So, jetzt isses wieder mal vorbei, dieses DSDS. Ich habs mir angeschaut, also das Finale, die Castings und alles bis zur ersten Mottoshow. Danach wirds mir meist zu langweilig, auch wenn sich RTL in diesem Jahr alle Mühe gegeben hat, außerhalb der Singerei für Unterhaltung zu sorgen. Interessiert mich aber nicht so.

Bei einer Tagung in Köln hatte RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger kürzlich mal son bisschen über DSDS und sein aktuelles Konzept geplaudert: „Danach haben wir dann die Kandidaten ausgesucht [nach dem Soap-Konzept]. Da mache ich überhaupt keinen Hehl draus. Die Vision war schon, eine junge Schlagersängerin zu haben, wenn wir sie finden. Die Vision war schon, einen Forrest Gump-Typen am Piano zu finden.“ (dwdl)

Jaja, so ist das also, alles von langer Hand geplant. Warum auch nicht: Vanessa Neigert udn Holger Göpfert waren schon ganz lustig, das muss man sagen. Wenn ich auch sagen muss (und bereits gesagt hatte, dass mir diese Holger Göpfert-Sache ein bissel aufgestoßen ist).

Ich glaub, die Sache, warum mir persönlich die Mottoshows nicht gefallen, das liegt gar nicht an mir (weil The X-Factor finde ich ja ziemlich klasse, wie ich ständig hier schreibe). Die Mottoshows sind für mich (28, männlich) gar nicht gedacht. Kann sein, dass RTL das weiß, vielleicht sogar mir Absicht macht.

Letzte Woche hat die LA Times über American Idol geschrieben, weil da die Zuschauer unglaublich schnell alt geworden sind: Idol könnte sich zu einer Varitee-Show für nostalgische Baby Boomers (das sind die nach dem 2. Weltkrieg Geborenen) entwickeln. Und als ich gestern das Finale von DSDS sah, und wie alle Kandidaten da diesen Song aus „Dirty Dancing“ gesungen haben (bei Carmen Nebel gabs kurz danach ironischer Weise auf dem ZDF auch „Döhrdie Dancing“), das war ja auch irgendwie Varitee. Und na gut, es hat mir gefallen, vor allem auch die Präsentation, also wie sich da die Kameras bewegt haben und der Schnitt, und das Licht, und das Bühnenbild. Nicht schlecht.

Nicht gefallen hat mir der wohl (vor allem gesanglich) beste Auftritt des Abends, nämlich als Daniel Schuhmacher den Siegertitel „Anything But Love“ gesungen hat. Da hab ich so gedacht, hmm, das ist gut, aber irgendwie bin ich hier falsch. Ist doch eher was für die Muttis der Nation. Wahrscheinlich ist das auch beabsichtigt, weil die ja eher die Singles kaufen. Meiner Generation sagt man ja eher nach, dass wir die Musik aus dem Internet klauen, und naja Dieter Bohlen hat, wie er mal bei Kerner erzählt hat, da ja auch gar nix gegen.

Fest steht jedenfalls, dass mehr Leute, also auch außerhalb der frei erfundenen Zielgruppe der 14- 49-Jährigen (den Gag habe ich Michael vom Fernsehlexikon geklaut) DSDS schauen, als diese seltsamen Shows auf ARD und ZDF. Ich hab beim zappen gestern mal reingeschaut, als auf RTL Werbung war, also bei Carmen Nebel jetzt und war schockiert, weniger allerdings wegen dieser biederen Sendung, sondern mehr weil meine große Liebe (als ich 11 Jahre alt war), nämlich die Sängerin Sandra (Hiroshima), da mit Thomas Anders aufgetreten ist. Und naja, die sah ganz anders aus, als ich sie in Erinnerung hatte. (Thomas Anders sah aber aus wie immer, was das Bild natürlich auch in gewisser Weise unterstrichen hat)

Zurück zu DSDS: Man kann das ja arrogant nennen, wenn man, also ich, sagt: Dieses Carmen Nebel-Zeug, das ist ein Schrott und so. Weil, die tun ja auch nix böses. Aber ich hab mir da immer gedacht, eigentlich haben doch die Leute ein besseres Programm verdient. Und vielleicht sehen die Leute das auch so und schalten deswegen lieber DSDS ein, und RTL hat das verstanden, dass man sich nicht nur auf die Zielgruppe konzentrieren soll, sondern eben auch auf die „Baby Boomers“, was in Deutschland eher die „Wir hatten doch nix“-Leute sind. Jetzt haben sie was: Daniel Schuhmacher.

Das ist also mein DSDS-Fazit. DSDS ist für Leute, die älter sind als ich. Das ist gar nicht für mich gemacht. Und das ist auch gut so. Man kanns ja trotzdem gucken, wenn grad nix anderes läuft. Schlecht gemacht isses ja nicht. Ansonsten fühle ich mich bei „The X-Factor“ besser aufgehoben. Gibt halt für jeden was.

tvkritikundso

Advertisements