Premiere wird vermutlich einen neuen Namen bekommen. Das geht aus Medienberichten vom heutigen Tage hervor (ard). Demnach soll Premiere in „Sky Deutschland“ umbenannt werden – Sky ist die Marke des Medienmoguls und Premiere-Großaktionärs Ruper Murdoch, unter der er in Großbrittanien ein eigenes Pay-TV-Angebot anbietet. Hintergrund der Umbenennung ist auch, dass man herausgefunden habe, dass das Geschäft der Pay-TV-Plattform Premiere nicht vom Namen abhänge. Im Internet wird bereits seit Monaten heftig spekuliert, wie es mit Premie weitergeht.

Noch niemand weiß, welche Änderungen es daher in Zukunft bei den Programmpaketen von Premiere geben wird. Es gilt, soweit ich informiert bin, als unwahrscheinlich, dass beliebte Pakete wie Film oder Bundesliga weiterhin so günstig wie derzeit (20 Euro pro Monat) zu haben sind. Eher denkbar ist, dass es ein unattraktives Basispaket geben wird, und man die attraktiven Programmpakete zusätzlich buchen muss. (ohne Gewähr)

Pay-TV in Deutschland hat seit jeher einen schweren Stand. Das hängt vor allem damit zusammen, dass der Free-TV-Markt in Deutschland bereits ein riesiges Angebot an Programmen enthält.

Im Studium habe ich mal eine Hausarbeit über Pay-TV geschrieben und darin folgende These aufgestellt:

  • Die Spezialisierung von Programmangeboten im digitalen Pay-TV führt zur Individualisierung der Mediennutzung

Tatsächlich hat diese These sogut wie gar nichts mit der Realität zu tun. Die Realität zeigt, dass Pay-TV-Anbieter ihr Geschäft letztlich auch mit dem Massenmarkt, also Bundesliga und Blockbustern machen wollen.

Diese These hat aber dann doch was mit mir zu tun, denn ich würde Geld dafür bezahlen, wenn ich nicht gezwungen wäre, irgendwelche Programmpakete zu abonieren, sondern mir mein Programm selbst aussuchen könnte (derzeit habe ich nur eine Flex-Karte, die nicht verlängerbar ist).  Bei dem nämlich, was ich da nachfragen würde, hat die Realität längst  das Pay-TV überholt.

Denn wer wirklich zusätliches hochwertiges Fernsehen will, der braucht heutzutage gar kein Pay-TV (außer für  exklusive Live-Events wie Bundesliga)  sondern nur einen Internetanschluß. Bei  Tauschbörsen wie eztv,  uknova oder thebox gibt es  all das , was erst viel viel später im Pay-TV läuft (und dann oft auch noch synchronisiert) quasi kostenlos, aber natürlich „illegal“. Aber ob legal, illegal oder scheißegal, das Herunterladen von TV aus dem Netz wird immer mehr zum Volkssport. Genau wie es bei der Musik war und ist.

Ein zukunftsweisendes Pay-TV-Angebot muss also für meinen Geschmack auf weltweite Gleichzeitigkeit setzen, dass heißt, die neuesten US-Serien müssen gegen Gebühr weltweit gleichzeitig mit der Erstausstrahlung im Pay-TV laufen (und nicht später auf einem deutschen Ableger eines US-Networks). Das würde das Herunterladen von Serien aus dem Internet wiederum zu einer moralisch echten Raubkopie machen und vernünftige Menschen würde statt dessen dafür bezahlen. Derzeit sehen viele  ja gar keine andere Alternative, als sich die Folgen aus dem Netz zu ziehen. Denn kein echter TV-Fan will sich von der Vermarktungslogik des Fernsehmarktes bevormunden lassen und monatelang warten, bis er die DVD importieren oder die Serie im Pay-TV sehen kann. Die Medien haben sich gewandelt. Premiere war stehen geblieben.

Ich rede jetzt mal noch weiter von einer perfekten Pay-TV-Welt (ohne die wirtschaftlichen und rechtlichen Zusammenhänge zu kennen): Warum soll man über Pay-TV nicht zum Beispiel auch an Filmfestivals teilhaben können, also etwa einmalig 100 Euro alle Filme zahlen, die in Cannes gezeigt werden. Warum kann man über Pay-TV keine ausländischen TV-Sender wie ITV, NBC oder CBS empfangen?

Wer Pay-TV weiter als Massenmarkt begreift, in dem Sinne, dass es vor allem um Programme geht, die viele interessieren (statt Einzelinteressen wie meine zum Beispiel zu bündeln) und auf eine Vermarktung setzt, wie sie gar nicht mehr zeitgemäß ist, der wird nie mehr Kunden bekommen, als Premiere derzeit hat. Ich finde, da müssen alle umdenken. Pay-TV muss attraktiver sein als Tauschbörsen im Netz, sonst funktioniert es nicht. Allein mit Bundesliga wird keiner reich.

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