Über das Videoportal „Videoload“ der Deutschen Telekom sowie über deren Internet-TV-Paket (IPTV) in „T-Home“ ist es ab sofort möglich, ausgewählte US-Serien zeitnah und legal in Deutschland anzusehen. Zu den empfangbaren Serien gehören die aktuellen Staffeln von „Grey’s Anatomie“, „Desperate Housewifes“, „Private Practice“ und demnächst „Lost“. Es sind also nur Serien des Networks „ABC“ verfügbar, mit dem die Telekom eine Vereinbahrung getroffen hat. Die neuesten Folgen sollen Medienberichten zufolge „wenige Tage nach der US-Ausstrahlung“ zum Abruf bereit sein.

Die Serien-Episoden werden bei Videoload oder T-Home nicht gekauft, sondern nur für 24 Stunden geliehen. Der Preis liegt für eine Episode bei 2,49 Euro, in HD-Qualität 2,99 Euro. In den USA hingegen werden bei vergleichbaren Angeboten die Episoden direkt verkauft und können also anstelle einer DVD für immer behalten werden. Zudem gibt es Staffelpässe. Beides ist in Deutschland nicht möglich. Hat eine Serienstaffel also 22 Folgen kommt man auf einen Preis von 54,78 Euro (ohne HD) für eine Season, also etwa soviel wie die DVD-Veröffentlichung kosten würde. Da die Serienfolgen aber nur geliehen werden, muss die DVD extra gekauft werden: so verdoppeln sich mal schnell die Kosten für Serienfans. Ob zu allem Überfluß die deutschen Untertitel nicht abschaltbar sind, habe ich nicht in Erfahrung bringen können.

In den vergangenen Jahren haben dank Internet-Tauschbörsen wie Bittorent und Breitbandanschlüssen die illegalen Downloads von Serien aus dem Internet rasant zugenommen. Spitzenreiter ist die Mysterie-Serie „Heroes“, die fast 55 Millionen Mal aus dem Netz geladen wurde, wie eine amerikanische Studie vor kurzem zeigte. Internetseiten wie eztv oder mininova bieten täglich die neusten US-Serien schon wenige Stunden nach der Ausstrahlung. Mit ein paar Tricks lassen sich die Serien auch bei iTunes im US-Store kaufen. Oder man zapft per Sat-Schüssel einfach den ein oder anderen europäischen Sender an, dort laufen teilweise unverschlüsselt so manche US-Serienhits ebenfalls zeitnah im TV, derzeit etwa FlashFoward auf Five in UK.

Bei so vielen Möglichkeiten die Lieblingsserien und neuesten Serienhits zu schauen, sobald sie im US-TV laufen, lohnt sich da Videoload und T-Home überhaupt? Für den versierten Serienfan nicht. Eine Grundregel darüber wie man ein kommerzielles Angebot gegenüber den illegalen Tauschbörsen positioniert, besagt: man soll besser sein als die illegale Konkurrenz, einen Mehrwert bieten. Denn mit der moralischen Keule allein ist kaum ein Kunde zu gewinnen. Macht man dem Kunden die legale Nutzung im Gegenteil sogar noch unnötig schwer, legitimiert man eher die illegale Nutzung unfreiwillig. Das hat die Erfahrung gezeigt.

Das US-Serien-Angebot bei Videoload und T-Home ist eingeschränkt (nur ABC), teuer, kann nur geliehen werden und besitzt zu allem Überfluß auch noch DRM, weshalb es auch nicht auf Apple-Computern funktioniert. DRM ist nicht nur ein Kopierschutz, sondern schafft quasi die Möglichkeit des Eigentums (und der freien Verfügbarkeit darüber) ab: es ist also die Gegenentwicklung dessen, was im Internet passiert: dort kann jeder alle Serien für immer besitzen und archivieren (und Musik, Software, Filme…). Peter Glaser hat DRM ironisch mit der Möglichkeit des verspäteten Siegeszugs des „Kommunismus“ (!) beschrieben:

Im Widerspruch zu einem marktwirtschaftlich frei fließenden Datenstrom stehen die Einkapselungen der Inhalte in die Datenkäfige des Digital Rights Management (DRM). „Eigentum ist Diebstahl“ erhält auf diese Weise eine ganz neue Bedeutung, denn ginge es nach dem Willen von DRM-Falken, würde es ein Eigentum der Nutzer an digitalem Gut gar nicht mehr geben. Bücher, Musik, Filme, Spiele oder Software, die diesen neuen Beschränkungen unterliegen, kann man quasi nur noch ausleihen – wie ein Kolchosegerät. Bei einer solchen Neubewertung des Urheberrechts scheint es im Kern darum zu gehen, das Privateigentum abzuschaffen. Der Kommunismus ist an dem Versuch gescheitert. Soll der Idee nun mit den Mitteln des digitalen Kapitalismus doch noch zum Sieg verholfen werden?

Es gibt also sehr viele Gründe, die dagegen sprechen, dass informierte Zuschauer und Kunden das Angebot von Videoload und T-Home in Anspruch nehmen. Die also weiterhin die anderen in diesem Text genannten Möglichkeiten nutzen werden. Auf ein faires Angebot, wie Abo-Pakete für neueste Serien im Pay-TV oder eben Flatrates werden Serienfans noch eine Weile warten müssen. Ob das Angebot von Videoload/T-Home das Tor dahin öffnet/öffnen soll, ist schwer zu beurteilen. Im Grunde wird es den meisten Nutzern auch egal sein, solange die Telekom kein Stoppschild vor die Internettauschbörsen stellt.

Quellen: dwdl, golem, Videoload-Angebot: Hot from the US

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