Gut 24 Stunden bevor dieser Text entsteht, startete die Jubiläums-Staffel von Big Brother. Zum zehnten Mal nun schicken endemol und RTL II mehr oder weniger ausgefallene und interessante Leute (mehr zu den Bewohnern hier) in einen Fernsehcontainer. Genau genommen diesmal sogar in zwei. Denn Männer und Frauen leben in getrennten Bereichen, die – so zumindest die Idee – voneinander nichts wissen sollen. Die Männer leben im sogenannten Luxus-Bereich, der – wie auch in den vergangenen Staffeln – wie eine Ausstellungsfläche von Ikea aussieht: kühler Chic, Studio-Atmosphäre, Pragmatismus. Die Möbelkollektion läuft übrigens ganz offiziell unter der Marke RTL II. Wer sich also den eigentümlichen Charme des Trash-TV-Senders ins Wohnzimmer holen will…

Dagegen wirkt das Müll- oder Messi-Haus, das die Damen bewohnen müssen richtig gemütlich, bietet zahlreiche Fixpunkte fürs Auge und die eine oder andere Nische. Inzwischen wurde es auch etwas aufgeräumt. Der Müll muss allerdings drin bleiben, darf nur zusammengeschoben werden. Nacktmodel Micaela und Kampfsportler Uwe befinden sich in den jeweiligen Bereichen des anderen Geschlecht, was Moderatorin Aleksandra Bechtel als eine psychologische Vorsichtismaßnahme für die vermeintlich labile Micaela erklärte. Sie solle sich unter den Männern fühlen wie eine Prinzessin.

Welchen dramaturgischen Sinn die schwer geheim zu haltene Trennung der Häuser überhaupt machen soll, darüber ließen uns die Macher bislang im Unklaren. Mehr noch: Sie diene paradoxer Weise wohl vor allem dazu, um sie wieder abzuschaffen. Auf der anderen Seite: nachdem ich jetzt einige Zeit den Livestream geschaut habe, muss ich sagen, die beiden Häuser mit jeweils immer unterschiedlichen Leuten an unterschiedlichen Orten sorgen schon für Abwechslung. Stück für Stück jedenfalls sollen die Häuser dann irgendwann zusammen gelegt werden, wie Aleks Bechtel in der Live Show erklärte.

Sollte diese erste Liveshow ein Gradmesser für die ganze Staffel sein, könnte die diesmal erfolgreicher beginnen und laufen, als die letzte. Gestartet ist sie jedenfalls schonmal mit 13 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. Zu meckern gab es an der Eröffnung jedenfalls nicht viel. Außer kurz angebundenen Verwandten in zähen Gesprächsversuchen mit Moderatorin Bechtel lief alles wie geschmiert, war schnell und modern. Ganz offensichtlich haben die Macher aus Kritik und von anderen Ländern gelernt: Das Haus wurde von Moderatorin Bechtel als erster zur Vorstellung begangegen (leider jedoch nicht live), die Bewohner zackig und knapp vorgestellt. Auch das Jubiläumsfeeling wurde durch die zahlenmäßig stark vertretenen Ex-Bewohner eingefangen, die immer mal wieder in angenehmer Kürze eingeblendet wurden. Nur einige, wie etwa Orhan aus Staffel 9 konnte man nicht davon abhalten, länger vor der Kamera rumzuhampeln. Bleiben die Macher in der Form in der sie gestern waren, dürfte aber unabhängig vom ökonomischen Erfolg klar sein: die Fans werden die Staffel mögen.

Qualität und Zufriedenheit der Fans allerdings spielen bezogen auf den Quotenerfolg des Formats immer weniger eine Rolle. Auch die vergangene britische Staffel (Tagebuch) war von guter Qualität, sehr symphatisch, bunt und beliebt bei den Fans, doch erfolgreich war sie nicht. Das führte dann auch dazu, dass Channel 4 die Sendung ab 2011 absetzt. Die Quoten der derzeit laufenden Promi-Staffel in UK geben auch kaum Anlass anzunehmen, dass sich das nochmal ändert. Umso wichtiger ist es sicher für endemol nun nicht auch noch den deutschen Markt zu verlieren. Obgleich RTL gerade daran zu arbeiten scheint, es zu ändern, gilt der ebenfalls immernoch als relativ wichtig. Vernünftige Quoten könnten dafür sorgen, dass Big Brother noch ein wenig Aufschub bekommt, bevor es auch im deutschen Fernsehen endgültig out ist.

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