[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=thomas+ebeling&iid=4159805″ src=“7/0/5/e/ProSiebenSat1_Announces_Annual_f600.jpg?adImageId=9367432&imageId=4159805″ width=“500″ height=“354″ /]

ProSieben Sat1 Boss Thomas Ebeling (Archivbild, gerne auch upside down imaginieren)

Bei einer Keynote auf dem deutschen Medienkongress in Frankfurt, den der Branchendienst (Marketing, Werbung, Medien) Horizont und The Conference Group ausrichteten, beschäftigte sich der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat1, Thomas Ebeling, mit der Zukunft des Fernsehens. Zumindest sagen er und Horizont das. In Wirklichkeit beschreibt Ebeling, der Zusammenfassung von Horizont nach, die Gegenwart des Fernsehens und stellt uns eine weitere betriebswirtschaftliche Optimierung der Programme zu Ungunsten von Qualität und Innovation in Aussicht, so meine Interpretation.

Bereits der Einleitungssatz von Horizont stimmt skeptisch: „Perspektivisch sieht Ebeling zahlreiche Chancen für die TV-Anbieter…“ So, so. Auch Ebeling hält sich mit Phrasen und Allgemeinplätzen nicht zurück:

  • „Fernsehen muss seine kreative Führungsrolle als Leitmedium behalten. “ (Übrigens interessant, dass Ebeling glaubt, das Fernsehen – nicht etwa das Internet oder sagen wir Magazine – hätte eine kreative Führungsrolle unter den Medien)
  • „Die Sender müssen optimal vermarktbare Formate und technisch überlegene Produkte etablieren, um ihre Position auszubauen.“ (Zitat Horizont-Zusammenfassung)
  • „Lokales ist wichtig.“
  • „Wir müssen vernünftige Preise erheben“
  • „Der Schutz des geistigen Eigentums ist zu gering.“

Man könnte Ebeling allerdings zu Gute halten, dass Horizont nur die Phrasen zitiert hat. Ich war nicht dabei und kann es nicht beurteilen.

Enthalten ist auch der übliche Lobbyismus in eigener Sache (wer will ihm das verdenken): Raubkopierer, öffentlich rechtliche Sender und die angeblich zu hohe Regulation der Privaten Rundfunkanbieter: So bemängelt Ebeling, dass Sat.1 6,5 Stunden Programm mit Fremdverpflichtungen füllen müssen. Ein Instrument mit dem Medienvielfalt gewährleistet werden soll (Abgabe von Sendezeit an Dritte ab einem bestimmten Marktanteil), stört Ebeling also.

Bereinigt um Allgemeinplätze und Lobbyismus  hat Ebeling folgende „Visionen“ für die Zukunft des Fernsehens:

  • Low-Cost-Strukturen
  • Top-Talente, die dem Sender ein Gesicht geben
  • Paid Content
  • individualisierte Werbung
  • Wirkungsforschung
  • breiteres Angebot (Diversifizierung)
  • Zuschauer direkt zur Kasse bitten (Transaktionsbeziehungen zu den Kunden aufbauen)

Man sieht, Thomas Ebelings Ideen sind vor allem betriebswirtschaftlicher Natur, keine Rede zudem von wegweisenden Ideen für das Internet. Ebeling habe zwar gesagt: „Online wird es mehr audiovisuelle Angebote geben, für die Verbraucher bereit sind, auch zu zahlen“, welche genau das überhaupt sein sollen, bleibt allerdings offen. Auch zu Fragen von Qualitätfernsehen oder Nachwuchsförderung vermisse ich Ideen.

Nun ist es nicht unbedingt Ebelings Aufgabe den kreativen Vorreiter zu spielen, er soll vor allem die wirtschaftliche Zukunft der Sendergruppe sicher stellen. Nun ist es aber so, dass das was Horizont über seine Keynote berichtet, nichts weiter ist, als eine Beschreibung der ökonomischen Gegenwart des Fernsehens und dessen Optimierung in der Zukunft. Ich lese heraus, dass Ebeling die Zuschauer in Zukunft mehr zur Kassen bitten will, die Kosten senken möchte, die Werbung mehr indvidualisieren will und mehr über die Nutzungsgewohnheiten seiner Kunden wissen will.

Das alles sieht für mich nach wenig Spielraum für Ideen, Innovationen und Kreativität aus, sondern nach billigen Doku-Soaps, primitiven Serien, Call-In-Shows oder Browserspielen auf ProSieben-Online – halt alles, was es schon gibt. Nur noch mehr, noch billiger, noch effizienter. Ich frage mich, wie das mit der angeblichen kreativen Führungsrolle, den Top Talenten oder der Hoffnung (mehr ist es ja nicht), die Kunden würden auch noch direkt dafür bezahlen zusammen passen soll?

Wenn Ebeling oder andere deutsche TV-Manager mit solchen konservativen betriebswirtschaftlichen Konzepten in die Zukunft gehen, werden sie genau diese nicht mitgestalten können.

Die Zukunft ist meiner Meinung nach ein Pay-TV-Konzept für das Internet, das Datenschutz und Nutzungsbedingungen zu Gunsten des Kunden gestaltet und nicht in DRM verkapselt oder durch Marktforschung und individualisierte Werbung über Gebühr problematisiert. Hierbei müssen althergebrachte Vertriebs- und Lizenzstrukturen grundsätzlich in Frage gestellt werden und dem Urheberrecht seine ursprüngliche, auf den Urheber (nicht dessen Verwerter) bezogene Bedeutung, zurück gegeben werden. Individualisierung auf der einen (hochspezialisierte Angebote zu hohen Preisen) und weltweit simultan übertragene TV Events (wie Sport, nur halt auch im Entertainment-Bereich, siehe X Factor, aber auch Serien und TV Filme) sollten dabei im Mittelpunkt stehen. Und Lokales bedeutet hierbei: mein individuelles Netzwerk aus Menschen, Produkten, Orten, Interessen.

Solche Ideen klingen doch gleich viel spannender. Aber wer Visionen hat, der sollte offensichtlich nicht zum Fernsehen gehen.