Die heiß diskutierte und umstrittene RTL-Reality-Doku „Erwachsen auf Probe“ ist kein sonderlich großer Erfolg für den Privatsender. Die Quoten der dritten Ausstrahlung (vierte Episode) von „Erwachsen auf Probe“ am gestrigen Mittwoch waren alles andere als berauschend. In der Zielgruppe erreichte „Erwachsen auf Probe“ nur noch 15,8 Prozent Marktanteil.

Bereits am Dienstag wurde bekannt, dass einige Werbekunden nicht weiterhin im Umfeld von „Erwachsen auf Probe“ werben wollen. Der schwedische Möbelverkäufer Ikea begründete gegenüber dem Mediendienst DWDL seinen Rückzug damit, dass die Sendung nicht den Werten entspreche, mit denen das Unternehmen in Verbindung gebracht werden wolle. So sei die Sendung reißerisch aufgemacht und führe Menschen vor, sagte ein Unternehmenssprecher dem Bericht zufolge. Die stornierten Spots wurden auf andere Programme umgelagert und führen daher nicht zu Werbeausfällen wie RTL sagt.

Entwarnung von rechtlicher Seite gibt es für „Erwachsen auf Probe“ allerdings auch. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) kam bei ihrer Prüfung der ersten beiden Episoden zu dem Schluß, dass eine Menschenwürdeverletzung nicht gegeben ist und angesichts der Sendezeit nach 20.00 Uhr eine Beeinträchtigung von Zuschauern über zwölf Jahren nicht vorliegt.

Gleichwohl kritisierten die Anlage und die Produktionsbedingungen des Formats geübt. „Säuglinge werden nach Auffassung des Gremiums für dramaturgische Effekte eingesetzt und die jugendlichen Teilnehmer mit Berufung auf ein oberflächliches und vermeintlich pädagogisches Ziel einem Realitätsschock ausgesetzt. Sie werden von Erziehern und so genannten Experten beobachtet und kontrolliert, erhalten jedoch keine echte und umfassende Hilfe, beispielsweise von Vertrauenspersonen aus ihrem familiären Umfeld. Nach Einschätzung der KJM ist „Erwachsen auf Probe“ weder pädagogisch wertvoll noch pädagogisch begründet“, schreibt die Kommission.

In „Erwachsen auf Probe“ (TV-Kritik auf diesem Blog) leihen sich Teenager unter anderem fremde Babies um an ihnen zu üben, wie es ist erwachsen zu sein und Kinder zu haben, den Alltag zu meistern. Bereits im Vorfeld sorgte die Reality für harte Kritik von zahlreichen Jugendschutzvereinen, Ärzten und Institution.