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„Frau Kamps muss erfahren, und das wird sie auch, dass ihre Person weniger wichtig ist, als die 30 Personen, die ihr gegenüber sitzen“ (Schulleiterin Greta Hoffmann)

Drei Prominente hat ZDFneo, der neue Jugendsender des ZDF – den bislang nur die wenigen Leute schauen, die von seiner Existenz wissen – an eine Gesamtschule in NRW (Gesamtschule im Rhein-Erft-Kreis) geschickt, damit sie dort die Schüler unterrichten. Die Prominenten, das sind: Heide Simonis, ehemals Ministerpräsidentin von Schleswig Holstein, Manuel Andrack, einst Redakteur bei der Harald Schmidt-Show und Moderatorin Gülcan Kamps, die beruflich das Image des Dummchens pflegt.

Hier mal schnell die Klassen, Fächer und Themen der drei Promi-Pauker im Überblick:

  • Heide Simonis: 6. Klasse, Kunst (Picasso), Arbeitslehre (Geld) und Sexualkunde
  • Manuel Andrack: 5. Klasse, Deutsch (Märchen), Arbeitslehre (Holzbau), Naturwissenschaften (Wirbeltiere)
  • Gülcan Kamps: 8. Klasse, Englisch (New York), Biologie (Wald), Gesellschaftlehre (Jugendkriminalität)

„Ich wär schon enttäuscht, wenn ich den Prominenten nicht so kenne. Dann habe ich mich zu früh gefreut“, erzählt Schüler Justin bevor die „unangenehme“ Überraschung dann eintritt: Heide Simonis wird seine Klasse unterrichten. Doch Heide Simonis kennt von den Schülern der 6. Klasse niemand. Dass sie ihren Namen mit winzig kleinen Buchstaben an die Tafel schreibt, hilft da auch nicht gerade weiter. Die vielen politischen Ämter der SPD-Politikerin: laaaaangweilig. Das etwas plötzliche „Schattenboxen“ zu dem Simonis als erstes mal animiert – zum Aufwachen – allerdings scheinen die Schüler, sagen wir mal: „komisch“ zu finden. „Der Justin hätte fast geheult“, erzählt eine Klassenkameradin den ZDF-Kameras. Weil Gülcan nicht gekommen ist.

Gülcan (Foto oben) nämlich ist in einer anderen Klasse, was wir allerdings erst in der kommenden Woche sehen werden. „Frau Kamps muss erfahren, und das wird sie auch, dass ihre Person weniger wichtig ist, als die 30 Personen die ihr gegenüber sitzen“, kündigt die Direktorin Greta Hoffmann allerdings direkt an. Frau Hoffmann nämlich, sie hat eine Haltung zu diesem ganzen Promi-Pauker-Projekt, wie sie betont: „Sollte ich der Meinung sein, das klappt nicht, dann beenden wir das ganze.“ Eine andere Lehrerin: „“Was ich höre so über Frau Kamps, interessiert mich nicht“ Um das Bild der Lehrer solle es gehen. Und das muss in der Öffentlichkeit richtig dargestellt werden. Bis hierhin ist das gelungen würde ich sagen.

Gülcan Kamps selber sieht die Sache so: „Ich kann mir gut vorstellen, dass mich da einige unterschätzen. Ach Gülcan, kann die überhaupt lesen, kannse schreiben, kannse rechnen. Ja, sie kanns.“ Als Gülcan dann mit einer Lehrerin erörtert, wie das Unterrichtsthema „Laubwald“ am besten angegangen wird, sorgt sie aber sogleich für Irritation: „Man kann ja auch in Zoo. Da sind ja auch Bäume!“

Solche Probleme hat Manueal Andrack erstmal nicht. „Ich hab den Eindruck, dass wir mit ihnen eher einen seriösen Promi bekommen haben“, sagt einer der beiden Lehrer, die Andrack betreuen werden zur Begrüßung. „Absolut“, antwortet Andrack. Dass er sich aber erstmal 60 Minuten lang der Klasse vorstellen soll, behagt dem Medienprofi nicht so. „Wer ist denn Fan vom 1. FC Köln?“, zieht er am Ende seinen Notjoker.

„Bei Manuel heißen erstmal alle ‚Du'“, stellt der Sprecher der Doku-Soap leicht süffisant fest, weil sich Andrack die Namen der Schüler nicht gemerkt oder erfragt hat. Diese Art erinnert – so wie die ganze Sendung – von der Machart an „Das Perfekte Dinner“, die eher hochwertige Doku-Soap von Vox. Auch die Promi-Pauker sind symphatisch, unaufgeregt, natürlich und am Rande auch noch informativ. Auch die Musikuntermalung ist anders als bei den Privaten: Keine Charthits und Popklassiker, sondern mehr Instrumentalstücke.

Schließlich muss ZDFneo, wenn sie eine Darstellungform wie eine Reality-Soap wählen, etwas anderes leisten, als die privaten Programmanbieter. Am Ende muss was bei rumkommen, eine Botschaft, eine Erkenntnis, irgendwas Sinnvolles. Was genau das ist oder sein soll, wurde zwar nicht besonders deutlich, aber der Blick in eine ganz normale deutsche Gesamtschule – die im Übrigen äußert modern und angenehm ausschaut – in den Schulalltag heutzutage, bei gleichzeitigem Verzicht auf Konflikt, Absurdität und Extreme – das ist schon mal ganz ok. Man ist um eine gewisse Seriösität bemüht, was auch dazu führt, dass die bislang ohnehin nur selten vorhandene Komik nicht künstlich aufgeblasen wird.

Ob die Promi-Pauker am Ende die Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks davon überzeugen werden, dass auch Darstellungsformen wie etwa hier die Promi-Doku-Soap zum Repertoire des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags gehören müssen? Wahrscheinlich nicht. Denn wenn es nach denen ginge, dürfte es vermutlich nur die Tagesschau geben – allerdings nicht auf dem iPhone. Auf der anderen Seite werden 6 Millionen standhafte DSDS-Zuschauer oder „Mitten im Leben“-Fans nicht plötzlich gefallen an Promi-Paukern finden. Dazu ist es viel zu unspektakulär. „Die Promi-Pauker sind genaugenommen Fernsehen für eine Zielgruppe, die es in Deutschland noch gar nicht richtig gibt. Aber genau dieses Fernsehen, nämlich verantwortungsvollere, authentischere, an der Normalität orientierte Reality-Formate muss es natürlich geben.

Die Promi-Pauker, donnerstags 19:30 Uhr, ZDFneo

ZDFneo: Interaktive Website zu „Die Promi-Pauker“

ZDF Mediathek: Folge 1 online anschauen (zeitlich begrenzt verfügbar)