Überblick

Das Jahr 2009 war kein sonderlich gutes Jahr für die US-Serien. An der Mainstream-Unterhaltungsfront gab es praktisch nichts neues, während allerdings die großen Popcorn-Serien wie „Prison Break“ oder „Heroes“ endeten oder in der Bedeutungslosigkeit verschwanden. Der ABC-Neuzugang „FlashForward“ startete mit großem Aufsehen, konnte aber, wie ich schon vorhersagte, nicht überzeugen. Bei den Sitcoms konnte keine der neuen Serien den bereits laufenden Hits das Wasser reichen. Einzig „Modern Family“ gilt bei vielen Kritikern als neuer Hit, ja als eine der wichtigsten Serien der letzten Jahre, dazu später mehr. Wer Comedys wie „It’s Always Sunny in Philadelphia„, „Curb Your Enthusiasm„, „How I Met Your Mother“ oder „Two and a Half Men“ noch nicht gesehen hat, braucht den Neuzugängen erst gar keine Chance geben. Auch im anspruchsvolleren Drama-Bereich sieht es mau aus: ein neuer Meilenstein auf dem Level eines „Mad Men„, „The Sopranos“ oder „The Wire“ ist auf weiter Flur nicht in Sicht. Fünf Serien, die echte Serienfans nicht verpasst haben sollten, habe ich dennoch gefunden.

Die besten neuen Serien 2009

Nurse Jackie (c) Showtime

Nurse Jackie mit der auch aus den Sopranos bekannten Edie Falco ist wahrscheinlich die beste neue Serie in diesem Jahr. Witzig, symphatisch und fies. Die düstere Comedy handelt von der tablettensüchtigen, taktlosen, aber auch gutherzigen Schwester Jackie Peyton, die zu allem Überfluß auch noch ihren Mann betrügt, im Krankenhausalltag aber eine gute Seele ist. Anfangs noch etwas auf Robin Hood und Racheengel (siehe Erstkritik) getrimmt, konzentrierte sich die Serie ab der zweiten Episode mehr auf die Charaktere und ihre Geschichten. Mit der versnobten, aber unaufgeregten britischen Ärztin O’Hara und der tapsigen Schwesternschülerin Zoey hat Jackie die besten Sidekicks an die Seite gestellt bekommen, die man sich vorstellen kann. Neben der grandiosen Dynamik der drei Figuren sehen die restlichen Charaktere der Serie ziemlich alt aus.

Erstkritik bei tvundso.com: Nurse Jackie

Parks and Recreation (c) NBC

Parks and Recreation ist, kurz gesagt, dasselbe wie das amerikanische „The Office“ – nur nicht im Büro, sondern in der öffentlichen Verwaltung. Im Mittelpunkt steht die mittlere Beamte Leslie Knope (SNLs Amy Poehler), die genauso wie Michael Scott in „The Office“ ja eigentliche das Gute will, aber meistens eher für Chaos sorgt und versagt. Meistens, nicht immer. Getreu dem Motto „Yes, we can!“ lässt sich Leslie, die in einem Ort namens „Pawnee“ einen Park anlegen will,  jedoch nicht kleinkriegen. Die politische Aufbruchstimmung in Amerika ist jedoch inzwischen schon wieder verflogen, so dass auch Parks and Recreation scheinbar wenig Freunde gewonnen hat. Neben „30 Rock“ und „The Office“ gehört die Mockumentary jedoch eindeutig zu den besten Sitcoms der letzten Jahre bei NBC. Die Qualität der Episoden schwankt allerdings zwischen grandios und langweilig.

Mehr zur Serie hier auf tvundso.com: Parks and Recreation

The Good Wife (c) CBS

The Good Wife, die starke Ehefrau, sei es nun Hillary Clinton oder Patricia Blagojevich (die Frau eines wegen Korrputionsverdachts dem Amt enthobenen Gouverneurs, die im US-Dschungelcamp war, er selbst geht zu Celebrity Apprentice) – die starke Ehefrau stand in den letzten Jahren öfter Mal im Mittelpunkt des Medieninteresses. Und da dieses Jahr ohnehin Frauenjahr war (Cougar Town, Accidentally on Purpose) durfte Juliana Margulies (Emergency Room) in „The Good Wife“ eine Anwältin spielen, deren Mann, ein Bezirksstaatsanwalt, wegen Korruptionsverdacht und Affären ebenfalls aus dem Amt und direkt in den Knast gehoben wurde. Für ihre Rolle wurde Margulies für einen Golden Globe nominiert, aber auch die anderen Charaktere, vor allem Christine Baranksi als Kanzleichefin und Archie Panjabi als Kanzlei-eigene Schnüfflerin sind großartig. Dazu leisten die Macher bei „The Good Wife“ hervorragende Arbeit bei Kamera, Schnitt und Ton. Leider allerdings bleiben die Stories, sowohl die Rahmenhandlung als auch die jeweiligen Gerichts-Fälle, hinter Schauspiel und technischen Werten zurück. Das dürfte wohl auch die Zurückhaltung der Kritiker erklären. Beim Publikum aber holt die Serie sehr gute Quoten.

Erstkritik hier bei tvundso.com: The Good Wife

Modern Family (c) ABC

Modern Family ist bei den Kritikern der Hit des Jahres. Der Grund ist simpel: Modern Family ist eine moderne Version der klassischen Familiensitcom, bei der es nicht nur am Ende jeder Episode, sondern auch ganz allgemein eine Moral gibt. Das was einst die „Cosby Show“ für die schwarze Community, Integration und Akzeptanz geleistet hat, das kann auch Modern Family leisten – für Schwule, Patchworkfamilien und Migranten. Das Vorhaben gelingt so behutsam und unproblematisch, dass die Serie natürlich beim gesamten Publikum Akzeptanz finden musste. Und außerdem ist ja auch Al Bundy, also Ed O’Neill, mit dabei, als Familienoberhaupt. Die Mockumentary funktioniert zusehends besser und dürfte noch eine große Zukunft vor sich haben. Für junge Erwachsene und Singles allerdings, und eigentlich auch für alle die keine Durchschnitts-Amerikaner sind (und also Homosexualität völlig normal finden) dürfte die Sitcom nicht von vorrangigem Interesse sein.

Erstkritik hier bei tvundso.com: Modern Family

Glee (c) FOX

Glee, die Musical-Comedy von Fox, die gerade pausiert (obwohl man sie nach American Idol zeigen könnte, aber es gibt nicht genug Material) war vor allem bei den jungen Zuschauern dieses Jahr der Hit. Wo auch immer man im Internet hingeschaut hat, die „Gleeks“ hinterließen ihre Spuren. Vor allem bei Twitter und auf zahlreichen Fanseiten. Die herrlich überzogene, oft aber auch überhastet und unkoordiniert wirkende, manchmal comichafte Serie schaffte es auch zahlreiche Kritiker für sich zu gewinnen. Besonders Jane Lynch als fiese Cheerleader-Trainerin „Sue Sylvester“ wurde zu einer neuen Kultfigur im US-Fernsehen. Die Qualität der Musik schwankt zwischen genial und fremdschämig, bildet damit aber den idealen Soundtrack einer an die Popkultur verschwendeten Jugend. Herrlich bunt, erfrischend, kitschig und emotional. Manchmal aber wirken leider die Macher in ihrem Werk von dem Potenzial der Serie erschlagen. Interessant dürfte auch die Frage sein, wie lange die Halbwertszeit der Serie letztlich ist.

Mehr zur Serie hier auf tvundso.com: Glee