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Wenn Pressebilder sprechen könnten: So öde wie Idee auf allen Fotos dieses dämliche Oslo-Schild hoch zu halten, wirkte auch der Beginn der ersten Show von „Unser Star für Oslo“.

Die erste Ausgabe der gemeinsamen Eurovision Song Contest Casting-Show „Unser Star für Oslo“ von ARD und ProSieben war alles andere als aufregende Unterhaltung. Verkrampfte Moderatoren, weichgespühlte Kandidaten, bierernste Stimmung. Doch dann kam Lena…

Diese fünf Kandidaten sind weiter:

Die Links führen zum Steckbrief der Kandidaten.

Zu Beginn war es alles andere als ein neues Show Event. „Unser Star für Oslo“ begann so verkampft, bieder und ernst, als würde es nicht um einen Gesangswettbewerb gehen, sondern um die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes. Dabei ist doch nur eine einzige Stelle zu besetzen: die des deutschen Teilnehmers für den Eurovision Song Contest Ende Mai in Oslo.

Sogar Stefan Raab wirkte so ernst, als sei er gerade in einen öffentlich-rechtlichen Rundfunkrat gewählt wurden. Auch die EinsLive-Moderatorin Sabine Heinrich war nicht der Knaller, den ich mir erhofft hatte. Möglicherweise waren die vielen Kameras im Studio der Radiomoderatorin ja unheimlich. Und dann kamen die ersten Kandidaten…

Offensichtlich ist man bei ARD und ProSieben derart bemüht, sich soweit wie möglich von DSDS zu disntanzieren, dass  jegliche pointierten Jury-Kommentare verboten waren und die Kandidatenauswahl danach erfolgte, wer möglichst normal aussah, keine Ecken und Kanten hatte und freundlich lächeln konnte. Student und möglichst jung sein half zudem ungemein. Langweilig und brav waren sie die ersten Kandidaten. Doch das sollte nicht so bleiben…

Spätestens als die Kandidatin mit der Startnummer 10 auf die Bühne trat, waren auch die gelangweiltesten Zuschauer plötzlich wieder hellwach. Die 18 jährige Schülerin Lena Meyer-Landrut überzeugte als vorwitzige und frischfreche Rockgöre auch die letzten Zweifler: vielleicht kann das doch was werden. Dabei hatte ich vorher noch bei Twitter gemeckert, dass die Kandidaten alle so jung waren. Doch bei Lena, der Allerjüngsten, war das kein Makel. Im Gegenteil: es bedurfte vielleicht gerade einer unbekümmerten 18jährigen Rampensau um die bis dahin spröde Veranstaltung aufzubrechen.

Natürlich wurde Lena direkt zum Publikumsfavoriten und in die zweite Runde der Veranstaltung gewählt („Ich freu mich so so hart“, sagte sie). Außerdem weiter sind: die Germanistikstudentin Kerstin Freking, die rassige Meri Voskanian, der Mädchenschwarm mit dem coolen Namen Cyril Krueger und die bescheidene Verkäuferin Katrin Walter, die aussieht wie eine junge Celine Dion (und meine persönliche Favoritin ist).

Diese fünf, sie sind dann doch gar nicht so schlecht, wie es zu Beginn der Show den Eindruck machte. Wahrscheinlich war es das starre Korsett der Seriösität in das man die „nationale Aufgabe“ einen Star für Oslo zu finden gepresst hatte, das zunächst sämtliche Unterhaltung im Kern erstickte. Ein geradezu neurotisches anmutendes Verhältnis zum Genre Casting-Show prägte vor allem die erste Jury: sowohl Marius Müller Westernhagen als Yvonne Catterfeld betonten, dass sie sich sonst nie für eine solche Rolle hergeben würden. Außer bei „Unser Star für Oslo“ eben. Verständlich ist das: RTL, Grundy und DSDS, aber auch Popstars und ProSieben haben in Deutschland schon viel verbrannte Erde hinterlassen.

Westernhagens Begründung für seine kritische Haltung allerdings war gar nicht so übel: Künstler kann man nicht vergleichen, jeglicher Wettbewerb unter Künstlern sei idiotisch, stellte Westernhagen zu Beginn der Show fest, bevor er sich dann als bester deutschprachiger Casting-Juror aller Zeiten erwies. Zwar war er zu bemüht keinem weh zu tun, dennoch waren seine kritischen Anmerkungen, Einschätzungen und Kommentare sicherlich das Treffendste was man jeh in einer deutschen Castingshow gehört hatte. Am Ende lies sich der große Marius sogar noch zu einer Art Diskussion über die mangelnde „schwarze“ Soulqualität einer Kandidatin hinreissen. „Das erste was man in diesem Beruf lernen muss, ist Kritik anzunehmen und daraus zu lernen“, gab er der jungen Künstlerin mit auf den Weg. Schade, dass Westernhagens Juryauftritt wohl einmalig bleiben wird.

Sieben weitere Shows bleiben nun, um zu zeigen, dass die Alternative zu DSDS nicht langweilige, verkrampfte und weichgespülte Gesangwettbewerbe von Studenten sind, sondern überraschende, witzige und charakterstarke Persönlichkeiten wie Publikumsliebling Lena oder unentdeckte Perlen, wie Katrin Walter. Nebenbei bemerkt übrigens: Bühnenbild, Beleuchtung und Bildregie waren solide bis hervorragend. Achso, und: Was sagt man eigentlich dazu, dass die Kandidaten nicht in irgendwelche Kostüme gezwängt werden, sondern scheinbar alle in ihren liebsten Wohlfühlklamotten aufgreten sind? Ich finds gut. Also in der Hinsicht stimmt alles. Wenn nun unter den nächsten 10 Kandidaten, die wir nächste Woche sehen, wieder wenigstens zwei, drei Leute vergleichbarer musikalischer Qualität und Ausstrahlung sind, dann kann das noch was werden. Als erstes aber bitte bei den Machern mal den Stock aus dem Arsch ziehen.

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