Roundup | Weiter sind: Cyril Krueger, Kerstin Freking, Jennifer Braun, Leon Taylor, Christian Durstewitz, Katrin Walter, Lena Meyer-Landsrut, Sharyhan Osman. Raus sind: Meri Voskanian, Maria-Lisa Straßburg

„Es geht einen Tick zu sehr um Musik und die Teilnehmer werden zu wenig gedemütigt“, sagte König Boris später am Abend bei TV Total scherzhaft über „Unser Star für Oslo„. Der deutsche Funrapper war neben Nena in der dritten Ausgabe der Casting Show Mitglied der wöchentlich wechselnden Jury. Als in der Woche zuvor zum zweiten Mal fünf von zehn Kandidaten für die dritte Show ausgewählt wurden, saßen Sarah Connar und Peter Maffay im Jurysessel. Wie immer war die Jury nicht unbedingt das Highlight der Show. Doch Stefan Raab als Jurychef bemüht sich inzwischen für etwas Lockerheit zu sorgen.

Sessel wie gesagt. Ein Pult wie in anderen Casting-Shows gibt es hier ja nicht. Das soll wohl die Barriere zwischen fiesen Juroren und Kandidaten auflösen. Nena rümpfte überhaupt die Nase darüber, großartige Bewertungen abgeben zu müssen, ähnlich wie Marius Müller Westernhagen in der ersten Show. Ganz auf die Publicity und darauf später die neueste Platte bei TV Total in die Kamera halten zu können, wollte die ewig junge Schmuserockerin aber nicht verzichten.

Vom Alter her optisch kaum unterscheidbar aber in realen Erdenjahren doch wenigstens eine Generation entfernt, waren die zehn Kandidaten, die in der aktuellen Show auftraten und von denen acht übrig bleiben sollten. Meri Voskanian, die schon in vielen Casting Shows, darunter DSDS und der armenische Eurovision Vorentscheid (oder so), ausgeschieden ist und die gesundheitlich angeschlagene Maria Lisa Straßburg sollten zu den anderen beiden gehören. Gleichwohl – darüber, in der zweiten Runde bei „Unser Star für Oslo“ auszuscheiden ist immernoch weniger beschämend als bei DSDS zu gewinnen. Um genau zu sein: eigentlich gar nicht.

Während ich mich die ganze Show über fragte, ob nicht DSDS-Kandidat und Shootingstar Menowin plötzlich auftauchen wird, um „99 Luftballons“ mit seiner Kinderstimme zu singen (Die durchaus nette und funktionierende „vom Knacki zum Schmusebär“-Storyline wäre sicher nach Nenas Geschmack), lieferte Kandidatin Sharyhan Osman einen beeindruckenden Beweis für die musikalische Überlegenheit des Raab-Formats. Sie sang einen beeindruckenden selbstgeschriebenen Song, der gefühlt 1000 Mal besser klang als alle Songs, die Dieter Bohlen jemals für einen DSDS-Gewinner geschrieben hat, zusammen. Auch Publikums-Favoritin Lena, die vier Schultage hintereinander Abitur-Klausuren geschrieben hatte („Das ist aber das Leben eines Schülers, das erlebe nicht nur ich“), konnte wieder einmal mit einem unbekannten Song überzeugen. Als Fundgrube für unbekannte aktuelle Musikperlen könnte die 18-Jährige locker ein Spex-Abo ersetzen.

Auch Katrin Walter („Warwick Avenue“), Kerstin Frecking („Not Ready To Make Nice“) oder Jennifer Braun („Like The Way I Do“) waren musikalisch besser als viele der Kandidaten, die sich am Wochenende bei DSDS mit deutlich leichteren Melodien herumquälten und in dem einem oder anderen Fall auch komplett versagten. Gleichzeitig stehen aber auch die Kandidaten von „Unser Star für Oslo“ dem Wiedererkennungswert eines Menowin, eines „Checkers“ oder dem mit dem Hut aus DSDS in nichts nach. Hatte ich am Anfang noch zahlreiche Kandidaten bei „Unser Star für Oslo“ als langweilig bezeichnet, so ist inzwischen das Gegenteil der Fall: „Jetzt wo man alle schon kennt, macht die Show auch gleich mehr Spaß!“, kommentierte ich auf Twitter.

Und tatsächlich: es macht inzwischen tatsächlich Spaß, sich die Auftritte der verbleibenden Kandidaten anzuschauen, auch wenn man nicht Musik studiert oder den ganzen Tag im Probekeller rumhängt. Nicht wenige waren am heutigen Abend der Meinung: Können wir nicht alle nach Oslo schicken!? Schon jetzt freue ich mich auf die Auftritte der verbliebenen Acht. Auch Moderator Obdenhövel kommt langsam in Normalform. Als König Boris einen Künstler aus seiner aktuellen Playlist mit den Worten „Kennt ihr wahrscheinlich nicht“ kommentierte, antwortete Obdenhövel in etwa „Stimmt, aber Lena wirds nächste Woche singen“. Darüber hinaus ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch Radiofrau Sabine Heinrich bis zum Finale in fünf Shows noch in der Rolle einer TV-Moderatorin ankommen wird.

Wer auch immer am Ende nach Oslo fährt, wird wohl erstmals im deutschen Publikum nicht nur mehr daumendrückende Fans als Kritiker haben, sondern seit gefühlten Jahrzehnten überhaupt Fans. Das hat „Unser Star für Oslo“ nämlich bereits jetzt schon geleistet: Was auch immer in Oslo passiert, Schadenfreude über das deutsche Versagen wird es diesmal nicht geben. Und ganz nebenbei hat „Unser Star für Oslo“ auch noch etwas bewiesen was eigentlich der Titel einer ganz anderen Show sein solle: „Germany’s Got Talent!

Alle Videos der Show auf der offiziellen Website: Unser Star für Oslo

Alle Texte zu „Unser Star für Oslo“ hier bei tvundso.com

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