Vielleicht lieben sie die Briten so, weil sie mitunter wie eine junge Diana Spencer erscheint, wenn sie zurückhaltend, fast schüchtern, aber doch voller Ausstrahlung die Bühne betritt. Rebecca Ferguson, von der nun schon seit einigen Wochen hier die Rede ist, erscheint weiterhin als der große Star dieser X Factor Saison. Nachdem in der vergangenen Woche Treyc Cohen mehr oder weniger überraschend aus dem Wettbewerb schied, kann ihr auf Seiten der weiblichen Teilnehmer bereits keine Zweite gesanglich mehr das Wasser reichen. Einzig Matt Cardle, der mit seiner Interpretation von „Baby One More Time“ einen beeindruckenden und den bislang besten Auftritt aller Kandidaten hinlegte, spielt musikalisch in ihrer Liga. In dieser Woche schien Fergusons Stern (oder Kerze) allerdings deutlich heller als der von Cardle. Mit „Candle In The Wind“ – die Liveshow stand unter dem Thema „Elton John“ – machten die Produzenten sie wohl endgültig zum Liebling der Briten.

Entschieden ist freilich noch gar nichts. Gute Chancen auf einen Sieg haben neben weiterhin auch One Direction, die inzwischen eine stimmige klassische Boyband sind. Die fünf Jungs profitieren vor allem auch davon, dass Louis Walsh in diesem Jahr nicht Mentor der Gruppen geworden war. Simon Cowell verlor zwar früh drei seiner Acts, doch gelang es ihm, der ansonsten zunhemend, und vermutlich absichtlich, hinter einer gereiften Cheryl Cole zurücktritt, aus den fünf jungen Briten einen funktionierenden Act zu machen.

Nachdem sie in den vergangenen Wochen mehr und mehr wie ein „One trick pony“ wirkte und auch gesanglich immer mal wieder schleuderte, war an diesem Samstag auch Cher Lloyd, die ganz große Entdeckung dieser Staffel, wieder da. Das zu früh und zu heftig gelobte Talent sieht zwar immer mehr wie eine kleine Cheryl Cole aus, doch zeigte sie sich bei ihrer Performance von „Sorry Seems To Be“ konzentriert und gesanglich deutlich ansprechender als noch in den letzten Wochen. Schön auch, dass der Song ihr Gelegenheit gab etwas mehr hinter der eigentlich zu bewertenden musikalischen Leistung zurückzutreten. So wirkte sie auch im anschließenden Interview mit Moderator Dermot O’Leary endlich wieder gelassener und entspannter.

Möglich scheint zu sein, dass es die X Factor Macher in diesem Jahr schaffen mit diesen drei Acts über die Grenzen Großbrittaniens hinaus für musikalisches Aufsehen im der Popbranche zu sorgen. Während vor allem mit One Direction und Cher Lloyd der kommerzielle Erfolg winken könnte bleibt zu hoffen das neben dem auch der eigentliche musikalische Wert Rebecca Fergusons nicht verloren geht. Denn ähnlich wie bei Norma Jean drohte dadurch die vorzeitige Verlöschung eines neuen Sterns am Pophimmel.