Im Mobilfunknetz praktisch nicht benutzbar: Last.fm auf dem Handy

Im Mobilfunknetz praktisch nicht benutzbar: Last.fm auf dem Handy

Der Mobilfunkprovider Vodafone wirbt derzeit mit der und um die selbsterfundene „Generation Upload„. Unter dem Claim „Es ist Deine Zeit“ wirbt Vodafone nicht nur auf diversen deutschen Weblogs, sondern auch mit Bloggern. So ist in einem TV-Spot beispielsweise Sascha Lobo zu sehen, der aber gar kein richtiger Blogger ist, sondern eher ein (wie Stefan Niggemeier sagen würde) mehr oder (wie Don Alphonso sagen würde) weniger erfolgreicher Vermarkter von Blogs. Viele andere Blogger wurden zum Spot-Dreh eingeladen, einige erhielten zum ausprobieren ein internetfähiges Handy. Und schrieben auf dummdreisteste Art wie sehr sie das Unternehmen begeistert hat.

Die vor einigen Tagen gestartete Kampgane ist auf reichlich Kritik in der Blogosphäre gestoßen. Aus drei Gründen:

  • Manche werfen den beteiligten Bloggern vor, sich an genau den Falschen zu verkaufen. Vodafone war nämlich einer der ersten Anbieter von Internetzugängen, die auch ohne Gesetz sich hinter das umstrittene – und inzwischen durchgewunkene – Zensurvorhaben von Ursula von der Leyen gestellt haben. So fielen Blogs wie spreeblick mit harter Kritik an dem Zensurgesetzt auf, lassen sich nun aber von Vodafone königlich bezahlen.
  • Andere kritisieren die Werbekampagne als ansich schlecht. Viele Blogger oder Angehörige der angeblichen „Generation Upload“ fühlen sich durch die banalen Werbesprüche, die vordergründige Benutzung von Web 2.0-Tools wie Twitter oder StudiVZ oder die pathetische Aufmachung des Werbespots schlichtweg irritiert.
  • Wieder andere weisen darauf hin, dass letztlich das Produkt hinter der Kampagne schlecht ist und kritisieren Nutzungseinschränkungen (bei Vodafone darf man etwa keinen Instant Messenger, kein VOIP und kein P2P auf dem Handy benutzen). Nicht zu vergessen auch, dass die von Vodafone beworbene „Superflat“ anders als auf der Produktseite groß bepriesen nicht 15 Euro im Monat, sondern über 18 Monate der Vertragslaufzeit genau das Doppelte kostet (und auch keine echte Flat ist).

Nico Lumma, der mit der Agentur „Scholz & Friends“ vor allem den Social Media-Teil der Vodafone-Kampgane konzipiert hat, äußerte sich bereits in seinem Blog über die Kritik. Felix Schwenzel, der genau wie etwa netzpolitik.org und ein paar andere Blogs die Zusammenarbeit mit Vodafone bzw. die Kampagne abgelehnt hatte (aber schonmal bei einer Opel-Kampagne mitmachte) hat den Text von Lumma auf seinem Blog übersetzt/parodiert.

Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob man auf Blogs überhaupt werben sollte. Dagegen würde etwa sprechen, dass man der Meinung ist, mit Blogs eine Publikationsform zu haben, die man auch unabhängig von der Privatwirtschaft betreiben/finanzieren will (oder auch gar nicht finanzieren oder Geld damit verdienen möchte). Sich aber direkt in den Dienst eines Unternehmens zu stellen, anstelle einfach nur dessen Anzeigen zu platzieren, hat schon einen sehr faden Beigeschmack. Warum das problematisch sein kann, steht hier.

Da hilft es auch nichts, wenn Netzökonom Holger Schmidt auf seinem Faz-Blog schreibt:

Wenn die deutschen Blogger, die sich so gerne beschweren, dass sie nicht ernst genommen werden, von einem großen Unternehmen wie Vodafone einmal ernst genommen werden, was tun die Blogger dann: Sie prügeln, zum Beispiel Thomas Knüwer, so vehement auf Vodafone ein, dass sich andere Unternehmen von nun an erst einmal sehr genau überlegen werden, Social-Media-Kampagnen dieser Größenordnung zu starten.

Mit gutem Recht wird überaus kritisch beäugt, wenn prominente Journalistendarsteller wie Johannes B. Kerner oder Günther Jauch einen Werbedeal nach dem anderen abschließen. Und wenn die Wurst dann vielleicht gar nicht so gesund ist oder der Regenwald nicht gerettet wird, dann fällt die Kritik auch auf sie zurück, da sie ihr Gesicht für das Produkt hergegeben haben. Warum sollten für Blogger, die ja oft so gerne echte Journalisten sein wollen, sich gar besser als diese fühlen, andere Maßstäbe gelten? Zumal für richtige Journalisten immernoch gilt: Journalisten machen keine Werbung (weder in ihren Artikeln, noch sonstwo).

Besonders verwundert allerdings in der aktuellen Debatte die Kritik an dem schlechten Produkt von Vodafone. Als sei Werbung und PR heutzutage tatsächlich als etwas anderes zu verstehen als Irreführung und Lüge. Und als sei von vornherein nicht klar gewesen, dass Vodafone ein überteuertes und in keinerlei Hinsicht der „Generation Upload“ angemessenes oder sonstwie innnovatives Produkt zu verkaufen habe.

Die Kritik von den eigentlich zu kritisierenden, nämlich den Bloggern, auf Vodafone oder die Agentur zu verlagern ist Schwachsinn. Die Agentur hat vermutlich gute Bezahlungen für die Anzeigenkampgane rausgeholt und ihre Arbeit getan, vielleicht nicht so toll und genial wie Don Draper, aber Werbung ist eben auch nicht mehr das, was sie mal war. Vodafone tut das, was ein Unternehmen tut, Profit maximieren, Images aufbauen, Produkte bewerben lassen. Die einzigen, die sich falsch verhalten sind die Blogger. Und die müssen sich die Kritik auch gefallen lassen. Bisher hat sich von denen allerdings auch noch keiner beschwert. Die wissen, dass sie sich verkauft haben, allerdings zu einem guten Preis (wie man hört?).

Und um auf die „Generation Upload“ zurückzukommen: Es gibt im deutschen Mobilfunkmarkt keinen passenden Tarif, weder bei Vodafone noch sonstwo für jene Generation und ihre Nutzungsgewohnheiten. Mehr als 5 GB Inklusivvolumen sind nirgendwo drin. Damit lässt sich allerdings weder sorgenlos Youtube-Videos schauen, noch stundenlang Musik etwa über einen Last.fm-Client (siehe Foto) hören. Irgendwann ist das Inklusivvolumen alle. Internet auf dem Handy ist immernoch Steinzeit. Passiv und eingeschränkt wie zu Zeiten von Modems und ISDN. Ein schlechter Witz.

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