Studenten und Mitarbeiter der Technischen Universität Ilmenau und der Bauhaus-Universität Weimar simulieren währen des kommenden G8-Gipfels im italienischen Erdbebengebiet von L’Aquila (8. bis 10. Juli 2009) einen eigenen G8-Gipfel für interessierte Internetnutzer auf der ganzen Welt. Während deutschen Regierungskreisen zufolge typisch westliche Themen wie Wirtschaftskrise und Klima auf der Tagesordnung der Staatsoberhäupter der 8 teilnehmenden Nation (die nur weniger als 15 Prozent der Erdbevölkerung vertreten) stehen sollen, können Internetnutzer beim Projekt „Die Stimme des Volkes“ die Politiker für sich reden lassen.

Dazu kann während der Zeit des G8-Gipfels auf global-opinion.org die eigene Meinung in einem maximal 300 Zeichen langem Kommentar abgegeben und einem der Staatsoberhäupter zugeordnet werden. Angela Merkel könnte dann also nicht wie beim realen Gipfel „Wir müssen CO2 reduzieren“ sagen, sondern „Lasst uns die Patente auf für die 3. Welt wichtige Medikamente abschaffen“.

Das allein ist zwar schon ganz nett, doch es k0mmen noch zwei weitere Dinge hinzu. Das Projekt wird zum letzten Gipfeltag am 10. Juli ab 20.00 Uhr in einer Livesendung in einem virtuellen Studio gipfeln. Experten sollen sich dort mit den Chancen und Gefahren der Globalisierung auseinander setzen – und mit den Kommentaren der Zuschauer, die im Hintergrund eingeblendet werden.

Zusätzlich sollen sämtliche Meinungen der Teilnehmer zunächst in einem elektronischen Buch gespeichert werden. Nach Endes des Projekts und des G8-Gipfels sollen 8 echte Bücher produziert werden, die an die teilnehmenden Regierungschefs des G8-Gipfels übersandt werden.

Wolfram Höhne, einer der Mitinitiatoren des virtuellen G8-Gipfels sagt: „Das Projekt ist ein Experiment. Was kann eine basisdemokratische Parallelveranstaltung zur politischen Diskussion beitragen? Ist das Internet mit seiner breiten Verfügbarkeit, aber auch seiner Anonymität ein Medium der politischen Auseinandersetzung? Das wollen wir herausfinden“.