[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=iPad&iid=7688039″ src=“4/9/7/e/Apple_Announces_Launch_eefd.jpg?adImageId=9585035&imageId=7688039″ width=“500″ height=“333″ /]

Ausschnitt aus dem Trickfilm „Up“ auf dem iPad während der Präsentation des Geräts am 27. Januar in San Francisco. Im Vordergrund: Apple-Boss Steve Jobs.

Das iPad macht mobile Video-Nutzung komfortabler, doch zahlreiche Mängel verderben den Spaß: Kein HD, kein 16:9, kein Flash-Support.

Das iPad von Apple soll die Art und Weise wie wir auf einem digitalem Gerät Medieninhalte konsumieren verändern. Nämlich nicht mehr am Schreibtisch, unbequem mit dem Laptop/Netbook auf dem Schoß oder auf einem winzigen Smartphone-Display. Statt dessen sollen wir in Zukunft ein iPad, einen Computer, der nur aus einem berührungsempfindlichem Bildschirm besteht, in der Hand halten: wie ein Magazin oder ein Buch, gemütlich auf der Couch, im Bett, Zug oder Gartenstuhl.

Das könnte natürlich auch dazu führen, dass zum Beispiel Internetmagazine ganz anders gestaltet werden, als wir sie heute als Websites kennen. Um sich das vorzustellen, kann man sich das Welt eMag anschauen. Dieses Angebot wird auf dem iPad allerdings nicht funktionieren: denn das iPad unterstützt kein Flash. Statt dessen kommen solche Magazine dann über einen Shop, vermutlich gegen Geld auf das Gerät, Apple wird nach Google zu einer neuen Art von Weltverlag, bei dem die alten Verlage dann nur noch Contentanbieter sind, so wie ein Blogger, der seinen Podcast bei iTunes einstellt.

Soviel zum Allgemeinen. Hier auf tvundso.com interessiert natürlich die Frage: Was bringt das iPad bei der mobilen Nutzung von Filmen, Serien oder Fernsehen. Spiegel Online Autor Frank Patalong* spricht in einem Artikel davon, dass das iPad ein „HD Multimedia-Player“ sei. Das ist falsch. Das einzige, was das iPad in Zusammenhang mit HD kann, ist Videos im H.264 Codec zu verarbeiten und verkleinert wiederzugeben, denn auf dem Display des iPad ist nicht genug Platz für ein 16:9 Bild mit 720 horizontalen Bildzeilen (siehe HD Ready). Angepasst an den Bildschirm des iPads hätte ein 720p-Video eine Auflösung von 1024*576, also deutlich weniger als HD. Und auch auf einem externen Monitor sieht es nicht besser aus:

„Support for 1024 by 768 pixels with Dock Connector to VGA Adapter; 576p and 480p with Apple Component AV Cable; 576i and 480i with Apple Composite Cable“ (Quelle: Apple)

Soviel dazu, aber was heißt das in der Praxis: H.264 Videos mit 720p Ausgangsmatierial sowie auch andere Videoformate wie MPEG-4 werden auf dem Display des iPad natürlich trotzdem ganz gut aussehen. Sicherlich wird nicht nur Frank Patalong vom Spiegel sondern auf viele zukünftige Nutzer des iPad der Meinung sein, sie sehen gerade HD Bilder auf ihrem Gerät, auch wenn das nicht so ist. Der gute Videocodec H.264 und das kleine Display werden scharfe Bilder liefern. Problematischer ist die Tatsache, dass das iPad kein 16:9 Format hat. Dadurch entstehen bei Serien, mehr aber noch bei Kinofilmen sehr breite schwarze Balken oben und unten. Das Bild aus dem Film „Up“ auf dem Foto oben täuscht insofern. Ältere TV Serien profitieren hingegen von dem veraltetem Bildformat, bei HBO etwa war 4:3 noch bis vor kurzem völlig normal.

In Sachen Bequemlichkeit ist das iPad beim Videoschauen jedoch vorne. Wer bislang Videos auf einem mobilen Gerät schauen wollte, hatte keine sonderlich große Auswahl. Ein Smartphone war zu klein, ein Laptop zu unbequem. Besser geeignet sind hingegen die Playstation Portable oder ein größerer Multimedia-Player, etwa die DVBT/Video/MP3-Kombis von Archos. Bei vielen der kleinen Videoplayer gibt es allerdings das Problem, dass Videos erst umständlich in ein geeignetes Bildformat umgewandelt werden müssen. Eine aus dem Internet gezogene TV-Serie mal eben auf dem Handy oder der PSP schauen ist nicht. Erstmal muss der Recher ran und umwandeln. Beim iPad dürfte das vermutlich deutlich einfacher sein. Nicht ausgeschlossen ist allerdings, dass zahlreiche, vor allem freie oder exotischere Codecs für Video und Audio, anders als auf einem richtigen, offenem Computersystem, Probleme machen werden.

Illegal heruntergeladenen Serien und Filmen stellt Apple ähnlich wie der Musik ein eigenes kommerzielles Angebot gegenüber. Über den iTunes Store lassen sich Filme und ganze Serienstaffeln problemlos auf das iPad laden. Doch dabei soll es nicht bleiben. TV Inhalte könnten zukünftig wie Podcasts abonniert werden können, oder man strahlt sie direkt weltweit gleichzeitig über das Internet aus. Das bietet sich besonders für Events an, etwa eine Casting-Show. Simon Cowell hat das mit seinem „X Factor“ vor. Das iPad wäre für solche Ideen natürlich gut geeignet, optimaler Weise könnte man die Songs aus der Casting Show dann auch noch direkt im iTunes Store kaufen, oder sie sind in einem Staffelticket schon inklusive, etwa als reine Streamingversion, was aus ökonomischer und Nutzersicht eben Sinn hat. Auch für Sportübertragungen bietet sich die Infrastruktur von Apple an. So wird man die Major League Baseball bequem auf dem iPad schauen können.

Apples ingesamt drei Shops für das iPad (Musik/Filme, Apps, Bücher) sind aber natürlich vor allem im Sinne von Apple selbst, wie alle geschloßenen Systeme. So sind Medieninhalte, Software und Wiedergabegerät eng miteinander verknüpft. Zwar wird so die illegale Nutzung eingeschränkt, der ehrliche Nutzer selbst aber auch, außerdem kontrolliert Apple, was verkauft werden darf und was nicht. Doch damit nicht genug: aufgrund der erfolgreichen Strategie von Apple Programme und Anwendungen über den eigenen App-Store zugänglich zu machen, wurde vermutlich Flash gestrichen, damit über diesen Umweg der App-Store nicht umgangen werden kann. Nebenwirkung: Flash-Inhalte, wie viele Videoseiten. Streamingseiten, Browserspiele oder bestimmte Internetseiten funktionieren auf dem iPad nicht. Gerade was Livestreams auf ustream oder justin.tv betrifft eine für TV-Fans unzumutbare Einschränkung. Zwar hat auf einigen Seiten wie etwa Youtube die Umstellung von Flash auf HTML5 (Videos können direkt eingebunden werden) schon begonnen, aber bis sich das durchsetzt, wenn überhaupt, wird es dauern.

Fazit: Apples iPad macht die mobile Nutzung von Video deutlich bequemer, so wie es das Konzept des Tablet für alle Medienarten vorsieht. Gleichzeitig muss der Nutzer mit den Einschränkungen eines geschlossenen Systems leben, die im Falle des nicht vorhandenen Flash über ein tolerierbares Maß hinaus gehen, besonders für TV und Video-Fans. Die mangelnde HD-Auflösung ist kein Weltuntergang, mit HD wäre es aber schöner. Das veraltete Bildformat 4:3 hingegen verdirbt den Spaß an der Nutzung besonders von Filmen im noch breiterem Kinoformat auf dem iPad. Zusammenklappbare Geräte anderer Herrsteller wie dieser EEE PC sind für die Bedürfnisse von Videofans deutlich besser geeignet.

*Frank Patalongs hypiger, begeisterter und schönfärbender Text ist übrigens auch ein gutes Beispiel dafür, wie wenig selbst führende Netzmedien wie Spiegel Online doch am Puls der Zeit sind. Wer die Reaktionen auf die iPad-Präsentation etwa bei Twitter oder anderswo verfolgt hat, konnte absehen, dass die Nutzer weltweit deutlich verhaltener auf das iPad reagieren werden als einst auf das iPhone. Bei Spon hingegen mischten sich falsch eingeschätzte Lesererwartungen mit eigenen Hoffnungen auf Erretung zu einem völlig irreführendem Text.

Video: Steve Jobs stellt das iPad vor:

Mehr zum iPad:

Themenseite iPad bei Spiegel Online

Carta: Wenn Träume platzen: Das Apple iPad

Engadget: Apple iPad first hands-on

Mashable: Anti-Hype: Why Apple’s iPad Disappoints

Netzwertig.com: Steve Jobs als Messias einer Branche

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