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Unscheinbar: Wird sie die neue Leona Lewis? X Factor Finalisten Rebecca Ferguson.

Seit gut zwei Jahren bin ich mir sicher, dass „X Factor“ das nächste große Ding ist. Was seltsam klingt, denn X Factor ist, gemessen am Anteil der Zuschauer an der Gesamtbevölkerung des Ausstrahlungslandes, bereits jetzt die erfolgreichste Unterhaltungssendung der drei wichtigsten Fernsehmärkte der Welt (USA, UK, Deutschland). Etwa jeder dritte Brite wird die wichtigeren Liveshows sehen, die Quoten der bisherigen Ausgaben der aktuell 7ten Staffel sind erneut gestiegen (Ratings 2009, 2010).

Die Produzenten der britischen Show haben in diesem Jahr sehr viel richtig gemacht. Bereits abzusehen war, dass die Rolle von Jurorin Cheryl Cole, die zwischenzeitlich wegen eines Zusammenbruchs fehlte, weiter gestärkt wird. Nun bin ich nicht unbedingt jemand, der von Natur aus ein Fan von Cheryl Cole sein würde. Irgendwie schwingt immernoch ein bisschen „little Miss Showbiz“ mit, wenn ich Cheryl Cole sehe, doch damit hat die Sängerin nichts zu tun. Cole ist hochprofessionell, diszipliniert, ergeizig und längst Puppenspielerin statt Marionette. Und was für eine.

Eine besondere Stärke von Coles  TV-Auftritten ist es, dass man weder sagen kann, ihre menschlichen Regungen seien sonderlich authentisch, noch, sie wären in irgendeiner Weise künstlich oder gespielt. Ihre Mischung aus genau der richtigen Dosis Emotionalität und Beherrschung, die so wunderbar gleichzeitig alles Künstliche und Reale an dieser bunten TV Welt, diesem Geschäft zu spiegeln scheint, ringt Bewunderung ab. Schon jetzt ist Cole wichtiger für das britische X Factor geworden als dessen Vater Simon Cowell.

Folgerichtig wurde Cole in diesem Jahr die stärkste Kategorie der Frauen übertragen, unter denen sich mindestens zwei absolute Perlen befinden: Die entzückende Rebecca Ferguson hat problemlos das Zeug zum Weltstar zu werden und Leona Lewis noch zu überflügeln. Für mich ist sie die Top-Favoritin auf den Gewinn der diesjährigen Staffel. Musikalisch ist sie perfekt, menschlich zurückhaltend, verletzlich, emotional, wie einst Lewis.

Dass Cole als Unterstützung Weltstar will.i.am mit ins Juryhaus gebracht hatte, darf man als gutes Omen sehen. Normalerweise muss man die Aussagen der Superstars hinsichtlich des Talents der Kandidaten vermutlich eher unter Höfflichkeit verbuchen, aber hier dürfte will.i.am wahrscheinlich neidisch gewesen sein, dass diese Pferdchen nicht in seinem Stall stehen.

Die große Stärke der erst 16jährigen Cher Lloyd ist, dass sie aus dem Stand heraus zeigte, was man 2011 in Sachen Popmusik unter „current“ verstehen wird. Wahrscheinlich wird sie „X Factor“ nicht gewinnen, aber dass sie, ähnlich wie die 2008er Kandidatin Diana Vickers, eine Popkarriere hinlegen wird, kann schon jetzt als ziemlich sicher gelten.

Scheinbar haben die Produzenten auch aus der letztjährigen Blamage mit dem Sieg von Joe McElderry gelernt, der es gegen einen Internet-Mob nichtmal zur Weihnachts-Nummer-1 schaffte, und diesmal den Raum für pubertierende, weichgespühlte Schmusebarden eng gemacht. Die gesamte Minderjährigen-Fraktion wurde kurzerhand in eine Boygroup gepackt, mit der Cowell nun seinen Spaß haben darf. Von der klugen Heraufsetzung des Alterslimits profitiert die Boys-Kategorie (Mentorin Dannii Minogue), die nun mit erwachseneren Sängern aufwartet.

Besonders Aiden Grimshaw bringt eine weitere interessante musikalische Facette in den Wettbewerb. Erstmals dürfte ein Sänger gleichzeitig britischen Teenies den Schlaf rauben, und Musikfans mit seinen emotionalen und feinspürigen Interpretationen begeistern.

Für Louis Walsh schließlich, der seit Jahren zum ersten Mal nicht die Gruppen, sondern diesmal die Kategorie „Over 28“ betreut dürfte sich vor allem Storm Lee zu einer großen Freude entwickeln. Der verlebte Schotte, aber auch die 50jährige Tesco-Verkäuferin und der soulige Farbige bringen in dieser Kategorie schon fast einen Hauch Britain’s Got Talent mit seinen bunten, ausgefallen „Missfits“ zu X Factor.

X Factor ist in diesem Jahr deutlich erwachsener als noch 2009, das gegenüber der hervorragenden 2008er Staffel eher ein Rückschritt war. Die schiere Bandbreite der hervorragenden und interessanten Kandidaten, auf die ich mich jetzt schon freue, hat noch einmal zugenommen. Ich gehe davon aus, dass X Factor in Großbritannien frühestens in zwei Jahren seinen Höhepunkt erreichen wird. In Deutschland ist die erste Staffel bei VOX und RTL ebenfalls gut gestartet und musikalisch schon jetzt die beste Castingshow Deutschlands. Im Schatten von DSDS und Supertalent fehlt allerdings noch der große Rummel um die Show (zum Glück), die bisweilen ähnlich spröde wirken mag wie Raabs Eurovision Casting „Unser Star für Oslo“.

Im kommenden Jahr geht es dann in den USA weiter. Ein kritischer Punkt für das Format. Wird X Factor junge Zuschauer zurückgewinnen und American Idol überflügeln? X Factor ersetzt als Show dass, was es heutzutage nicht mehr gibt. Den Weltstar der Popmusik, die Legende, wie einst Michael Jackson, Madonna, Elvis Presley. Gut möglich, dass es im Falle eines amerikanischen Erfolgs gelingen wird, dass X Factor das vollbringt, was zuvor noch keiner Castingshow gelungen ist: einen solchen Star zu erschaffen.

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