The Good Wife (c) CBS

The Good Wife (c) CBS

Julianna Margulies spielt in CBS‘ neuem Justiz-Drama die Rechtsanwältin Alicia Florrick. Deutschen Zuschauern ist Margulies vor allem durch ihre Rolle der Krankenschwester Carol Hathaway in Emergency Room bekannt.

Rezension:

Alicia Florrick hat keine leichte Zeit hinter sich. Ihren Ehemann, einen Staatsanwalt, hat eine Korruptions- und Sexaffäre zu Fall gebracht, er sitzt nun hinter Gittern. Mit seinem Rücktritt eröffnet die erste Episode von „The Good Wife“ gleich recht spannungsgeladen und legt einige Produktionswerte offen. Das Blitzlichtgewitter, dem sich die etwa 40jährige Mutter zweier Kinder stellen muss, hört sich tatsächlich an wie Gewehrsalven und leuchtet auf wie der Bombenhagel in einem Kriegsfilm. Wir wissen: Alicia Florrick wird es nicht leicht haben. „Does it ever get easier?“, fragt ihre erste Klientin später in eigentlich anderem, aber doch vergleichbarem Zusammenhang (möglicherweise: „angeklagt zu sein“). „No“, antwortet Florrick. „But you do get better at it“.

Nach 13 Jahren außerhalb der Berufes kehrt Florrick also zurück in eine Kanzlei, sechs Monate auf Probe, in Konkurrenz mit einem zweiten Anwärter, wie wir später erfahren, um für ihre Kinder (die in der ersten Folge zunächst nur kurz erscheinen, später aber eigene, nicht unbedingt gute, Storylines bekommen) zu sorgen und ihren Ruf zurück zu gewinnen. Sie bekommt einen ersten Fall übertragen, indem sie eine junge Mutter verteidigen muss, die ihren Ex-Mann ermordet haben soll. Florrick hält sich nicht an die vereinbahrte Strategie der Kanzlei, denn sie findet schnell neue Beweise, die ihre Mandantin entlasten.

Hier liegt die einzige Schwäche der ersten Episode, das Grundproblem dieser und jeder Justizserie. Der Fall und seine Lösung, wie auch der Lösungsweg ist nicht sonderlich spektakulär, neu oder innovativ. Es ist eben das gefühlt tausendunderste Anwältedrama und es gibt wohl kaum noch ein überraschendes Verbrechen. Aber das Genre ist, neben den Medizinern und den Cops eben ein Dauerbrenner beim Publikum. Bis zu 14 Millionen Amerikaner sahen daher auch die erste Episode. Die Einschaltquoten blieben im Verlauf der Staffel auf diesem Niveau.

Die Stärke der Serie aber liegt in ihrer äußerst dichten Atmosphäre und ihren hervorragenden Schauspielern, allen voran natürlich Margulies. Die behutsame Musikuntermalung, die oft entscheidende Akzente setzt, während wir Margulies mitunter nur mimischem Spiel zusehen, und die kühlen, kontrastreichen Bilder schaffen eine gefährlich, aber strukturiert wirkende Welt, in der sich die Anwältin bewegt. Florrick wird es mit Hindernissen zu tun haben, aber sie sind überwindbar, es ist möglich sich in dieser Welt zurechtzufinden. So wechselt die Kulisse ab und an auch in wärmere Bilder und Farben. Als Heldin der Serie steht natürlich außer Frage, dass sich Florrick durchsetzen und viele Fälle lösen wird.

Neugier erzeugt hingegen die Hintergrundgeschichte. Wir wissen nur, dass ihr Mann sie (mit Prostituierten) betrogen hat. Ob er aber auch des Amtsmissbrauchs schuldig ist, das ist vermutlich die große Frage. Darüber hinaus gibt er seiner Frau in dieser ersten Episode aufgrund seines Wissens als Ex-Staatsanwalt einen entscheidenden Lösungshinweis für den Fall. Und natürlich stellt sich auch die Frage, warum Alica sich von ihrem Mann nicht hat scheiden lassen. Ähnlich wie etwa Hillary Clinton scheint sie die „gute Ehefrau“, die erstmal keine überstürzt emotionalen Entscheidungen trifft. Gegenüber zweimal in der Episode auftauchenden Tieren, die gestreichelt werden wollen, lässt sie keine Nähe zu. Ein kleiner, jedoch wichtiger Hinweis der Drehbuchautoren zum Charakter ihrer Heldin. Beherrscht ist sie vor allem, jedoch auch emphatisch, wie sich zeigen wird.

Die wichtige Frage: Wird Alicia Florrick am Ende gar im Falle ihres Mannes ermitteln, eine Verschwörung aufdecken, zu ihm zurückfinden? Schauspieler Chris Noth (Mr. Big aus Sex and the City) ist als Phänotyp des starken Ehemannes eigentlich auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass er nicht die Korrumpierbarkeit in Person sein kann. Als Alicia Florrick zu Beginn der Episode während der Pressekonferenz neben ihrem Mann steht, wirkt sie verstört, zurückhaltend, eingeschüchtert. Auf dem Ärmel ihres Mannes sieht sie einen weißen Faden, hebt die Hand instinktiv um ihn zu entfernen, als er nach ihrer Hand greift und sie aus dem Saal zieht. Gegen Ende wirkt Aliccia Florrick deutlich stärker, auf einem guten Weg. Die Rollenbilder haben sich verändert. Ich würde den Titel der Serie daher auch eher mit „Die starke Ehefrau“ als „die gute“ übersetzen. Das trifft es.

Nachtrag 18.01.10.: Juliana Margulies hat für ihre Rolle in „The Good Wife“ einen Golden Globe gewonnen. Die Serie ist übrigens auch für eine zweite Staffel verlängert wurden. Außerdem gehört sie meiner Ansicht nach zu den fünf besten (neuen) US-Serien 2009.

The Good Wife, Justizdrama, CBS, seit 22. September 2009, offizielle Website

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