Auf den richtigen Weg gebracht: Milliardär Teddy Rist und die Kinder

Auf den richtigen Weg gebracht: Milliardär Teddy Rist und die Kinder (c) NBC

Dieser Artikel enthält Spoiler zur Handlung der ersten Episode

Milliardär rettet die Welt. So kurz kann man NBCs derzeitiges midseason replacement „The Philanthropist“ problemlos beschreiben. Genaugenommen rettet jener milliardenschwere Playboy namens Teddy Rist (James Purefoy, Marc Antony aus „Rome“) und Boss eines Superkonzerns aber nicht die Welt, er hilft eher wo er kann. Vor allem Kindern und Frauen.

Teddy Rist hat seinen Sohn verloren, die Ehe ging an dem Verlust kaputt und Rist hat sich vermutlich in Arbeit gestürzt, in Alkohol und in Affären. Mit anderen Worten, ein erfolgreiches, emotional verkrüpeltes Arschloch, dass sich nicht um die Welt schert. Die Wende kommt, als Teddy Rist bei einem Deal in Nigeria in einen Hurrikan gerät und einen kleinen nigerianischen Jungen vor dem Ertrinken rettet… der, ganz genau… ihn an seinen Sohn erinnert und offensichtlich auf den richtigen Weg bringt, den des Wohltäters.

Fortan ist Teddy Rist gerieben von dem Wunsch zu helfen. Und NBC zeigt dem amerikanischen Durchschnitts-TV-Zuschauer, das die Welt nicht nur aus KFC und Superbowl besteht. Da gibt es Länder in Afrika , die von Unternehmen und Warlords ausgebeutet werden, da wird die Menschenrechtssituation in Birma angesprochen und das Problem des Menschenhandels. Und Teddy Rist zeigt den Schurken natürlich wo der Hammer hängt, wirkt aber, damit er nicht nur der Action-Held ist, auch ab und an richtig nachdenklich. Er stellt sein früheres Playboyleben, das er so leicht ja auch nicht abstreifen kann (eine afrikanische Ärztin muss natürlich flachgelegt werden, übrigens „unterem Mondschein“) in Frage. Und, achja, hatte ich erwähnt, dass er Kinder mag?

Während alle Folgen von „The Philanthropist“ so etwas von einem als Robin Hood verkleidetem James Bond haben, erinnern die ersten beiden Episoden (Kenia und Birma) zusätzlich an Filme wie „Lord of War“ oder „Blood Diamond“ und die dritte (Paris) an den schrecklichen „Taken/96 Hours“.

Filmisch ist vor allem die erste Episode der Knaller. Tolle Bilder, jede Menge Action und eine witzige Rahmenhandlung (Teddy erzählt sein erstes Abenteuer einer Barkeeperin, die ihm nicht glaubt). Doch irgendwie ist die Phantasie mit den Drehbuchautoren von „The Philanthropist“ gehörig durchgegangen. Als Teddy etwa in der ersten Episode Impfstoffe durch den Dschungel schleppt, völlig außer Kräften ist, dann von einer Schlange gebissen wird und ihm sein toter Sohn erscheint, der ihm den Weg zum Dorf weist, da hat man schon das Gefühl, der eine oder andere NBC-Autor wurde auch von einer Giftschlange gebissen. Dass Teddy dann die Ärztin im kenianischen Dorf flachlegt und dort den Jungen wiederfindet, den er gerettet hatte, vermag dann kaum noch zu schocken.

Die Idee hinter „The Philantropist“ ist mehr oder weniger lobenswert, und schlecht gefilmt ist die Serie nun nicht, da hat NBC ordentlich was springen lassen. Wer allerdings ein Problem mit komplett überzogenen Handlungen hat, kann bei „The Philanthropist“ nicht mehr als den Kopf schütteln. Ansonsten kann man nicht sagen, dass es nicht spannend ist.

„The Philanthropist“ basiert übrigens sehr vage auf dem echten Philanthropen Bobby Sager, der tibetanische Mönche mit Technik austattete und die Ausbildung afghanischer Ärztinnen ermöglichte. Nur Sex mit denen wird der nicht gehabt haben und vermutlich hat er auch keinen Sex-Traffic-Ring in Paris hochgehen lassen. Das kann nur Teddy Rist. Superman für einen TV-Sommer.

The Philanthropist, NBC, seit 24. Juni 2009, 8 Episoden

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