Im Zusammenhang mit dem Tod Michael Jacksons wird auch darüber dikutiert, wie groß nun eigentlich der Einfluß von Michael Jacksons Musik auf die moderne Popmusik gewesen sei. Christoph Dallach schreibt in Spiegel Online über Michael Jackson:

Das Album „Thriller“ setzte Maßstäbe. Wirtschaftlich – nie zuvor hatte ein schwarzer Musiker so unglaublichen Mengen an Tonträgern abgesetzt -, aber auch künstlerisch. Mit leichter Hand kreuzte Jackson allerlei Genres von Rock bis Soul, von Disco bis Pop und inspirierte mit dieser lässigen Freiheit, mit dieser Haltung, dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind, noch Generationen.

Jedoch ist Dallach der Meinung, dass es spätestens nach „Bad“ mit Michael Jackson musikalisch bergab ging:

Danach ging es bergab. Sicher, „Bad“, das dritte Jackson-Jones Album mit Hits wie „Smooth Criminal“ geriet noch anständig, aber dann war die Luft endgültig raus. Jacksons Finales Werk „Invincible“ (2001) begeisterte nur noch unverwüstliche Verehrer.

Das ist richtig und falsch zugleich. Falsch ist es, weil Michael Jackson gerade auch in den 90er Jahren und bis zu „Invincible“ noch die Popmusik der Zeit, in der wir jetzt leben, beeinflußt hat. Richtig ist es, weil Jackson in den letzten Jahren immer weniger selbst das verkörpern und umsetzen konnte, wozu er früher in der Lage gewesen war. Doch man darf nicht vergessen, dass der neue Prinz des Pop, Justin Timberlake, vermutlich gar nicht existieren würde, hätte es nicht Michael Jackson gegeben.

Dazu im Folgenden einige Musikbeispiele:

1995 schrieb und komponierte Michael Jackson den Song „D.S.“ (Dom Sheldon), in dem er mit dem Staatsanwalt Tom Sheldon abrechnete, der 1993 (und 2003 erneut) den ersten Missbrauchsprozess gegen Jackson führte. D.S. hatte für 1995 einen ungewöhnlichen Sound, einen Sound aus der Feder Michael jacksons, der noch über 10 Jahre später die Popmusik beeinflußte:

2001 erschien auf „Invincible“ „2000 Watts„, ein Song bei dem man heutzutage nicht mehr ganz sicher sein kann, ob den nun Michael Jackson singt oder doch Justin Timberlake.

Fünf Jahre nach „2000 Watts“ und 11 Jahre nach „D.S.“ erscheint auf Justin Timberlakes bislang wichtigstem Album „Future Sex/Love Sounds“ unter anderem „Sexy Back“. Deutlich hörbar sind hier noch die musikalischen Einflüße Jacksons.

„Future Sex/Love Sounds“ könnte genausogut ein Album von Michael Jackson sein, die entsprechende Weiterentwicklung seines Sounds. Die große Frage ist, warum ist es das nicht? Wer die Antwort darauf weiß, der kann vermutlich auch erklären, warum Michael Jackson in der letzten Jahren musikalisch nicht mehr präsent war. Als ich „Future Sex/Love Sounds“ zum ersten Mal gehört habe, wusste ich, Michael Jackson kommt nicht mehr zurück. Justin Timberlake ist jetzt Michael Jackson. Aber man hört Jacko und seinen musikalischen Einfluß noch deutlich heraus.

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