Nicht nur sichtbar vom Konzept her hat sich X-Factor in diesem Jahr geändert, neben den Auditions vor Livepublikum geht die Show deutlich in Richtung Britain’s Got Talent. Die herzzereißenden Stories und der unglaubliche Druck, den die Live-Auditions aufbauen, stoßen in der britischen Presse auch auf Kritik.

Doch zuerst mal zu einer anderen Geschichte aus der zweiten Audition-Episode. Der Geschichte von Rozelle Phillip, die wegen X-Factor extra aus Trinidad und Tobago nach UK gezogen ist.

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Rozelle Phillip, 21, die daheim in Trinidad X-Factor auf Youtube verfolgt hat, ist jetzt selbst auf Youtube. In Trinidad gibts offensichtlich keine Pop Idol oder X Factor-Version, so dass sie mit Unterstützung ihrer Großmutter ihren Traum von Großbritannien verfolgen konnte. Eine nette kleine Geschichte, wie sie sicher auch vor Jahren denkbar gewesen wäre.

Doch X Factor würde in diesem Jahr nicht aussehen wie Britain’s Got Talent, wenn die Produzenten nicht mächtig und natürlich erfolgreich auf die Tränendrüse drücken würden. Vorhang auf für: Daryl Markham (Youtube).

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Daryl Markman hätte auch bei Got Talent mitmachen können und wird vermutlich, wie der Mirror heute schreibt als „Der mit dem toten Bruder“ in die Geschichte von X Factor eingehen.

Daryl Markman wollte schon im vergangenen Jahr an X Factor teilnehmen, jedoch war gleichzeitig die Hochzeit seines Bruders. Kurz darauf verstarb der. Nun kümmert sichder leicht introvertiert und nervös wirkende Mann um seinen ebenso zurückgezogenen Neffen. Und er singt, ziemlich gut sogar. Und er rührt die Jury zu Tränen. Und am Ende da rennt sein kleiner Neffe auf die Bühne und weint auf Onkels Arm auch noch mal mit. Ergreifend, ja, aber ist das X-Factor?

Der Mirror schreibt weiter:

No one wants to be unkind about the tragic loss of his beloved sibling Gary. But it’s depressing. So it spoils the fun. Why do that?

[…]

The X Factor desperately tugging at our heart-strings has become more clichéd than Louis “one million per cent yes” Walsh. And that’s saying something.“

Gleichzeit warnen Psychologen davor, dass Kandidaten wie vielleicht Daryl Markman oder andere durch die Publikums-Auditions unter starkem psychologischen Druck stehen.

Der Guardian schreibt heute:

The new live audience for The X Factor auditions could dangerously increase the psychological pressure on vulnerable amateur participants in the talent show, a former Big Brother psychologist warned today.“

Der ehemalige Big Brother Psychologe, Professor David Wilson, hebt vor allem auch auf die Freaks ab. Also jene Auftritte, die nur der schadenfrohen Erheiterung der Massen dienen:

Why have people perform in front of a live audience when they have gone through a variety of producers, producers [that] know these people are being put in front of an audience because they are crap, rubbish.“

Das Thema ist natürlich in Großbritannien nach dem Zusammenbruch von Got Talent-Runner Up Susan Boyle nach dem Finale der Talentshow besonders wichtig (Kritik dazu auf diesem Blog).

Mehr von den Kandidaten, die nicht zur allgemeinen Belustigung oder zum gemeinsamen Tränenerguss auf die Bühne gekommen sind, sondern eben jenen X Faktor vielleicht haben, gibt’s neben Youtube auch auf der offiziellen Website der Casting Show. Unter anderem sollten Musikinteressierte natürlich einen Blick auf Jamie Archer und die Miss Fitz (nein, kein deutschen Kabarett Duo) werfen.

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