Hulu.com Startseite

Lange hatte es Kritik daran gegeben, dass die deutschen (Privat)-TV-Sender keine senderübergreifende Plattform anbieten, um eigene TV-Programme im Internet abrufbar zu machen. Wer Sendungen von ARD, ZDF, RTL und ProSieben anschauen will, muss von Website zu Website springen, kann keine Favoritenlisten anlegen, kein Freundesnetzwerk, nicht folgen, Kommentare sind in der Regel auch nicht möglich. Internet wie 1999.

Zumindest das mit der gemeinsamen Online-TV-Plattform soll sich jetzt ändern. Am vergangenen Freitag bestätigten die Sendergruppen von RTL und ProSiebenSat.1 Pläne für eine gemeinsame Plattform. „Die neue werbefinanzierte Onlineplattform soll allen interessierten Sendern in Deutschland und Österreich offenstehen, ausdrücklich auch den öffentlich-rechtlichen Anstalten“, schreibt die Financial Times Deutschland. Ein Gemeinschaftsunternehmen würde den Sendern die technischen Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die Europäische Union muss dem Vorhaben noch zustimmen. Die Presse vergleicht die Pläne mit dem amerikanischen Serien- und Filmportal Hulu, einem Joint Venture von FOX (News Corp), ABC (Disney) und NBC, auch CBS könnte bald dazugehören.

Der Traum jedes TV-Fans: Serienklassiker jederzeit vollständig abrufen. Beim "deutschen Hulu" fraglich.

Die Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau weist allerdings auf einen entscheidenden Unterschied zu Hulu hin: „Die neue Gemeinschaftsplattform soll Sendungen nur sieben Tage nach der Ausstrahlung vorhalten. Wer ältere Ausgaben einer Serie sehen will, müsste immer noch auf die Portale der Sender gehen. Eine kostenpflichtige Plus-Version inklusive Langzeitarchiv, wie sie Hulu für knapp zehn Dollar im Monat bietet, sei ’nicht vorgesehen‘, sagte ein RTL-Sprecher.“ Auch bei ARD und ZDF, wo über eine Beteiligung an der deutschen Plattform noch nicht entschieden ist, solle diese die Mediatheken (auch innerhalb der ÖR muss man ja zwischen verschiedenen Seiten wechseln) nicht ersetzen, sagte Robert Amlung aus der ZDF-Intendanz der FR zufolge.

Schlicht und aufgeräumt: Videobildschirm bei Hulu.com

Das amerikanische Hulu sollten sich die Firma, welche die technische Umsetzung von Hulu angehen wird allerdings deutlich intensiver anschauen als die derzeitigen Portale der deutschen Privatsender. Die Serienepisoden bei RTLnow oder ProSieben lassen sich zwar einfach browsen, Videoportale wie Clipfish.de ähneln allerdings eher einer digitalen Bewegtbild-Müllhalde. Hulu.com hingegen wirkt aufgeräumt, modern, sieht gut aus und lässt sich einfach bedienen.

Diese Erfahrungen machen derzeit außerhalb der USA allerdings wenige. Hulu blockt fleißig Proxys und VPNs, die versuchen die IP-Sperre zu umgehen, um auch außerhalb der USA Videos bei Hulu schauen zu können. Lösungen gibt es natürlich dennoch: der niederländische Dienstleister BlackVPN bietet derzeit einen verlockenden Zugang zu seinen US-Servern für 5 Euro im Monat. Bezahlt werden kann verhältnismäßig „anonym“ via Paypal. Und wer den Ref-Code GHBBMPF bei der Anmeldung mit angibt, bekommt gleich noch zwei kostenlose Monate dazu (und ich einen weiteren).

Den Hinweis auf BlackVPN habe ich von @SaschaW bei Twitter bekommen, der auf seinem Blog Apfelfunk.de auch schon über BlackVPN berichtet hat und genau wie ich mit dem Dienst sehr zufrieden ist. Aber auch der ix, die Affenkopp Zentrale und Anke Gröner mögen den Dienst.

Ich persönlich schaue jedenfalls immer mehr Fernsehen online, meinen normalen Fernseher nutze ich eigentlich nur noch für Nachrichten, Live-Übertragungen und besondere TV-Events. Von einem deutschen Portal würde ich mir neben der Möglichkeit meine Lieblingssendungen (das sind sowieso nicht viele) bequem online schauen zu können, allerdings auch ein Archiv wünschen. Die ersten Jahre GZSZ mit Milla, Saskia, Heiko und Elke würde ich zum Beispiel gerne nochmal schauen. Das ist jetzt gut 18 Jahre her. Als GZSZ startete gabs noch nichtmal das World Wide Web. Und jetzt könnte man diese 18 Jahre darin aufheben. Wann sich dieses Potenzial wohl erschließen lässt?

Und hier gehts zu Hulu

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