Glee: The Music

Glee: The Music

Von allen neu gestarteten amerikanischen TV Shows ist die Musical-Comedy „Glee“ zumindest was den Kultfaktor betrifft derzeit die erfolgreichste. Zwar erreicht die Serie gerade Mal etwas über 7 Millionen Zuschauer und ein solides 3.x Rating in der Zielgruppe, aber wenn die aktuelle Folge über den Sender Fox geht, dann spricht die ganze Welt darüber, oder zumindest jene die sich am Puls der Popkultur wähnen: sichtbar etwa in den Trending Topics bei Twitter, wo Glee genauso selbstverständlich und in vielsprachigen Tweets zu finden ist, wie „X Factor“. So zumindest meine Beobachtung.

Bereits vor dem Erscheinen des Albums in diesem November, hatten sich die Single-Auskopplungen aus dem Soundtrack erfolgreich verkauft. „Don’t Stop Believing“ aus der Pilotepisode schaffte es sogar bis auf Platz 5 der amerikanischen Single-Charts. Das erste Album steht auf dem vierten Platz der US-Albumcharts, in Australien auf Platz 3. Damit ist Glee sicherlich kein Überflieger, kann sich aber seiner Fans sicher sein. Die nennen sich übrigens „Gleeks„. Eine feste Identifikation mit der Marke, ja fast schon eine Jugendbewegung ist innerhalb kürzester Zeit aus der TV Show entstanden.

Das auch in Deutschland erhältliche erste Soundtrack Album enthält 17 Songs aus den ersten Episoden der laufenden Staffel. Der absolute Knaller ist „Maybe This Time„, in dem Serienstar Lea Michelle (Rachel) und Schauspielerin Christin Chenoweth im Duett Duell gegeneinander ansingen, eine besser als die andere. Vor dem Original von Liza Minelli braucht sich dieses Stück keineswegs zu verstecken. Auch die Episode „The Rhodes Not Taken“ in der beide Sängerinnen gegeneinander montiert wurden, und Gaststar Chenoweth überhaupt eine überaus gute Figur machte, sich schnell in die Serie einfühlte, war schon ein Highlight.

Nicht nur „Maybe This Time“ auch viele weitere Songs auf dem Soundtrack verweisen auf Glück, Schicksal, Glauben. „Don’t Stop Believing“ heißt es im Cover von Journey, „Taking Chances“ in einem Cover von Celine Dion. Wie auch die Serie: Glee ist reiner Eskapismus und trifft damit auf einen Zeitgeist, der gerade auch in Europa angekommen ist, in Amerika aber eigentlich schon immer normal war. Fernsehen als billiger Trostspender nicht mehr nur für Teens mit dem ersten Liebeskummer und traurige Außenseiter. Für beide gibt es aber auch zahlreiche passende Songs. Besonders hervorzuheben ist auch hier ein weiteres Mal die großartige Lea Michelle mit ihrem traurig-beherrschtem „Take A Bow“ (Rihanna).

Gleichwohl, eine der Stärken der Serie ist die gewisse Ironie mit der Glee an sein Thema herangeht. So postuliert Rachel während sie ein MySpace aufnimmt in der ersten Episode, Ruhm nichtmehr Reichtum sei nun der wichtigste Wert in unserer Gesellschaft, und zum Running Gag wurde die Frage, wann Cheerleaderin Quinn nun eigentlich mal ihr Cheerleader-Outfit auszieht, dass sie wirklich immer trägt. Das humoristische Highlight aber freilich ist Jane Lynch, die als ewiges Talent und Nebendarstellerin in Glee endlich eine größere Rolle spielen kann. Ihre Figur, die Gegenspielerin des Chorleiters Will Schuster, Sue Slyvester, bekommt eine Kolumne im Lokal-Fernsehen:

„You know, I’m tired of hearing people complain: ‚I riddle with this disease‘ or ‚I was in that tsunami‘. To them I say: ‚Shake it up a bit! Get outta your box! Even if that box happens to be where you’re living.‘ I’ll often yell at homeless people: ‚Hey, how’s that homelessness workin‘ out for ya? Give not being homeless a try, huh?'“ (via)

Und weil eine Serie wie Glee eine emotionale Karusellfahrt ist, wie der Hormonhaushalt eines Teenagers eben, gibt es auf dem Album natürlich nicht nur Träume und Tränen, sondern auch ein paar R&B-Nummern, die ohne die seltsamen Playback-Vorführungen, die der Cast in den jeweiligen Episoden hinzappeln muss, auch gar nicht mehr so fremdschämig wirken. Kanye Wests „Gold Digger“ und Young MCs „Bust a Move“ jedenfalls kann man sich gut anhören. Sogar „Sweet Caroline“, dass man in der Serie politisch unkorrekt mit keinem anderen Wort als „gay“ beschreiben konnte, gewinnt auf dem Album.

Um es also auf den Punkt zu bringen: Für Fans ist „Glee: The Music“ eine unausweichliche Achterbahnfahrt durch fast vergessene Teenager-Jahre. Und für alle die noch Teenager sind, ist es zugleich Soundtrack eines Lebensabschnitts, den Glee, Musik wie Show, einfängt wie kein anderes Popkultur-Produkt derzeit. Da vergisst man gerne auch die „Growing Pains“, die die mitunter gehetzt und unkoordiniert wirkende Serie selbst noch zu haben scheint.

Das zweite Album erscheint übrigens bereits am 8. Dezember.

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