The X Factor (c) ITV

Neu vom 2. August 2010: Kritik zur ersten deutschen Sendung von X Factor

Neu vom 07. Juli 2010: X Factor Deutschland ab 20. August

Es ist die erfolgreichste Casting-Show Europas: The X Factor. 2010 bringt VOX die Show mit Unterstützung von RTL auch auf die deutschen Bildschirme. Medienjournalisten spekulieren, dass X Factor im Zeitraum zwischen DSDS (Jahresbeginn) und Supertalent (Herbst) ausgetrahlt werden soll.

Vor über einem Jahr habe ich mal in einem Beitrag auf diesem Blog besprochen, was RTL und DSDS von The X Factor lernen könnten. In dem Artikel erfahrt ihr, wenn ihr es noch nicht wisst, worin sich DSDS und X Factor überhaupt unterscheiden. Denn die Frage ist berechtigt und die Antwort ist im Prinzip wie bei Coca Cola und Pepsi: Eigentlich gar nicht, schmecken nur ein bisschen anders. Historisch gesehen liegt es einfach daran, dass Simon Cowell, der wohl weltbekannteste Casting-Juror, einfach ein eigenes Produkt mit voller Kontrolle haben wollte, die er bei Pop Idol (also American Idol) nicht hat, und bei dem er zugunsten seines US X Factors aussteigen wird.

VOX selbst hebt in seiner Beschreibung von X Factor insgesamt drei Unterscheidungsmerkmale hervor: X Factor steht allen Altersgruppen offen, es können auch Duetts und Gruppen teilnehmen und im Verlauf der Show werden drei Juroren zu Mentoren einzelner Kandidaten. Entsprechend gehe ich davon aus, dass es drei Gruppen von Kandidaten geben wird: 16-24Jährige, über 25 Jahre und Gruppen/Duette. In England sind die 16 bis 24Jährigen zusätzlich in Boys und Girls geteilt, dort gibt es vier Juroren.

In der Praxis ist mir aufgefallen, dass die X Factor Shows, so wie hier im IOFF, in den Internetforen immer mit besonderem Hinblick auf die musikalischen Leistungen diskutiert werden. Hier ist natürlich zu hoffen, dass VOX, RTL und Produktionsfirma Grundy Light (die auch DSDS und Supertalent machen) genau darauf auch Wert legt. Drüben beim Fernsehblog läuft nämlich gerade eine Diskussion über die Qualität unter anderem auch von DSDS, das seit Jahren immer mehr zur Freakshow verkommt, die auf niedere menschliche Instinkte setzt. Würde das deutsche X Factor einfach eine Forsetzung dieses Produktionsprozesses werden, wäre das natürlich extrem enttäuschend. Aber das können sie nicht vorhaben, oder?

Noch eine andere Sache ist in diesem Zusammenhang interessant: die Zuschauer von DSDS und Pop Idol werden offenbar immer älter: Ist es vielleicht Zeit für einen Generationenwechsel durch ein neues Format? Und die ganz junge Zielgruppe hält ProSieben mit seiner Miniplaybackshow Popstars besetzt. Gleichzeitig wurde in diesem Jahr ziemlich deutlich: über das Fersehen lässt sich prima Popmusik verkaufen. Die gerade laufende sechste Staffel von The X Factor dominiert in Großbritannien die Charts. Egal ob die Gewinnerin der dritten Staffel, Leona Lewis, Vorahresgewinnerin Alexandra Burke, Jurorin Cheryl Cole oder die gemeinsame Single der 2009er Kandidaten: es wird alles gekauft, wo X Factor draufsteht.

Kritisch gegenüber dieser Entwicklung fragte der Guardian vor kurzem: Is The X Factor killing Pop? Fakt aber ist: es funktioniert, warum auch immer. Popmusik auf der Insel ist derzeit The X Factor. Und Comeback-willige Popstars wie Robbie Williams oder Whitney Houston, sowie aktuelle Stars wie Alicia Keys, Rihanna, Shakira oder Black Eyed Peas freuen sich über einen der begehrten Plätze für eine Performance in den Result Shows. Übrigens ist The X Factor auch, anders als DSDS oder Pop Idol die einzige Casting Show mit deutlich steigenden Einschaltquoten.

RTL hatte sich wohl schon 2006 die Rechte an X Factor über sogenannte „Optionszahlungen“ gesichert. Danach waren sie erstmal „in der Schublade verschwunden“. Vielleicht um zu verhindern, dass ein Konkurrent das Format umsetzt, oder aus den Gründen, die RTL Unterhaltungschef Tom Sänger 2007 in einem DWDL-Interview nannte: „Unsere Überlegung bei diesem Format ist ganz einfach: Was würde der Start von ‚X-Factor‘ für ‚DSDS‘ bedeuten? Die Abwägung, ob man ‚DSDS‘ fortsetzen kann, wenn man ‚X-Factor‘ startet oder ob beide Formate auf dem deutschen Markt Platz haben, ist noch nicht abgeschlossen.“

Der Branchendienst Meedia hat nun erfahren, dass zuletzt auch Sat.1 versuchte, die Rechte an „The X Factor“ zu erwerben. Die Mediengruppe um den Sender hatte Simon Cowell, dessen Firma Syco die Show in UK produziert, offensichtlich eine Ausstrahlung in diesem Herbst zugesichert. Denn: die Nichtnutzung der Rechte durch RTL sei dem Briten immer ein Dorn im Auge gewesen. „RTL wollte dieses Sat.1-Angebot nicht auf sich sitzen lassen und überbot es. Lieber wollte man die Show für viel Geld selbst zeigen, als sie der Konkurrenz zu überlassen“, schreibt Meedia.

Ob sie wollen oder nicht, jetzt müssen sie, RTL, VOX, Grundy, The X Factor also letztlich stemmen. Der Bewerbungsaufruf für das deutsche X Factor startet bereits im Januar. VOX wird sich insgesamt einige Hilfe von RTL holen, beide Sender gehören ja zu selben Sendergruppe. So wird RTL X Factor mit der Ausstrahlung der ersten Show anschieben, bekommt dafür aber am Ende auch die Ausstrahlung des Finales. Über 12 Shows sollen es insgesamt werden, heißt es in den Medienberichten (siehe unten) heute.

Ich persönlich freue mich über die Entscheidung eine deutsche Version von The X Factor zu produzieren. In den Medienberichten ist heute vor allem das Element der Mentorenschaft durch die Jury beschrieben, dass mir gut gefällt (beim Original „hasse“ ich Louis Walsh und „liebe“ Dannii Minogue, habe also Spaß daran, wenn der eine mit seinen Kandidaten scheitert, die andere Erfolg hat). Das ist allerdings nur einen Nebenaspekt. Ob man darum die gesamte Show aufbauen wird, um sich von DSDS deutlich zu unterscheiden? Klar ist doch sicherlich: Die Unterscheidung muss über die (musikalische) Qualität erfolgen.

Fakt ist ja: Wenn RTL/Grundy sich entscheiden, kein Risiko einzugehen, und einfach eine Kopie von DSDS machen, die auch qualitativ das niedrige Niveau des Primus nicht überschreitet, dann werde ich damit keinen Spaß haben. Zwar hat RTL mit dem Dschungelcamp bewiesen, dass sie auch eine richtig richtig gute Reality machen können, doch der Dschungel wird von Granada produziert. Die großartige BBC-Reality „The Apprentice“ hat Grundy Light hingegen 2004 in den Sand gesetzt. Aktuell zeigen sie auch wenig Gespür für gutes Fernsehen bei „Das Supertalent“. Da ist Skepsis sicher verständlich. Fakt ist: Sollte The X Factor eine weitere eher primitive Trash-Show werden, dann wissen wir: RTL/Grundy wollen oder können gar nicht anders. Bis dahin hoffe ich auf das Gegenteil.

Quellen: DWDL, Die Zeit, via: Quotenblogger

Mehr X Factor hier bei tvundso.com

Außerdem: DSDS 2010: Nur noch beschissen

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Info 03.02.2010: Dieter Bohlen wird nicht Juror bei X Factor


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