Der ARD-Programmdirektor Volker Herres hat gegenüber Quotenmeter die späte Ausstrahlung von erfolgreichen Kinofilmen wie „Babel“ oder „Little Miss Sunshine“ gerechtfertigt. Die Aufregung um die von Kritikern beanstandete seltsame Programmierung könne Herres nicht verstehen. Denn die Quoten seien um die späte Uhrzeit in Ordnung, und außerdem sind Filme durch kürzere Vermarktungszyklen inzwischen weniger attraktiv geworden.

Wie berichtet strahlt die ARD große Kinofilme in der Reihe „Sommerkino“ frühestens ab 22:45 Uhr (immer donnerstags), teilweise sogar erst eine halbe Stunde vor Mitternacht aus. Herres verweist darauf, dass die Filme um die späte Uhrzeit von den Zuschauern angenommen werden: „Wir freuen uns über unsere Kinofilme im Sommer und unser Publikum offensichtlich auch: Die ersten beiden Filme der Reihe ‚Sommerkino im Ersten‘ wurden von 1,26 bzw. 1,44 Millionen Menschen gesehen.“

Das allerdings sagt ja nichts darüber aus, wie viele Zuschauer zur Primetime einschalten würden. Abgesehen davon bemängeln Kritiker vor allem die Gewichtung verschiedener Programmformate in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Wer Seifenopern, Volksmusik und nachgeahmte Programme der Privaten in Masse ausstrahlt und zu prominenten Zeiten, der braucht sich nicht wundern, wenn hochwertige Inhalte in der Nacht eine Aussage darüber treffen, wie man etwa bei der ARD seinen Unterhaltungsauftrag versteht. Nämlich nicht öffentlich-rechtlich sondern am Markt orientiert, und der funktioniert nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner Prinzip, was entsprechend das Niveau nach unten drückt.

Bereits im vergangenen Jahr hat Jürgen Knoop, der sich bei der ARD-Tochter degeto um Spielfimlme kümmert DWDL ausführlich erklärt, wieso bei der ARD Filme so oft in der Nacht laufen: „Wir können auch auf diesem Sendeplatz ein ordentliches Ergebnis erzielen, schonen die Filme für die weitere Ausstrahlung im kommenden Jahr und lassen keine Rechte verfallen, für die wir bezahlt haben.“

Spielfilme verlieren nach Aussage von Knoop wie auch Herres außerdem zunehmend an Attraktivität. Das liegt an der schnellen Vermarktung auf DVDs und sicherlich, wie ich vermute, auch daran, dass gerade für die Zielgruppe Filme oft vorher schon als Raubkopien im Netz interessant sind.

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