ProSieben wagt rund um die beliebte Trick-Sitcom „Die Simpsons“ in den kommenden Tagen zwei Sachen, die TV-Interessierte mit Spannung verfolgen werden. Zunächst treten die Simpsons am Sonntag gegen das Kanzlerkandidaten-Duell zwischen Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier an, dass ARD, ZDF, RTL und Sat. 1 simultan übertragen. Auf ProSieben hingegen läuft „Die Simpsons – Der Film“. Während sich auf den anderen großen Sendern Schwarz und Rot duellieren, gibt es auf ProSieben also Gelb. Zuvor läuft am Nachmittag und Vorabend übrigens mal wieder ein Simpsons Marathon.

Die deutsche Erstaustrahlung des Simpson-Films ist zugleich auch der Start in die Ausstrahlung der 20. Staffel rund um die gelbe Familie aus Springfield. Zwei Tage später, am Dienstag, 15. September, hat ProSieben, wie bereits Ende Juli bekannt wurde, einen neuen Seriendienstag programmiert. Die Simpsons laufen 20:15 Uhr und 20:45 Uhr (19. Staffel). ProSieben will damit die US-Fiktion im Programm stärken, und mit den Simpsons hatte der Sender in der Vergangenheit auch schon Montags Erfolg. Es hat allerdings lange Zeit gedauert, bis sich ProSieben dazu durchringen konnte die Simpsons in die Primetime zu heben.

Daher ist es auch besonders spannend, dass nach den Simpsons gleich noch eine Sitcom, und zwar eine klassische, läuft: „Two and a half Men„. Damit packt endlich mal ein großer deutscher TV-Sender eine Sitcom wieder ins Abendprogramm. Außer King of Queens auf kabel 1 kann ich mich persönlich nicht mehr so recht erinnern, dass es das mal gab. „Friends“ war glaube ich auch im Hauptprogramm zu sehen. Umso verwunderlicher ist es, warum ProSieben etwa eine Serie wie „How I Met Your Mother“, die nichts anderes ist als ein neues „Friends“ im Samstag-Nachmittag vergammeln lässt.

Aber vielleicht ändert sich das ja nun in Zukunft, sollte „Two and a half Men“ um 21:15 Uhr im Doppelpack erfolgreich sein. Die Konkurrenz ist dabei ziemlich hart. Auf RTL läuft zeitgleich die bei den Deutschen derzeit erfolgreichste US-Serie „Dr. House“. Am Nachmittag bei Kabel 1 (kurz nach 16 Uhr) fährt „Two and a half Men“ immer wieder gute Reichweiten ein, was wohl zur Entscheidung von ProSieben beitrug, ausgerechnet diese Sitcom in die Primetime zu verlegen.

In den vergangenen Wochen habe ich mir „Two and a half Men“ mal genauer angeschaut, um zu verstehen, was ProSieben und die Leute an dieser Serie so gut finden. „Two and a half Men“ ist sicherlich nicht die beste US-Sitcom (diese Ehre würde 30 Rock zuteil, das bei Das Vierte noch auf einen Sendetermin wartet). Aber „Two and a half Men“ ist eine der besseren Sitcoms, und sie ist recht clever und hat prägende Charaktere.

Die Serie erzählt von Charlie Harper (Charlie Sheen) und dessen Bruder Alan (Jon Cryer, spielte mit Sheen schon in Hotshots) und seinem Neffen Jack, die beide bei Charlie einziehen, nachdem sich Alans Frau von ihm getrennt hat. Alle Figuren der Serie haben, und das ist eines der Leitmotive psychologische Probleme.

Statt einer klassischen glücklichen Sitcom-Familie (Cosby Show, Alle unter einem Dach, Unser Lautes Heim) oder einer absichtlich überzogenen Chaosfamilie (Eine schrecklich nette Familie, Auf schlimmer und ewig) steht hier nicht nur eine ungewöhnliche Paarung (drei „Männer“) im Mittelpunkt, sondern eine hochgradig dysfunktionale Familie. Charlie und Alan hassen ihre Mutter, Charlie kompensiert seine fehlende Mutterliebe mit einer Sexsucht, Alan hat Komplexe, seine Exfrau Judith Depressionen. Die Krone setzt dem Ganzen schließlich die neurotische Rose auf, die Charlie seit einer gemeinsamen Nacht als Stalkerin verfolgt, ironischer Weise selbst aber einen Magister in Verhaltenspsychologie hat (in der Staffel die ProSieben nun ausstrahlt ist sie allerdings nicht mit dabei).

Dabei sind die Probleme, die die Hauptfiguren haben, solche die in der Gesellschaft weit verbreitet sind und dadurch Nähe zu den Figuren erzeugen. Ohne moralischen Zeigefinger oder sonstwelche Lehren werden die Geschichten, die sich daraus ergeben einfach durchgespielt. Damit gelingt Two and a half Men eine ganz neue Perspektive auf die klassische Familiensitcom ohne jedoch gleichzeitig mit allbekannten Erzählmustern und Kulissen zu brechen. Immer wieder kehrende Themen sind natürlich auch hier, Familie, Verantwortung und Beziehungen.

Ich hoffe, dass „Two and a half Men“ in der Primetime gut ankommt, und ProSieben mutig genug ist, auch in Zukunft Sitcoms im Abendprogramm zu zeigen.

Update 16. September 2009: Mit 12,8 und 12,7 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe schlugen sich die ersten beiden Primetimefolgen von „Two and a half Men“ gut gegen Dr. House. Die Simpsons kamen auf 16,3 und 15,8 Prozent Marktanteil bei den jungen Zuschauern. (dwdl)