Erwachsen auf Probe (c) RTL

Erwachsen auf Probe (c) RTL

Nachdem ich die ersten beiden Episoden von „Erwachsen auf Probe“ (mittwochs, RTL) angeschaut habe, muss ich sagen, drei der vier Teenager-Paare hätte ich, wenn ich ein Kind hätte, dieses nicht anvertraut. Weder dem Gangster-Paar aus Köln, noch der schwer zu verstehenden Hauptschülercombo, und auch nicht unbedingt dem ansich durchaus symphatischen Schmuddelpärchen aus Hannover. Lediglich Lila und Sebastian machten einen einigermaßen soliden und fähigen Eindruck sich um ihr Kind kümmern zu können.

Das Schlimme ist, in der Realität bekommen gerade solche Leute wie die ersten drei Paare vermutlich Kinder in jungen Jahren. Zumindest muss man das annehmen, um die Dokusoap der Logik der negativen Identifikation nach, der solche Realities immernoch folgen, anschauen zu können. So wie die will ich nicht sein. Loser eben, wie Peer Schader im Faz-Fernsehblog schreibt.

Der erste Schock folgt mit dem Einzug in das ultraspießige Suburbia, vier Einfamilienhäuser in einer Gegend, die trostloser nicht sein könnte, müssen die Teenagerpaare bewohnen. Der zweite Schock ist dann die Aussage des RTL-Sprechers, für den Notfall gäbe es Hilfe von Katja Kessler. Das ist die ehemalige Bild-Kolumnistin, die ein bisschen aussieht wie eine Mangafigur und neben dem Buch von Dieter Bohlen auch eins übers Muttersein geschrieben hat, womit sie sich auskennt, da sie das selbst viermal geworden ist.

Später wird der Eindruck allerdings revidiert Klatschjournalistin Kessler sei hier die Expertin, als RTL zur Absicherung, das niemand das Reality-Format noch mehr missversteht als ohnehin schon, mehrmals echte Erziehrinnen einblendet, die überwachen wie die Teenager mit den geliehenen Babies umgehen.

Und was waren das jetzt nochmal für Leute, zu denen die Eltern da ihre Kinder verleihen? Also einer hat 15 Strafanzeigen bekommen und sich früher gerne mal geprügelt. Ein anderer, Hauptschüler Elvir, erzählt aus dem Beziehungsalltag:

„Das gibts manchmal mit uns Streit. […] Ich hab gesehen, ok, die hört nicht auf, die schreit mich an, die beleidigt mich, die sagt, ich wär ein Wichser, ein Penner. Ok, die geht jetzt ein bisschen zu weit, dass ich ihr dann eine geklatscht habe. Und von da hat die aufgehört. Jetzt macht die das nicht mehr. […] Ich würde die Nadine nochmal schlagen, wenn die das gleiche macht wie damals“

Elvir, der, um seine wahre Identität als Nichtsnutz und Dummkopf zu verbergen, ausschließlich Anzüge zu tragen scheint, ist dann auch jener, der sich nachts auf die Babypuppe legt und sie damit tötet.

Man kann durchaus auch gutes über die etwas zu langatmig geratene erste Doppelfolge sagen, und zwar das sie lustig ist, was auch beabsichtigt zu sein scheint. Man kann auch darüber sagen, dass sie auch irgendwie so etwas lehrreiches hat, womit RTL ja auch gerne argumentierte, da es in Deutschland so viele Teeniemütter gäbe.. Das ganze Geschrei um die Show entpuppte sich allerdings recht schnell als viel Lärm um nichts.

Letzteres tut die Show aber leider auch. „Erwachsen auf Probe“ ist eine schwer zu ertragende Mischung aus dem alten Reality-Format, indem wir uns Asis anschauen sollen, um das Gefühl zu bekommen, besser zu sein, und aus einem biederen spießbürglerichen Lehrstück über das Erwachsen werden, das mit der ewig monotonen Musik aus dem Leierkasten der Realityproduzenten untermalt wird. Es ist nicht so trist und depressiv wie die tägliche Prekariatsschau „Mitten im Leben“, und unterm Strich recht unspektakulär.

Trotz allem Trubel erreichte „Erwachsen auf Probe“ in der Zielgruppe gestern auch nur 19,1 Prozent Marktanteil, was mehr als schmeichelhaft ist und vermutlich auch nicht unbedingt mehr werden wird, denn das einzig Sehenswertes, nämlich wie die Teenager die Babies bekommen und auf sie reagieren ist jetzt auch schon vorbei im Grunde. Alles andere wäre im Nachmittagsprogramm besser aufgehoben.

tvkritikundso

Advertisements