[picapp src=“2/5/8/9/Deutscher_Fernsehpreis_2009_90b4.jpg?adImageId=5103020&imageId=6295042″ width=“423″ height=“594″ /]

Der Deutsche Fernsehpreis 2009 ist ohne Eklat über die Bühne gegangen. Die von Sat.1 ausgerichtete Veranstaltung machte nach dem Debakel im vergangenen Jahr vor, wie man einen solchen Preis angemessen ausrichtet. Thomas Gottschalk, Senta Berger, Josef Harder, Claus Kleber und die TV Helden gehören zu den Gewinnern 2009.

Am Samstag präsentierten Anke Engelke und Bastian Pastewka in ihren Rollen als die Volksmusikstars Wolfgang und Anneliese Funzfichler die 11. Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Übertragen wurde die Verleihung in diesem Jahr 2009 live von Sat.1. Laudatoren waren unter anderem Ina Müller, Johannes B. Kerner, Alice Schwarzer und Hannelore Elsner. Als Musik-Act war Jan Delay geladen. Alfred Biolek erhielt den Ehrenpreis, viel Applaus und eine lange Laudatio von Alice Schwarzer. Anders als Marcel Reich-Ranicki im vergangenen Jahr zierte er sich nicht, den Preis anzunehmen, der von zwei Kindern aus Nairobi überreicht wurde. Bioleks Kommentar: „Verehrter Marcel Reich-Ranicki, ich bitte um Verständnis, ich nehme den Preis an!“

Ein Highlight des Abends: Engelke und Pastewka sorgten mit Selbstironie dafür, dass der vorab kritisierte Preis moderationstechnisch gut dastand: „Sie wissen ja der Fernsehpreis hat ein ganz großes Herz. Deswegen wurden auch in diesem Jahr ein paar Sendungen nominiert, die nicht so gut sind“. In einem Einspieler wurden Wolfgang und Anneliese mit Szenen aus nominierten Filmen zu einem „neuen“ Film montiert. Auch das nicht unbedingt schlecht gemacht. Und gesungen wurde natürlich auch.

Ein weiterer guter Gag des Moderationsduos: „Man kann sichs vielleicht gar net mehr vorstellen, aber auch a Sonya Kraus war mal jung“. Und beim 30.000 Euro Förderpreis für sechs Nachwuchsschauspieler aus “ Die Wölfe“: „30.000 Euro! Das reicht ja fast für ein halbes Drehbuch von Doris Heinze!“ Ein weiterer Förderpreis geht an die junge Filmemacherin Eva Stotz.

Thomas Gottschalk gewann mit seiner Ausgabe von „Wetten, Dass…?“ vom 13. Dezember 2008 den Preis für die Beste Unterhaltungssendung/Moderation und sprach in seiner Dankesrede wie immer in letzter Zeit im Fernsehen über die Zielgruppe (er hat Probleme mit den Quoten in eben jener).

Bester Schauspieler in einer Hauptrolle wird Josef Hader im Film „Ein Halbes Leben“. „Tja, jetzt kann man auch nix mehr machen“, kommentierte Harder kabarettistisch den Preis. In der Schule sei er immer schlecht im Sport gewesen und habe daher nie was gewonnen. Wenigstens beim Fernsehen hat es jetzt geklappt. Dem ZDF dankte er für die großartige Gage. Das Publikum war amüsiert. Haders weiblicher Gegenpart wird Senta Berger, die den Preis als beste Schauspielerin für ihre Rolle in „Schlaflos“ gewinnt. Es ist tatsächlich ihr erster Fernsehpreis.

Als beste Reportage wird „Die Bombe“ (ZDF) ausgezeichnet, die von Nachrichtenpräsentator Claus Kleber journalistisch verantwortet wurde. Er nutzte die Laudatio um dem zeitweise politisch umstrittenen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender den Rücken zu stärken. Das ZDF ist ebenfalls der Gewinner des Preises für die beste Wahlsendung, das ZDF-Wahlforum, und für die Übertragung der Leichtathletik-WM als beste Sportsendung.

Bester Fernsehfilm wird das Flugzeug-Entführungsdrama „Mogadischu„, das bereits den Bayerischen Fernsehpreis und Die Goldene Kamera gewann. Bester Mehrteiler ist „Wir sind das Volk„. Dieser Preis geht damit an den Gastgeber des Abends: Sat.1 – und bleibt der einzige des Senders. Der Preis wurde zum ersten Mal verliehen.

Beste Serie ist „Der Lehrer„, womit auch RTL mal einen Preis gewinnt. Jedoch muss man dazu sagen, dass alle Nominierten in dieser Kategorie nicht gerade das Beste sind, was Fernsehen sein kann, sondern auch nur Mittelmaß. Hier zeigt sich, wie schlecht deutsche Fiktion in Sachen Serie ist. In der Dankesrede wurden dann dennoch auch böse Seitenhiebe an das deutsche Feuilleton verteilt, das „Der Lehrer“ verissen hatte. Dieses reflexartige „Jetzt beiss ich mal zurück“ der (des) RTL-Preisträger(s) ist auch schon aus dem vergangenen Jahr (DSDS) bekannt. In vielerlei Hinsicht der Tiefpunkt der Sendung.

Beste Comedy-Show ist schließlich „TV Helden„, das sich nach Aussage der Jury jenseits des klassischen Kabaretts ihr eigenes Humor-Territorium abstecke. Die taktlose Comedyshow lief kurzzeitig bei RTL, jetzt bei Harald Schmidt. Ironischer Kommentar: „Vielen Dank an RTL für den langen Atem, dass wir nicht gleich nach der ersten Sendung abgesetzt wurden (sondern nach der 2.)“.

Die Preisverleihung war in diesem Jahr eine deutliche Steigerung gegenüber der peinlichen Sendung mit dem Reich-Ranicki-Eklat im vergangenen Jahr im ZDF. Auf schreckliche Comedy-Auftritte wurde verzichtet, Anke Engleke und Bastian Pastewka waren ungleich witziger, drängten sich jedoch nicht unnötig in den Vordergrund. Viele Laudatios und Dankesreden waren kurz und pointiert (Silke Zertz/Drehbuch: „Also erstmal: mich gibts wirklich…“, Anna Fischer).

Einige (technische) Kategorien wie Kamera, Schnitt oder Musik wurden in den Werbepausen verliehen, was gegenüber den Geehrten irgendwie eine kleine Frechheit ist. Allerdings: auch bei den Oscars könnte es 2010 ähnlich zu gehen.

Sat.1 hat seine Sache gut gemacht, aus der Kritik aus dem vergangenen Jahr gelernt und eine unaufgeregte, kurzweilige und aufs Wesentliche konzentrierte Preisverleihung inszeniert. Im Mittelpunkt standen wieder die, die dort auch hingehören: Die Ausgezeichneten. Ein Highlight der Samstagabend-Unterhaltung ist und bleibt die Veranstaltung aber natürlich nicht.

Nachtrag 27.9.: Die Quoten des Deutschen Fernsehpreises 2009 waren sehr schlecht. Gegenüber 2008 verlor der Preis rund 3 Millionen Zuschauer, das ist ein Einbruch um 70 Prozent, schreibt Dwdl. Die Zahlen: 1,34 Millionen Zuschauer, 5,2 Prozent MA gesamt und 6,9 Prozent MA in der Zielgruppe.

Alle Nominierten und Gewinner (fett) des Deutschen Fernsehpreises 2009 (nach dem Klick):

Bester Fernsehfilm:

  • Ein halbes Leben (ZDF/ORF/Allegro Film Produktions GesmbH)
  • Ihr könnt euch niemals sicher sein (ARD/WDR/Cologne Film GmbH & Co. KG)
  • Mogadischu (ARD/Degeto/SWR/BR/teamWorx Television & Film GmbH/Telepool/EOS Entertainment GmbH/ZEN productions)

Bester Mehrteiler:

  • Die Patin – Kein Weg zurück (RTL/ORF/teamWorx Television & Film GmbH/ZEN productions)
  • Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen (Sat.1/ORF/Olga Film GmbH)
  • Die Wölfe (ZDF/Ziegler Film GmbH & Co. KG)

Beste Serie:

  • Franzi (BR/Infafilm GmbH Manfred Korytowski)
  • Lasko – Die Faust Gottes (RTL/OFR/action concept Film- und Stuntproduktion GmbH)
  • Der Lehrer (RTL/Sony Pictures Film und Fernseh Produktions GmbH)

Beste Dokumentation:

  • Berlin – Ecke Bundesplatz (3sat/WDR/RBB/Känguruh-Film GmbH)
  • Die Deutschen (ZDF/Gruppe 5 Filmproduktion GmbH)
  • Freundschaft! Die Freie Deutsche Jugend (ARD/NDR/WDR/RBB/HMR Produktion GmbH)

Beste Reportage:

  • Die Bombe (ZDF/CineCentrum Film- und Fernsehproduktion mbH)
  • Gut sein auf Probe – Ein Egoist engagiert sich (ARD/WDR/good karma productions – all media)
  • Die Weggeworfenen – Geschichte einer Abschiebung (ZDF/cine plus Media Service GmbH & Co. KG)

Beste Unterhaltungssendung/Moderation:

  • Schlag den Raab (ProSieben/Brainpool TV GmbH)
  • Wetten, dass..? vom 13.12.2008 (ZDF/ORF/SF)
  • Willkommen bei Mario Barth (RTL/Hauptstadt Helden TV Produktion GmbH/small unit production GmbH)

Beste Comedy:

  • heute show mit Oliver Welke (ZDF/Prime Productions GmbH)
  • Hape Kerkeling für seine Figur Horst Schlämmer (am Beispiel der Live-Pressekonferenz vom 04.08.2009)
  • TV Helden mit Jan Böhmermann, Caroline Korneli und Pierre M. Krause (RTL/probono Fernsehproduktion GmbH)

Beste Sportsendung:

  • Leichtathletik-WM (ZDF)
  • sport inside (WDR)
  • Sportschau vom 23.05.2009 (ARD/WDR)

Beste Informationssendung/Moderation:

  • RTL-Wahlbus und Wahlstraße (RTL)
  • Wahlarena (ARD)
  • ZDF-Wahlforum (ZDF)

Beste Regie:

  • Nikolaus Leytner für Ein halbes Leben (ZDF/ORF/Allegro Film Produktions GesmbH)
  • Roland Suso Richter für Mogadischu (ARD/Degeto/SWR/BR/teamWorx Television & Film GmbH/Telepool/EOS Entertainment GmbH/ZEN productions)
  • Nicole Weegmann für Ihr könnt euch niemals sicher sein (ARD/WDR/Cologne Film GmbH & Co. KG)

Bestes Buch:

  • Stefan Falk und Lars Montag für Tatort: Kassensturz (ARD/SWR/Maran Film GmbH)
  • Rolf Silber für Durch diese Nacht (ZDF/U5 Filmproduktion GmbH & Co. KG)
  • Silke Zertz für Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen (Sat.1/ORF/Olga Film GmbH) und Woche für Woche (ARD/WDR/CineCentrum Berlin Film- und Fernsehproduktion GmbH)

Bester Schauspieler Hauptrolle:

  • Josef Hader für Ein halbes Leben (ZDF/ORF/Allegro Film Produktions GesmbH)
  • Axel Milberg für Tatort: Borowski und die heile Welt (ARD/NDR/Studio Hamburg Produktion Kiel GmbH)
  • Matthias Schweighöfer für Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben (ARD/WDR/Degeto/Arte/Trebitsch Entertainment GmbH)

Beste Schauspielerin Hauptrolle:

  • Senta Berger für Schlaflos (ARD/WDR/Odeon TV GmbH)
  • Anja Kling für Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen (Sat.1/ORF/Olga Film GmbH)
  • Gisela Schneeberger für Mit einem Schlag (ARD/BR/Hager Moss Film GmbH)

Bester Schauspieler Nebenrolle:

  • Florian Bartholomäi für Bloch: Schattenkind (ARD/SWR/WDR/Maran Film GmbH)
  • Fabian Hinrichs für Tatort: Borowski und die heile Welt (ARD/NDR/Studio Hamburg Produktion Kiel GmbH)
  • Axel Prahl für Die Patin – Kein Weg zurück (RTL/ORF/teamWorx Television & Film GmbH/ZEN productions)

Beste Schauspielerin Nebenrolle:

  • Anna Fischer für Die Rebellin (ZDF/ndF: neue deutsche Filmgesellschaft mbH) und
  • Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen (Sat.1/ORF/Olga Film GmbH)
  • Amelie Kiefer für Die Drachen besiegen (ARD/BR/NDR/ Ziegler Film GmbH & Co. KG)
  • Franziska Walser für Ein halbes Leben (ZDF/ORF/Allegro Film Produktions GesmbH)

Beste Kamera:

  • Martin Langer für Tatort: Auf der Sonnenseite (ARD/NDR/Studio Hamburg Produktion GmbH)
  • Fritz Seemann und Martin Lippert für Der Bibelcode (ProSieben/ORF/M6/24 Frames Film GmbH & Co. KG/ Film-Line Productions Filmproduktions GmbH/ECLYPSE Filmpartner Film- und Fernsehproduktion GmbH/ZEN productions)
  • Gero Steffen für Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen (Sat.1/ORF/Olga Film GmbH) und Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben (ARD/WDR/Degeto/Arte/Trebitsch Entertainment GmbH)

Bester Schnitt:

  • Annemarie Bremer für Die Wölfe (ZDF/Ziegler Film GmbH & Co. KG)
  • Antonia Fenn für Der Seewolf (ProSieben/Hofmann & Voges Entertainment GmbH)
  • Benjamin Fueter für Flug in die Nacht – Das Unglück von Überlingen (ARD/SWR/SF/C-FILMS AG/Maran Film GmbH)

Beste Musik:

  • Ulrich Reuter für Die Freundin der Tochter (ARD/NDR/Arte/Oberon Media Service Film GmbH) und Die Drachen besiegen (ARD/BR/NDR/Zieglerfilm München GmbH)
  • Dieter Schleip für Ein Dorf schweigt (ZDF/Medienkontor Movie GmbH) und
    Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen (Sat.1/ORF/Olga Film GmbH)
  • Martin Todsharow für Mogadischu (ARD/Degeto/SWR/BR/teamWorx Television & Film GmbH/ Telepool /EOS Entertainment GmbH/ZEN productions)

Beste Ausstattung (Szenenbild und Kostümbild):

  • Frank Godt und Monika Hinz für Die Wölfe (ZDF/Ziegler Film GmbH & Co. KG)
  • Michael Köning und Katrin Schäfer für Mogadischu (ARD/Degeto/SWR/BR/teamWorx Television &
    Film GmbH/Telepool/EOS Entertainment GmbH/ZEN productions)
  • Bertram Strauß und Katja Pothmann für Woche für Woche (ARD/WDR/CineCentrum Berlin Film- und
    Fernsehproduktion GmbH)

Offizielle Website des Deutschen Fernsehpreises.

Advertisements