Modern Family (c) ABC

Modern Family (c) ABC

Mann!, ist Al Bundy alt geworden! Ed O’Neill, der den wohl bekanntesten Charakter einer Sitcom spielte, ist zurück auf den Bildschirmen. In ABCs neuer Comedy „Modern Family“ gibt er den Patriarchen, Jay Pritchett, einer dreiteiligen Familie; oder anders: von drei Familien, die im Mittelpunkt dieser sogenannten Mockumentary stehen. Genau wie „The Office“ und „Parks and Recreation“ ist „Modern Family“ als Pseudo-Doku gefilmt, es sieht also aus wie eine gespielte, lustige Doku-Soap.

Nur eine der drei Familien, denen das fiktive Doku-Team folgt, entspricht dem scheinbaren Normalbild der amerikanischen Durschnittsfamilie, im Bild oben mittig. Die Dunphys haben drei Kinder, Sohn und zwei Töchter, Vater eher so der Typ, der seinen Aufgaben nicht immer ganz gewachsen ist, Mutter Idealtypus. Die beiden anderen Familien sind eher ungewöhnlich. Jay Pritchett, Claire Dunphys Vater, selbst hat eine viel jüngere lateinamerikanische Frau geheiratet und sein Sohn Mitchells ist schwul und lebt mit einem allen homosexuellen Klischees entsprechenden Mann zusammen. Die beiden haben gerade ein Kind aus Vietnam adoptiert.

Die amerikanischen TV-Kritiker haben „Modern Family“ überaus positiv aufgenommen, wie man hier, hier oder hier lesen kann. Zwei Dinge sind mir demgegenüber negativ aufgefallen: Erstens wirkt der Pseudodokustil anders als bei Office oder Parks… irgendwie gezwungen, was man auch daran merkt, dass die Kamera programmiert wirkt, sie folgt also einem Drehbuch. Dokumentarisch ist nur die ständige, sehr starke Wackelei. Zweitens wirken die Akteure nicht sehr authentisch, sondern irgendwie gezwungen. Es ist, als würde man Schauspielern dabei zu sehen, wie sie versuchen etwas lustiges zu spielen, was sie ja auch tun. Es fehlt irgendwie das stimmige Ganze, die Illusion.

Gegen Ende der ersten Episode, insbesondere als sich die Familien dann treffen – vorher wissen wir noch gar nicht, das alle zu einer Familie gehören – wird das besser. Tatsächlich gelingen auch einige gute Gags, andere Geschichten hingegen wirken banal, etwa das die Tochter der Dunphys einen älteren Freund mit nach Hause bringt – da hilft auch die andere Darstellungsform nicht. Überhaupt: wäre da nicht der Mockumentary-Stil, die Dunphys wären vermutlich die langweiligste Sitcom-Familie, die ABC jemals erfunden hat. Die anderen beiden Familien jedoch sind recht gut. Vor allem in dem schwulen Pärchen liegt sehr viel Potenzial. Und Ed O’Neill als Vater Jay könnte nochmal eine große Rolle haben.

Mit 12,7 Millionen Zuschauern, das ist mehr als Office und Parks and Recreation bei NBC erreichen, ist „Modern Family“ erstmal sehr gut gestartet. Vielleicht ist die Kombination vom klassischen Sitcom-Thema Familie, dessen erfolgreiche Variation hin zu ungewöhnlichen Familien-Verhältnissen (wie bei Two and a Half Men) und dem noch lange nicht aus der Mode gekommenem Mockumentary-Stil ja eine durchaus erfolgreiche Formel für eine Comedy.

Nachtrag 29.11.09.: Das Entertainment Magazin „The Hollywood Reporter“ hat „Modern Family“ unter den besten Serien des Jahrzehnts auf Platz 10 gelistet.

Modern Family, Mockumentary, ABC, seit 23. September 2009, offizielle Website

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