Wegen einer neuen Reality-Doku bricht über den Sender RTL derzeit eine Welle des Protest herein. Das berichtet Focus Online. Im Format „Erwachsen auf Probe“ probieren vier Teenager-Pärchen den Alltag von Erwachsenen aus, inklusive Geld verdienen und Leihbabies hüten. Die Säuglinge haben andere Eltern den Teenagern für die Produktion der TV-Show überlassen.

Wie üblich bei gewagten Reality-Formaten kommen nun allerlei Leute daher, die meinen, das dürfe man nicht. Verbieten!, schreien sie nun gemeinsam. Instrumentalisierung der Babies warf die Kinderkomission des Bundestages dem Sender RTL vor, der Vizepräsident der Niedersächsischen Ärztekammer Gisbert Voigt glaubt, den Kindern würde seelischer Schmerz zugefügt und der Deutsche Kinderschutzbund befürchtet Bindungsstörungen. Alle forderten einen Verzicht der Ausstrahlung der siebenteiligen Serie, die am 3. Juni starten soll.

RTL selbst verweist darauf, dass die echten Eltern das Experiment 24 Stunden am Tag mit Überwachungskameras beobachten können. Außerdem seien Erzieher, Ärztin und Psychologen immer vor Ort. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger verweist zudem auf die große soziale Relevanz des Themas. In Deutschland nähme die Zahl der Teenager-Mütter und der Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen kontinuierlich zu. Viele Teenager-Paare aber seien noch gar nicht reif genug um Eltern zu werden.

Einer Meldung des Mediendienstes DWDL zufolge hat RTL die Kritiker des Formats zu einer Vorführung und einer Dikussionsrunde eingeladen.

In England und den USA sorgten vergleichbar gewagte Reality-Formate in den vergangenen Jahren für ähnliches Aufsehen und Kritik. CBS (USA) spielte mit Kindern die Gründerzeit der Amerikaner nach (Kid Nation, 2007) und Channel 4 (England) überlies Mädchen und Jungen eine zeitlang (ebenfalls überwacht von Kameras und Eltern) auf einem Grundstück sich selbst (Boys and Girls alone, 2009) (Bericht auf diesem Blog). Mit der Einbeziehung von Säuglingen wagt sich RTL überraschender Weise noch ein Stück weiter vor. Das Format basiert allerdings auf einer ähnlichen Produktion der BBC.

Einen Verzicht auf die Ausstrahlung der Serie finde ich persönlich unsinnig, allerdings sollten die Kinderschützer und Medienkritiker darauf achten, dass nicht Sender wie RTL II auf dumme Gedanken kommen, falls das RTL-Format Erfolg hat.