Trailer zur neuen RTL-Reality „Die Farm“

Die neue RTL Reality „Die Farm“ erinnert an zahlreiche andere deutsche Reality Produktionen. Alles ist und bleibt wie gewohnt: Fremdschämen, Freaks und Flirterei schieben das Abenteuer-Element des TV Formats immer wieder in den Hintergrund.

Bereits vor fünf Jahren wollte RTL seine neue Reality „Die Farm“ ins Programm nehmen, verwarf diese Pläne dann aber wieder. Am vergangenen Sonntag begrüßte  Inka Bause, die RTL zwischen verschiedenen Staffeln der von ihr moderierten Sendungen einzufrieren scheint (da sie sich optisch nicht verändert oder gar altert), die Zuschauer schließlich zur ersten von zehn Episoden. Das Format stammt ursprünglich aus Schweden, läuft bereits in über 40 Ländern.

Von Mai bis Juli im vergangenen Jahr nahm sich endemol Deutschland (und strix Television aus Schweden) dann der Aufgabe an, mit 12 Kandidaten in Norwegen eine Version für den deutschen Markt zu produzieren. Ein Risiko ging man nicht ein: „Die Farm“ ist eine Mischung aus altbekannten Elementen deutscher Reality-Produktionen ohne neue Ideen, aber auch ohne erkennbare Fehler. Durchschnittskost eben. Die eigentlich eher auf Abenteuer abzielende Idee der Sendung wird durch die ewig gleichen Protagonisten, Handlungsmuster und Erzählweisen immer wieder in den Hintergrund gedrängt.

Wie alle deutschen Reality Formate wird nämlich auch die norwegische Farm zu einem größeren Teil von den Freaks von nebenan bevölkert. „Das erste, was ich da gerne machen würde, ist: einmal über den ganzen Hof laufen wollen, um zu fühlen, wie da die Energien sind“, erzählt Heilerin Cornelia (51) aus der Heide. Sie wird gleich am ersten Tag in eine Handgreiflichkeit mit der ehemaligen Pornodarstellerin Elke (45) verwickelt. Das erinnert irgendwie an Big Brother. Solche „normalen“ Freaks bevölkern das TV Programm ohnehin schon reichlich, warum also nicht auch noch die Farm. Einsame Jungesellen dürfen auch nicht fehlen: Marco, 34, lebt noch bei seinen Eltern und hatte noch nie eine Freundin. Das erinnert an die Kuppelformate „Bauer sucht Frau“ und „Schwiegertochter gesucht“.

Neben Marco und Inka Bause erinnert noch ein weiteres Element an „Bauer sucht Frau“: die Sprache. „Als nächstes inspiziert der mutige Münsterländer Marcus das WC-Häuschen“, heißt es da. Cornelia wird als „tierliebe Hundefreundin“ beschrieben. Man kennt das schon vom beschreibungsfreudigen Freaksender RTL. Nach gut 20 Minuten sind übrigens die ersten beiden Lovestories fertig gebastelt: Zwischen Pilot René und Model Ivana sowie Münsterländer Markus und Abiturientin Sally soll es angeblich schon gefunkt haben.

Also, wir haben Freaks, wir haben Inka Bauses bildhafte Sprache und wir haben Lovestories. Was fehlt noch? Eine Wochenaufgabe? Gibts! Abgabe und Erspielen von Luxusgütern? Dabei! Eingespielte Statements, die kommentieren, was man grade gesehen hat? Aber sicher doch! Einen Art Campchef? Klaro! Duddelig seichte Musikuntermalung aus der ewig gleichen Jukebox? Auch das, aber nicht nur: Die Musik, die während der Anreise der Kandidaten gespielt wird, ist diesselbe, die bei „Amazing Race“ gefühlt ununterbrochen seit ebenfalls gefühlten 200 Staffeln läuft. Auch später gesellen sich treibende, spannungsgeladene instrumentale Reality-Melodien wie man sie eben aus „richtigen“ Realities wie „Amazing Race“ oder „Survivor“ kennt zur eher tristen Popdudelei.

Man merkt es schon: endemol hat sich allerlei bekannter und vertrauter Elemente bedient, die sich auf dem deutschen Markt als erfolgreich bewiesen haben. Wobei ich nicht weiß, welche das schwedische Grundformat bereits enthält und wie „The Farm“ in anderen Ländern gemacht ist. Im Vergleich zu internationalen oder auch deutschen Reality Formaten mit derselben Idee allerdings, nämlich Kandidaten in eine „gefährliche“ oder „unbekannte“ Umgebung zu stecken, wirkt „Die Farm“ daher eher „trashig“ oder „fremdschämig“ wie TV Fans gerne sagen.

Die Farm“ verhält sich zu hervoragenden Genrevertretern wie „The Alaska Experiment“ (Discovery) oder „Das Steinzeit Experiment“  (SWR) wie DSDS zu X Factor: Fremdschämen statt Hochglanz, Lachen über Freaks statt atemberaubender Emotionen und Spannung. RTL eben. Fans hochwertiger deutscher (davon gibts kaum welche) oder internationaler (die gibts zahlreich) Reality Produktionen werden von „Die Farm“ also eher enttäuscht sein. Für alle anderen, die viel und gerne deutsches Privat-TV sehen, ist es gemacht.

„Die Farm“ online schauen bei rtlnow.de

Titelsong „Fairytale“ von Alexander Rybak:

Zum Vergleich: The Alaska Experiment