Haben Britain's Got Talent gewonnen: Tanzcombo Diversity

Haben Britain's Got Talent gewonnen: Tanzcombo Diversity

Völlig überraschend hat gestern Abend die Tanzcombo „Diversity“ die dritte Staffel von Britain’s Got Talent gewonnen. Susan Boyle ist Zweite.

Es war eine unglaubliche nervenaufreibende Entscheidungsshow. Kurz vor der Verkündung des Ergebnisses sah Susan Boyle aus, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen, lange zeigte die Kamera die zitternde ehemalige Küchenhilfe aus Schottland nicht, aber auch die Moderatoren Ant und Dec sahen aus, als seien sie mit der Situation etwas überfordert. Als sie jedoch den Namen des Gewinneracts „Diversity“ verkündeten muss Susan Boyle augenblicklich ein Fels vom Herz gefallen sein. Sie wirkte wieder föhlich, erleichtert. glücklich und zufrieden, machete sofort wieder Scherze. Diversity hingegen waren völlig überrascht und von ihren Gefühlen überwältigt.

Opfer der Garderobiere: Ant und Dec

Opfer der Garderobiere: Ant und Dec

Haben wir gestern möglicherweise die beste TV-Show der Fernsehgeschichte gesehen, die Sendung, für die das Fernsehen überhaupt erst erfunden wurde? Das kann gut sein. Auch die ersten beiden Staffeln von „Britain’s Got Talent“ waren schon großartiges Fernsehen mit zahlreichen emotionalen Höhepunkten, aber keine kam zu einem passenderen Zeitpunkt als die dritte. Das Mutterland des Kapitals braucht eine solche Show, die die Menschen wieder verbindet.

Die Einschaltquote des gestrigen Finales war die höchste die jemals ein Reality-Programm in Großbritannien erreichte. Bis zu 19,2 Millionen Briten sahen in der Spitze zu, das sind 71,6 Prozent Marktanteil. Die Show selbst hatte im Schnitt 15,3 Millionen Zuschauer/71 Prozent Marktanteil, die Entscheidung 17,3 Millionen, 67,6 Prozent Marktanteil.

Das ist richtig, richtig viel und wird Fernsehmacher auf der ganzen Welt, wenn nicht schon ohnehin anhand der tollen Sendung, vor Neid ganz blaß werden lassen.

Wenn man der Sendung überhaupt etwas vorwerfen will, dann, dass Ant und Dec seltsam steife Anzüge tragen mussten, die sie aussehen ließen, als hätten sie einen Stock im Po. Und auch Amanda Holden scheint optisch nicht gerade ihren stärksten Tag gehabt zu haben.

Optischer Fehlgriff: Jurymitglied Amanda Holden

Optischer Fehlgriff: Jurymitglied Amanda Holden

Aber wenn die ganze Welt auf einen schaut, gibt man sich als eitle Dame vielleicht auch mal etwas zu viel Mühe um gut auszusehen. Das war jedenfalls nichts. Abgesehen von Amandas Kleid, Dekoltee und Frisur war das Finale von Britain’s Got Talent aber über alle Zweifel erhaben.

Junge im Spiegel: Aldan Davis

Junge im Spiegel: Aidan Davis

Es gab eine Menge zu sehen, recht viele Kinder, aber vielleicht braucht eine so große Show in dieser Zeit etwas mehr Unschuld als sonst. Der kleine Aidan Davis mit seiner Spiegeltanzperformance war jedenfalls sehr nett anzusehen.

Treffen der Generationen: 2 Grand

Treffen der Generationen: 2 Grand

Etwas Mitleid hatte ich ja mit der obskuren Opa-Enkelin-Gesangseinlage von 2 Grand, die nach einer Aussage selbst nichtmal damit gerechnet haben, überhaupt ins Halbfinale zu kommen. Aber da es ansonsten kein „Family Matters“ gab, musste das wohl auchmal sein.

Just Sweet: Hollie Steel

Just Sweet: Hollie Steel

Die Rolle des Überkindes kam der zuckersüßen Hollie Steel zu, die im hellblauen Kleidchen ganz wunderbar sang, aber letzten Endes wie die vier anderen Acts mit Kindern nicht bis in die Top 3 aufsteigen konnte.

Träumte noch einmal ihren Traum: Susan Boyle

Träumte noch einmal ihren Traum: Susan Boyle

Susan Boyle jedenfalls blieb beim bewährten Konzept, sie sang noch einmal ihren weltweit über 100 Millionen mal geklickten Song aus der ersten Britain’s Got Talent Audition „I dreamed A Dream“ und man darf sagen, besser als beim ersten Mal. Und als es vorbei war, war sie sichtlich froh.

Erleichtert nach ihrem Auftritt: Susan Boyle

Erleichtert nach ihrem Auftritt: Susan Boyle

Besonders toll fand ich ja auch den Auftritt von Saxophonist Julien Smith, der ebenfalls denselben Titel wie in der Audition blies und auf dem dritten Platz landete. Hatte etwas vom deutschen Supertalent-Gewinner Michael Hirte.

Gefühlvoll: Saxophonist Julien Smith

Gefühlvoll: Saxophonist Julien Smith

Was bleibt unterm Strich von Britain’s Got Talent? Obgleich in der Produktion bei FreeMantle als auch beim Sender ITV vermutlich eine der weltbesten TV-Macher arbeiten, als auch eben echte Profis, man hatte Zeitweise das Gefühl, diese Sendung ist zu groß geworden. Das ITV den Internetmarkt zum Beispiel völlig falsch einschätzte und dort Millionen verlor (obgleich es absehbar war nach Paul Potts) ist ein Indiz dafür. Und im Finale war ein Nervenzusammenbruch von Susan Boyle durchaus im Rahmen des Möglichen.

Ihre Überforderung stand auch sinnbildlich für die imense Größe und mediale Power die das ohnehin schon große Britain’s Got Talent in diesem Jahr angenommen hat. So bleibt ganz besonders in einem Land wie Großbritannien, indem Fernsehen Werte und Gemeinschaft stiftet, mehr als in Deutschland, letztlich der Eindruck zurück, dass der Gewinner zwangsweise ein Politikum sein muss. Mit Diversity hat seltsamer Weise und überraschend ein Act gewonnen der da ziemlich gut passt. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Videos, Infos und Bilder gibts auf der Website von Britain’s Got Talent.

Weitere lesenswerte Berichte zum Britain’s Got Talent Finale:

Michael Russnow in der Huffington Post

Ken Tucker von EW, mit Videos von Susan Boyle und Diversity

Lara Gould im Sunday Mirror

Ben Quinn und Amelia Hill im Observer/Guardian

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