justin.tv Channel von User michael_1985

Wie ein Videospieler innerhalb von zwei Stunden 1000 Dollar Spenden für einen neuen PC generierte.

Auf dem Streaming-Portal justin.tv ist er einer der beliebtesten Broadcaster, der Gamer mit dem witzigen deutschen Akzent: Michael H. Während auf anderen Kanälen der Website Computer-Nerds raubkopierte TV Serien 24/7 streamen oder ihr Leben nonstop via Webcam ins Internet übertragen, spielt Michael neben an auf seinem Channel live sämtliche Supermario Games, andere Spiele-Klassiker oder ein extrem kompliziertes Spiel namens „I Wanna Be The Guy„, das von Fans programmiert wurde und zahlreiche Anleihen aus Videospielen der 16-Bit-Ära enthält. Der Zeit, in der Michael groß geworden ist. Vor seinem Super Nintendo. Wie viele von denen, die jetzt in dieser bunten Popkulturwelt im Internet leben, in der scheinbar keiner mehr bezahlen will. Scheinbar, wie gesagt. Dazu gleich mehr.

Ungefähr 1000 Zuschauer hat so eine Übertragung, damit ist Michael einer der beliebtesten Broadcaster auf justin.tv. Sein erster Kanal hatte beinah 1 Million Zuschauer über mehrere Monate verteilt und einige Tausende Follower. Doch den löschte Michael zwischenzeitlich, weil er glaubte zuviel Zeit dort zu verschwenden. Und weil er sich wieder mehr auf das echte Leben konzentrieren wollte. Kurz darauf kehrte er wieder zurück und spielte weiter. So wie das im Internet eben üblich ist.

Doch das Streamen von Videospielen über justin.tv ging in diesem heißen Sommer nicht spurlos an Michaels Laptops vorbei. Beide Geräte überhitzten sich und fielen aus, wie die Fans seines Kanals am Samstag abend (3. Juli) erfuhren oder live miterlebten. Michael H. schrieb auf seinem Kanal:

„in the last 2 weeks my two shitty laptops died because of the heat here in germany.. you ask why they died maybe.. the streaming was too much… streaming in 640×480 with hq on such shitty laptops was too much… im on my netbook right know and i am happy that im atleast can be still here.“

Michael fügte hinzu:

„the only thing for me was to wait until 2011 to buy myself a new pc. right now i have my netbook. thats all i need to work. and yeah… as you guys know. you cant stream with a netbook. not at all. so, what do i do? wait till next year till i can stream again? thats what i had on my mind.. but yeah, because of so much support i decided to put on a chip in.“

Mit einem solchen Chip-In können Nutzer auf justin.tv für den Broadcaster spenden und somit die Stunden kostenloser Unterhaltung irgendwie wertschätzen. Oder in diesem Fall: Dafür sorgen, dass sich Michael einen neuen PC kaufen kann und ihr Lieblingskanal weitersendet.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Während einer Audioübertragung (mehr) in der Nacht zum Sonntag kamen innerhalb weniger Stunden viele Dollar an Spenden zusammen, schon nach eineinhalb Stunden waren fast 1000 Dollar erreicht. Einigen Nutzern ist der Kanal soviel wert, dass sie direkt 100 Dollar spendeten (Screenshots liegen tvundso.com vor). Wohlgemerkt auf einer Plattform, die unter anderem Raubkopien und Fernsehsender illegal streamed.

Was man daraus ableiten kann? Keine Ahnung. Das überlasse ich Kommunikationswissenschaftlern und Internetexperten. Aber ich denke, es sollte mal dokumentiert sein. Hab ich hiermit getan. Und eventuell ist es ja auch im Zusammenhang mit dem sich anbahnendem Erfolg von Modellen wie Flattr ganz interessant.