babel“ unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Die Anfangszeit des ARD-Sommerkinos wird je nach Vorprogramm zwischen 22:45 Uhr und 23:30 Uhr liegen.

Folgende Filme werden gezeigt (donnerstags nach den Tagesthemen), Links führen zur Internet Movie Database (imdb):

Für das Hauptprogramm im Sommer setzt die ARD statt dessen auf Serien wie „Der Dicke“ (13 neue Folgen), „Geld.Macht.Liebe“ (O-Ton: „Familienserie aus der Welt des Adels, die alle Emotionen bedient“… ohje) und „Irene Huss, Kripo Göteborg“ (Mutter, Ehefrau, Ermittlerin… ohje).

Ich finde: Wenn die ARD Topfilme mitten in der Nacht ausstrahlt, kann sie sich das Geld für die Filmrechte auch sparen und statt dessen in Journalismus investieren.

[Quelle: DWDL, ARD Pressemitteilungen 1, 2]

Der Branchendienst kress report hat die erfolgreichsten TV-Sendungen der Saison 2008/2009 anhand der Einschaltquoten in der Zielgruppe der 14- bis 49jährigen Zuschauer ermittelt. Das teilt der Dienst heute in einer Presseaussendung mit. Demnach löst „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) den bisherigen Primus „Dr. House“ auf dem ersten Platz ab. Der ausstrahlende Sender RTL kann sich zudem über 44 Formate in den Top 100 der meistgesehenen Sendungen freuen, das ist einsame Spitze. Mit Ausnahme von „Wetten, Dass…?“ (ZDF) auf Platz 7 sind zudem ausschließlich RTL-Sendungen in den Top 10 vertreten.

ProSieben folgt mit 27 Platzierungen in den Top 100 auf dem zweiten Platz, danach kommen Sat.1 mit 14, das ZDF mit sechs, Das Erste (ARD) mit fünf, Vox mit drei und RTL II mit einer Platzierung in den Top 100. Alle weiteren Sender sind folglich gar nicht in den Top 100 vertreten.

Die erfolgreichsten Neueinsteiger im Ranking sind „Die 10…“ auf Rang drei, „Das Supertalent“ auf Rang acht und „Die Ausreißer – Der Weg zurück“ auf Rang elf. Auch das alles Formate vom Sender RTL, der ohnehin schon 200 Monate ununterbrochen Marktführer in der Zielgruppe ist.

Hier die kompletten Top 10:

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Der sogenannte Poptitan Dieter Bohlen (DSDS) hat die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der ARD beim Eurovision Song-Contest, bei dem Deutschalnd vor einer Woche nur 20. wurde, nicht grundsätzlich ausgeschloßen. Nachdem Stefan Raab der ARD absagte, weil die Rentnertruppe sich wieder mal nicht einig werden konnte, bringt die Bild kurzerhand Bohlen ins Spiel.

Auf Nachfrage der Boulevardzeitung bekräftigte Bohlen sein Interesse, er sei allerdings noch nicht angesprochen wurden:

Bisher bin ich noch nicht offiziell angesprochen worden“, sagt Dieter Bohlen. „Ich bin aber natürlich bereit, mich mit der ARD hinzusetzen, Tipps zu geben und eine Strategie zu erarbeiten.“

Der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber wollte sich zu diesen Spekulationen nicht äußern. Schreiber hatte Stefan Raab, der sich gestern bei Schlag den Raab geschlagen geben musste, für den Song-Contest ins Spiel gebracht, doch scheiterte letztlich an den verkrusteten Strukturen der ARD. Raab sagte dem Spiegel über seine Entscheidung:

Der NDR hat uns um Hilfe gebeten. Wir haben ein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt. Die Entscheidungswege in der ARD sind aber derart kompliziert, dass sie mit unserer Arbeitsweise nicht vereinbar sind. Unser Song Contest heißt Bundesvision Song Contest.

Komiker Oliver Welke, der sich gerne mal in TV-Debatten einschaltet, kritisierte jetzt auch die Behördenmentalität der ARD, die haben sich selbst ausgebremst, erzählte er dem Spiegel.

Ob es da mit Dieter Bohlen einfacher laufen würde? Das Medienmagazin DWDL hält das Interesse an Bohlen am Eurovision Song-Contest für einen PR-Gag. Im Gegensatz zu Raab traue ich Bohlen allerdings locker zu, dass er zum Beispiel einen Titel schreiben könnte, der das enthält, was beim Grand Prix gefragt ist: Charme und Emotion.

Aber wer auch immer am deutschen Beitrag des kommenden Jahres, seiner Auswahl und der Präsentation des Vorentscheids rumbasteln darf, viel schlimmer kann es kaum werden. Zur Not tuts auch eine Horde dressierten, quieckender Affen.

Die deutschen Teilnehmer am Eurovision Song Contest (Grand Prix) werden am Freitag, 8. Mai, live der bekannten US-Talkshow Oprha Winfrey zugeschaltet (welt.de). In der Sendung „Oprah Fridays Live“ wird das Duo „Alex Swings Oscar“ wohl zwischen 21 Uhr und 21.30 Uhr zu sehen sein. „Alex Swings Oscar“ treten dann vor der Hamburger Laeiszhalle auf und performen ihren Titel „Miss Kiss Kiss Bang“, mit dem sie am 16. Mai in Moskau beim Grand Prix antreten.

Der Clou an der Geschichte, wie berichtet, ist die dritte Person im Bunde, denn genaugenommen ist „Alex Swings Oscar“ ein Trio. Die amerikanische Edelstripperin Dita von Teese wird nämlich auf der Bühne den Song „Miss Kiss Kiss Bang“ passend illustrieren – nämlich strippend. Daher wohl auch das Interesse der Amerikaner.

Über die Qualität des Titels besteht im Netz geteilte Meinung. So ist Rob Vegas, der vor kurzem als Harals Schmidt-Fake auf twitter Schlagzeilen machte von dem Lied „Miss Kiss Kiss Bang“ wenig begeistert:

Natürlich kann man eine miese Nummer immer mit Sex (Dita von Teese) aufhübschen, doch anscheinend spricht dieser Beitrag wirklich Leute in ganz Europa und sogar Amerika an. Für mich ist das musikalisch irgendwas zwischen Schnuffel und 90er Jahre-Kindertechno vorm Autoscooter. Die völlig neue Musikrichtung von Swing, Techno und Pop finde ich eher vollkommen desolat.

Das Finale des Grandprix wird am 16. Mai nach 20 Uhr auf der ARD übertragen. Zuvor laufen am 12. Mai (21 Uhr Phoenix) und am 14. Mai (23 Uhr NDR) die Halbfinals.

Mehr zum Eurovision Song Contest:

Grand Prix 2009 – Was sich ändert, was gleich bleibt

Neu: Was haben Susan Boyle, Simon Cowell und „Miss Kiss Kiss Bang“ gemeinsam?

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