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Gut zwei Wochen habe ich inzwischen als einer von nur zwei deutschen aktiven Nutzern bei Battlecam.com verbracht, einer an Chatroulette erinnernden Videochat-Plattform, die erst seit wenigen Wochen existiert. Möglich gemacht hat sie der griechische Milliardär Alki David, der für seine hohe Nutzung sozialer Medien bekannt ist – ob aus Geschäftssinn oder Langeweile ist zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht klar.

David, dem eine Karriere als Schauspieler lieber gewesen wäre als die eines Geschäftsmannes, ist selber einer der aktivsten Nutzer seiner Website. Oft ist er im Bett mit seiner Freundin Jen zusehen, beide ein Notebook auf dem Schoß, während sie ihr virtuelles Reich auf Battlecam verfolgen. Seine Einwohner bedienen alle Klischees des typischen Internetvielnutzers.

Ob dicker Nerd, Bier- und Zigaretten-Extremkonsumierer, Trailerpark-Familie, Narzissten, Lifecaster, Selbstdarsteller oder Comedytalent – man kann sich das ganze als eine Mischung aus „Mitten im Leben“ und Supertalent vorstellen. In zwei Wochen sind mir einige von ihnen schnell ans Herz gewachsen, wie die Charaktere einer Big Brother Staffel oder einer Seifenoper – mit dem Unterschied, dass ich mit ihnen chatten und sogar mit eigener Videoübertragung reden kann. Das Suchtpotenzial der Seite scheint enorm.

Im Unterschied zu Chatroulette wird bei Battlecam nicht 1 zu 1 zum Zufallsvideochat verbunden, statt dessen steht ein- und diesselbe Videoübertragung für alle Nutzer im Mittelpunkt. Abwechselnd erscheinen dort alle, die sich via Webcam ins Internet übertragen wollen. Alle Zuschauer stimmen über Like- oder Poop-Button über den Teilnehmer ab, ähnlich wie einst in der Gong-Show. Je länger man online ist, desto mehr Punkt gibt es. Gut möglich, dass diese irgendwann mal in Preise eingetauscht werden könnten, doch offizielles gibt es dazu nicht.

Auftritte bei Battlecam dauern anders als bei Chatroullete nicht nur Sekunden, sondern manchmal über eine Stunde. Nackte Tatsachen gibt es nicht. Dafür sogenannte Challenges am Rande des guten Geschmacks und so mancher Moralvorstellung. Einen Obdachlosen zu sich nach Hause eingeladen hat eimal ein Nutzer, ein anderer kackte vor der Webcam oder täuschte einen Anfall in einem McDonalds-Restaurant vor.

Hier noch ein kompletter Battlecam-Contest bei Youtube

Vergleichsweise harmlos ist diese im Video zu sehende Challenge. Einen Löffel Zimt essen bzw. runterschlucken – das kann es auch bei Big Brother oder einer anderen TV Show geben. Aber live vor der Videokamera sein Geschäft zu verrichten, da gehen selbst im Big Brother Container die Lichter aus. Bei Battlecam ist das eine Herausforderung. Lange musste Alki David nicht suchen, bis sich jemand fand, der vor laufender Kamera einen Haufen machte. Für solcherlei Unsinn lässt David auch gerne mal ein paar hundert Dollar als Motivation oder Belohnung springen. Angesichts solcher Dinge, kann man diesen Artikel über Chatroulette noch einmal hervorholen. Man könnte fast meinen der Autor beschreibe nicht Chatroulette sondern Battlecam. Battlecam ist auch alles Verrückte, Abgefahrene und Krasse am Internet, quasi ein Forum wie 4chan als Livestream.

Doch nicht alles ist Kloake bei Battlecam. Vieles ist auch rührend, witzig, bemerkenswert oder nett. Da gibt es das (ehemalige) Bandenmitglied, dass erzählt, wie es als 9-Jähriger angeschossen wurde und seitdem im Rohlstuhl sitzt, Telefonscherze oder die regelmäßig stattfindenen Challenges, bei denen die Bewohner vor der Kamera abwechselnd ihr Talent beweisen müssen, sich verkleiden oder Musik machen. Hier gibt es dann nicht nur Schockmomente, Ekel und Voyeurismus, sondern authentische Unterhaltung, wie sie nur im Internet möglich ist. Einen Einblick über das komplette Panoptikum des Möglichen auf Battlecam bietet auch das kuriose wie surreale Blog Manginainc, dessen Namensgebung auf die Imitation des weiblichen Geschlechtsteils durch Zurückklemmen des Penisses beruht. Die Mangina ist wohl das inoffizielle Markenzeichen der Website…

http://www.youtube.com/watch?v=1aFRrXVNBWU

Wer bei Battlecam online ist, sollte entweder total verrückt sein, oder sich genau über die Nutzungsbedingungen informieren. Denn natürlich übergibt man dem Seitenbetreiber die Rechte am produzierten Videomaterial. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass sich solcherlei Merkwürdigkeit von Battlecam auf dem PC des Chefs wiederfinden oder weltweite Berühmtheit erlangen ist derzeit gering: Im Schnitt schauen sich 300 Nutzer gleichzeitig die Show an, dafür würde manches Erotikmodell nichtmal die Webcam anschalten. Doch das kann sich durchaus noch ändern: Angeblich plant Milliardär David schon eine große Werbekampagne für seine Seite.


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Zur Website: Battlecam.com