Es war nicht unbedingt ein guter Start für die sechsteilige Sonderausgabe des britischen Erfolgsformats Apprentice am gestrigen Abend auf der BBC. Zumindest wenn es nach Zuschauerzahlen geht: 4,3 Millionen Briten, nur etwa die Hälfte der gewohnten Zuschauer, schalteten ein um „Junior Apprentice“ zu schauen. Doch gute Unterhaltung war die Show. Zwar wirkten vor allem die männlichen Teilnehmer unter den zehn 16- bis 17-jährigen Teenagern alles andere als authentisch, doch die Show punktete mit weniger Slapstick und gescriptet wirkender Comedy als noch in Staffel 5 des regulären Formats, dafür mit dem vertraut subtilen Humor vor allem in Schnitt und Fotografie.

Die Mädels:

Die Jungs:

Die Neue:

Neu ist bei Junior Apprentice aber vor allem eine: Die britische Fußballmanagerin Karren Brady. In die Fußstapfen von Margaret Mountford als Sidekick von Boss Lord Sugar zu treten ist kein so leichter Job. Die allseits beliebte Weggefährtin von Lord Sugar hatte nach fünften Staffel Apprentice verlassen, um sich auf ihre universitäre Karriere zu konzentrieren. Brady nun, bereits einmal als Kandidation in der Benefiz-Version „Comic Relief Does The Apprentice“ dabei gewesen, ist Herausforderungen gewohnt: Bereits mit 23 war sie Managerin des Birmingham City Football Clubs.

Jung sind auch die Kandidaten dieser Apprentice Staffel. Und nicht sonderlich authentisch, schreibt die britische Presse. Natürlich haben sie die anderen Staffeln gesehen und kennen die berühmten Kandidaten. Nun scheint es, als wollen sie sich so verhalten, wie die großen Vorbilder:

„As do the teenagers – especially the boys, who have been squeezed into shiny new suits to make them look more entrepreneurial. They all sound as if they are trying to act like the apprentices they’ve seen on TV, rather than be themselves“, schreibt der Guardian heute.

„“I’m ruthless in business. If somebody is there that I don’t need in my company – they’re gone. It’s as simple as that“, erzählt der Ire Jordan De Courcy gleich zu Beginn. Mit 12 habe er seine Internetfirma gegründet, verkauft seitdem Elektronik im Netz. Doch im Verlauf der Episode wirkt er zunehmend unsicherer, muss am Ende schließlich gehen. Die Jungs hatten verloren. Käse im Wert von 500 britischen Pfund waren sie nur mit Verlust losgeworden, Jordan als Teamleiter ist verantwortlich. As simple as that.

Irritationen gibt es zunächst auch bei den Mädchen, die zu Beginn der Episode – gerade ins Kandidatenhaus eingezogen – zum Smalltalk ansetzen. „My mom and dad bought me shares for my tenth birthday. ‚You want to own a bit of a chocolate factory?‘ They bought me shares in Cadbury“, erzählt Kirsty Cleaver, die noch aussieht wie ein Kind. „‚Ohhh ’shares‘. I thought you said ’shoes'“, entgegnet Zoe Plummer, die deutlich älter aussieht und über deren Verkaufskünste Nick Hewer später sagen wird, dass sie für eine 16Jährige beeindruckend seien.

„I think appearance is very important in business. No one wants to deal with an ugly person , really“, sagt Zoe später. Die britische Presse greift das Zitat dankbar auf. Fernsehunerfahrene und Kulturkritiker mögen von einer Show, die rücksichtsloses Unternehmertum zu propagieren scheint und dafür jetzt sogar Teenager bemüht, getriggert werden. Doch bewahrt sich auch Junior Apprentice durch den gewohnt ironischen, wenn auch affirmativen, Blick, der auch in diesen Zitaten deutlich wird, eine gewisse Distanz zur reinen systemstabilisierenden Verherrlichung des entfesselten Kapitalismus.

Zwar bringt Zoes Dominanz schließich sogar Teamchefin Hibah Ansary (Mitte) zu einem Tränenausbruch, doch als Belohnung versöhnt am Abend ein Restaurantbesuch bei Tom Aiken, einem der jüngsten Sterneköche Englands.

Das Verliererteam hingegen diskutiert die Niederlagen im tristen Bridge End Café. „Wind is my least favourite weather type“, sagt Tim Ankers später zur Entschuldigung der Teamniederlage im Boardroom. Eine seltsame Begründung. Doch diesmal hat sie ihm den Kopf gerettet. Der Boardroom selbst wirkte deutlich unspannender als sonst. Zum einen ist Lord Sugar zu den Teenagern natürlich nicht so fies wie gewohnt. Aber auch das Unterhaltungspotenzial der Rechtfertigungsversuche von Jugendlichen für Fehler, die nicht so ungewöhnlich für Jugendliche sind (ganz im Gegenteil zu Businessprofis) fällt deutlich ab.

Junior Apprentice war ursprünglich für den Januar geplant, wurde aber wegen der Wahlen verschoben. Lord Sugar war Teil des Teams von Wahlverlierer Gordon Brown. Zur Begrüßung seiner Kandidaten hatte Lord Sugar am Beginn der Sendung gesagt: „You see, I have a passion for helping young people to succeed, because ultimatly it’s up to your generation to rescue and revitalize the country. So no pressure then, right?“

Offizielle Website von Junior Apprentice

Mehr Apprentice auf tvundso.com

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