Wissenschaftler King, Polizistin Flint: Empfangen Bilder aus der Zukunft (c) BBC

Polizeiermittlungen verbunden mit ein wenig Sciences Fiction, das ist ein bewährtes Konzept.  Die neue BBC Serie „Paradox“ erinnert daher auch direkt an ganz viele anderen Serien, die ein ähnliches Thema hatten, oder sich ähnlich anfühlen. Ohne sich jedoch irgendwie von diesen abzuheben, soviel sei schonmal gesagt.

In der britischen Presse wird „Paradox“ vor allem mit „Life on Mars“ verglichen, in der ein Polizist in die Vergangenheit reist. Näher liegt allerdings der Vergleich mit „FlashForward„, das vor einigen Wochen auf ABC gestartet ist (und in UK auf Five), in der die Menscheit für einen kurzen Moment in die Zukunft sehen (träumen) konnte. Um eigentlich aber noch genauer zu sein, könnte man noch „Early Edition“ aus den 90ern erwähnen, in der ein Börsenmakler die Zeitung vom nächsten Tag bekommt und entsprechende Unglücke verhindern muss.

Ok, und jetzt sind wir wirklich bei „Paradox“. Das nämlich geht so: Der nüchterne, leicht merkwürdige Physiker Dr. Christian King empfängt auf seinen komplizierten Gerätschaften und Computermonitoren eine Art Botschaft aus der Zukunft. Die zeigt Bilder eines möglichen Unglücks, darunter eine zerstörte Brücke und ein totes Mädchen. Ein Zeitstempel scheint darauf hinzudeuten, dass das die Bilder 18 Stunden in der Zukunft gemacht wurde. King verlangt nach einer Kommissarin mit entsprechender Vorstellungskraft und findet sie in in Rebecca Flint (Tamzin Outhwaite). Zwischen beiden konstruieren die Autoren ein zunächst etwas zielloses Gegensatzpaar.

Kings wirft ein, dass neben der Möglichkeit, die Bilder stammten aus der Zukunft, es auch sein eigener Plan für einen Bombenexplosion sein könne. Schön wäre an diesem Punkt etwa gewesen, wenn das eine nüchterne wissenschaftliche Feststellung wäre, doch die Autoren entscheiden sich dafür die Zuschauer mit dem Entstehen des Bildes des verrückten Wissenschaftlers in die Irre zu führen, nur um kurze Zeit später eine dritte, die langweiligste Erklärung für seinen Einwurf zu liefern:

„You suggested, you may have planted a bomb. Why?“
„To get your attention“
„Why would you need my attention?“
„You don’t think you’re worth my interest?“

Die Frage, was hinter dem Blick in die Zukunft steckt, bleibt zunächst offen, dient allerdings am Ende nochmal dazu, unsere beiden Protagonisten (zwei weitere Polizeiermittler bleiben erstmal nicht in Erinnerung) gegeneinander zu setzen:

„Where did they [photos] come from?“
„Can’t answer that.“
„Can’t or won’t? Aliens? God? Maybe this is prove god does exist, he made the world and everything in it. If anyone knows, what’s gonna happen next, he should.“
(…)
„I’m a physicist. Prove means something different to me.“
„What does that mean? 74 people died today. Is it going to happen again.“
„Until it is established what the ‚it‘ in this context means, I don’t know.“
„I saw… We saw the future today. We saw the future burn right in front of us…“

Die kühlen, logischen Antworten des Wissenschaftlers, und die emphatische, fast schon religiöse (also eigentlich menschliche) Polizistin, das funktioniert hier leider nicht so richtig. Denn nicht nur Dr. King wirkt unterkühlt, alle Personen in dieser Episode sind es, so auch Polizistin Flint, und auch die Bilder, sehr grau, farblos, fast schon trist. „Warum sieht jeder, ohne Ausnahme, so verdammt unglücklich aus“, fragt der Telegraph in seiner Kritik.

Statt unglücklich könnte man auch bierernst sagen. Mir hat das ganz gut gefallen. Es macht das ganze irgendwie realer, so wie einen normalen TV Krimi. Nicht wie eine Scifi-Serie. Und dadurch wird das Thema mit dem Blick in die Zukunft interessanter, als es etwa bei FlashForward ist. Dort erwartet man irgendwie ganz viel Action, Verschwörungen, Aliens und was weiß ich. Bei „Paradox“ erwartet man viel weniger, so dass so ein kleines Foto aus der Zukunft gleich viel spannender ist. Auch gut gegenüber FlashForward ist die Geschwindkeit der Serie, die im letzten Drittel teilweise in Echtzeit abläuft und für Momente richtig spannend wird.

Dennoch: es stellt sich natürlich die Frage, was das alles soll. Also nicht die Sache mit den Bildern aus der Zukunft, sondern die Serie überhaupt. Es ist zwar so, dass man sie sich durchaus anschauen kann, aber weder ist die Geschichte innovativ noch gibt sie Anlass irgendetwas besonderes zu erwarten. Eigentlich sollte auf diesem Sendeplatz vermutlich die zweite Staffel des hervorragenden Remakes des Serienklassikers „Survivors“ laufen. Doch wegen der Schweinegrippe soll die BBC die Serie verschoben haben. Und das finde ich ja nun wieder total „paradox“.

Paradox, Polizei-Mystery-Drama, BBC, seit 24. November 2009 (5 Episoden)