Wollen überleben: Abby Grant (Carolyn Seymour) und Jennie Richards (Lucy Flemming)

Wollen überleben: Abby Grant (Carolyn Seymour) und Jenny Richards (Lucy Flemming)

Als die BBC 2008 auf die Idee kam, die Kult-Serie Survivors aus den Jahren 1975 bis 77 zu remaken, folgte sie der Idee, dass angesichts einer realistischen Angst vor weltweiten Pandemien, dieses Unterfangen nicht nur die Fans des Originals interessieren könnte, sondern auch eine breite Menge an Zuschauern.

Prouzent Hugh Warren schrieb auf Broadcastnow dazu:

The idea to remake the iconic 1970s series Survivors was BBC executive producer Sue Hogg’s. She rightly saw it would be timely following the outbreak of the Sars virus, bird flu and all the reports that we are overdue a flu pandemic.

Inzwischen ist durch die grassierende Schweinegrippe das Thema erneut aktuell geworden. Da es vom Remake derzeit nur 6 (allerdings sehenswerte, Review auf diesem Blog) Episoden gibt, möchte ich allen, die gar nicht genug Angst vor der Schweinegrippe haben können das kultige Original empfehlen. Und ganz besonders die erste Staffel mir Carolyn Seymour als Abby Grant.

„Survivors“ erzählt die Geschichte von Überlebenden einer nicht näher bestimmten weltweiten Epidemie, die nahezu die gesamte Erdbevölkerung ausgelöscht hat. Der große Charakter der ersten Staffel ist die Frauenfigur Abby Grant, die eine Gruppe guter und nicht ganz so guter Menschen zusammenhält, und nebenbei nach ihrem Sohn sucht. Mehr noch als Julie Graham im Remake weiß Carolyn Seymour ihre Abby Grant mit der richtigen Mischung aus Verletzlichkeit, Stärke, Gewissen und Vernunft zu spielen.

Abby Grant ist dabei quasi eine Mischung der beiden anderen großen Figuren der ersten Staffel, nämlich Jenny Richards (Lucy Fleming), die Naive, Verletzliche, und Greg Preston (Ian McCulloch), der der starke, rauhe Beschützer ist. Nach und nach finden sie zusammen, begegnen diesen und jenen Menschen, die genau wie sie selbst ums Überleben kämpfen und Schutz suchen.

Tatsächlich geht es in Survivors um die Frage, wie Menschen ohne Gesellschaft, Staat und Gesetze leben, also quasi im Naturzustand. Die Überlebenden müssen versuchen eine neue Gesellschaft aufzubauen und natürlich haben sie verschiedene Vorstellungen davon.

Wir treffen den Einzelgänger Garland, der sich im Partisanenkrieg mit Besetzern seines Anwesens befindet, den guruhaft wirkenden Charles Vaughaun, der versucht möglichst viele Kinder zu zeugen oder den Gauner Tom Price, der durch ein Verbrechen die Gemeinschaft vor ihre erste große Aufgabe stellt: sie müssen einen (vermeintlichen) Mörder richten und sie entschließen sich zur Todesstrafe. Nachdem klar wird, das der Falsche gerichtet wurde, unterhalten sich Abby und Greg:

Greg: It still comes back to me.
Abby: Oh Greg, we’re all just as responsible.
Greg: Yeah, but we didn’t all pull the trigger.
Abby: You were carrying out a collective decision. Look, If I’ve had voted the other way, then…
silence
Abby: I still think, the others schould be told about Price.
Greg: I don’t see what’s good that gonna do.
Abby: That’s not the point.
Greg: That’s the whole point. We’re fighting for survival not principles.
Abby: They have a right to know.
Greg: Abby, you’re the figure head here. Whether you like it or not, people are always gonna look up to you for a lead. But I’m the manager, I run things. And I’m warning you, that if you gonna insist on telling them I’ll challenge you. And if that happens, then all we’ve got here is gonna just fall apart.

Survivors ist also eine Serie über grundsätzliche Fragen unserer Gesellschaft, über das Fundament auf dem sie steht, und wie brüchig doch die Prinzipien sind, nach denen wir sie aufgebaut haben. Darüber, welche Herausforderungen Dinge darstellen können, die wir heute als normal hinnehmen. Vom Mangel an Elektrizität, Medikamenten, Wissen (etwa darüber wie man eine Maschine baut) und auch davon, wie eine gerechte Gesellschaft zu gestalten ist.

In der zweiten Staffel ist Carolyne Seymour dann nicht mehr dabei und die Serie wird zu einer ziemlich seifig anmutenden Geschichte. Die wunderbare erste Staffel, die so herrlich altmodische Episodentitel wie „Gone to the Angels“, „The Future Hour“ oder „Something of Value“ hat und vor allem im trübe, verregneten englischen Landschaften zwischen Cottages und Schlößchen spielt, ist auch heute noch einen Blick wert. Auch ganz unabhängig von der Schweinegrippe.

Survivors, Series 1, BBC, 1975, imdb, auf DVD erhältlich (UK Import)