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Gestern startete die 3. Staffel der Nerd-Comedy „The Big Bang Theory„, einer der derzeit erfolgreichsten Sitcoms im US-Fernsehen. Sheldon Cooper (im Bild, (c) CBS), Theoretischer Physiker, hängt kurzfristig seinen Job an den Nagel, weil seine Freunde im auf einer Nordpol-Expedition ein paar falsche Tatsachen hinsichtlich eines Experiments vorgespielt hatten, das die String Theorie beweisen sollte.

Für Sheldon Cooper hätte das den Nobelpreis bedeutet. Denn alle vier Nerds in Big Bang Theory sind Wissenschaftler, natürlich hochintelligent und also auch so etwas wie eine gesellschaftliche Elite. Klassische Nerd-Klischees, etwa die Jungfräulichkeit sind hingegen nicht definierend. So ist es Leonard in dieser Episode, der mit Nachbarin Penny – endlich – in die Kiste steigt, obgleich das Ergebnis dann heißt: „It’s weird“.

Im Fahrtwasser des Piratenpartei-Kutters hat FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher völlig überraschend am vergangenen Sonntag eine Debatte über diese vermeintlich seltsamen Menschen, Nerds genannt, angestoßen, die auf ein recht positives Echo zumindest bei den führenden Bloggern stieß.

Schirmmacher erklärt Nerds nämlich zu einer Art neuen intellektuellen Elite, die Politik und Gesellschaft verändern kann:

„Die Partei betrachtet die modernen Technologien als ein Instrument der Emanzipation. Ihr harter Kern ist nerdig, doch Jens Seipenbusch, der Bundesvorsitzende und ein Intellektueller von Format, zeigt bereits den Übergang: die Verwandlung des Nerds in ein politisches Tier. Würden die Nerds jetzt oder bald ein politisches Mandat erringen, wäre das, nachdem sie die Kommunikation der Gesellschaft revolutioniert haben, ihr erster Triumph nicht mehr nur in der Welt der Legosteine, sondern in der Welt von Zement und Mörtel.“

…und die gesellschaftliche Aufgabe der Nerds beschreibt Schirrmacher so:

„Sie, die die Systeme kennen, müssen, wie seinerzeit die Renegaten der Atomspaltung, in politische Sprache übersetzen, was technisch möglich ist, was es aus uns macht und wie wir uns dagegen wehren können.“

Das Wichtige an Schirrmachers Text ist, dass gerade ein konservativer, lange auch eher als Internetkritiker bekannter Publizist, so plötzlich die Piratenpartei und ihr Personal in positivem Licht darstellt und letztlich dazu aufruft sie ernst zu nehmen:

„Es wäre schön für alle, wenn die ‚Piraten‘, ganz gleich ob als Partei oder als Bewegung, ein solcher Gesprächspartner sein könnten. Um das herauszufinden, gibt es keine prognostische Software. Aber es gibt die Möglichkeit, ihnen zuzuhören und mit ihnen zu reden.“

Gleichwohl stießen einige Formulierungen und Ausführungen zur Geschichte und zum Wesen der Nerds in der Internetszene auch auf Kritik. Zu klischeehaft oder auch schlicht falsch seien sie, wird da argumentiert. So hat etwa Jens Scholz ausführlich und anhand seines eigenen Lebens darüber geschrieben, wie Nerds denn nun wirklich sind.

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