NBCs neue Action-Serie über ein Team von Rettungssanitätern in San Francisco überzeugt in der Pilotfolge nicht nur mit ordentlich Action (Bilder (c) NBC), sondern auch mit überraschend tiefgründigen Charakteren und einem menschlichen Touch.

Der Hintergrund der Serie ist schnell – Achtung – gespoilert: Das Team von Rettungssanitätern bzw. einige von deren Kollegen wurde selbst Opfer eines unglaublich tragischen Unglücks. Zwei Rettungshubschrauber (Bild rechts) kollidierten in der Luft, Kollegen und Freunde starben. Die Handlung setzt schließlich ein Jahr nach dem Unglück ein, das in den ersten Minuten des Piloten die Zuschauer (überraschend, wenn man nicht einen Artikel wie diesen vorher gelesen hat) an den Fernseher fesselt. Mit einem großen, aufwändig gefilmten und inszeniertem Verkehrsunfall (Bild links) wird dann im Heute direkt nochmal nachgelegt.

Gute Hintergrundgeschichte und feine Action, das gefällt schonmal, doch im letzten Drittel des Piloten zeigt „Trauma“ noch ganz andere Stärken: es widmet sich der verblüffend intelligenten (in Bezug auf das Genre) Zeichnung der Hauptcharaktere.

Sanitäter Cameron Boone hat das Unglück von vor einem Jahr noch nicht verarbeitet und spricht mit dem gerade zurück gekehrten (aus dem Koma erwachten) Reuben „Rabbit“ Palchuk:

Every night for 13 years at the end of the early shift, I went home. But not that night. Rabbit, I could not bring this home. And I still can’t. I can’t bring this home to my family, to my wife and my kids. Do you understand. […] Who do I take this to? You know, who do I talk to?

Der mit dem Cameron da spricht, Rabbit, scheint auch einer der interessantesten Charaktere zu sein. Er hatte das Unglück überlebt und scheint sich jetzt auf unangenehme, fast schuldige, Weise unzerstörbar zu fühlen.

Die Rettungssanitäterin Nancy Carnahan, die ihren Freund verloren hat, belastet ihr Beruf seit dem Vorfall. In diesem Piloten konnte sie ein Unfallopfer nicht retten. Sie spricht mit dem Unfallarzt Dr. Joe Saviano:

Saviano: You run so fast all of you. You miss the point entirely

Nancy: There is a point?

Saviano: Yes, indeed. People get hurt, some get saved, a lot die. That happens all over again.

Später sehen wir die Charaktere in einer typischen Emergency Room-Stimmung untermalt von dem äußerst passenden Song „Hands Of Time“ von Groove Armada nach Hause kommen. Einer kehrt zu seiner Familie zurück, eine telefoniert mit ihrer besorgten Mutter, einer ist alleine zu Hause, schlaflos. „You can’t pick the days Nancy“, hatte Dr. Saviano noch gesagt. „Nor what happens in ‚em“.

Trauma, Rettungsaction, NBC, seit 28. September 2009, offizielle Website

Update 29.10.: NBC hat „Trauma“ abgesetzt. Die ersten 13 Folgen werden allerdings noch abgedreht. Schade.

ustv0910

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